Blood & Sinners | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

1932: Die Zwillingsbrüder Elijah und Elias Smoke (beide von Michael B. Jordan gespielt) wollen auf vertrautem Boden noch einmal neu anfangen. Also lassen sie ihr bisheriges Leben in der Unterwelt Chicagos hinter sich und kehren zurück in ihre alte Heimatstadt Clarksdale im Bundesstaat Mississippi, um dort eine Bar aufzumachen. Doch dort scheint alles andere als ein ruhiges Leben auf die Zwillinge zu warten: Nicht nur der Ku-Klux-Klan, sondern offenbar auch eine übernatürliche Macht trachtet den beiden nach ihrem Leben.

Fazit:

Ryan Coogler wagt mit Blood & Sinners erstmals einen vollkommen eigenständigen Stoff und erhält dafür ein ungewöhnlich hohes Budget, das er sichtbar in aufwendige Sets und historische Ausstattung investierte. Der Film setzt auf große, analoge Bilder, die mit 65mm- und IMAX-Kameras gedreht wurden. Visuell sehr beeindruckend, doch noch wichtiger als die Bilder ist die Musik, die als emotionales und thematisches Zentrum fungiert. Cooglers Faszination für Blues und dessen ambivalente Rolle zwischen Spiritualität und „Teufelsmusik“ prägt den gesamten Film. 

Besonders eindrucksvoll wird dies in einer langen Plansequenz deutlich, in der Raum und Zeit verschwimmen und die Geschichte Schwarzer Musik komprimiert erzählt wird. Eine der besten Szenen des gesamten Filmjahres. Michael B. Jordan überzeugt in einer technisch makellosen Doppelrolle als Zwillingsbrüder, deren Schauspieltrick schnell in den Hintergrund tritt. Die Handlung ist tief in der afroamerikanischen Geschichte der 1930er-Jahre verwurzelt und gewinnt durch viele Details große Authentizität. 

Zunächst wirkt der Film wie ein atmosphärisches Südstaaten-Drama über Heimkehrer und Gemeinschaft, bevor er überraschend das Genre wechselt. From Dusk Till Dawn lässt grüßen. In der zweiten Hälfte entfesselt Coogler einen kompromisslosen Vampirhorror mit drastischer Gewalt und makabrem Humor. Blood & Sinners verbindet Historienfilm, Musikdrama und Horror zu einem riskanten, nicht immer perfekten, aber außergewöhnlich kraftvollen Genre-Mix. 

Insgesamt bestätigt Coogler damit seinen Ruf als einer der spannendsten Regisseure seiner Generation. Mit 369 Millionen an den Kinokassen gelingt Sinners der Sprung in die BoxOffice Top20 des Jahres 2025 und darf sich darüber hinaus auch über sehr wohlwollende Kritiken von Fans und Branche erfreuen.

Mit gigantischen 16 Oscar-Nominierungen ist Sinners der neue Rekordhalter und stieß La La Land zumindest vom Nominierungsthron. Doch das birgt auch immer die Gefahr der große Loser des Abends zu werden. Für Sinners sprechen die große Fangemeinde, vor allem auch in der POC-Community und eine Langlebigkeit. Üblicherweise starten viele Oscarbeiträge erst im November/Dezember, weil Filme die im Frühjahr starten automatisch ein wenig in Vergessenheit geraten und eine Werbekampagne ein Jahr lang aufrecht zu erhalten, völliger Quatsch ist.

Sinners konnte trotz Start im April 25 das gesamte Jahr über einen gewissen Kultstatus aufrecht erhalten und ist eigentlich in jeder Kategorie in realistischer Reichweite auf den Sieg – nicht zuletzt gewann vor einer Woche Michael B. Jordan den wichtigen Actors Guild-Award für den besten Hauptdarsteller. Das ist zum einen interessant, weil er zuvor häufig den kürzeren zog in der Awardsaison gegen beispielsweise Timothee Chalamet und zum anderen, weil der Actors Guild-Award eine sehr große Schnittmenge mit der größten Oscar-Voters-Gruppe, den Schauspielern, aufweist.

Es ist also echt schwierig einzuschätzen wie am Ende die Mitglieder abgestimmt haben und Sinners könnte krass die Oscars sweepen oder der größte Verlierer des Abends werden. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Nominiert ist Sinners in folgenden Kategorien: Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bestes Originaldrehbuch, Bestes Casting, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren, Beste Filmmusik, Bester Filmsong, Bester Schnitt, Bester Ton, Beste visuelle Effekte und Bester Film. Fast sicher sollten Siege für das beste Casting, das beste Originaldrehbuch und die beste Filmmusik sein, aber wie gesagt hängt man bei vielen Kategorien wie Bester Film, Bester Hauptdarsteller, Bester Ton, Beste Kamera, Beste Nebendarstellerin etc. dem jeweiligen Favorit eng auf den Fersen, so dass es hier bis zuletzt sehr spannend bleibt.

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