One Battle After Another | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Vor 16 Jahren hat die Widerstandsgruppe namens „French 75“ auf einen Schlag 200 Häftlinge aus den Fängen des skrupellosen United States Immigration and Customs Enforcement – kurz: ICE – befreit. Danach verschwanden die Widerständler, darunter auch der von allen nur Ghetto Pat genannte Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio), von der Bildfläche. Heute ist Bob getrieben von Paranoia, denn er fürchtet, dass es der damalige ICE-Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn) immer noch auf ihn abgesehen hat und ihm aus Rache nach seinem Leben trachtet. Die Sorge scheint zumindest nicht unbegründet, denn heute ist Lockjaw komplett abgedriftet und Teil der rassistischen „Christian Adventurer Club“-Miliz – und er hat es auf Bobs Tochter Willa (Chase Infiniti) abgesehen. Zusammen mit seinen alten Weggefährt*innen Sensei Segio (Benicio del Toro), Deandra (Regina Hall) und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) macht sich Bob also auf sich dem extremistischen Colonel entgegenzustellen.

Fazit:

Paul Thomas Anderson gehört zu den besten Regisseuren unserer Generation. Für One Battle After Another hat er ein gigantisches Budget von 130 bis 175 Millionen Dollar erhalten, obwohl seine bisherigen Filme, selbst der gefeierte There Will Be Blood, deutlich weniger einspielten. Herausgekommen ist ein wildes, unvorhersehbares Abenteuer voller Action, Humor und skurriler Einfälle, das gleichzeitig aktuelle gesellschaftliche Bezüge aufweist.

Im Mittelpunkt steht Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio), früher Ghetto Pat, ein Ex-Revolutionär, der einst Banken attackierte, Immigranten befreite und gegen ein repressives System kämpfte. 16 Jahre später lebt Bob als Kiffer mit seiner Tochter Willa in einer Kleinstadt, als ihn die Vergangenheit einholt.

Anderson kombiniert durch das selten benutze VistaVision-Format detailreiche, plastische Bilder mit coolen Actionsequenzen. Trotz absurdem Humor und der Überdrehtheit wirken die Figuren emotional greifbar, was insbesondere auf die starke Besetzung zurückzuführen ist. DiCaprio brilliert als tragikomischer Revolutionär, Penn liefert die vielleicht bislang beste Performance seiner Karriere als exzentrischer und furchterregender Antagonist.

One Battle After Another ist sowohl politisch provokant als auch visuell und narrativ ein opulentes Erlebnis, das Andersons Vision und zeitgenössische Relevanz eindrucksvoll vereint. Für viele Leute war es der beste Film des Jahres, für einige sogar einer der besten Filme der letzten Dekade. Dieser Funke ist niemals so auf mich übergesprungen, aber dennoch hat sich der 161 Minuten lange Film seine Favoritenrolle bei den Oscars verdient.

Nominiert ist der Film für satte 13 Oscars in den Kategorien Bestes Casting, Beste Kamera, Bester Hauptdarsteller, Beste Regie, Bester Nebendarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik, Bester Schnitt, Bester Ton und Bester Film. Wie Sinners auch, gehört One Battle After Another in allen nominierten Kategorien zum Favoritenkreis. Größte Chancen sehe ich für das adaptiere Drehbuch, die beste Regie und den besten Film. Auch Sean Penn für den besten Nebendarsteller wäre meine Wahl.

Blood & Sinners | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

1932: Die Zwillingsbrüder Elijah und Elias Smoke (beide von Michael B. Jordan gespielt) wollen auf vertrautem Boden noch einmal neu anfangen. Also lassen sie ihr bisheriges Leben in der Unterwelt Chicagos hinter sich und kehren zurück in ihre alte Heimatstadt Clarksdale im Bundesstaat Mississippi, um dort eine Bar aufzumachen. Doch dort scheint alles andere als ein ruhiges Leben auf die Zwillinge zu warten: Nicht nur der Ku-Klux-Klan, sondern offenbar auch eine übernatürliche Macht trachtet den beiden nach ihrem Leben.

