Bugonia | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Michelle Fuller (Emma Stone) steht an der Spitze eines riesigen Biomedizinkonzerns. Also Privatperson wie als Chefin führt sie ein strenges Regiment: Ihr Wecker klingelt um 4.30 Uhr, also fast noch mitten in der Nacht. Bevor es für sie ins Büro geht, wird für die körperliche Fitness gesorgt. Disziplin erwartet sie auch von ihren Mitarbeiter*innen. Vor 17.30 Uhr darf niemand an Feierabend denken. Ihre Firma hat sich der Herstellung von Medikamenten für den Opioidentzug gewidmet. Doch bei Erprobung und Einsatz genau dieser Medikamente kamen auch Menschen zu Schaden – so etwa Teddys (Jesse Plemons) Mutter Sandy (Alicia Silverstone). Teddy ist jedoch haufenweise Verschwörungserzählungen verfallen und glaubt deshalb, einem noch viel größeren Problem gegenüberzustehen: Aliens. Und Michelle soll insgeheim eines davon sein. Also beschließt Teddy zusammen mit seinem Cousin Don (Aidan Delbis), Michelle zu entführen, in seinem Keller einzuschließen und sie dann irgendwie dazu zu bringen, zusammen mit den anderen auf der Erde geglaubten Aliens zu verschwinden.

Fazit:

Bugonia ist die amerikanische Adaption des südkoreanischen Genrefilms Save The Green Planet!. Deren extreme Mischung aus schwarzem Humor, Wahnsinn und Gesellschaftskritik lange als kaum nachahmbar galt. Im Remake Bugonia übernimmt jedoch Yorgos Lanthimos die Regie und verlagert den Fokus stärker auf psychologische Spannung und gesellschaftliche Aussagen. Die Handlung dreht sich um zwei Verschwörungsgläubige, die eine Pharma-CEO entführen, weil sie sie für eine außerirdische Bedrohung halten. Das Remake konzentriert sich vor allem auf Wortgefechte und mentale Manipulation zwischen Entführern und Opfer.

Die Figur der CEO verkörpert moderne Konzernlogik, Selbstoptimierung und kontrollierte Kommunikation. Zugleich rückt der Film die Kritik an Wirtschaftssystem, Konzernmacht und sozialer Entfremdung stark in den Vordergrund. Der Verschwörungsgläubige Teddy wird nicht nur als skurriler Fanatiker gezeigt, sondern als tragische Figur, deren Wahn aus Frust, sozialem Scheitern und persönlichem Leid entsteht. Seine Lebensumstände, etwa monotone Arbeit und die Krankheit seiner Mutter, liefern einen emotionalen Hintergrund für seine Radikalisierung.

Der Film verbindet brutale Entführungsszenen mit satirischen Elementen. Es überzeugen vor allem die Darsteller, insbesondere Emma Stone und Jesse Plemons, durch intensive und vielschichtige Leistungen. Inhaltlich geht es weniger um absurden Humor als um Themen wie Klimakrise, Verschwörungsglauben, Verlust von Zugehörigkeit und gesellschaftliche Entfremdung. Typisch für Lanthimos nutzt auch Bugonia eine künstlich überhöhte Welt. Am Ende zeigt der Film überraschend Mitgefühl für seine Figuren und stellt die einfache, aber eindringliche Frage, warum Menschen einander das Leben so schwer machen.

Vorab hätte ich vor allem Jesse Plemons Chancen auf eine Nominierung zugesprochen, doch am Ende wurde er nicht bedacht. Ich freue mich wie immer über Emma Stone, denke aber nicht, dass Sie realistische Chancen hat dieses Jahr. Insgesamt scheint es sehr unwahrscheinlich, dass Bugonia eine der vier Nominierungen in den Kategorien Beste Hauptdarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Filmmusik und Bester Film in einen Sieg umwandeln kann.

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