Meine Top 15 aus dem Jahr 2019

Wieder ein Jahr rum und meine alljährliche Top-Liste der Kinofilme und Filme von Streamingseiten a la Netflix darf da natürlich nicht fehlen. Die Oscar-Filme der letzten Verleihung sind wie immer ausgeschlossen um die Liste nicht zu verwässern. In diesem Jahr sind das beispielsweise The Favourite, A Star is Born, Green Book usw. Ich habe wieder weit mehr als 100 Filme dieses Jahr im Kino gesehen und eine buntgemischte Liste zusammengestellt mit den für mich besten Filmen des Kinojahres.

Honorable Mentions die es nur knapp nicht auf diese Liste geschafft haben, sind unter anderem: Glass, Escape Room, Mid90s, Creed 2, Meisterdetektiv Pikachu, Rocketman, Godzilla 2, Long Shot, Late Night, Doctor Sleep, The Irishman, Shazam.

Breakout Star 2019

Ich habe mir überlegt, dieses Jahr mal einen kleinen Absatz dem Breakout-Star des Jahres zu widmen. Es hätte genauso gut Keanu Reeves sein können, der weiter in seiner Rekeanussaince ein grandioses Comeback feiert, aber ich habe mich für die gerade einmal 23-jährige Florence Pugh entschieden.

Innerhalb von 12 Monaten hat sie mit gleich 4 krass unterschiedlichen Projekten auf sich aufmerksam gemacht und für jeden dieser Filme bereits viel Lob kassiert. Ich find es immer faszinierend wie Hollywood funktioniert und plötzlich bis dato unbekannte Schauspieler hinter den Kulissen, wie durch Absprachen plötzlich das heißeste Eisen im Ofen sind. Als ob sich die Casting-Directors einmal wöchentlich zum Skypecall treffen und sich auf eine Person einigen, die sie für das kommende Jahr für jedes Projekt buchen.

Florence Pugh schafft es – SPOILER – gleich zweimal dieses Jahr auf meine Topliste. Mit dem Wrestling-Biopic über PaigeFighting with My Family”, weckte sie mein Interesse, mit Ari Asters „Midsommar“, konnte sie in einer weiteren Hauptrolle eines heißerwarteten Films auftrumpfen. Nächsten Monat startet mit Little Women der neue Film von Greta Gerwig, der eh halb Hollywood an den Lippen hängt und der bereits sehr viele positiven Kritiken bekommen hat. Als wäre das nicht genug, startet kurz darauf auch schon Black Widow, Scarlett Johanssons Solo-Marvel-Film. Dort spielt Florence Pugh ihre Schwester und schafft es also innerhalb eines Jahres nicht nur in den Indi-Hits der begehrtesten Regisseure zu spielen, sondern auch den Sprung in das mächtige Marvel Blockbusterkino. Ich bin gespannt was die kommenden Jahre für diese talentierte Schauspielerin bereit halten.

#15 Star Wars IX – Der Aufstieg Skywalkers

J.J. Abrams ist zurück auf dem Regiestuhl, um nach den bei Kritikern zwar beliebten, aber beim Publikum sehr umstrittenen The Last Jedi das Regieruder wieder zu übernehmen und die Skywalker-Saga nach satten 9 Teilen abzuschließen. Abrams galt hier wohl einfach als sicherste Wahl, da er mit Episode 7, der es 2015 noch bei mir auf die Spitzenplatzierung im Jahresranking einnahm, bereits bewies, dass er zwar nicht wie Rian Johnson super mutig mit der Marke umgeht, aber trotz der großen Parallelen zur originalen Trilogie, einen soliden Star Wars Film drehen kann. Disney kam das wohl jetzt für Episode 9 ganz recht, um die zuletzt große Kritik an der Franchise nicht weiter zu befeuern. Zusätzlich hatte er die Mammutaufgabe Carrie Fisher nach ihrem Tod möglichst würdevoll zu integrieren und auch ihre Rolle zufriedenstellend abzuschließen.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers ist bei bestem Willen nicht perfekt und auch nicht der beste Teil der neuen Trilogie, aber es ist dennoch ein solider Abschluss, der mir gut gefallen hat. So gibt es stellenweise übertriebenen Fanservice, Szenen die nur für die Optik Sinn ergeben aber keinesfalls inhaltlich, Nebencharaktere, die man jetzt nach zwei verpassten Chancen auch wirklich komplett auf die stille Treppe der Belanglosigkeit setzt, sowie den ein oder anderen unnötigen Diss gegenüber Rian Johnsons The Last Jedi und ein ständiges Zurückrudern und Rechtfertigen für die Entscheidungen des Vorgängers. Man merkt dieser Trilogie sehr deutlich an, dass es merkwürdigerweise kein einheitliches Konzept zur übergreifenden Geschichte gab. Ich find es cool, dass die Regisseure nahezu freie Hand hatten, aber irgendwie sollten doch alle Beteiligten wissen, wo Figur X in Episode 7 ist und wo sie in Episode 9 sein sollte und nicht für jeden Film eine 180° Wendung machen.

Doch warum gefiel mir The Rise of Skywalker dennoch? Nach wie vor funktionieren die Hauptdarsteller Daisey Ridley, John Boyega, Adam Driver und Oscar Isaac sehr gut. Nicht nur sind die Darsteller super, sondern auch ihre Charaktere und ihre Onscreen-Chemie sind große Pluspunkte. Endlich haben Rey und Poe paar Szenen zusammen und ecken prompt mit ihren unterschiedlichen Wesen aneinander, was gerade im ersten Drittel einige gute Dialoge mitbringt. Der interessanteste Charakter der neuen Trilogie bleibt auch im dritten Teil Kylo Ren, den Adam Driver die nötige schauspielerische Klasse gibt. Jede Szene mit ihm ist ein Highlight.

Auch Leia bekommt ihren würdigen Abschied. Man merkt zwar permanent, dass man mit Archivmaterial und Tricks gearbeitet hat und auch nicht immer alles rund wirkt, aber ich war zufrieden so wie es umgesetzt wurde. Besser als sie im Abschluss der Reihe nicht dabei zu haben. Rest in Piece, Dear Princess. Die Nebenrollen hingegen werden konsequent ignoriert und bleiben maximal Stichwortgeber, was zwar schade ist, aber in Anbetracht dessen was alles geleistet werden musste bei den wirklich wichtigen Protagonisten gerade noch zu verzeihen.

Das letzte Drittel, das große Finale, gibt uns dann noch einmal alles was wir als Fans lieben an Star Wars: Schlachten und Konflikte an mehreren Schauplätzen, Laserschwerter in Action, Emotionen und lesbische Küsse.

#14 Wir

Wir beziehungsweise Us ist Jordan Peeles langersehntes zweites Filmprojekt. Der Regisseur, der eigentlich mit seinem komödiantischen Talent Berühmtheit erlangte, bot uns vor zwei Jahren mit Get Out ein phänomenales Regiedebüt, das sowohl Horror-, Thriller- und Comedy-Elemente kombinierte und nicht nur einen guten Film erschuf, sondern auch eine Gesellschaftskritik. Verdientermaßen führte das neben vielen anderen Auszeichnungen auch zum Oscar für das beste Drehbuch.

Wir geht in eine ähnliche Richtung und kann mit einem stark aufspielenden Cast, vor allem Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong’o sticht hier mit einer sehr vielschichtigen Performance heraus, und einer komplexen Geschichte punkten. Das Drehbuch ist voll mit Doppeldeutigkeiten, Hinweisen, Wendungen, Hommagen und coolen Ideen.

Bei meinem zweiten Kinobesuch hat mir der Film sogar nochmals deutlich besser gefallen als beim ersten Ansehen und Längen im ersten Akt kamen mir gar nicht mehr so schlimm vor. Viel mehr konnte ich mich auf die besagten Details konzentrieren und selbst nochmehr interpretieren.

Wir ist wieder so ein Film, der ungemein davon lebt mit Freunden darüber zu diskutieren, Lösungsansätze auszutauschen und auch das Internet zu Rate zu ziehen für Interpretationen und Details, die dir im Kino entgingen. Damit hatte ich viel Spaß und hat den Film auch für mich aufgewertet. Dennoch muss ich sagen, dass Wir zwar deutlich mehr erzählen will als es noch bei Get Out der Fall war, aber dadurch auch eine Reihe von Logiklöchern mit sich bringt, die mir dann doch auch negativ auffielen. Diese Ungereimtheiten zerstören mir nicht diesen geilen Film, machen ihn aber weniger rund als Jordan Peeles Erstlingswerk.

#13 John Wick 3

Wow, wer hätte gedacht, dass der dritte Teil einer Reihe die Messlatte für das Franchise nochmals so hochsetzen würde? In John Wick 3 bekommen wir so viel mehr als das übliche charakteristische Gun-Fu. Keanu Reeves entledigt sich seiner Widersacher mit Hilfe von Messern, Büchern, Hunden, Pferden, Schwertern, Pistolen und im Prinzip allem anderen Kram.

Alles toll choreographiert und stilvoll inszeniert, wie man es gewohnt ist. Auch Neuzugänge wie Halle Berry oder auch Asia Kate Dillon, die mich mit ihrer Rolle in der grandiosen Serie Billions Woche für Woche begeistert, haben gut funktioniert.

Teil 3 knüpfte nicht nur nahtlos an den Vorgänger an, sondern macht dieses Mal auch einen absoluten Deep Dive in die Lore der „John Wick“-Welt, die bis dato häufig nur angedeutet wurde. Ich finde diese Welt zwar sehr spannend und wollte auch immer mehr Lore, aber am Ende war es mir fast schon zu viel, zu überfrachtet und immer noch eine Münze und Regel wird aus der Tasche geholt, wenn sie gerade gut ins Drehbuch passte. Generell war das große Finale irgendwann auch ermüdend.

Doch all das zum Trotz hat mir John Wick 3 sehr gut gefallen und im westlichen Markt gibt es abgesehen von Mad Max: Fury Road keinen besseren Actionfilm. Nach bereits einem erfolgreichen Wochenende an den Kinokassen haben die Macher auch direkt Teil 4 angekündigt und sogar ein Spin-Off zu den Ballerinas scheint angedacht zu sein. Ich bin gespannt.

#12 Plötzlich Familie

Instant Family wie er im Original heißt steht hier stellvertretend für die guten und soliden Komödien dieses Jahr wie Long Shot, mit Charlize Theron und Seth Rogen, oder Late Night mit Emma Thompson und Mindy Kaling. Da Long Shot und Late Night aber bereits auf dem Schirm vieler Filmfans sind, habe ich mich für Plötzlich Familie entschieden, um ein wenig Aufmerksamkeit auf diesen Film zu lenken, der sonst in diesem langen Filmjahr unter dem Radar läuft.

Es handelt sich auf den ersten Blick um eine konventionelle Hollywood-Adoptionsgeschichte, doch bei näherer Betrachtung ist sie mehr und besser als das. Der Regisseur Sean Anders verarbeitet hier seine persönliche Geschichte und bietet uns nicht nur ein Drehbuch mit qualitativ hochwertiger Gagdichte, sondern auch vielen emotionalen Momenten, die dem Film Fleisch geben.

Klar gibt es auch einige plumpe Gags, aber die werden durch so manch bissigen Kommentar und smarten Witz ausgeglichen. Dabei beleuchtet Sean Anders auch den Adoptionsprozess und die damit verbundenen Hürden, was unsere Figuren durch die Bank weg nachvollziehbar und echt macht.

Der Cast rund um Rose Byrne, Mark Wahlberg und Isabella Moner / Merced ist nicht nur toll gewählt, sondern verkörpert ihre Figuren glaubwürdig. Auch Nebenfiguren wie Comedian Iliza Shlesinger können immer wieder im Film Highlights setzen. Besonders an Plötzlich Familie gefiel mir, dass selbst wenn, wie typisch für diese Filme, „Figuren aus der Vergangenheit“ auftauchen müssen, es nicht zu einer klaren schwarz-weiß-Trennung der Charaktere kommt und auch die komplexen, unterschiedlichen Facetten gezeigt werden, die bei solchen Schicksalen nun mal dazu gehören.

Instant Family kam bereits im Januar in unsere Kinos und konnte sich bis jetzt in meinem Gedächtnis halten, weil es ein echt schöner, warmherziger Film über Familie ist, den man nur mögen kann.

#11 Toy Story 4

Eine Filmreihe zu erschaffen, die durch die Bank weg quasi perfekt ist, ist in etwa gleichzusetzen mit dem Fund eines Einhorns. Solche Franchises lassen sich an einer Hand abzählen und wie Pixar es gelingt nach einer sich steigernden, grandiosen Trilogie diese Reihe nach 9 Jahren wiederzubeleben und mit diesem vierten Teil an die gewohnte Qualität mühelos anzuknüpfen gleicht Hexerei.

Die „Drachenzähmen leicht gemacht“-Trilogie, die ebenfalls dieses Jahr wieder einen sehr starken Film geliefert hat, hätte hier an dieser Stelle genauso stehen können wie Toy Story 4, nicht nur weil sie die beste Animationsreihe des letzten Jahrzehnts war, sondern weil sie durchaus der beste Animationsfilm 2019 hätte sein können.

Doch im Gegensatz zu Drachenzähmen, hat nach Toy Story 3 eigentlich niemand nach einer Fortsetzung geschrien. Zu gut war der Abschluss, zu perfekt der Filme umspannenden Storybogen. Doch wie Pixar selbst immer beteuert, würden sie es nicht wagen nur aus reiner Profitgier Toy Story auszugraben, sondern nur, wenn sie eine sehr gute Geschichte und Idee hätten. Und was soll ich sagen: in diesem Fall sollten sie Recht behalten.

Auch wenn einige Figuren nun im vierten Teil nicht mehr so viel zu tun bekommen wie früher, sind die facettenreichen Geschichten um Woody, Bo  Peep, Forky und Antagonistin Gabby Gabby umso besser. Sie sind tiefgründig, modern, clever und herzerwärmend. Pixartypisch spricht Toy Story nicht nur Kinder an, sondern sämtliche Altersgruppen und trotz extrem witzigem Humor, kitzelt der Film an anderen Stellen die ein oder andere Träne raus.

Auch tricktechnisch macht im Animationsbereich diesem Team niemand etwas vor – wie gewohnt sie alles schlicht grandios aus. Am Ende kann man einfach nur den Hut ziehen, wenn es einem Filmstudio gelingt, gleich vier Meisterwerke abzuliefern.

#10 Crawl

In den Flop15 habe ich unter meiner Kritik zu 47 Meters Down 2: Uncaged bereits angedeutet, dass es ein Tier-Horrorfilm unter die für mich besten Filme des Jahres geschafft hat. Hier ist er: Crawl. Auf dem Papier sollte er nicht funktionieren. Familie kämpft in ihrem Haus ums Überleben gegen Alligatoren, inszeniert von Alexandre Aja, Regisseur von Piranha 3D. Doch mich hat bereits der Trailer angesprochen und ich hatte die Hoffnung, dass ich am Ende nicht enttäuscht werden würde. Und das wurde nicht. Crawl war sogar noch besser als ich mir erhoffte.

