Storyanriss:
Nach dem Tod ihrer Mutter stehen die Schwestern Nora (Renate Reinsve) und Agnes Borg (Inga Ibsdotter Lilleaas) vor der Herausforderung, sich mit ihrem entfremdeten Vater Gustav (Stellan Skarsgård) auseinanderzusetzen – einem einst gefeierten, inzwischen weitgehend in Vergessenheit geratenen Regisseur. Nora hat ihre Karriere als Theaterschauspielerin kompromisslos verfolgt, während Agnes ein ruhigeres Leben mit Familie und festem Beruf gewählt hat. Gustav hat ein neues Drehbuch verfasst und bietet seiner Tochter Nora die Hauptrolle an. Doch sie lehnt das Angebot entschlossen ab. Auf einer Retrospektive seiner Filme in Frankreich trifft Gustav auf die erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin Rachel Kemp (Elle Fanning), der er schließlich die ursprünglich für Nora vorgesehene Rolle überträgt. Als die Dreharbeiten in Norwegen anlaufen, sieht Gustav eine letzte Gelegenheit, sich seinen Töchtern wieder anzunähern und das zerrüttete Familienverhältnis zu heilen.
Fazit:
Mit Sentimental Value erweitert der norwegische Regisseur Joachim Trier seine frühere Oslo-Trilogie um ein weiteres, lose verbundenes Kapitel, in dem vor allem ein Familienhaus und nicht mehr die Stadt im Mittelpunkt steht. Die Tragikomödie erzählt von der konfliktreichen Beziehung zwischen der Schauspielerin Nora und ihrem lange abwesenden Vater Gustav, einem alternden Regisseur, gespielt von Stellan Skarsgård.
Der Film konzentriert sich stark auf Themen wie Entfremdung, ungelöste Traumata, Geschwisterbeziehungen und den Wunsch nach Anerkennung und Liebe. Besonders wichtig ist das alte Familienhaus, das als Erinnerungsort für mehrere Generationen und als Symbol für unverarbeitete Vergangenheit dient. Trier verbindet dabei Realität, Film und Theater, um zu zeigen, wie Kunst helfen kann, persönliche Verletzungen zu verarbeiten.
Im Zentrum stehen weniger äußere Ereignisse als vielmehr innere Gefühle, Selbstzweifel und die komplizierte Verbindung zwischen Leben und Kunst. Die stärksten Momente entstehen im Zusammenspiel von Vater und Tochter, deren Beziehung zwischen Distanz, Verletzlichkeit und vorsichtiger Annäherung schwankt. Vor allem die Darsteller liefern hier allesamt richtig ab. Kein Wunder, dass gleich alle vier Darsteller nominiert wurden. Besonders gut fand ich Renate Reinsve und Elle Fanning. Insgesamt ist Sentimental Value ein ruhiges, vielschichtiges Familiendrama über Erinnerung, Selbstsuche und die heilende, aber auch belastende Kraft der Kunst. Auf dieser Ebene ist der Film einem Hamnet gar nicht so unähnlich.
Sentimental Value geht ins Rennen für 9 Oscars. Neben einer Nominierung für den Besten Nebendarsteller und die Beste Hauptdarstellerin, gibt es gleich zwei Chancen für den Gewinn in der Kategorie Beste Nebendarstellerin. Zusätzlich regnete es Nominierungen für Beste Regie, Bester internationaler Film, Bester Schnitt, Bestes Originaldrehbuch und natürlich Bester Film. Hoffnungen darf man sich am ehesten für Stellan Skarsgård als bester Nebendarsteller und für die Auszeichnung des besten internationalen Films machen.