Fazit:

Ryan Coogler wagt mit Blood & Sinners erstmals einen vollkommen eigenständigen Stoff und erhält dafür ein ungewöhnlich hohes Budget, das er sichtbar in aufwendige Sets und historische Ausstattung investierte. Der Film setzt auf große, analoge Bilder, die mit 65mm- und IMAX-Kameras gedreht wurden. Visuell sehr beeindruckend, doch noch wichtiger als die Bilder ist die Musik, die als emotionales und thematisches Zentrum fungiert. Cooglers Faszination für Blues und dessen ambivalente Rolle zwischen Spiritualität und „Teufelsmusik“ prägt den gesamten Film. 

Besonders eindrucksvoll wird dies in einer langen Plansequenz deutlich, in der Raum und Zeit verschwimmen und die Geschichte Schwarzer Musik komprimiert erzählt wird. Eine der besten Szenen des gesamten Filmjahres. Michael B. Jordan überzeugt in einer technisch makellosen Doppelrolle als Zwillingsbrüder, deren Schauspieltrick schnell in den Hintergrund tritt. Die Handlung ist tief in der afroamerikanischen Geschichte der 1930er-Jahre verwurzelt und gewinnt durch viele Details große Authentizität. 

Zunächst wirkt der Film wie ein atmosphärisches Südstaaten-Drama über Heimkehrer und Gemeinschaft, bevor er überraschend das Genre wechselt. From Dusk Till Dawn lässt grüßen. In der zweiten Hälfte entfesselt Coogler einen kompromisslosen Vampirhorror mit drastischer Gewalt und makabrem Humor. Blood & Sinners verbindet Historienfilm, Musikdrama und Horror zu einem riskanten, nicht immer perfekten, aber außergewöhnlich kraftvollen Genre-Mix. 

Insgesamt bestätigt Coogler damit seinen Ruf als einer der spannendsten Regisseure seiner Generation. Mit 369 Millionen an den Kinokassen gelingt Sinners der Sprung in die BoxOffice Top20 des Jahres 2025 und darf sich darüber hinaus auch über sehr wohlwollende Kritiken von Fans und Branche erfreuen.

Mit gigantischen 16 Oscar-Nominierungen ist Sinners der neue Rekordhalter und stieß La La Land zumindest vom Nominierungsthron. Doch das birgt auch immer die Gefahr der große Loser des Abends zu werden. Für Sinners sprechen die große Fangemeinde, vor allem auch in der POC-Community und eine Langlebigkeit. Üblicherweise starten viele Oscarbeiträge erst im November/Dezember, weil Filme die im Frühjahr starten automatisch ein wenig in Vergessenheit geraten und eine Werbekampagne ein Jahr lang aufrecht zu erhalten, völliger Quatsch ist.

Sinners konnte trotz Start im April 25 das gesamte Jahr über einen gewissen Kultstatus aufrecht erhalten und ist eigentlich in jeder Kategorie in realistischer Reichweite auf den Sieg – nicht zuletzt gewann vor einer Woche Michael B. Jordan den wichtigen Actors Guild-Award für den besten Hauptdarsteller. Das ist zum einen interessant, weil er zuvor häufig den kürzeren zog in der Awardsaison gegen beispielsweise Timothee Chalamet und zum anderen, weil der Actors Guild-Award eine sehr große Schnittmenge mit der größten Oscar-Voters-Gruppe, den Schauspielern, aufweist.

Es ist also echt schwierig einzuschätzen wie am Ende die Mitglieder abgestimmt haben und Sinners könnte krass die Oscars sweepen oder der größte Verlierer des Abends werden. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Nominiert ist Sinners in folgenden Kategorien: Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bestes Originaldrehbuch, Bestes Casting, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Bestes Make-up und beste Frisuren, Beste Filmmusik, Bester Filmsong, Bester Schnitt, Bester Ton, Beste visuelle Effekte und Bester Film. Fast sicher sollten Siege für das beste Casting, das beste Originaldrehbuch und die beste Filmmusik sein, aber wie gesagt hängt man bei vielen Kategorien wie Bester Film, Bester Hauptdarsteller, Bester Ton, Beste Kamera, Beste Nebendarstellerin etc. dem jeweiligen Favorit eng auf den Fersen, so dass es hier bis zuletzt sehr spannend bleibt.