Man bekommt einen erstklassig inszenierten, handwerklich toll konstruierten Action-Horrorfilm, der gelungen im Setting einer Naturkatastrophe verankert ist. Alexandre Aja nutzt die quasi einzige Location des Films, das Haus der Familie, mehr wie einen Charakter und nicht nur wie ein herkömmliches Set. Man lernt im Verlauf von Crawl die Räumlichkeiten und Architektur des Hauses gut kennen, kann die Handlung dadurch gut nachvollziehen. Die Geschichte wirkt natürlicher und authentisch.

Das hat mich ein wenig an Don’t Breathe (2015) erinnert, der das auch so handhabte auch wenn die Prämisse eine andere war. Crawl zieht mit zunehmender Spieldauer auch ordentlich die Spannung an und einige sehr starke Momente, die durch das starke Sound-Design und die meiner Meinung nach gelungenen CGI-Alligatoren gekonnt untermalt werden.

Im Gegensatz zu den meisten Vertretern dieses Genres waren mir die Figuren weder unsympathisch, noch völlig egal. Ich war durchaus interessiert an dem losen Drumherum der Charaktere. Für mich war Crawl in diesem Jahr eine dieser Überraschungen, die man nicht schon 12 Monate vorher auf dem Schirm hatte.

#9 Midsommar

Mit seinem Langfilm-Debüt Hereditary – Das Vermächtnis hat Ari Aster im letzten Jahr ein fettes Zeichen gesetzt und direkt einen der besten Horrorfilme des letzten Jahrzehnts abgeliefert. Für mich war Hereditary darüber hinaus auch der beste Film 2018 und über jeden Zweifel erhaben. Jetzt stand 2019 mit Midsommar direkt sein zweites Werk an und die gesamte Filmwelt war gespannt darauf, ob es ihm gelingen würde, an diesen Erfolg und diese hohe Qualität anzuknüpfen oder ob er ein One-Hit-Wonder wird. Glücklicherweise scheinen wir hier mit Ari Aster tatsächlich einen neuen Hoffnungsträger unter den Regisseuren gefunden zu haben.

Midsommar ist fantastisch auch wenn er für mich alles in allem schwächer als Hereditary ist. Das größte Manko für die meisten Zuschauer wird die Länge von 2,5 Stunden, im Directors Cut sogar 3h, sein. Eine sehr lange Zeit in der ehrlich gesagt nicht viel passiert. Midsommar setzt darauf, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen und beim Publikum dieses Unbehagen auszulösen. Doch auch wenn zunächst nicht so viel passiert, entwickelt Ari Aster hier eine faszinierende Sogwirkung, die dann im letzten Drittel auch die letzten gelangweilten Besucher im Kinosaal wach rüttelt und verstört zurücklässt.

Über die virtuose Inszenierung Asters muss man eigentlich nicht viel mehr sagen. Es ist überragend, dass er handwerklich bereits so meisterhaft ist, obwohl er mit gerade einmal 33 Jahren noch am Anfang seiner Filmkarriere steht. Wie auch schon bei Hereditary funktioniert die Geschichte gewissermaßen auf mehreren Ebenen.

Man kann den Plot alleine auf seinen Horror runterbrechen und auf der anderen Seite sich auf die Beziehung der beiden Hauptfiguren fokussieren. Geschickt verwebt der Regisseur tragische Schicksalsschläge der Figuren mit der restlichen Geschichte. Getragen von starken schauspielerischen Leistungen – allen voran vom Breakthrough-Star des Jahres, Florence Pugh. Midsommar ist faszinierend, es gibt Szenen bei denen man aufgrund ihrer Skurrilität gar nicht genau weiß, ob man es witzig oder beängstigend finden soll.

Das finale Bild des Films brannte sich dann wie auch schon in seinem Erstlingswerk in mein Gedächtnis und so schafft es Ari Aster ein weiteres Mal auf meine Topliste und ein weiteres Mal zum besten Horrorfilm des Jahres.

#8 Marriage Story

Und noch einmal schafft es Adam Driver in meine Top15 dieses Jahr. Der Junge hat ein gutes Näschen für interessante Stoffe und das nötige Talent um jeden Film aufzuwerten. In Marriage Story erzählt Noah Baumbach in einem Drama wie ein Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat, scheiden lässt. Die beiden Eheleute spielen besagter Adam Driver und Scarlett Johansson. Beide spielen dieses starke Script so gut, dass Netflix einen weiteren Award-Contender sein Eigen nennen kann.

Das Drehbuch ist faszinierend: denn eigentlich trennen sich hier zwei Menschen, die ja in erster Linie Liebe füreinander gespürt haben und trotz einer eigentlichen Einigung über eine schlammschlachtfreie Scheidung, womit jeder glücklich ist, wird beiden Protagonisten durch das Rechtssystem in Amerika und ihren beratenden Anwälten Stück für Stück die Kontrolle darüber unter den Fingern weggerissen.

Kleinigkeiten, die nichts über die Eignung als Elter aussagen, werden plötzlich aus dem Kontext gerissen und aufgebauscht um vor Gericht zu punkten und immer mehr Grenzen überschritten. Unsere beiden Hauptfiguren lassen selbst in den ärgsten Streitgesprächen immer durchscheinen, dass sie doch eigentlich beide nur das Beste für Alle wollen und immer noch Liebe füreinander empfinden.

Manche Szenen sind als Zuschauer so schmerzhaft anzusehen, beispielsweise wenn eine Expertin bei Drivers Figur zu Hause ist, um zu überprüfen, ob er denn ein guter Vater ist. Auch die Nebendarsteller sind interessante Charaktere und gut in die Geschichte verwoben. Ob es Scarlett Johanssons Mutter ist, die eigentlich großer Fan ihres Schwiegersohns ist, oder ob es die drei Anwälte sind, die zwar alle das gleiche Ziel verfolgen, aber jeweils so unterschiedliche Ansätze verfolgen, so dass man keine Zuordnung in „Böse“ oder „Gut“ machen kann, sondern einfach auch dieses System hinterfragen muss, das im Prinzip nicht zulässt sich in „Würde“ scheiden zu lassen.

Marriage Story ist eine Überraschung dieses Jahr und Drehbuch sowie Hauptdarsteller gute Anwärter für die Award-Saison.

#7 Le Mans 66: Gegen jede Chance

Nach dem herausragenden Logan, der es vor 2 Jahren auf meine #1 der Top-Liste schaffte, hatte Regisseur James Mangold bei mir erstmal einen Stein im Brett. Für sein Folgeprojekt Le Mans 66 bzw. Ford v Ferrari im Original, verlässt James Mangold die bekannten Gewässer der Comicverfilmungen und wagt sich erstmals an einen biographischen Stoff.

Mit dabei ist zwar nicht sein Stammschauspieler der letzten Jahre, Hugh Jackman, aber dafür die noch größeren Matt Damon und Christian Bale, die wieder einmal zeigen was sie draufhaben. Vor allem Chamäleon Bale geht wie gewohnt völlig in seiner Rolle des genialen aber schwierigen Ken Miles auf, der zusammen mit Matt Damons Carroll Shelby als Underdog den Kampf gegen Ferrari annimmt.

Dass das Wettrüsten nicht nur zwischen Russland und den USA stattfand und zwangsläufig nur um Waffen oder den Weltraum ging, bescheinigt Le Mans 66 auf seiner langen Spielzeit von 160 Minuten eindrucksvoll. Getrieben von angeknacksten Egos weißer, alter Männer entspann sich in den 1960er ein Kampf um den Titel des besten Autoherstellers der Welt. Kann es den Amerikanern von Ford gelingen die Übermacht im Renngeschäft durch die italienischen Ferrari aufzubrechen, oder muss man sich geschlagen geben und die Niederlage eingestehen?

Mangold gelingt es dieser Frage sehr eindrucksvoll, wenn auch lang, auf den Grund zu gehen und inszeniert einen spannenden Film über den Rennsport. Wie auch schon bei Rush von Ron Howard, den ich als Geheimtipp an dieser Stelle nur empfehlen kann, gelingt es Le Mans 66 eine Balance aus packenden Rennszenen und Charakterdrama drumherum zu etablieren.

Es geht nicht nur um Autos. Es geht vor allem auch um Charaktere, die Philosophie des Rennsports und das Machtgeplänkel großer Egomanen, die sich selbst die größten Steine in den Weg legen. Le Mans 66 musste auf diese Liste.

#6 Booksmart

Eine ganze Weile mussten wir in Deutschland warten, bis auch wir die viel gelobte Komödie über zwei beste Freundinnen, die alle Partys ihrer Collegezeit innerhalb einer Nacht nachholen wollen, auch im Kino sehen konnten. Doch das Warten hat sich gelohnt. Das Regiedebüt von Schauspielerin Olivia Wilde ist ein echt starker Film, der auf sämtlichen Ebenen funktioniert und gleichzeitig ein fettes Ausrufezeichen hinter die Fähigkeiten von den Frauen Hollywoods setzt.

Das Drehbuch wurde von einem weiblichen Quartett geschrieben und punktet mit vielen interessanten Ideen und klugen Dialogen, Olivia Wildes Regie ist für ein Erstlingswerk überraschend klar und fokussiert. Allein die Pool-Szene ist grandios inszeniert und gehört für mich zu den besten Momenten des Kinojahres.

Zu all diesen starken Argumenten kommen dann noch die herausragende Besetzung, die bis zum letzten Nebendarsteller gut gewählt ist. Allen voran natürlich die beiden Hauptdarstellerinnen Kaitlyn Dever und Beanie Feldstein, die wie Arsch auf Eimer zu diesen Rollen passen und ein echter Glücksgriff waren.

Beiden gelingt es nicht nur ihr perfektes Comedytiming unter Beweis zu stellen, sondern auch in den ernsten, dramatischen Szenen, siehe die Streitszene, den Ball nicht fallen zu lassen. So verlieren sie uns als Zuschauer nicht durch eine unglaubwürdige Performance und die teils tiefgründigen, moralischen Aspekte des Drehbuchs erhalten das nötige Gewicht, um dennoch zu funktionieren. Zerbrechlich und gleichzeitig bad-ass.

Booksmart ist eine großartige Komödie und für mich die beste des Jahres, die jeden Support verdient hat, um den Entscheidern in Hollywood zu zeigen, dass es sich lohnt Frauen ans Ruder und ihre Perspektive in die Stoffe einfließen zu lassen.

#5 Avengers: Endgame

Eine Ära findet nach 11 Jahren und 22 Filmen ihr Ende und Marvels Cinematic Universe kommt zum Schluss ihrer offiziell dritten Phase. Ironman aus dem Jahr 2008 gilt als der Anfang dieser langlebigen Filmreihe und bot mit Robert Downey Jr. das perfekte Casting nicht nur für den Charakter, sondern auch als Schirmherr des gesamten MCUs

Als im Jahr 2012 Joss Whedons The Avengers in die Kinos kam, war er mit gerade einmal 6 Superhelden bereits das ambitionierteste Crossover der filmischen Comic-Geschichte und man dachte nicht, dass noch mehr gehen würde. Unvorstellbar, dass wir bereits 7 Jahre später von mehr als 40 Superhelden in einem Film sprechen und der Film dennoch funktioniert.

Großen Anteil daran haben vor allem Kevin Feige und die Russo Brothers. Feige, weil er das Mastermind hinter dem MCU ist. Er ist der Supervisor, der die Roadmap für dieses gigantische Unterfangen hatte; welche Helden dabei sein sollten, wer wann seinen Film bekommt, wie man die einzelnen Geschichten möglichst stimmig verknüpft und letztlich eine 22 Filme umspannende Geschichte konstruiert, die jedem Helden sein individuelles Spotlight lässt und am Ende doch die Stakes so hoch setzt, so dass man als Zuschauer am Ball bleibt und investiert ist in die Charaktere und ihren Geschichten.

Die Russo Brothers hingegen kamen erst die letzten Jahre ins Spiel und haben nicht nur mit Captain America: Return of The Winter Soldier, Captain America: Civil War, Avengers: Infinity War und nun Avengers: Endgame einige der insgesamt besten Filme der Reihe geschaffen, sondern auch das gesamte Genre auf ein neues Level gehoben. Sie haben sich mit ihrer Detailverliebtheit, Liebe zum Genre und den Fans unsterblich für viele gemacht und ich bin so verdammt gespannt, was für Projekte sie in Zukunft umsetzen.

Bei meinem ersten Kinobesuch hat mich die recht ungewohnte Struktur ein wenig kalt erwischt. Infinity War war ein reines zweieinhalb Stunden Action-Fest mit vielen Schauwerten und einem starken Pacing. Endgame hingegen setzte zwar wenig überraschend an den dramatischen Ereignissen des Vorgängers an, aber mit einem relativ langsamen ersten Akt, der uns zeigt wie unsere Helden die Geschehnisse jeder für sich verarbeiten. Ich fand es nicht schlecht aber mein Mindset war beim ersten Mal wohl einfach noch zu sehr auf die Action gepolt und dementsprechend fast gelangweilt.

Beim zweiten Anschauen wiederum, ist mir dieser Part, wohlwissend was mich erwartet, gar nicht mehr unangenehm gewesen. Ich konnte es mehr genießen. Generell hat Endgame im Vergleich zu sämtlichen Marvel-Filmen wohl anteilig die wenigste Action zu bieten.

Der zweite und dritte Akt jedoch hatte mich von Beginn an. Das lag zum einen daran, dass sowohl die witzigen als auch emotionalen Momente fast immer einen Nerv trafen und zum anderen am Drehbuch, das meiner Meinung nach häufig mit den Erwartungen vorab als auch während des Films brach. Für einen Film aus dem MCU ist es schon sehr ungewöhnlich 3h lang relativ unvorhersehbar zu sein und vor allem dann auch noch zu funktionieren.

Es gab im gesamten Film eigentlich nur eine Szene, die ich wirklich furchtbar fand, was meinen Gesamteindruck aber nicht wirklich schmälert. Das große Finale hatte dann alles zu bieten. Starke Action fürs Auge und emotionale Höhepunkte, die mir mehr als einmal Gänsehaut bereiteten. Eventuell hatte ich auch hier Wasser unter meiner Taucherbrille und dabei bin ich nicht mal so sehr verknüpft mit diesen Figuren, wie es wirkliche Hardcore-Fans der Comics sind.

Nichtsdestotrotz bekamen mich diese Szenen, weil sie so perfekt inszeniert waren. Den Russo Brüdern und Kevin Feige gelingt dieses Crossover der Superlative mit Bravour. Die Charaktere und die Zuschauer bekommen ihren würdigen Abschluss und einen der besten Filme aus dem MCU jemals und die Fans zahlen es mit 2,8 Mrd Dollar an den Kinokassen zurück. Danke.

#4 Fighting with my Family

Ein paar vereinzelte Meinungen zu Fighting with My Family haben es bereits Wochen vor Deutschland-Start hierher geschafft und überhäuften das Wrestling Biopic zu Paige und ihrer Familie mit viel Lob. Der Film wurde unter anderem von Wrestling-Legende Dwayne „The Rock“ Johnson und der WWE selbst produziert.

Die Regie sowie das Drehbuch übernahm Stephen Merchent, den man sonst vor allem als Autor von The Office oder auch als Stimme von Wheatley des Videospiels Portal 2 kennt.

