Marty Supreme | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Marty (Timothée Chalamet) ist zwar nur ein einfacher Schuhverkäufer, aber das hält ihn trotzdem nicht davon ab, im Traum die ganz großen Brötchen zu backen. Er fantasiert den lieben langen Tag davon, Weltmeister im Tischtennis zu werden. Oder viel mehr: Er ist bereits davon überzeugt, zu den weltweit besten Tischtennisspielern zu gehören. Deshalb ist es für ihn nur noch eine Frage der Zeit, bis die Realität nachzieht. Seine große Chance sieht er in einem Turnier, für das Marty von New York City nach London fliegt. Doch dort wird er mit der knallharten Realität des Sports, zu dem es dann eben doch ein bisschen mehr als Selbstbewusstsein braucht, konfrontiert. Im Finale unterliegt er dem Japaner Koto Endo (Koto Kawaguchi). Doch Marty will sich noch nicht geschlagen geben und beginnt damit, das Geld für das nächste Turnier zusammen zu kratzen. Dieses Mal muss es mit dem Sieg klappen, sonst muss Marty womöglich wirklich bis in alle Ewigkeit im Schuladen seines Onkels versauern

Fazit:

Die Safdie-Brüder Benny und Josh Safdie haben jahrelang gemeinsam Filme gedreht, die vor allem bei Kritikern großen Anklang fanden. Nach Differenzen gehen die beiden momentan getrennte Wege in ihrer künstlerische Entwicklung. Während Benny Safdie mit dem Biopic The Smashing Maschine mit Dwayne „The Rock“ Johnson in der Hauptrolle nur knapp aus dem Oscar-Rennen flog, gelang es Josh mit Marty Supreme gleich für 9 Oscars nominiert zu werden.

Frühere Filme wie Good Time und Der schwarze Diamant blieben vor allem durch ihre intensive, nervenaufreibende Erzählweise im Gedächtnis der Filmwelt. Während Benny Safdie nun einen eher ruhigeren, konventionelleren Erzählweg wählte, bleibt Josh diesem Stil treu und schuf mit Marty Supreme einen weiteren fiebrigen, energiegeladenen Film.

Im Mittelpunkt steht Marty Mauser, gespielt von Timothée Chalamet, ein ehrgeiziger Tischtennisspieler im New York der 1950er Jahre, der verzweifelt nach Ruhm und Erfolg strebt. Nach einer Niederlage in London setzt er alles daran, genug Geld für eine Reise zur Weltmeisterschaft in Japan aufzutreiben, und gerät dabei in eine chaotische Odyssee.

Der Film zeichnet sich durch sein rastloses Tempo, der intensiven Kameraführung, die treibende Musik und eine Atmosphäre permanenter Anspannung aus. Gleichzeitig ist der Film eine Charakterstudie über Ehrgeiz, Selbstüberschätzung und den beinahe manischen Willen zum Erfolg. Marty erscheint als widersprüchliche Figur – arrogant, manipulativ und moralisch fragwürdig, aber zugleich charismatisch und faszinierend.

Chalamets Darstellung ist außergewöhnlich intensiv, da er sowohl Martys sportliche Besessenheit als auch seine emotionalen Abstürze glaubwürdig verkörpert. Auch das Ensemble mit Profischauspielern und Laiendarstellern sorgt für Authentizität und ein vielschichtiges Figurenbild. Visuell und inszenatorisch verbindet der Film sportliche Spannung mit psychologischem Drama und schwarzem Humor. Trotz seiner langen Laufzeit bleibt die Handlung dynamisch und unvorhersehbar.

Insgesamt präsentiert sich Marty Supreme als energiegeladenes, nervenaufreibendes Kinoerlebnis und zugleich als Porträt eines getriebenen Außenseiters, dessen Aufstieg und möglicher Fall das Publikum in Atem hält. Dennoch denke ich, dass Josh Safdie nun nicht nochmal einen vierten Film nacheinander in diesem Stil inszenieren sollte, wenn er nicht als One-trick-pony verweilen will.

Marty Supreme ist für 9 Oscars nominiert und einer der Frontrunner dieses Jahr. Bestes Casting, Beste Kamera, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt und Bester Film. Ich denke im 3. Anlauf wird Timothée Chalamet seinen Oscar gewinnen und danach hoffentlich ein wenig entspannter an sein Handwerk rangehen. Er ist ein sehr guter Schauspieler, den ich gerne sehe, aber sein Ehrgeiz diesen Oscar zu gewinnen ist fast schon wieder unsympathisch.

Am Ende kommt ihm glücklicherweise noch zu Gute, dass sein aktueller Shitstorm, den er durch respektlose Kommentare gegenüber der Opern und Ballett Szene heraufbeschworen hat, wohl ein paar Tage zu spät richtig an Fahrt gewann und da die Oscar-Votes bereits zu waren. Eine Woche früher und er hätte sich selbst zerstört.

Darüber hinaus hat der Film denke ich vor allem Chancen für das beste Casting, den besten Schnitt und das beste Originaldrehbuch.

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