F1 | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

In den 1990er Jahren galt Sonny Hayes (Brad Pitt) noch als die nächste große Nummer im Rennsport und der höchsten Klasse, der Formel 1. Doch auch als Rennfahrer legt man seinen Körper in die Waagschale und muss letztlich mit dem Schlimmsten rechnen. Für Sonny Hayes bedeutet das das Ende seiner Karriere als Formel-1-Profi nach einem folgenschweren Unfall auf der Rennstrecke. Fortan dümpelt er in niedrigeren Rennklassen herum und hält sich drei Jahrzehnte nach seinem schicksalsträchtigen Unfall noch als Gelegenheitsrennfahrer über Wasser und versucht dabei, von seinem alten Formel-1-Ruf zu zehren. Sein damaliger Teamkollege Ruben Cervantes (Javier Bardem) weiß das. Der ist mittlerweile Chef des Teams APXGP, das scheinbar hoffnungs- und punktlos am untersten Ende der Formel-1-Tabelle verweilt. Weil Cervantes damit also fast nichts mehr zu verlieren hat, will er Hayes zurück in die Königsklasse holen und ihn zusammen mit dem Rookie Noah genannten Joshua Pearce (Damson Idris) einen Rettungsanker für den Rennstall formen lassen.

Fazit:

Mit Top Gun: Maverick hat Regisseur Joseph Kosinski 2022 den #2 Platz auf meiner Topliste des Jahres ergattern können. Ganz so weit oben schaffte er es mit F1 – Der Film 2025 zwar nicht, ein visuell beeindruckenden Blockbuster mit tollen Bildern, sympathischen Hauptdarstellern und pathetischer Story ist ihm jedoch allemal gelungen. 

Zusammen mit Jerry Bruckheimer als Produzenten, der Formel 1 als Partner und Lewis Hamilton als technischen Berater ist es Kosinski gelungen einen rasanten Sommerblockbuster zu liefern, der sich natürlich Freiheiten rausnimmt und nicht immer auf Ultrarealismus setzt, aber dennoch einen hohen Wert auf Authentizität und Detailtreue legt. So hat man beispielsweise über Monate hinweg sehen können, wie Brad Pitt und sein Team an echten Grand-Prix-Strecken, mit echten Autos und echtem Publikum gedreht haben und das wirkt sich positiv auf den Film aus. 

Ja er ist wie für ein Sportdrama üblich sehr pathetisch, hier und da zurechtgebogen wie es das Drehbuch gerade braucht, aber Spaß gemacht hat er mir trotzdem. Wie schon bei Top Gun: Maverick steht auch hier weniger die Handlung als der unmittelbare Adrenalinkick im Mittelpunkt. Die Geschichte um den alternden Rennfahrer Sonny Hayes, der für ein erfolgloses Formel-1-Team ein Comeback wagt, dient vor allem als Rahmen für spektakuläre Rennszenen. Brad Pitt spielt den risikofreudigen Veteranen mit viel Charisma, sodass man selbst fragwürdige Rennmanöver bereitwillig akzeptiert.

Die Rennsequenzen sind ein visuelles Highlight und funktionieren vor allem auf der großen Leinwand hervorragend. Trotz des Hochglanzlooks bleibt der Film durch die unkonventionelle Hauptfigur angenehm kantig.

Schon ein wenig verrückt, dass F1 nur für einen einzigen Oscar nominiert ist und das dann ausgerechnet in der Königsdisziplin Bester Film. Das war zuletzt 1932 mit Grand Hotel der Fall, der dann sogar gewann. Es ist also sehr ungewöhnlich und das Kunststück wird F1 vermutlich eher nicht gelingen.