Mir hat Fighting with My Family nicht nur sehr gut gefallen, sondern es hat mir das Thema Wrestling, in das ich nie besonders emotional investiert und interessiert war, ein Stück näher gebracht. Es war ein sehr gut ausbalancierter Genre Mix aus Drama und Comedy.

Zudem empfand ich den Film als nicht zu plakative, einseitige Dauerwerbesendung für die WWE oder The Rock. Sicherlich hat the Rock 1-2 prominente Auftritte bekommen und der WWE wird kein Haar gekrümmt, doch dennoch bleibt hier alles im Rahmen und der Werdegang Paige’s und ihrer Wrestling Familie steht im Mittelpunkt.

Sämtliche Charaktere sind gut geschrieben und recht nah an der Realität, wenn man sie mit den echten Aufnahmen am Ende des Films vergleicht. Mit Nick Frost, Lena Headey, Stephen Merchant und Vince Vaughn gibt es zwar einige namenhaften Schauspieler, die hier wie gewohnt ihr Talent unter Beweis stellen und diese kautzigen, liebevollen und völlig Wrestling verrückten Figuren zu Leben erwecken, doch niemand überschattet Shootingstar Florence Pugh, die hier als Paige brilliert. Fighting with My Family ist eine typischer Underdog-Geschichte von hoher Qualität und viel Herz.

#3 Once Upon a Time in Hollywood

Tarantino hat wieder abgeliefert. Man weiß relativ genau was man von einem typischen Tarantinofilm zu erwarten hat und trotzdem gelingt es ihm das Publikum gerade dieses Mal ein wenig an der Nase herumzuführen. Als bekannt wurde, dass Once Upon a Time in Hollywood zur Zeit der Manson Morde spielen würde, hat man sich die abstrusesten Varianten vorstellen können, doch am Ende kam alles ganz anders.

Hauptsächlich geht es einfach um Rick Dalton, einem Filmstar, dessen Karriere auf dem absteigenden Ast ist und seinen treuen Freund und Stuntdouble Cliff Booth. Die Wege der beiden kreuzen dabei ab und zu die der Manson-Killer.

Wie gewohnt holt Quentin Tarantino mit seinem Drehbuch samt toller, bissiger Dialoge alles aus seinen Allstars raus. Allen voran natürlich die beiden Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio und Brad Pitt. Während Brad Pitt mit seiner knallharten und kompromisslosen Art die meisten Lacher des Publikums auf seiner Seite hat, kann DiCaprio vor allem mit sehr nuancierten Momenten glänzen und gleichzeitig eine gewisse Hollywood-Filmbranche-Metaebene bedienen wie kein Zweiter. Inszenatorisch ist der Film auch eine Wucht, die eigens angefertigten Straßenzüge des 60er Jahre Hollywoods bzw. Los Angeles sowie die dazugehörigen Autos sind wunderschön.

Zusätzlich gefielen mir dann auch besonders die Szenen, wenn DiCaprio am Set ist und wir quasi einen Film im Film im Film bekommen und der Film mit den Ebenen bricht. Die Szene auf der Ranch der Masonjünger war auch einfach super spannend inszeniert und dann wäre da noch das Finale.

Die letzten 15 Minuten die noch mal alle Erwartungen über den Haufen werfen und meiner Meinung nach einem perfekten Ende zu diesem Film nah kommt.

#2 Joker

Der Joker gilt als einer der beliebtesten und besten Gegenspieler in der Popkultur. Stars wie Jack Nicholson, Heath Ledger und Mark Hamill haben ihn bereits porträtiert. Dieses Jahr bekam Joaquin Phoenix die Chance in die Oscar-prämierten Fußstapfen Heath Ledgers zu treten und unter der Regie von Hangover-Regisseur Todd Phillips den Clown Prince of Crime zu verkörpern. Unabhängig von der eigentlichen Qualität des Films, mussten sich die Beteiligten permanent erklären und sich den Vorwürfen stellen, dass ihr Film psychisch labilen Menschen als Auslöser dienen könnte für beispielsweise Amokläufe. Viele Kritiker haben den Film auch dafür abgestraft.

Ich finde diesen Versuch Kunstschaffenden vorzuschreiben was sie machen dürfen und was nicht immer schwierig. Labilen Menschen mit psychischen Problemen, könnten sich von alles und jedem getriggert fühlen. Sie könnten in eine Textzeile eines Katy Perry Songs mehr reininterpretieren oder ihre Probleme auf Allesmögliche projizieren. Deswegen nun alle Medien zu zensieren, weil sich irgendjemand angegriffen fühlen könnte, ist doch Quatsch. Vor allem wenn man ein gewaltiges Problem mit Waffengesetzen hat, das es vielleicht eher zu lösen gilt, doch das ist eine Diskussion für einen anderen Tag.

Denn Joker ist ein handwerklich ganz hervorragender Film geworden, der sich ganz offen bei den beiden Scorsese Filmen Taxi Driver und The King of Comedy bedient und nicht nur dem Hauptdarsteller beider Filme, Robert DeNiro, eine Schlüsselrolle in Joker gibt, sondern auch zunächst mit Martin Scorsese als Produzent plante. Und auch wenn das letztlich nicht zustande kam, merkt man seine Einflüsse an jeder Ecke. Gotham sieht noch mehr als je zuvor wie ein New York der 70er/80er aus, das Drehbuch bietet viele Parallelen zu seinen Werken und die Figur des Jokers wird nur durch seinen Namen zum Comicuniversum gezählt, weil sie auch genauso gut eine Scorsese Figur sein könnte.

Joaquin Phoenix dominiert diesen Film. Seine Performance macht den Film. Er geht wieder einmal vollends in seiner Rolle auf und hat sich ähnlich wie Christian Bale kurzerhand 23 Kilo für diese Rolle abgehungert. Dass dieses extreme Gewicht-Yo-Yo natürlich nicht gesund für den Körper ist, ist klar, aber ehrlich gesagt hat es seiner Rolle Arthur Fleck wirklich geholfen.

Dieser abgemagerte, krankanmutende Körper und die schlechte Körperhaltung tragen dazu bei, dass wir als Zuschauer gleichermaßen verängstigt sind als auch gewisse Sympathien für ihn empfinden, vor allem wenn er als Punchingball einer ganzen Gesellschaft und eines korrupten Systems herhalten muss, das die Schere zwischen arm und reich nur größer werden lässt. Figuren wie Arthur Fleck fressen in einer solchen Gesellschaft nur noch Scheiße und da sich jeder mal im Leben unfair behandelt oder zurückgelassen fühlt, erreicht das automatisch viele Zuschauer.

Für diese Rolle wie sie hier angelegt ist, braucht man einen starken Schauspieler und Joaquin Phoenix‘ Schauspiel ist ein weiteres Mal absolut brillant und die seit Release von Millionen Fans geforderte Oscarnominierung scheint mir mehr als realistisch. Zumindest wenn es nur um die Schauspielleistung und keine politische Agenda oder Vorbehalte ginge.

Die Kombination aus grandiosen, wunderschönen Bildern einer dreckigen Stadt und Gesellschaft, sowie einem zur Bestform aufgelegten Joaquin Phoenix entwickeln mit jeder Minute eine stärkere, hypnotisierende Sogwirkung, die mit akzentuierten Gewaltspitzen zu einem Finale führt, das einen ganz speziellen Vibe hat und man auf einer Welle dieser Stimmung mitschwimmt. Mir hat Joker sehr gut gefallen und ich hoffe es gibt trotz der unfassbaren mehr als 1 Milliarde Dollar keine Fortsetzung.

#1 Parasite

Virtuos inszeniertes Meisterwerk von Bong Joon Ho, der zuletzt mit Filmen wie Snowpiercer & Okja zwar immer coole Ideen hatte, doch in letzter Konsequenz immer Etwas fehlte, um das Ganze richtig rund zu machen. Diese Meisterleistung und Rückkehr zu alter Stärke gelingt ihm dieses Mal mit Parasite meines Erachtens nach zu hundert Prozent.

Weg vom hochkarätigem Hollywoodcast seiner letzten Projekte, erzählt Bong Joon Ho hier eine kleine, aberwitzige und gleichzeitig bedrückende koreanische Geschichte über die größer werdende Schere zwischen arm und reich. Das alles bis auf seinen Stammschauspieler Kang-ho Song mit einem für westliche Verhältnisse eher unbekanntem Cast.

Parasite ist einer dieser perfekt in Szene gesetzten Filme, die durch die Fähigkeiten an der Kamera, Ausstattung und das Set-Design aus jeder Einstellung ein Bildschirmschoner-Motiv entstehen lässt. Zum Beispiel die Wohnung der Protagonisten oder Stichwort „Regenfall“ stellten für mich immer wieder optische Highlights dar. Das Schauspielensemble spielte sehr stark auf und gerade die Schauspielerinnen stachen durch ihr Spiel heraus und brachten diese einzigartige Geschichte überragend auf die Leinwand.

Mir gefiel eben genanntes Drehbuch besonders gut, weil es neben der kreativen Geschichte mit seinem straffen, nahezu perfektem Pacing dafür sorgte, dass sich dieser 2h-Film für mich zu keinem Zeitpunkt bei meinen beiden Kinobesuchen so anfühlte. Oft neigt das asiatische Kino eher zu einem gemächlichen Tempo – bei Parasite sucht man das vergebens.

Wenn möglich würde ich die original koreanische Version mit Untertiteln vor der deutsch synchronisierten Variante bevorzugen, aber dennoch kann ich Parasite nur jedem Filmfan, der offen für koreanisches Kino ist, wärmstens empfehlen. Bestenfalls keine Trailer sehen und einfach überraschen lassen. Das Filmfestival in Cannes hat er bereits gewonnen, den Favoritenstatus bei den Auslands-Oscars hat er für mich nun auch Inne.

In 2017 haben es die Koreaner mit Die Taschendiebin noch knapp verpasst, die #1 auf meiner Top-Liste zu ergattern. Parasite gelingt es nun und bestätigt wieder einmal, wie gut koreanisches Kino sein kann.

Meine Flop 15 aus dem Jahr 2019

Wieder ein Jahr rum und meine alljährliche Flop-Liste der Kinofilme und Filme von Streamingseiten a la Netflix darf da natürlich nicht fehlen. Die Oscar-Filme der letzten Verleihung sind wie immer ausgeschlossen um die Liste nicht zu verwässern. In diesem Jahr sind das beispielsweise The Favourite, Green Book, A Star is Born usw. Allgemein kann man über das Filmjahr 2019 sagen, dass es wohl ein wenig stärker als 2018 war und wir mit Avengers: Endgame und Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers zwei gigantische Abschlüsse einer Franchise bekommen haben. Nichtsdestotrotz habe ich wieder weit mehr als 100 Filme dieses Jahr im Kino gesehen und einige Flops entdeckt, um die ihr möglichst einen großen Bogen machen solltet.

Honorable Mentions die es nur knapp nicht auf diese Liste geschafft haben, sind unter anderem: Annabelle 3, Stuber, Anna, Playmobil, Hustlers und Wenn du König wärst.

#15 Hard Powder

Solides aber unnötiges US-Remake des erst vor 5 Jahren veröffentlichten Einer nach dem anderen, das vor allem, wenn nicht einzig allein, durch die Aussagen des Hauptdarstellers Liam Neeson den Weg in die Öffentlichkeit fand. Der Schauspieler überraschte während der Pressetour nicht nur Journalisten sondern auch seinen neben ihm sitzenden Kollegen, als er während eines Interviews zum Rachethriller über ein altes Trauma seiner besten Freundin sprach, die damals von einem Migranten vergewaltigt wurde, woraufhin Neeson, von Wut und Rachegelüsten gesteuert, durch die Straßen zog und mit den Gedanken spielte, willkürliche Männer, die optische Ähnlichkeiten zum Täter besaßen, zu töten.

Vor allem sprach er danach auch darüber wie sehr er sich für diese Gedanken noch heute schämt und wie froh er ist, dass er damals niemanden fand, aber das interessierte die Presse damals schon nicht mehr und Hard Powder stand schon vor offiziellem Kinostart unter keinen guten Stern. Wie üblich kann man auch hier eher das skandinavische Original mit Stellan Skarsgard empfehlen, statt der Neuauflage. Die Skandis bekommen den Ton solcher schwarzhumorigen Komödien dann doch eine Spur besser und bissiger hin.

#14 Captain Marvel

So kurz vor Endgame nochmal eine Originstory für einen so wichtigen Charakter zu integrieren war sicherlich keine einfache Aufgabe, aber das kann keine Ausrede für diesen Film sein. Für mich hat Captain Marvel nicht funktioniert. Der finanzielle Erfolg ist grandios, qualitativ war es Captain Marvel nicht. Zum einen lag es überraschenderweise an Brie Larson, die super steif und angespannt wirkte. Klar hat sie marveltypisch viele witzige Stellen im Film, aber es fühlte sich nie an, ob sie so richtig Spaß an der Rolle hätte. Brie Larson ist eine tolle Schauspielerin und der Erfolg sei ihr gegönnt, aber den Druck konnte man ihr sichtlich ansehen.

Die besten Momente im Film gibt die starke Kombination aus Brie Larson und Sam Jackson her, die nun bereits 4x zusammen gedreht haben auch Lashana Lynch als Captain Marvels beste Freundin hat für mich funktioniert. Was wiederum nicht so gut klappte waren zum einen die Actionszenen, die bis auf eine, relativ zu Beginn des Films, in einer Bahn leider nicht sonderlich gut waren und zum anderen der wirklich erzwungene Feminismus. Im Internet trollen viele, die jeden Film hassen, wenn es starke Frauenrollen gibt und haben versucht Captain Marvel schon abzustrafen, bevor der Film überhaupt in den Kinos startete.

Wovon ich aber rede ist eine bewusste Agenda, die so on the nose ist, dass es absolut awkward im Film rüberkommt. Von krampfigen Dialogen bishin zu einer Aktionszene zum Schluss, die dann tatsächlich mit „No Doubt – I’m just a girl“ untermalt ist, dann fasst man sich eher an den Kopf, statt mit voller Inbrunst zu feiern, was da passiert. Ein wenig Subtilität hätte dem Drehbuch gut getan. Alles in Allem ist Captain Marvel einer der schwächeren Comic-Verfilmungen der letzten Jahre und sehr forgettable.

#13 47 Meters Down 2: Uncaged

Wie der Titel bereits andeutet handelt es sich hierbei um die Fortsetzung des zumindest finanziell erfolgreichen 2017er 47 Meters Down, damals noch mit „This is Us“-Star Mandy Moore in der Hauptrolle. Inhaltlich enttäuschte mich der Haihorror aber auf ganzer Linie, er war handwerklich weder so gut wie The Shallows, noch so dumm-spaßig unterhaltsam wie The Meg. Dennoch hat der Film sein Budget mehrfach wieder eingespielt und die Produktion einer Fortsetzung gerechtfertigt.

47 Meters Down 2: Uncaged macht definitiv ein paar Sachen besser und die gleichgebliebenen Macher hinter der Kamera lernten aus ihren Fehlern. So wirkt der Film mit höherem Budget definitiv hochwertiger, die Haimodelle sind solide designt, es ist auch unterhaltsamer einen größeren Cast zu haben, statt nur die 2 Figuren wie im ersten Teil. Ich habe mich gefreut Sophie Nelisse wiederzusehen, die ich in Die Taschendiebin schon sehr schätzte und 2014 in meiner Topliste hatte. Auch die Location mit dieser Ausgrabungsstätte unter Wasser in einer Höhle war eine gute Idee, die den Film aufwertete.

