Storyanriss:
Wir schreiben das Jahr 1580 und der im kleinen englischen Dorf Stratford-upon-Avon als Lateinlehrer arbeitende William (Paul Mescal) verliebt sich in Agnes (Jessie Buckley). Im Dorf wird hinter immer weniger vorgehaltener Hand vermutet, sie sei eigentlich gar keine Heilerin, sondern eine richtige Hexe. Aber das ist William egal. Die beiden stürzen sich Hals über Kopf in das gemeinsame Leben und bekommen auch schnell drei Kinder. Erst wird Susanna (Bodhi Rae Breathnach) geboren, kurz darauf die Zwillinge Judith (Olivia Lynes) und Hamnet (Jacobi Jupe). Doch mit der Familie endet das Träumen zumindest für William noch nicht. Er will das Lehren endlich hinter sich lassen können und als Dramatiker arbeiten. Auf dem Land geht das jedoch eher schlecht als recht. Also geht er, ermutigt von Agnes, nach London. Erst ist die Familie als nur räumlich voneinander getrennt, dann pflügt die Pest durch das Land und tötet auch Hamnet mit gerade einmal elf Jahren. Das treibt William an, seinem Sohn zu Ehren ein Stück zu schreiben
Fazit:
Hamnet hat schon vor seinem Kinostart große Erwartungen geweckt, vor allem wegen seines angeblich sehr bewegenden Finales. Tatsächlich erfüllt der Film von der oscarprämierten Regisseurin Chloé Zhao (Nomadland) diese Erwartungen in zumindest emotionaler Hinsicht, indem er die Geschichte vom Tod von William Shakespeares Sohn in eine eindringliche, emotional starke Erzählung verwandelt. Der emotionale Kern des Films ist das durch die Pest zerstörte Familienglück, das mit einem für mich sehr eindrucksvollem Schlussakt grandios erzählt wird.
Die Geschichte verbindet historische Fakten mit fiktionalen Elementen und deutet an, dass Shakespeares Trauer in sein berühmtes Stück Hamlet eingeflossen sein könnte. Der Film erzählt weitgehend ruhig und linear vom Leben der Familie, um schließlich in ein intensives, kathartisches Finale zu münden. Besonders die Darstellung von Agnes zeigt eine Frau, die tief mit Natur und Gefühlen verbunden ist und den Verlust ihres Kindes kaum verkraftet. Gleichzeitig wird Will als zerrissene Figur gezeigt, die zwischen Familie und künstlerischer Besessenheit steht.
Im Zentrum steht die Idee, dass Kunst helfen kann, Schmerz zu verarbeiten und Trauer in etwas Sinnstiftendes zu verwandeln. Das Finale, in dem Agnes eine Aufführung von Hamlet erlebt, zeigt, wie sich Leid in Erkenntnis und emotionale Befreiung verwandeln kann. Diese letzten 15 Minuten waren für mich aber auch das absolute Highlight des Films, das Problem für viele werden glaube eher alles davor sein, das auch mir nicht sonderlich viel gegeben hat.
Das altertümliche Setting, die Thematik, das Pacing und der eher geringe Entertainmentfaktor sorgen dafür, dass das jetzt kein Film ist, den ich bedenkenlos der breiten Masse empfehlen würde. Cineasten ziehen ihren Mehrwert mit Sicherheit aus den starken schauspielerische Leistungen und den eindrucksvollen Bildern.
Hamnet hat in folgenden 8 Kategorien eine Oscar-Nominierung erhalten: Best Casting, Beste Filmmusik, Bester Regisseur, Beste Hauptdarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign und Bester Film. Jessie Buckley wird vermutlich als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet werden, darüber hinaus darf sich Hamnet u.a. beim adaptierten Drehbuch noch Außenseiterchancen einräumen dieses Jahr.