Dennoch ist F1 für mich so ein möglicher Kandidat für einen Upset, weil es der mainstreamigste aller Kandidaten in dieser Kategorie ist und vielleicht gewinnt er nachher überraschend, da das Votingsystem für diese Kategorie Filme begünstigt, die breit akzeptiert und nicht so extrem polarisieren.

Wenn möglichst viele Voter F1 einfach auch nur gut und solide fanden, kann er am Ende wenn jeder ihn auf Platz 3 gewählt hat trotzdem gegen einen Film gewinnen, den 30% auf Platz 1 und 70% auf Platz 10 gewählt haben. Blood & Sinners und One Battle After Another sind die Favoriten, aber evtl. kannibalisieren sie sich am Ende gegenseitig.

Sentimental Value | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Nach dem Tod ihrer Mutter stehen die Schwestern Nora (Renate Reinsve) und Agnes Borg (Inga Ibsdotter Lilleaas) vor der Herausforderung, sich mit ihrem entfremdeten Vater Gustav (Stellan Skarsgård) auseinanderzusetzen – einem einst gefeierten, inzwischen weitgehend in Vergessenheit geratenen Regisseur. Nora hat ihre Karriere als Theaterschauspielerin kompromisslos verfolgt, während Agnes ein ruhigeres Leben mit Familie und festem Beruf gewählt hat. Gustav hat ein neues Drehbuch verfasst und bietet seiner Tochter Nora die Hauptrolle an. Doch sie lehnt das Angebot entschlossen ab. Auf einer Retrospektive seiner Filme in Frankreich trifft Gustav auf die erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin Rachel Kemp (Elle Fanning), der er schließlich die ursprünglich für Nora vorgesehene Rolle überträgt. Als die Dreharbeiten in Norwegen anlaufen, sieht Gustav eine letzte Gelegenheit, sich seinen Töchtern wieder anzunähern und das zerrüttete Familienverhältnis zu heilen.

Fazit:

Mit Sentimental Value erweitert der norwegische Regisseur Joachim Trier seine frühere Oslo-Trilogie um ein weiteres, lose verbundenes Kapitel, in dem vor allem ein Familienhaus und nicht mehr die Stadt im Mittelpunkt steht. Die Tragikomödie erzählt von der konfliktreichen Beziehung zwischen der Schauspielerin Nora und ihrem lange abwesenden Vater Gustav, einem alternden Regisseur, gespielt von Stellan Skarsgård.

Der Film konzentriert sich stark auf Themen wie Entfremdung, ungelöste Traumata, Geschwisterbeziehungen und den Wunsch nach Anerkennung und Liebe. Besonders wichtig ist das alte Familienhaus, das als Erinnerungsort für mehrere Generationen und als Symbol für unverarbeitete Vergangenheit dient. Trier verbindet dabei Realität, Film und Theater, um zu zeigen, wie Kunst helfen kann, persönliche Verletzungen zu verarbeiten.

Im Zentrum stehen weniger äußere Ereignisse als vielmehr innere Gefühle, Selbstzweifel und die komplizierte Verbindung zwischen Leben und Kunst. Die stärksten Momente entstehen im Zusammenspiel von Vater und Tochter, deren Beziehung zwischen Distanz, Verletzlichkeit und vorsichtiger Annäherung schwankt. Vor allem die Darsteller liefern hier allesamt richtig ab. Kein Wunder, dass gleich alle vier Darsteller nominiert wurden. Besonders gut fand ich Renate Reinsve und Elle Fanning. Insgesamt ist Sentimental Value ein ruhiges, vielschichtiges Familiendrama über Erinnerung, Selbstsuche und die heilende, aber auch belastende Kraft der Kunst. Auf dieser Ebene ist der Film einem Hamnet gar nicht so unähnlich.

Sentimental Value geht ins Rennen für 9 Oscars. Neben einer Nominierung für den Besten Nebendarsteller und die Beste Hauptdarstellerin, gibt es gleich zwei Chancen für den Gewinn in der Kategorie Beste Nebendarstellerin. Zusätzlich regnete es Nominierungen für Beste Regie, Bester internationaler Film, Bester Schnitt, Bestes Originaldrehbuch und natürlich Bester Film. Hoffnungen darf man sich am ehesten für Stellan Skarsgård als bester Nebendarsteller und für die Auszeichnung des besten internationalen Films machen.