Der Film lässt sich zu Beginn ganz schön viel Zeit bis es überhaupt ans Eingemachte geht. Statt in einem 90 Minuten Film schnell auf den Punkt zu kommen, muss man fast ein Drittel des Films warten und sich mit einem für die restliche Handlung vollkommen irrelevanten Klischeeplot über gemobbte Außenseiter in der Schule und Patchwork-Schwestern, die sich nicht grün sind, rumschlagen. Der Mittelteil von 47 Meters Down 2: Uncaged ist nicht herausragend aber sicherlich trotz sich wiederholenden Elementen die stärkste Phase, doch das Finale reißt dann wieder einiges ein. Nicht nur ist es repetitiv, es wirkt in seinem plötzlichen Tempowechsel und die Art wie es inszeniert ist eine Spur zu abwegig. 47 Meters Down 2: Uncaged ist nicht absoluter Müll, aber das vorhandene Potential wird nie völlig ausgeschöpft und ein anderer Film in meiner Topliste zeigt, dass man Tierhorror im Jahr 2019 deutlich runder inszenieren kann.

#12 Belleville Cop

Ist der Belleville Cop die französische Antwort auf Eddie Murphys Beverly Hills Cop? Vielleicht nicht die direkte Antwort, aber zumindest ein nicht sonderlich schmeichelhafter Versuch die Kultfilme zu kopieren. Ein liebloses Drehbuch mit allerhand doofen Einfällen kann auch nicht durch Omar Sys überspringendem Charme gerettet werden. Diesen Film hat man nicht gebraucht und bei den häufig so guten Filmen des französischen Kinos, bleibt man hier deutlich hinter den Möglichkeiten. Dann warte ich doch lieber auf den bestätigten 4. Teil mit Eddie Murphy.

#11 X-Men: Dark Phoenix

Ach, liebes X-Men Franchise. Unsere Hassliebe findet hier wohl vorläufig nach vielen Filmen, mit Ausreißern zu den besten Superheldenfilmen auf der einen, und zu den schlechtesten Comicfilmen auf der anderen Seite, zu einem Ende. Das Franchise war immer Opfer schwankender Drehbuchqualität und einer fehlenden Gesamtvision, so dass vor allem die Zeitlinien unfassbar unsinnig und kompliziert wurden, man innerhalb der Serie Zeitlinien neu startete, aber teils an den etablierten Cast-Mitgliedern festhielt. So hat man zwischendurch mit Erste Entscheidung auf allen Posten talentierte Leute ins Boot geholt und die Reihe zu alter Stärke geführt, nur um sie dann in den folgenden Jahren mit dem Arsch einzureißen.

Dark Phoenix stellt jetzt nicht nur das Ende der neuen Reihe dar, sondern ist auch der zweite Versuch, die bekannte Jean Grey Geschichte für die Leinwand zu adaptieren und wie auch schon bei Der letzte Widerstand gelingt das hier nur mittelmäßig. Simon Kinberg, der schon damals das Drehbuch schrieb, durfte dieses Mal sogar direkt die Regie dazu führen. Der tolle Cast rund um Fassbender und McAvoy schaffen es immer irgendwie für mich, die Filme nie gänzlich scheiße zu finden und X-Men: Dark Phoenix ist auch kein komplett Ausfall, aber es ist auch kein Wunder, dass der Film einer der größten finanziellen Flops des Jahres ist.

Die reingequetschten Antagonisten rund um die tolle Jessica Chastain sind furchtbar belanglos und bleiben blass, die Jungdarsteller werden wie immer kaum genutzt und sind nur Beiwerk für die Veteranen. Diese Veteranen überzeugen natürlich, spielen aber auch immer die gleichen Tropes wie in den letzten 3 X-Men Filmen. Wenn ich zählen müsste wie oft ich Magnetos „Betrayal“ schon gesehen habe, dann reichten beide Hände nicht.

Zu Gute halten möchte ich die ein-zwei starken Actionszenen und die Eröffnungssequenz, die mir optisch und inszenatorisch gut gefallen haben. Aus Angst zu nah am Captain Marvel Finale zu sein, gab es noch massig Nachdrehs, die das Ende umgeschrieben haben und ich muss sagen, dass mir die Zugsequenz echt gefallen hat und trotzdem geht so ein X-Men Film vorbei und lässt mich kalt. Auch wenn ich dem Talent des Casts hinterher weine, bin ich froh, dass die X-Men so wie wir sie jetzt kennen vorbei sind und wir in ein paar Jahren unter Disneys Aufsicht wohl endlich wieder zu alter Stärke zurückkehren.

#10 Was Männer wollen

Ein geschlechtertauschendes Remake von Was Frauen wollen mit Taraji P. Henson statt Mel Gibson. That’s basically it. Auf jeden witzigen und coolen Moment im Film, folgen fünf schwach geschriebene und fremdschämige Szenen, die den Film noch belangloser machen als das Original. Klar, die Idee hat schon einen gewissen Reiz, weil sich jeder in verschiedenen Lebenslagen schon mal gewünscht hat in den Kopf des Gegenübers zu schauen.

Doch wie üblich bei dieser Art Komödien von der Stange, schreibt sich das Drehbuch quasi von selbst. Rollenklischees und Vorurteile über das zu zeigende Objekt greifen durch den „HaHa-das-kenne-ich-von-PersonX“-Faktor unweigerlich einfache Lacher ab ohne dabei sonderlich pointiert geschrieben zu sein. Nur beim Tippen dieses Satzes fallen mir schon fünf Szenen für einen solchen Film ein, die zwar lazy sind, aber ihre Lacher bekommen würden.

Nicht jede Komödie muss ein Meisterwerk sein, aber zumindest wünschenswert wäre es, wenn man das Verlangen verspürte, diesen Film in naher Zukunft erneut zu sehen und dieses Kunststück gelingt Was Männer wollen definitiv nicht.

#9 Gemini Man

Will will es nochmal wissen. Lange ist es her, als wir gleich 4 Filmprojekte von Megastar Will Smith innerhalb von 12 Monaten im Kino zu sehen bekamen. Bis zum langersehnten Bad Boys 3 im Frühjahr 2020 sind es noch ein paar Wochen, doch um uns die Wartezeit zu verkürzen, gab es dieses Jahr alle paar Monate ein neuer Blockbuster. Den Anfang machte Disneys Aladdin Realverfilmung, die entgegen der ersten Befürchtungen, vor allem durch Will Smiths Genie viel besser wurde als erwartet. Mit mehr als einer Milliarde $, war Aladdin vor allem auch finanziell überragend.

Im Dezember pünktlich zu Weihnachten kann man Will Smith dann noch im Animationsfilm Spione Undercover sehen, doch bis dahin sollte vor allem ein Film die Leute bei Laune halten: Gemini Man. Das neueste Prestigeprojekt vom visionären Regisseur Ang Lee, der seinen Drang, den technischen Fortschritt seiner Filme immer voranzutreiben auch hier wieder nicht zurückhalten konnte. Diese Mal kommuniziert der Film in seiner Marketingkampage vor allem ein Gimmick: einen kompletten verjüngten, CGI Will Smith zu haben, der seiner Vorlage gegenübergestellt wird.

Ich hätte mir mehr gewünscht. Allen voran ein gutes Drehbuch, das nicht absolute Standardkost ist und ich nicht nur allein an Hand des Trailers komplett entschlüsseln kann, sowie so ähnlich bereits ein dutzend Mal gesehen habe. Ja, die Idee und Umsetzung des jüngeren Will Smith ist gut, aber natürlich nicht perfekt. Man sieht zu jedem Zeitpunkt, dass es sich um Effekte aus der Dose handelt, die für einen uncanny Effekt sorgen. Die höhere Framerate des Films, kann man nur in ganz wenigen, ausgewählten Kinos überhaupt erleben und was bleibt dann noch übrig? Hohe Kosten für Will Smith in gleich zwei Hauptrollen und Effekte, sowie ein durchschnittliches Drehbuch.

Da wundert das Versagen an den Kinokassen kaum. Gemini Man hat gerade zu Beginn paar coole Action-Sequenzen, gerade die Verfolgungsjagd sprühte vor kreativen Ideen, anschließend kommt da aber nicht mehr viel und die Luft ist raus. Einen Platz unter den Flop15 des Jahres ist für dieses One-Trick-Pony gerechtfertigt.

#8 Angel Has Fallen

Dass aus Olympus has Fallen mal eine Trilogie entspringen würde, hat so 2013 wohl kaum jemand auf dem Schirm gehabt. Während die Leute hinter der Kamera seit jenem Original wechseln, halten sich Hauptdarsteller Gerard Butler und seine Nebendarsteller wie Morgan Freeman hartnäckig. Die ersten beiden Filme sind patriotischer Blödsinn, der dumm und zuweilen arg fragwürdig ist, aber irgendwo auch ein wenig Spaß bringt und mit harten Actionsequenzen zu unterhalten wusste. Ich würde die Filme niemals als gut bezeichnen, aber wenn sie im TV laufen, bleibe ich für gewöhnlich dort hängen. Angel has Fallen wird der erste Ableger dieser Reihe sein, bei dem das nicht mehr zutrifft.

Das Drehbuch bedient sich wenig überraschend an bereits erprobten Konzepten und traut sich wenig Neues und die Action ist leider furchtbar. Eigentlich fängt Angel has Fallen ganz solide an, eine nette Eröffnungsszene mit Egoshooter-Sequenzen und ein Drohnenangriff, der dann schon das Highlight des gesamten Films darstellt. Danach folgen ein langweiliger, sehr vorhersehbarer Plot und die Action wird so verschnitten und grottig inszeniert, so dass man beispielsweise in einer Szene im Auto absolut NICHTS mehr erkennt und dem Geschehen auf der Leinwand folgen kann. Neuzugang Nick Nolte als kautziger Vater von Butlers Figur kann zwischendurch zwar das Script aufwerten, aber nicht retten. Für mich war Angel has Fallen letztlich der schwächste Teil der Reihe.

#7 Es – Kapitel 2

Es Kapitel 1 ist nicht nur mit weit mehr als 700 Millionen Dollar der erfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten, ich fand ihn auch so gut, dass ich ihn 2017 in meiner Topliste des Jahres aufnahm. Er war witzig, er war gruselig, sah gut aus und hatte einen sehr guten Cast an talentierten Jungdarstellern. Vor allem Sophia Lillis als Beverly und Bill Skarsgard als Pennywise haben mir besonders gut gefallen. Regisseur Andres Muschietti hat hier ganze Arbeit geleistet und mit Kapitel 1 ganz klar die TV-Versionen mit Tim Curry locker in den Schatten gestellt.

Nun galt es aber noch den zweiten Teil der Stephen King Geschichte zu verfilmen und das galt bislang als viel schwieriger. Es ist schlicht weg auch der schlechtere Part der Story. Wieder einmal konnte Muschetti einen hochkarätigen Cast um sich scharen. Mit dabei sind unter anderem James McAvoy, Jessica Chastain und Bill Hader, die mit ihrer schauspielerischen Klasse jeden Stoff aufwerten. So auch dieses Script, das mich leider abseits davon kalt gelassen hat. Die erste halbe Stunde war ich noch angetan vom Film, aber mit jeder zusätzlichen Minute stieg Langeweile in mir auf. Es 2 ging mir seinen gesplitteten und repetitiven Handlungssträngen auf die Nüsse und die Schockmomente wirkten abgenutzt und mündeten in einem schwachen Finale.

Das Gefühl, die Geschichte so zu weiten Teilen bereits im ersten Film gesehen zu haben, enttäuschte mich. Es Kapitel 2 ist kein furchtbarer Film, aber für mich persönlich wohl die größte Enttäuschung des Filmjahres gewesen und damit verdient bei den Lowlights.

#6 Willkommen in Marwen

Steve Carell ist ein talentierter Schauspieler, der uns spätestens mit seiner oscarnominierten Performance in Foxcatcher von seinem dramatischen Talent überzeugte. Seitdem hat man das Gefühl der eigentlich für seine Comedyrollen bekannte Schauspieler (u.a. The Office US) hat Blut geleckt und ist seit jeher auf der Jagd nach der nächsten Oscar-Nominierung. Kein Wunder also, dass er bei Willkommen in Marwen von Regie-Altmeister Robert Zemeckis (Back to the Future) anheuerte, der auf dem Papier bereits nach Oscar klang.

Leider war das Endprodukt für mich letztlich nur eine Qual, die statt dramatischen Noten, bei denen ich für die Beteiligten mitfühlte nur irgendwie in einen Ekel verfiel. Dieser emotionale Kern im Inneren der Geschichte konnte nie punkten, weil ich Steve Carells Charakter so weird fand. Ein merkwürdiger Stalkertyp, der persönlichen Grenzen überschreitet und eigentlich wirklich einen Nachbarn darstellt, den jeder meiden würde und das meiner Meinung nach völlig zu recht. Robert Zemeckis gelingt hier zwar vor allem stilistisch recht einzigartiger Film, der aber mit seinen Fetischpuppen und merkwürdigen Figuren nie den richtigen Ton trifft.

#5 Men in Black: International

Men in Black: International war nicht nur an den Kinokassen einer der größten Flops des Jahres, sondern auch inhaltlich völlig belanglos. Bereits das erste Trailermaterial des Films ließ wenig Gutes vermuten und mit ziemlicher Sicherheit konnte man da schon sagen, dass es F. Gary Gray, der zuvor Fast & Furious 8 drehte, nicht gelingen wird, dieses einst erfolgreiche Franchise wiederzubeleben.

Am wenigsten lag das überraschender Weise am fehlenden Duo Will Smith und Tommy Lee Jones, die natürlich immer die ikonischen Aushängeschilder der Reihe bleiben werden, denn es gab wohl keinen besseren Zeitpunkt und keine klügere Wahl für die „Neuen“ als Thor himself, Chris Hemsworth, und Valkyrie Tessa Thompson, die bereits in Thor 3 zusammen glänzten. Beide sind talentierte Schauspieler die vor allem das nötige Charisma besitzen für diese Art Film. Vor allem Thompson spielte stark auf.

Doch das Drehbuch war zu generisch und einfallslos, die Effekte stellenweise trotz des Budgets grottig und eigentlich wirkte alles nur wie aus der Mottenkiste der Ursprünge. Es wäre nicht Hollywood, wenn nicht Irgendwann doch die beiden Altstars zurückkehren müssten, um einen letzten Versuch zu starten, den Karren nochmal zwangsläufig aus dem Dreck zu ziehen. Hoffentlich mit einem besseren Drehbuch.

#4 Polaroid

Polaroid ist die auf 90 Minuten aufgeblähte Version eines Kurzfilms des Regisseurs Lars Klevberg aus dem Jahre 2015. Das ist ein gängiges Verfahren in der Filmbranche und durchaus nachvollziehbar. Polaroid reiht sich damit hinter einigen bekannten Filmen dieser Art ein wie Saw oder Lights Out.

Leider tragen manche Ideen keinen kompletten Film, weil das Drehbuch nicht in seiner Qualität skalierte. Kein Jahr vergeht ohne einen lieblosen Horrorfilm von der Stange in meiner Flopliste und 2019 stellt da keine Ausnahme dar. Maximal mittelmäßiges Schauspiel gepaart mit den langweiligsten Klischees ergeben ein gewaltiges, zu dunkles Snoozefest. Kurioserweise gelang Regisseur Klevberg in der zweiten Jahreshälfte mit Childs Play, dem Reboot zu Chucky die Mörderpuppe, ein um Welten besserer Film, der am Ende diese Gurke hier weitestgehend vergessen macht.

#3 Hellboy – Call of Darkness

Absolut furchtbarer Film, der zwar mit einem guten Hellboy und einer 18er Freigabe ein paar Argumente auf der Habenseite hat, jedoch mit allem anderen krass ins Klo greift. David Harbour macht einen zu meiner Überraschung guten Job als Hellboy, kommt aber keineswegs an Perlman ran, der diese Rolle deutlich ikonischer porträtierte. Neben einer schwachen Geschichte, Nebenfiguren und nur wenigen Highlights, gab es auch reichlich Humor der nicht zündete. Und erst die Enttäuschung, wenn man feststellen muss, dass die coolsten Shots aus dem Trailer keine Relevanz für den Film hatten, weil es sich nur um Visionen handelte, würg.

Eines der wenigen Highlights für mich waren die paar Minuten mit Babayaga, die einfach fantastisch eklig aussah. Dagegen war die Antagonistin Nemue, gespielt von Milla Jovovich, ein totaler Reinfall. Es tut mir leid liebe Milla, aber Schauspielen ist nicht so deins. Es ist mir persönlich ein Rätsel, warum man eine Hauptrolle mit ihr besetzen sollte. Klar, wenn man Paul W.S. Anderson heißt und mit ihr verheiratet ist, dann inszeniert man schon mal fix 6 Resident Evil Filme, 3 Musketiere und den kommenden Monster Hunter Film mit ihr, aber jeder andere Regisseur sollte es lassen. Das Finale war dann auch nur noch Müll und Hellboy: Call of Darkness ein kompletter Reinfall und einer der miesesten Filme des Jahres.

#2 Robin Hood

Was für eine Ausgeburt der Hölle. Obwohl der Film mit Taron Egerton in der Hauptrolle bereits im Januar bei uns startete, war ich mir damals schon zu 99% sicher, dass wir ihn am Jahresende auf meiner Flop-Liste wiedersehen werden. Das ist eines dieser mysteriösen Projekte, die wie in diesem Fall von Lionsgate per Greenlight durchgewunken werden und wirre Konzeptideen mit viel zu viel Geld kombinieren. Vor allem sind das auch Projekte nach denen keiner gefragt hat und die dieselben Fehler machen wie viele vor ihnen und trotzdem rennen sie offenen Auges in ihr Verderben.

Ganz ehrlich Hollywood: hört auf mit euren König Arthurs und Robin Hood Interpretationen. Das Ding ist durch. Die Geschichten sind entweder schon mit passablen Filmen abgedeckt oder es wurde sich bereits so häufig die Finger daran verbrannt. Jeder kennt die Geschichten. Sie locken niemanden mehr hinter dem Ofen vor, JA – auch wenn ihr Pfeil-Miniguns in einen Robin Hood Film packt, LOL! Eigentlich verheizen sie bei diesen Filmen nur reihenweise solide Darsteller, die mir letztlich nur leid tun. Sie nehmen solche Rollen an, weil ein gewisses Level an Prestige damit verbunden ist und sie ihren Stempel aufdrücken wollen, doch letztlich geht der Schuss nach hinten los. Taron Egerton hatte glücklicherweise noch Rocketman in diesem Jahr und konnte als Elton John brillieren und kann somit einfach so tun als ob es diesen Film hier niemals gab.

#1 Cats

Dieser Film ist die reinste Catastrophe. I’m not kitten you. Es ist schon mutig in einem so umsatzstarken Monat wie dem Dezember zur Weihnachtszeit gegen eine Marke wie Star Wars oder einem Kassenschlager wie Jumanji 2 ins Rennen zu gehen. Das dann aber auch noch mit so einer clawfulen Ausgeburt aus der Katzenhölle zu tun, grenzt schon fast an einer arroganten Cattitude. Cats gehört zwar zu den erfolgreichsten Musicals der Welt, doch beim Ansehen dieses Werkes, blieb mir regelmäßig der Haarballen vor Schreck im Halse stecken. Selbst die Teilnahme von namenhaften und talentierten Meowsicians wie Taylor Swift, Jennifer Hudson oder Jason Derulo konnten nur für wenige pawsitive Highlights sorgen. Angetrunken mit Freunden und 9 Leben im Gepäck ist wohl der purrfecte Weg, um diese 110 Minuten erneut durchzustehen.

Das CGI und die Looks – furchtbar

Die ständig wechselnden Größenverhältnisse und Maßstäbe – clawful

Die unfassbare Asynchronität in der deutschen Version – fur real, was war das?

Das Overacting und diese miesen Charaktere – Cathartische Wirkung, wenn man 110 Mins durchhält

Diese unfassbar dummen Katzennamen – furgettable

Die Songs bis auf wenige Ausnahmen – in-fur-ior zu anderen Mewsicals

Cats wollte ikonische Szenen wie Catrick Swayze in Dirty Dancing schaffen oder uns mit langlebiger Musik wie Paw McCartney bei Laune halten. Doch statt eines Geschenks zu Weihnachten 2019 hat uns Santa Claws dieses Jahr diese filmische Rute geschenkt. Es war der letzte Release des Jahres für mich und er hat es in Windeseile auf die #1 meiner Flopliste 2019 geschafft.

Pawer-Ranking „Traumata durch Filme mit Katzen“:

#3 Susi & Strolch (1955), Siamkatzen-Szene als junger Bub

#2 Felidae (1994) als junger Bub

#1 Cats (2019) mit 30

Avengers: Endgame | Kritik / Review

Avengers: Endgame

Endlich ist es soweit: eine Ära findet nach 11 Jahren und 22 Filmen ihr Ende und Marvels Cinematic Universe kommt zum Schluss ihrer offiziell dritten Phase. Iron Man aus dem Jahr 2008 gilt als der Anfang dieser langlebigen Filmreihe und bot mit Robert Downey Jr. (Zodiac) das perfekte Casting durch Sarah Finn, die im Übrigen für das Casting aller 22 Filme verantwortlich war. Und sicherlich gab es in den letzten Jahren viele Personalentscheidungen, die irgendwo auf der Hand lagen und letztlich gerade sehr begehrte und angesagte Schauspieler beinhalteten, aber vor allem zu Beginn war die Idee Robert Downey Jr. zu casten mehr als nur mutig.

Er galt zwar als talentiert, kam aber aus dem Knast, hatte Drogenprobleme und galt eher als Persona non grata in Hollywood. Recht verständlich, dass sich die großen Entscheider im Hintergrund zunächst schwer taten mit dieser möglichen Verpflichtung. Doch Downey Jr. überzeugte nicht nur die Kritiker innerhalb des Unternehmens, sondern sollte sich auch beim Publikum als perfekte Wahl herausstellen und gilt genreübergreifend als eine der genialsten Castings in der jüngeren Filmgeschichte.

Zusätzlich lieferte Jon Favreau, der dieses Jahr mit Disneys König der Löwen Remake das Box-Office erklimmen wird, mit Iron Man direkt zu Beginn einen der besten Beiträge zum 22teiligen MCU ab und ebnete diesem gigantischen Genre „Superhelden Filme“ den Weg, das im darauffolgenden Jahrzehnt zum beliebtesten und erfolgreichsten Genre weiterentwickelte. Mit einer so großen und (manchmal zu) leidenschaftlichen Fanbase, die sich mit nur wenigen IPs wie Star Wars messen lassen muss.

Kevin Feige, Anthony & Joe Russo

Als im Jahr 2012 Joss Whedons The Avengers in die Kinos kam, war er mit gerade einmal 6 Superhelden bereits das ambitionierteste Crossover der filmischen Comic-Geschichte und man dachte nicht, dass noch mehr gehen würde. Unvorstellbar, dass wir bereits 7 Jahre später von mehr als 40 Superhelden in einem Film sprechen und der Film dennoch funktioniert. Großen Anteil daran haben vor allem Kevin Feige und die Russo Brothers.

Feige, weil er das Mastermind hinter dem MCU ist. Er ist der Supervisor, der die Roadmap für dieses gigantische Unterfangen hatte; welche Helden dabei sein sollten, wer wann seinen Film bekommt, wie man die einzelnen Geschichten möglichst stimmig verknüpft und letztlich eine 22 Filme umspannende Geschichte konstruiert, die jedem Helden sein individuelles Spotlight lässt und am Ende doch die Stakes so hochsetzt, so dass man als Zuschauer am Ball bleibt und investiert ist in die Charaktere und ihren Geschichten.

Die Russo Brothers hingegen kamen erst die letzten Jahre ins Spiel und haben nicht nur mit Captain America: The Winter Soldier, Captain America: Civil War, Avengers: Infinity War und nun Avengers: Endgame einige der insgesamt besten Filme der Reihe geschaffen, sondern auch das gesamte Genre auf ein neues Level gehoben. Sie haben sich mit ihrer Detailverliebtheit, Liebe zum Genre und den Fans unsterblich für viele gemacht und ich bin so verdammt gespannt, was für Projekte sie in Zukunft umsetzen. Sie selbst lieben beispielsweise die Fantastic Four und wenn nach drei eher schlechten Versuchen endlich die Russo Brothers es versuchen dürften, glaube ich fest daran, dass sie diesen Fluch brechen. Es gab keine bessere Wahl für Infinity War und Endgame als diese Beiden.

Doch genug Geplänkel, kommen wir zum Eingemachten: Avengers: Endgame.

Storyanriss:

Thanos (Josh Brolin) hat also tatsächlich Wort gehalten, seinen Plan in die Tat umgesetzt und die Hälfte allen Lebens im Universum ausgelöscht. Die Avengers? Machtlos. Iron Man (Robert Downey Jr.) und Nebula (Karen Gillan) sitzen auf dem Planeten Titan fest, während auf der Erde absolutes Chaos herrscht. Doch dann finden Captain America (Chris Evans) und die anderen überlebenden Helden auf der Erde heraus, dass Nick Fury (Samuel L. Jackson) vor den verheerenden Ereignissen gerade noch ein Notsignal absetzen konnte, um Verstärkung auf den Plan zu rufen. Die Superhelden-Gemeinschaft bekommt mit Captain Marvel (Brie Larson) kurzerhand tatkräftige Unterstützung im Kampf gegen ihren vermeintlich übermächtigen Widersacher.

Fazit zu Avengers: Endgame (spoilerfrei):

Bei meinem ersten Kinobesuch hat mich die recht ungewohnte Struktur ein wenig kalt erwischt. Infinity War war ein reines zweieinhalb Stunden Action-Fest mit vielen Schauwerten und einem starken Pacing. Endgame hingegen setzte zwar wenig überraschend an den dramatischen Ereignissen des Vorgängers an, aber mit einem relativ langsamen ersten Akt, der uns zeigt wie unsere Helden die Geschehnisse jeder für sich verarbeiten. Ich fand es nicht schlecht, aber mein Mindset war beim ersten Mal wohl einfach noch zu sehr auf die Action gepolt und dementsprechend fast gelangweilt. Beim zweiten Anschauen wiederum, ist mir dieser Part, wohlwissend was mich erwartet, gar nicht mehr unangenehm gewesen. Ich konnte es mehr genießen. Generell hat Endgame im Vergleich zu sämtlichen Marvel-Filmen wohl anteilig die wenigste Action zu bieten.

Der zweite und dritte Akt jedoch hatte mich von Beginn an. Das lag zum einen daran, dass sowohl die witzigen als auch emotionalen Momente fast immer einen Nerv trafen und zum anderen am Drehbuch, das meiner Meinung nach häufig mit den Erwartungen vorab als auch während des Films brach. Für einen Film aus dem MCU ist es schon sehr ungewöhnlich 3h lang relativ unvorhersehbar zu sein und vor allem dann auch noch zu funktionieren. Es gab im gesamten Film eigentlich nur eine Szene, die ich wirklich furchtbar fand, was meinen Gesamteindruck aber nicht wirklich schmälert.

Das große Finale hatte dann alles zu bieten. Starke Action fürs Auge und emotionale Höhepunkte, die mir mehr als einmal Gänsehaut bereiteten. Eventuell hatte ich auch hier Wasser unter meiner Taucherbrille und dabei bin ich nicht mal so sehr verknüpft mit diesen Figuren, wie es wirkliche Hardcore-Fans der Comics sind. Nichtsdestotrotz bekamen mich diese Szenen, weil sie so perfekt inszeniert waren. Auf die Details werde ich im Spoilerteil eingehen, aber Endgame, den Russo Brüdern und Kevin Feige gelingt dieses Crossover der Superlative mit Bravour. Die Charaktere und die Zuschauer bekommen ihren würdigen Abschluss und einen der besten Filme des MCUs jemals. Danke.

SPOILERFazit zu Avengers: Endgame:

Es gab direkt zu Beginn so viele interessante Ideen mit den Auswirkungen des Snaps umzugehen. Scott Lang verpasste wie seine Tochter alleine Erwachsen werden musste und stellt fest, dass er selbst als tot gilt. Hawkeye begibt sich nach dem Verlust seiner Familie aus Schmerz auf einen Rachefeldzug und tötet Kriminelle ohne Schuldgefühle. Thor, der sich die größten Vorwürfe macht, seine Chance in Infinity War nicht nutzte um die Katastrophe zu verhindern. Wenn er doch nur auf den Kopf gezielt hätte mit seinem Sturmbrecher.

Und dann gab es anschließend gleich die nächste Überraschung: FarmerJoe Thanos wird nach nur 10 Minuten im Film getötet von Thor, der sich dieses Mal keinen Fehler erlaubt und als sei das nicht genug, hat Thanos die Infinity Stones zuvor vernichtet.

Im zweiten Akt entwickeln die schlausten Köpfe des MCUs daher einen neuen Plan: Zeitreise durch die Quantenebene zu Zeitpunkten in der Vergangenheit, wo die Infinity Steine noch nicht in Thanos Händen waren. Auch hier habe ich nicht mit der Art und Weise dieses Lösungsansatzes gerechnet und war umso positiver überrascht diese kleine Nostalgietour im Rahmen des Time-Heist durch einige der Schlüsselmomente des MCUs wieder zu erleben mit kleinen alternativen Kirschen auf der Marvel-Torte.

Mal sind es Verweise zu bekannten, alternativen Comic-Arcs, wenn sich beispielsweise Captain America plötzlich als Mitglied von Hydra ausgibt. Ein anderes Mal werden bekannte Charaktere früherer Filme besucht, wenn Steve Rogers Peggy Carter, seine große Liebe, wiedersieht oder Tony Stark seinen in der Gegenwart bereits toten Vater kurz vor seiner eigenen Geburt trifft und sich beide Halt und Ratschläge geben und emotional tiefer verbunden sind, als zu Lebzeiten.

Einzig allein die Szene auf Vormir, in der Hawkeye und Black Widow für den Soul Stone bereit sind ihr Leben zu geben, hat mich tierisch gestört. Nicht der Ausgang der Szene, aber die Inszenierung. Dass sich letztlich derjenige opfert, der eigentlich nicht bestimmt wurde, liegt bei einer solchen Szene auf der Hand, doch wie man das gelöst hat, war so billig. Mich wunderte es sehr so eine Szene in diesem sonst so guten Film zu sehen. Es war einfach nur lachhaft wie sich Hawkeye und Natasha dort abwechselnd zwölfmal K.O. schlagen, tasern, mit Explosionspfeilen wegsprengen am Hang der Klippe und dann zu guter Letzt beide riskieren zu sterben und die ganze Mission zu gefährden, weil sie da am seidenen Faden am Abgrund hängen. Für mein Empfinden war das zu übertrieben und ich konnte diesen eigentlich dramatischen Moment nicht wertschätzen, weil ich Kopf schüttelnd auf die Leinwand starrte. Manchmal ist weniger mehr.

So geschehen dann im großen Finale. Da folgten dann wirklich herausragender Moment auf Moment. Zum Beispiel als sich Steve Rogers als finally würdig erweist und Thors Hammer kontrollieren kann – Gänsehautmoment für den ganzen Kinosaal. Auch als alle Helden durch die Portale zur Hilfe kommen, denn obwohl man das schon vor Endgame so hat kommen sehen UND es im Film 15 Minuten zuvor quasi bereits etabliert wurde, hat mich das dann doch unerwartet getroffen.

Weitere Highlights im Endkampf waren Wandas Abrechnung mit Thanos, die Reunion von Peter Parker und seinem Mentor Tony Stark, die Andeutung der A-Force, den all-female Avengers, der Moment als Captain America endlich den berühmten Ausspruch „Avengers, assemble!“ nutzt, Dr. Strange Tony deutlich macht, dass das die eine Variante aus 14.000605 ist, die zum Sieg führt und er sich für die Menschheit opfern muss und natürlich, wenn Tony Stark den Infinity Gauntlet benutzt um Thanos und seine Armee zu besiegen und die Worte „Ich bin Iron Man“ spricht, die er am Ende des ersten „Iron Man„-Films sagte und das MCU vor 11 Jahren einläutete.

Diese Heldentat kam leider nicht ohne Opfer und so trifft uns der Tod Tony Starks, der als einziger in dieser Katastrophe mit seiner Frau und Tochter etwas gewonnen hat, mitten ins Herz. Wenn Pepper ihrem Mann versichert, dass er nun beruhigt für immer Einschlafen kann und sie es ohne ihn schaffen werden, verlässt uns DIE Identifikationsfigur dieser Marvel-Phase und kein Auge bleibt trocken.

Die Beerdigung wurde auch einfach unfassbar schön inszeniert und zeigt uns seine engsten Weggefährten wie Happy, gespielt von John Favreau, dem Regisseur des ersten Iron Man Films, der Tonys Tochter Cheese Burger verspricht, wie ihr Vater sie im ersten Teil selbst geliebt hat oder selbst Harley Keener, den kleinen Jungen aus Iron Man 3 sieht man nach all den Jahren nochmal wieder.

Doch damit noch nicht genug, auch für Captain America schließt sich der Kreis auf so wunderschöne Art und Weise. Nicht nur beantworten die Russo Brothers die Frage, welcher der beiden gängigsten Varianten der Comics, also ob Bucky oder Falcon in die Fußstapfen des Captains treten sollen, sondern auch bekommt Steve Rogers die Chance eines erfüllten Lebens mit der Liebe seines Lebens Agent Carter. Für mich persönlich hat das super viel bedeutet und war nicht nur ein toller Abschluss des Films, sondern auch für diese Charaktere. Vor allem wenn man wie ich die Serie Agent Carter mochte, die nach 2 Jahren trotz guter Kritiken aufgrund weniger Zuschauer beendet wurde, gab es so doch noch das versöhnliche Ende und Wiedersehen mit Carter.

Auf dem Papier ist Avengers: Endgame eine unmögliche Aufgabe gewesen und dennoch haben es alle Beteiligten vor sowie hinter der Kamera gemeistert. Die knapp 1.2 Milliarden Dollar, die der Film bereits in den ersten 5 Tagen einspielte, hat er meiner Meinung nach verdient. Die 22 Filme und 11 Jahre wurden mit einem würdigen Ende abgeschlossen. Ich habe alles bekommen, was ich mir erhofft habe. Ich bin gespannt ob Star Wars Episode 9 dieses Kunststück am Jahresende auch gelingt.

And the Oscar 2019 goes to..

And the Oscar 2019 goes to..

Es ist endlich wieder soweit: in wenigen Stunden werden die Oscars in Los Angeles verliehen. Es ist mittlerweile die 91. Verleihung des prestigeträchtigsten Filmpreises der Welt, den Academy Awards. Mein Event-Highlight des Jahres.

Die Oscars – ein Chaosjahr zum Vergessen

Wie üblich spreche ich an dieser Stelle über die Sachen auf die man sich bei dieser Verleihung freuen kann, über die Skandale und Themen, die das letzte Jahr bestimmt oder die diesjährige Veranstaltung beeinflussen werden. Nach „Oscars so white“, „#metoo“ und dem Umschlagfail der letzten Jahre, hat die Academy in den vergangenen 12 Monaten eine Odyssee von Fehlentscheidungen hinter sich auf dem verzweifelten Kampf um Einschaltquoten und junge Zielgruppen.

Die Oscars haben 2018 ein Einschaltquoten-Rekordtief eingefahren und sich dann mit dem Rücken zur Wand gesehen. Was folgten waren viele Ideen, um sowohl die Länge der Show von knapp 4h deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Show attraktiver zu machen und neue Zuschauer zu gewinnen.

Akt 1: Zunächst gab es den Vorschlag eine „Populärster Film“-Kategorie einzuführen, damit sich auch der Casual-Zuschauer, der – wie in Deutschland – vielleicht noch 1-2x pro Jahr ins Kino geht, nicht so ausgegrenzt fühlt und nicht mehr behaupten kann „Die Oscars nominieren nur Filme, die Niemand kennt“. Glücklicherweise hat man diese Idee erstmal wieder verworfen bzw. auf unbestimmte Zeit verschoben, denn das wäre echt die Krönung. Für mich sind die Oscars eine Veranstaltung für Filmfans, Nerds und alle Filmschaffenden rund um den Globus.

Ein Fest für diejenigen, die bereit sind über den Tellerrand hinaus Filme zu schauen, sich auch mal zu Indifilmen ins Programmkino zu setzen, Filmfestivals zu besuchen oder auch mal Perlen aus dem Ausland zu entdecken. Sich denjenigen anzubiedern, die das alles nicht machen und ihnen letztlich ein Mitspracherecht einzuräumen, find ich Quatsch. Am Ende gewinnt dann jedes Jahr ein Transformers, Fast & Furious oder The Rock 0815 Actionfilm und verwässert den Wert dieser wichtigsten Auszeichnung. Spaßkategorien gibt es bei den Kids Choice Awards oder MTV Awards oder sowas, die machen sicherlich mehr Spaß, sind aber auch von absolut null Belang und unwichtig.

Akt 2: Nun waren die wenigen Momente dran, die die manchmal zähen Phasen und Längen der Veranstaltung auflockern: die Musikacts. Jedes Jahr präsentieren die Nominierten der Kategorie „Bester Song“ ihr Lied im Verlauf des Abends. Zugegeben, in den letzten Jahren waren viele dieser Performances nicht sonderlich gut und ein zweischneidiges Schwert. So wie man sich noch positiv an den lockeren, unterhaltsamen Auftritt von Justin Timberlake mit „Can’t Stop that Feeling“ erinnert, gibt es leider auch oft das krasse Gegenteil.

Traurige Downersongs von introvertierten Singer/Songwritern, für die man mitleidet. Die Academy entschied also zunächst nur noch zwei von fünf Künstlern auftreten zu lassen – wenig überraschend die populärsten, also Lady Gaga und die Künstler für Black Panther – beide gelten auch als die großen Favoriten. Auch ließ der Shitstorm nicht lang auf sich warten und vor allem Lady Gaga, sagte, dass sie nur auftritt, wenn auch die anderen Künstler das dürften und die Academy ruderte abermals zurück.

Akt 3: Die Host-Suche wurde zum Debakel. Am Host des Abends scheiden sich jedes Jahr die Geister. Es gibt Moderatoren, die mit vielen Showeinlagen und beispielsweise Musicalnummern selbst viel beitragen – was mal gut und mal schlecht ausgeht. Es gibt handzahme Hosts, die souverän durch die Sendung führen, aber Niemandem was Böses wollen und es gibt den ein oder anderen Fall, wo ein Host kaum ein Blatt vor den Mund nimmt und fröhlich Gäste und Hollywood durch den Kakao zieht. So wie ein Ricky Gervais das jahrelang für die Golden Globes machte. Dieses Jahr viel die Wahl auf Kevin Hart, der afroamerikanische Comedian und Schauspieler ist super beliebt bei den jungen Amerikanern und Schwarzen, bricht regelmäßig Rekorde beim Ticketverkauf für seine Shows. Ich persönlich hielt ihn für eine gute Wahl, mag seine Shows, mag ihn.

Die Freude hielt jedoch keine 24h, weil 10 Jahre alte Tweets mit homophoben Inhalt ausgegraben wurden, für die er sich bereits mehrfach entschuldigt hatte. Die Entschuldigungen waren auch der Grund, warum Kevin Hart dann letztlich „freiwillig“ zurücktrat, weil er es nicht einsah, sich sein ganzes Leben für einen Fehler zu rechtfertigen, der vor einem Jahrzehnt begangen und eingeräumt wurde. Man kann von seinen Aussagen oder diesen gezielt herbeigeführten Shitstorm halten was man will, den Oscars hat es qualitativ geschadet. Denn nach Kevin Harts Ausstieg, wollte keiner einspringen und so gibt es eine Oscarveranstaltung ohne Host. Wie genau der Abend ablaufen wird, ist bislang eher ein Geheimnis, aber vermutlich wird ein bunter Mix aus Weltstars stellenweise moderieren und kleine Bits aufführen.

Akt 4: Streichen wir ein paar Kategorien! Zu guter Letzt entschied sich die Academy dazu alle ihre Werte zu verraten und der Filmbranche vor den Kopf zu stoßen, die sie doch eigentlich auszeichnen will. Die Idee vier der 24 Kategorien während Werbebreaks abzufertigen und hinterher beiläufig ins Programm zu schneiden, kam wenig überraschend nicht gut bei den Fans und allen Filmschaffenden an. Neben einem mit Anlauf genommenen Shitstorm, folgte eine Welle der Solidarität mit allen Menschen aus der Branche. Namhafte Regisseure, Schauspieler u.v.m. nutzten ihre Reichweite und Macht, um die Academy zum Umdenken zu bewegen – erfolgreich.

Sicherlich sind nicht alle 24 Kategorien wirklich spannend oder gleich wichtig für den Zuschauer wie „Bester Film“ oder die Darstellerpreise, nichtsdestotrotz geht es an diesem Abend darum alle Bereiche einer Filmproduktion zu würdigen, den hartarbeitenden Menschen, ohne die wir diese Filme nicht hätten, zu feiern. Ein Film ist mehr als ein namhafter Schauspieler vor und ein Regisseur hinter der Kamera, weshalb auch die anderen Nominierten ihre 5 Minuten Ruhm und Applaus verdient haben. Zumal die Oscars hier auch eine Ausnahme zu den anderen Filmpreisen darstellen, weil sie auch Kategorien wie Cinematography, Film Editing, Makeup/Hairstyling und Live-Action Short auszeichnen. Zum Glück haben sie ihren Plan wieder verworfen – wie so oft im letzten Jahr.

Surprises & Snubs

Surprises:
#1 First Man wird bei den großen Kategorien ignoriert.

Mich hat Damien Chazelles First Man emotional kalt gelassen, aber letztlich ist es doch sehr überraschend, dass es der Film nur zu einigen Techniknominierungen schaffte.

#2 Willem Dafoe Nominierung als Bester Hauptdarsteller.

Im letzten Jahr reichte es knapp nicht für seine Performance in The Florida Project, dieses Jahr schlich er sich still und heimlich an John David Washington (Blackkklansman) und Ethan Hawke (The First Reformed) vorbei, die über Monate als aussichtsreichste Kandidaten galten.

#3 Roma bekommt gleich 2 Schauspiel-Nominierung.

Ich bin der nicht der größte Fan dieser Nominierungen, aber dennoch galt vor allem Yalitza Aparicio als wahrscheinliche Kandidatin, Marina de Tavira hingegen kam völlig aus dem Nichts.

#4 Pawel Pawlikowski sticht Bradley Cooper und Peter Farrelly als Bester Regisseur aus.

Völlig unerwartet konnte der polnische Regisseur mit seinem romantischen Schwarz-Weiß-Drama Cold War die Favoriten übertrumpfen. Vor allem für Cooper tut es mir leid, aber schön war diese Überraschung dennoch.

#5 Deutscher Film „Werk ohne Autor“ im Rennen um die Beste Kamera.

Never look away, wie er für den internationalen Markt heißt, schaffte es nicht nur eine Nominierung als Bester ausländischer Film einzusacken, sondern auch grandioser Weise für die Beste Kamera.

Snubs:
#1 Toni Collette nicht für ihre Performance in Hereditary nominiert.

Es war zu erwarten nachdem man sie bereits auf anderen Awardshows ignoriert hatte, aber Hereditary war nicht nur mein liebster Film des Jahres, sondern hatte mit Toni Collette auch die beste Performance 2018, die sogar Glenn Close schlagen konnte bei den Gotham Independent Film Awards. Doch der Weg zu einer Oscarnominierung ist lang, steinig und kostspielig – speziell für Horrorfilme aus der ersten Jahreshälfte.

#2 Bradley Cooper nicht für Beste Regie bedacht.

Mit A Star is Born hat Cooper nicht nur einen der besten Filme 2018 abgeliefert, der mit 8 Noms bereits einer der Gewinner ist, sondern auch ein bockstarkes, stilsicheres Regiedebüt gegeben, das Lust auf mehr macht.

#3 Emily Blunt gleich doppelt ignoriert.

Neben Toni Collette fehlt mir vor allem noch Emily Blunt unter den Schauspielerinnen. Sie zeigt nicht nur regelmäßig, dass sie zu den aktuell besten ihres Fachs gehört, sie hat mit Mary Poppins das schwere Erbe von Julie Andrews angetreten und mit Bravour gemeistert; zusätzlich hat sie im Horrorhit A Quiet Place ihres Mannes John Krasinski richtig abgeliefert. Die SAG-Awards haben sie noch doppelt nominiert, doch die Academy ließ Emily Blunt außen vor. Vermutlich haben sich beide Rollen bei den Votes kannibalisiert.

#4 Eighth Grade geht leer aus.

Eighth Grade ist einer DER Geheimtipps des letzten Filmjahres und ein fantastischer Film, der emotional berührt, toll geschrieben, brillant von Elsie Fisher gespielt ist und einfach mit Jedem connected. Autor/Regisseur Bo Burnham hätte für sein Debüt eine Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch verdient gehabt.

#5 Won’t you be my neighbor? Anscheinend nicht.

Morgan Nevilles rührende Dokumentation über den beliebten Moderator und ikonische Vaterfigur für amerikanische Kinder Mister Rogers galt eigentlich als der große Favorit für die beste Dokumentation des Jahres. Nicht nur war sie mit $22.8 Millionen erfolgreich, sie hat vor allem emotional bei den Amerikanern punkten können. Dass sie jetzt nicht mal in den Top5 ist, ist daher sehr außergewöhnlich.

Weitere Snubs: Paddington 2, Crazy Rich Asians, Ethan Hawke für First Reformed und Timothy Chalament für Beautiful Boy.

Beste Nebendarstellerin / Actress in A Supporting Role:

Amy Adams (Vice) | Marina De Tavira (Roma) | Regina King (If Beale Street could talk) | Emma Stone (The Favourite) | Rachel Weisz (The Favourite)

Wunsch: #1 Regina King #2 Rachel Weisz

Regina King hatte 3 unfassbar erfolgreiche Jahre, die sie mit guten Rollen und starken Performances in Awards aufwiegen konnte. Vor allem im TV führte kein Weg an ihr vorbei.

Durch If Beale Street could talk schaffte sie es mit ihrer phänomenalen Leistung endgültig in die A-Riege der Schauspielerinnen.

Wahrscheinlich: #1 Regina King #2 Amy Adams

Amy Adams oder wie ich sie nenne: die weibliche Leonardo DiCaprio. Mittlerweile hat Amy Adams schon 6 Oscar-Nominierungen bekommen ohne jemals zu gewinnen.

Auch wenn das zeigt wie talentiert die Darstellerin ist, wäre ein Sieg doch endlich mal angemessen. Sie gehört definitiv zum engeren Favoritenkreis.

Bester Nebendarsteller / Actor in A Supporting Role:

Mahershala Ali (Green Book) | Adam Driver (Blackkklansman) | Sam Elliott (A Star is Born) | Richard E. Grant (Can you ever forgive me?) | Sam Rockwell (Vice)

Wunsch: #1 Sam Elliott #2 Mahershala Ali

Meine Nummer 1 ist Sam Elliott, der schönste Schnurri Hollywoods. Eigentlich unglaublich, dass ein Schauspieler seines Kalibers in mehr als 50 Jahren Karriere jetzt erst seine erste Oscar-Nominierung erhält.

Es gibt diese eine Szene in A Star is Born, die sich so krass einbrannte und ihm diesen Oscar gewinnen sollte.

Wahrscheinlich: #1 Mahershala Ali #2 Richard E.Grant

Der große Favorit ist aber Mahershala Ali, der bereits vor 2 Jahren für seine Rolle in Moonlight den Oscar einsackte. Seine Performance als Dr. Don Shirley in Green Book ist definitiv oscarwürdig und die Award-Season hat diese Leistung bereits häufig belohnt.

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Beste Hauptdarstellerin / Actress in A Leading Role:

Yalitza Aparicio (Roma) | Glenn Close (The Wife) | Olivia Colman (The Favourite) | Melissa McCarthy (Can you ever forgive me?) | Lady Gaga (A Star is Born)

Wunsch: #1 Olivia Colman #2 Lady Gaga

Olivia Colman und Lady Gaga waren für mich die schauspielerisch größten Überraschungen mit den mitunter besten Figuren. Beide Rollen haben mir emotional am meisten gegeben. Colmans Rolle war tragisch, gefühlvoll, witzig, skurril und ihre Leistung super.

Lady Gaga war einfach perfekt gecasted und die Rolle und ihre Performance unfassbar authentisch.

Wahrscheinlich: #1 Glenn Close #2 Olivia Colman

Die Siegerin in dieser Kategorie scheint schon fast festzustehen Glenn Close hat mit ihrer Leistung in Die Frau des Nobelspreisträgers nahezu alle Awards abgeräumt für die sie nominiert war.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Glenn Close für ihre Performance und herausragende Karriere auch mit dem Oscar belohnt wird am Sonntag.

Bester Hauptdarsteller / Actor in A Leading Role:

Christian Bale (Vice) | Bradley Cooper (A Star is Born) | Willem Dafoe (At Eternity’s Gate) | Rami Malek (Bohemian Rhapsody) | Viggo Mortensen (Green Book)

Wunsch: #1 Rami Malek #2 Bradley Cooper

Den Spirit und die Persona Freddie Mercurys einzufangen ist mit Sicherheit keine leichte Aufgabe, aber Rami Malek hat es gemeistert und ist zurecht der größte Favorit und meine erste Wahl für diese Kategorie.

Der Film Bohemian Rhapsody ist nicht frei von Fehlern und Skandalen drumherum, aber Maleks Performance ist es.

Wahrscheinlich: #1 Rami Malek #2 Christian Bale

Hollywoods Chamäleon Christian Bale hat wieder zugeschlagen und seinen Körper transformiert für seine Rolle als Dick Chaney.

Doch auch wenn mir Vice als Film nicht so richtig gefallen hat, war sein Schauspiel wie gewohnt sehr stark und mehr als nur „Teeth & Wig“, wie man manchmal abschätzig behauptet bei solchen Rollen. Bale hat sicherlich die größten Chancen Malek auszustechen.

Bester Film / Best Picture:

Bohemian Rhapsody | A Star is Born | Black Panther | Green Book | Blackkklansman | Roma | The Favourite | Vice

Wunsch: #1 The Favourite #2 A Star is Born

Meine Wahl für den besten Film dieser Oscars ist Lanthimos‘ The Favourite. A Star is Born muss sich wie bei meiner Top15-Liste 2018 mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

Ich liebe diese ungewöhnlichen Stoffe, die mir das Gefühl geben etwas gesehen zu haben, was ich noch nie zuvor sah. Wenn es dann noch so brillant umgesetzt wird und einfach alles stimmt, ist das für mich das Zünglein an der Waage.

Wahrscheinlich: #1 Roma #2 Green Book

Lange Zeit galt Green Book als aussichtsreichster Kandidat auf den Preis als „Bester Film“ des Jahres. Doch eine Award-Season kann lang sein und im Fall von Green Book vielleicht ein wenig zu lang.

In den letzten Wochen hat sich Alfonso Cuarons Netflix-Film Roma mit autobiographischen Elementen die Favoritenrolle gesichert und gilt mit 10 Nominierungen als Frontrunnter für diese Kategorie. Emotional hat mich Roma zwar kalt gelassen, aber handwerklich war der Film ein Meilenstein.

Zusätzlich schau ich vor allem auf folgende Kategorien:

Bester Regisseur:
Wunsch: #1 Spike Lee / Wahrscheinlich: #1 Alfonso Cuaron
In den letzten 5 Jahren stand am Ende 4x ein mexikanischer Regisseur auf dem Siegerpodest und konnte den Oscar mit nach Hause nehmen. Auch dieses Jahr ist mit Alfonso Cuaron einer aus dem goldenen Trio der große Favorit. Vermutlich nimmt er zurecht den Preis am Ende mit, aber Spike Lee ist lang genug im Geschäft, hat ein gutes Standing in Hollywood und viele Filme mit Message. Vielleicht sorgt er für eine Überraschung.

Bestes original/adaptierte Drehbuch:
Wunsch: #1 A Star is Born (adapt) / #1 The Favourite (orig.) / Wahrscheinlich: #1 Blackkklansman (adapt) / #1 The Favourite (orig)
The Favourite und A Star is Born sind für mich die rundesten Drehbücher und haben mich dieses Jahr am besten unterhalten und mich gleichzeitig am wenigsten verärgert.

Bester Animationsfilm:
Wunsch: #1 Spider-Man: A new Universe / Wahrscheinlich: #1 Spider-Man: A new Universe #2 Incredibles 2
Die Animationskategorie ist diesese Jahr sehr interessant besetzt und bietet ein qualitativ hochwertigen Mix aus den verschiedensten Animationsstilen. In einem normalen Jahr wären Pixars Die Unglaublichen 2 wohl der Frontrunner, wäre da nicht die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft. Im Dezember wurde Spider-Man: A New Universe veröffentlicht und hat alle weggeblasen. Der optische Stil war genial und Geschichte, Charaktere und Dialoge bockstark. Ich habe im letzten Jahr glaube ich zu keinem Film mehr positive Meinungen in den sozialen Netzwerken gelesen wie zu A New Universe – für viele war er sogar der beste Superheldenfilm des Jahres.

Zusammenfassung:

Wunsch – BigFive + Bonus:

  • #1 Regina King #2 Rachel Weisz (Nebendarstellerin)
  • #1 Sam Elliott #2 Mahershala Ali (Nebendarsteller)
  • #1 Olivia Colman #2 Lady Gaga (Hauptdarstellerin)
  • #1 Rami Malek #2 Bradley Cooper (Hauptdarsteller)
  • #1 The Favourite #2 A Star is Born (Film)
  • #1 Spike Lee (Regisseur)
  • #1 A Star is Born & The Favourite (Drehbücher)
  • #1 Spider-Man: A New Universe (Bester Animationsfilm)

Wahrscheinlich – Big Five + Bonus:

  • #1 Regina King #2 Amy Adams (Nebendarstellerin)
  • #1 Mahershala Ali #2 Richard E. Grant (Nebendarsteller)
  • #1 Glenn Close #2 Olivia Colman (Hauptdarstellerin)
  • #1 Rami Malek #2 Christian Bale (Hauptdarsteller)
  • #1 Roma #2 Green Book (Film)
  • #1 Alfonso Cuaron (Regisseur)
  • #1 Blackkklansman & The Favourite (Drehbücher)
  • #1 Spider-Man: A new Universe #2 Die Unglaublichen 2 (Bester Animationsfilm)

The Favourite | Kritik / Review (Oscars 2019)

The Favourite

Storyanriss:

Der englische Königshof im 18. Jahrhundert: England befindet sich im Krieg gegen Frankreich, doch die kranke und geschwächte Königin Anne (Olivia Colman) ist kaum in der Lage die Nation zu regieren. Stattdessen liegt die Zukunft ihres Landes in den Händen ihrer Vertrauten Lady Sarah (Rachel Weisz), die sich neben den Regierungsgeschäften auch noch um Annes Gesundheit kümmert und versucht, deren Launen im Zaum zu halten. Die Monarchin ist nämlich eine anstrengende Person, die sehr impulsiv ist und zu Wutausbrüchen neigt. Bald tritt ein neues Dienstmädchen, Sarahs Cousine Abigail (Emma Stone), die ihren Adelstitel verloren hat, ihre Stelle am Hofe an und übernimmt zunächst niedere Arbeiten. Schnell wird aber Königin Anne auf den Verstand und den Charme der schönen, jungen Frau aufmerksam. Abigail begegnet der Königin mit Schmeicheleien, was Sarah überhaupt nicht passt. Und so entbrennt zwischen den Cousinen damit schließlich ein erbitterter Kampf um Annes Gunst und dem damit verbundenen politischen Einfluss.

Fazit:

The Favourite ist der neueste Film von Yorgos Lanthimos, dem Regisseur von Dogtooth, The Killing of a Sacred Deer und The Lobster. The Favourite ist mit 10 Oscar-Nominierungen einer der großen Favoriten dieses Jahr. Auch der griechische Regisseur Lanthimos konnte seine dritte Nominierung einsacken. Erstmals schrieb er aber das Drehbuch nicht selbst. Ehrlich gesagt merkt man das auch deutlich, denn es handelt sich hier um den zugänglichsten all seiner Filme. Er ist definitiv weniger grotesk und abgefahren. Es handelt sich schlicht um eine Komödie in einem ungewöhnlichen Kostümfilm-Setting.

Mir hat The Favourite besonders gut gefallen. Die Dialoge sind spritzig und bissig, die 3 Hauptdarstellerinnen sind wie gewohnt über jeden Zweifel erhaben und die Geschichte ist witzig verrückt. Das Drehbuch bietet eine ungewöhnliche Geschichte über eine Dreiecksbeziehung, Loyalität und Intrigen, die mir dieses Jahr viel Spaß gemacht hat. Mal sind die Gespräche von brutalster Ehrlichkeit geprägt und mal durch manipulative Lügengebilde – egal welche Facette man gerade von den drei unterschiedlichen Charakteren präsentiert bekommt: sie sind super unterhaltsam und immer wieder frisch.

Auch die Kameraarbeit und das Editing waren grandios und führten zu traumhaften Bildern und virtuosen Kamerafahrten. Trotz der 10 Nominierungen wird der Film in den wichtigsten Kategorien vermutlich leer ausgehen. Ich denke in Sparten wie Kostümdesign, Produktionsdesign, Original Drehbuch und Schnitt wird man den ein oder anderen Oscar eventuell mitnehmen können. Für die Beste Hauptdarstellerin und Bester Film kann man vielleicht einen Upset schaffen, auch wenn sie nicht zu wahrscheinlich sind.

Dominieren wird The Favourite nicht, obwohl er unter allen Filmen in der Kategorie Bester Film neben A Star is Born mein Highlight war.

Roma | Kritik / Review (Oscars 2019)

Roma

Storyanriss:

Die junge Cleo (Yalitza Aparicio) arbeitet in den 1970er Jahren als Hausmädchen für eine mexikanische Mittelstandsfamilie im Stadtteil Roma in Mexiko Stadt. Zusammen mit ihrer Kollegin und Freundin Adela (Nancy García) kümmert sie sich nicht nur ums Kochen und Putzen, sondern auch aufopferungsvoll um die drei Kinder des Haushalts. Als sich ihre Arbeitgeber Sofia (Marina de Tavira) und Antonio (Fernando Grediaga) trennen und letzterer zuhause auszieht, hilft sie Sofia, diesen Umstand vor den Kindern geheimzuhalten. Als sie selbst von ihrem Freund Fermín (Jorge Antonio Guerrero) schwanger wird, weist der die Verantwortung von sich und ergreift feige die Flucht. Für Sofia und Cleo keine einfache Situation. Dann kommt es in der Stadt nach politischen Studentenunruhen plötzlich zu einer heftigen Eskalation der Gewalt.

Fazit:

Alfonso Cuarons neuester Film Roma ist eines dieser Filmprojekte, die ich sehr für ihre Machart respektiere, für das Handwerk, das wie üblich bei Cuaron meisterlich ist. Er schrieb das Drehbuch, inszenierte und war dieses Mal sogar selbst hinter der Kamera zu finden und bescherte uns einige der schönsten Bilder und Kamerafahrten des Jahres. Was kann dieser mexikanische Regisseur eigentlich nicht? Mich emotional abholen – zumindest mit Roma.

Roma mauserte sich mittlerweile zum größten Favoriten auf den „Bester Film“-Oscar und trotzdem würde mir dieser Sieg nicht viel geben. Diese Geschichte hat viele autobiographische Bezüge zu Cuarons Kindheit und ist für ihn selbstverständlich emotional sehr aufgeladen. Meine Gefühle hat er hingegen zu keinem Zeitpunkt berührt, eher noch empfand ich ihn mitunter als dröge. Ich muss keine 3 Minuten lang eine Kachel sehen. Der Trend zu langen Filmen ist allgegenwärtig, ich bin dafür, zumindest solche Momente zu kürzen, denn Roma muss keine 2h 15 Minuten gehen.

Mit 10 Nominierungen stellt Roma einen der Frontrunner dieses Jahr. Zumindest für mich ist es sehr fragwürdig, dass Roma sowohl als Best Foreign Film sowie auch als Bester Film nominiert wurde. Beide für sich sind in Ordnung, beide gleichzeitig wirkt falsch und man hätte zumindest beim Auslands-Oscar Platz machen können für einen anderen Beitrag. Genauso sehe ich nicht warum Yalitza Aparicio und Marina de Tavira für Beste Neben– sowie Hauptdarstellerin bedacht wurden. Klar, die Geschichte dahinter ist gut: eine Nichtschauspielerin wird entdeckt und gewinnt einen Oscar. Doch für mich haben beide Figuren und Schauspielerinnen nicht so recht was in den Kategorien verloren. Es gab mit Emily Blunt oder vor allem Toni Collette deutlich stärkere Performances dieses Jahr, um nur zwei zu nennen.

Roma wird viele Goldjungen dieses Jahr gewinnen und vermutlich sogar als Bester Film ausgezeichnet. Damit würde er Geschichte schreiben und als erster Film einer Streamingplattform wie Netflix diesen Preis mit nach Hause nehmen und den Vormarsch der Streaming-Giganten untermauern.

Green Book | Kritik / Review (Oscars 2019)

Green Book

Storyanriss:

Die USA im Jahr 1962: Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) ist ein begnadeter klassischer Pianist und geht auf eine Tournee, die ihn aus dem verhältnismäßig aufgeklärten und toleranten New York bis in die amerikanischen Südstaaten führt. Als Fahrer engagiert er den Italo-Amerikaner Tony Lip (Viggo Mortensen), der sich bislang mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten und etwa als Türsteher gearbeitet hat. Während der langen Fahrt, bei der sie sich am sogenannten Negro Motorist Green Book orientieren, in dem die wenigen Unterkünfte und Restaurants aufgelistet sind, in dem auch schwarze Gäste willkommen sind, entwickelt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden sehr gegensätzlichen Männern.

Fazit:

Die obligatorische Nacherzählung einer wahren Geschichte, darf auch bei den diesjährigen Oscars natürlich nicht fehlen – vor allem wenn sie gut inszeniert wird wie in Green Book. Obwohl die Geschichte zu den Zeiten starker Rassendiskriminierung spielt und man stetig an besagtes Green Book und die Ungerechtigkeiten erinnert wird, ist der Film durchaus auch eine emotionale Buddy-Komödie. Wenn man das weiß, wirkt es auch weniger merkwürdig, dass ausgerechnet Peter Farrelly, Regisseur von Verrückt nach Mary & Dumm und Dümmer, diese Geschichte inszenierte. Das Drehbuch stammt vom Sohn des von im Film von Viggo Mortensen dargestellten Tony Lip, Nick Vallelonga.

Mir hat Green Book sehr gut gefallen, weil sowohl die dramatischen als auch die humoristischen Aspekte funktionierten, ohne dass das jeweils andere Genre in Mitleidenschaft gezogen wurde. Mit Bravour wurde diese Aufgabe von den beiden Hauptdarstellern Mahershala Ali (Moonlight) und Viggo Mortensen (Captain Fantastic) gelöst, die auch jeweils mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurden. Vor allem Mahershala Ali darf sich große Hoffnungen machen auf seinen zweiten Goldjungen. Lange galt Green Book auch als Frontrunner für den Besten Film des Jahres, doch mit den Entwicklungen und Indikatoren der letzten Wochen, müssen Peter Farrelly und Co. befürchten am Ende von Roma übertrumpft zu werden.

A Star Is Born | Kritik / Review (Oscars 2019)

A Star Is Born

Hangover“-Star Bradley Cooper hat sich für sein Regiedebüt sehr große Fußstapfen ausgesucht, die es zu füllen gilt. Mit A Star Is Born verfilmte er nämlich einen bekannten Stoff, der bereits 4x in den 30ern, 50ern und 70ern inszeniert und interpretiert wurde. Unter anderem gab es Versionen mit den Hollywoodlegenden Judy Garland (Der Zauberer von Oz) und Barbra Streisand (Funny Girl) in den Hauptrollen. In seiner Version übernehmen Lady Gaga (American Horror Story) und Bradley Cooper selbst die beiden Hauptrollen.

Storyanriss:

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere lernt der Musiker Jackson Maine (Bradley Cooper) die Kellnerin Ally (Lady Gaga) kennen, deren großes musikalisches Talent er sofort erkennt. Nach einer romantischen Nacht, die die beiden mit Philosophieren und Liedertexten auf einem verlassenen Parkplatz verbracht haben, lädt Jackson Ally zu einem seiner Konzerte ein und holt sie dann überraschend auf die Bühne. Der grandiose Auftritt der Nachwuchssängerin geht viral – und nach dem Konzert entwickelt sich nicht nur eine leidenschaftliche Liebesbeziehung zwischen Jackson und seiner musikalischen Entdeckung, sondern Ally wird durch das im Internet kursierenden Video von ihren Sangeskünsten auch schlagartig berühmt. Während ihr Stern nun unaufhaltsam steigt, beginnt der von Jackson zu sinken und er verfällt immer mehr dem Alkohol.

Music is essentially 12 notes between any octave – 12 notes and the octave repeats. It’s the same story told over and over, forever. All any artist can offer this world is how they see those 12 notes. That’s it.

Fazit zu „A Star is Born“:

Die Geschichte ist eine klassische Ode ans Showbusiness, Hollywood und die Liebe, was es wenig überraschend macht, dass ausgerechnet dieser Stoff so oft verfilmt wurde. Hollywood liebt diese Geschichten, wie man im vorletzten Jahr auch bei La La Land sehen konnte. Es geht um die Träumer, Macher, Kreativen in einem Haifischbecken, das dich mit Haut und Haaren auffrisst, wenn du dich nicht durchsetzt. Jackson und Ally spiegeln diese beiden Positionen wider und machen die Geschichte vielschichtig. Untermalt wird diese Erzählung vor allem durch den guten Soundtrack, die Kameraarbeit und authentischen Darstellern.

Die Kameraarbeit vom oscarnominierten Matthew Libatique (Black Swan) war klasse. Ihm gelang es vor allem bei den musikalischen Auftritten einen ziemlich einzigartigen Vibe zu schaffen, der dich glauben lässt, du wärst selbst auf der Bühne. Der Stil wirkte sehr authentisch, intim und zurückgenommen aber keineswegs schlecht. Der Soundtrack wurde zum Großteil selbst geschrieben und komponiert – viele der Songs sind auch mit Hilfe von Bradley Cooper und Lady Gaga entstanden. Vor allem im ersten Drittel haben mir die musikalischen Beiträge sehr gefallen und waren zusammen mit der Inszenierung ein Garant für Gänsehaut.

Auch die Darsteller im Film waren super, egal ob Nebendarsteller wie Dave Chapelle (Chapelle’s Show) und Sam Elliott (Road House), die manchmal ohne viel zu sagen die richtigen Emotionen beim Zuschauer erzeugten oder natürlich Bradley Cooper und Lady Gaga in den Hauptrollen. Bradley

Die Geschichte selbst ist auch wenn man die vier ersten Interpretationen außer Acht lässt, in Versatzstücken schon häufiger so in Filmen verwurstet worden, doch das hat mich zu keinem Zeitpunkt gestört. Gerade das erste Drittel fand ich phänomenal gut und auch das Ende traf bei mir einen Nerv. Wenn ich was kritisieren muss, dann wäre es der Mittelteil des Films, der keineswegs schlecht war, aber ich hätte mir persönlich eine etwas andere Interpretation gewünscht auf die ich jetzt aus spoilertechnischen Grüßen nicht näher eingehe. Das muss aber definitiv nicht jeder so sehen.

Cooper liefert hier vielleicht die beste Leistung seiner Karriere ab und Lady Gaga, die bereits für ihre Rolle in American Horror Story einen Golden Globe bekommen hat, stiehlt hier regelmäßig jede Szene und war eine fantastische Wahl für diese Figur. Schön, dass die beiden Darsteller und Sam Elliott nominiert wurden – auch wenn alle drei nur Außenseiterchancen haben. Auch wenn es sich quasi um ein Remake handelt, hätte Cooper für sein Regiedebüt auch als Regisseur eine Nominierung für den Oscar verdient gehabt. Wie im Herbst von mir vorrausgesagt, hat „Shallow“ seine Chance genutzt und wird völlig zurecht vermutlich am 24. Februar den Goldjungen gewinnen.

Ich empfehle A Star is Born aus vollstem Herzen und bin gespannt wieviel Liebe er bei der Oscar-Verleihung bekommt.

Blackkklansman | Kritik / Review (Oscars 2019)

BlackKklansman

Storyanriss:

Die Siebziger in Colorado Springs: Ron Stallworth (John David Washington) ist der erste Schwarze, der beim Polizeidepartment angenommen wird. Seine Arbeit besteht zunächst aus Undercover-Einsätzen bei Veranstaltungen der Black-Power-Bewegung – bis er einfach mal den Ku-Klux-Klan kontaktiert. Er bittet telefonisch um Aufnahme und wird so tatsächlich Mitglied! Ron gibt sich als weißer Rassist aus, was aber nur so lange klappen kann, wie er nicht an einem örtlichen Treffen teilnimmt. Wann immer es um Rons Anwesenheit bei einer der unmaskierten Ku-Klux-Klan-Veranstaltung geht, springt also der jüdische Kollege Flip (Adam Driver) ein, der dann die aus den Telefongesprächen bekannte Stimme imitiert. Ron und Flip fördern bei ihren Ermittlungen zutage, dass der lokale KKK-Ableger offenbar einen Terroranschlag plant. Und Ron gelingt es sogar, mit dem Neonazi David Duke (Topher Grace) zu telefonieren, einem verdammt hohen Tier im Klan.

Fazit zu „Blackkklansman“:

BlacKkKlansman ist ein spannender Genremix und einer der wichtigsten Filme des Jahres. Auch hier ist es unfassbar eine so skurrile Geschichte vor sich zu haben die wahr ist. Ein schwarzer Cop, der sich beim Ku-Klux-Klan einschleust – mind blown. Der Film bietet viele echt witzige Momente, wenn zum Beispiel Hauptdarsteller John David Washington, Sohn von Legende Denzel Washington, am Telefon mit den KKK-Mitgliedern und Bossen redet und sich selbst das lachen kaum verkneifen kann, weil man ihm erzählen will, er muss ein Weißer sein so wie er redet. Und auch der restliche Cast rund um Adam Driver spielt stark auf und kann mit grandiosen Szenen überzeugen.

Inszenatorisch kann Spike Lee wie immer punkten, gerade wenn er dann wie im letzten Drittel eine politische Rede von Afroamerikanern einem Filmabend von KKK-Mitgliedern gegenüberstellt, die sich den super erfolgreichen und höchstrassistischen Birth of a Nation jubelnd reinziehen. Spike Lee gelingt es trotz des bissigen Humors auch viele Seitenhiebe gegen die damalige sowie heutige Politik zu setzen, die definitiv treffen. So mancher Kommentar löste Schnappatmung aus. Auch ganz am Ende des Films, wenn Spike Lee im Abspann aktuelle Aufnahmen aus Charlottesville zeigt, wirkten diese Bilder wie ein Schlag in die Magengrube.

BlacKkKlansman ist ein witziger und dennoch intellektuell anspruchsvoller Film, der mit seiner Kritik aktueller denn je ist. Die größten Chancen auf einen Oscar-Gewinn am 24. Februar hat der Film in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch und Spike Lee als Regisseur.

Vice | Kritik / Review (Oscars 2019)

Vice

Storyanriss:

Wyoming im Jahr 1963: Der 22-jährige Dick Cheney (Christian Bale) schlägt sich durchs Leben, indem er Stromleitungen repariert. Er ist ein ungelernter Arbeiter, da er das Studium in Yale wegen seiner ständigen Sauferei geschmissen hat. Sein Trinkverhalten hat sich seitdem aber nicht geändert. Nachdem er wegen Trunkenheit am Steuer angeklagt wird, zieht seine Ehefrau Lynne (Amy Adams) die Reißleine. Sie will ihn verlassen, wenn er sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Daraufhin ergattert Cheney ein Praktikum in Washington. An der Seite des Kabinettsmitglieds Donald Rumsfeld (Steve Carell) beginnt er schließlich eine politische Laufbahn und wird bald sogar zum Verteidigungsminister unter George Bush Sr. (John Hillner). Seine Karriere wird aber noch steiler und gipfelt in der Vizepräsidentschaftskandidatur an der Seite von George W. Bush (Sam Rockwell). Bald ist es auch Cheney, der nach dem 11. September die Pläne für einen Krieg gegen den Irak vorantreibt.

Fazit:

Adam McKay, Regisseur vom Comedy-Klassiker Anchorman, hat uns in The Big Short gezeigt wie ein bissiger Kommentar und eine bitterböse Satire zur Bankenkrise auszusehen hat. The Big Short erfreute sich nicht nur bei mir großer Beliebtheit und ließ die Vorfreude auf seinen neuesten Seitenhieb, Vice – Der zweite Mann, immens steigen. Dementsprechend hoch war die Fallhöhe, doch zumindest für mich hat Vice nicht so gezündet wie erhofft.

Vice hat mit 66% auf Rotten Tomatoes einen vergleichsweise geringen Score für einen oscarnominierten Film in der Kategorie „Bester Film“. Unter allen Kandidaten liegt nur Bohemian Rhapsody hinter Vice. Der Film spaltete also die Kritiker und auch wenn das im Gegenteil zu mir mit anderen Gründen zu tun, muss ich sagen, dass mich diese Dick Chaney Satire nicht begeistern konnte. Als gelungen empfand ich die seit The Big Short etablierten Meta-Ebenen und das Brechen der vierten Wand. Diese Szenen mit der Marktforschungsgruppe fand ich spannend und perfide – vor allem auch in den Credits. Apropos Credits, in dieser Hinsicht bietet Adam McKay uns einige interessante Momente, ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten.

Auch schauspielerisch gibt es nicht viel zu meckern. Christian Bale (Batman Begins) geht in seiner Rolle des Dick Chaney im wahrsten Sinne auf, Amy Adams (Arrival) an seiner Seite stark wie immer und auch Sam Rockwell (3 Billboards) sowie Steve Carell (Foxcatcher) waren super. Auf dem Papier spricht viel für diese Politsatire und brutale Abrechnung mit dem wohl mächtigsten Strippenzieher in der amerikanischen Politik der letzten Jahrzehnte, doch emotional ließ mich der Film kalt und zuweilen war das Tempo des Films mir gefühlt zu langsam.

Adam McKays Vice wird im Gegensatz zu The Big Short kein Film sein, den ich uneingeschränkt empfehlen kann, doch nur weil er mich nicht so abholte, muss das für euch nicht gelten. Im Oscar-Rennen gilt Christian Bale als größter Konkurrent zu Rami Malek. Darüberhinaus hat Vice gute Chancen für das Beste Make-Up und Bester Schnitt ausgezeichnet zu werden.