Train Dreams | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Robert Grainier (Joel Edgerton) schlägt sich im frühen 20. Jahrhundert als Tagelöhner durch – in einer Epoche, die von rasanten Umbrüchen geprägt ist. Nach dem frühen Verlust seiner Eltern wächst er als Adoptivkind inmitten der weiten Wälder des Pazifischen Nordwestens der Vereinigten Staaten von Amerika auf. Dort beteiligt er sich am Ausbau des landesweiten Schienennetzes und arbeitet Seite an Seite mit Männern, deren Geschichten so vielfältig sind wie die Natur um sie herum. Eines Tages lernt er Gladys (Felicity Jones) kennen, mit der er sich ein einfaches Leben aufbaut und eine Tochter bekommt. Obwohl er durch seine Arbeit oft von seiner Familie getrennt ist, entsteht zwischen ihnen eine tiefe Verbundenheit. Als ein dramatisches Ereignis jedoch alles bisher sicher geglaubte über den Haufen wirft, beginnt Grainier, die Wälder, die ihn umgeben, mit ganz anderen Augen zu sehen.

Fazit:

Train Dreams basiert auf der gefeierten Novelle von Denis H. Johnson. Regisseur Clint Bentley entdeckte das Werk früh für sich und brachte es mit großer persönlicher Leidenschaft für Netflix auf die Leinwand.

Im Mittelpunkt steht der wortkarge Tagelöhner Robert Grainier, eindrucksvoll gespielt von Joel Edgerton, dessen Leben Anfang des 20. Jahrhunderts von harter Arbeit, Verlust und Einsamkeit geprägt ist. Der Film schildert über Jahrzehnte hinweg Roberts einfaches, entbehrungsreiches Leben zwischen Holzfällerei und Eisenbahnbau und zeigt dabei auch die Schattenseiten des Fortschritts. Inhaltlich verbindet die Geschichte persönliche Trauer mit größeren Themen wie Naturzerstörung, Vergänglichkeit und gesellschaftlichem Wandel. Visuell beeindruckt das Drama durch poetische Naturbilder, natürliche Lichtstimmungen und eine ruhige, fast meditative Erzählweise.

Trotz starker Nebenfiguren und emotionaler Momente bleibt die Handlung bewusst zurückhaltend und verzichtet auf klassische Höhepunkte oder ein klares Ziel. Stattdessen erzählt der Film fragmentarisch einzelne Stationen aus Roberts Leben und wirkt stellenweise wie eine nachdenkliche Beobachtung über das menschliche Dasein. Die scheinbare Ereignislosigkeit wird dabei zur Stärke, weil sie das Publikum zur Reflexion über Zeit, Verlust und die eigene Endlichkeit anregt. Insgesamt ist Train Dreams ein ruhiges, visuell eindrucksvolles und melancholisches Drama, das weniger eine Heldengeschichte erzählt als vielmehr die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit eines einfachen Lebens.

Train Dreams wurde in den Kategorien Beste Kamera, Bester Filmsong, Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Film für insgesamt 4 Oscars nominiert. Die größten Chancen auf einen Goldjungen hat Adolpho Veleso für die beste Kamera.

The Secret Agent | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Brasilien, 1977: Marcelo (Wagner Moura), ein technologieaffiner Mann Anfang 40, versucht in Recife einen Neuanfang. Inmitten der ausgelassenen Karnevalsfeiern zieht er in die malerische Hafenstadt, sieht seinen kleinen Sohn wieder und hofft, den Schatten seiner Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Doch die vermeintliche Idylle trügt. Marcelo wird von Morddrohungen heimgesucht und fühlt sich zunehmend von seinen Nachbarn beobachtet. Die angespannte Atmosphäre lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Als schließlich Agenten auftauchen, die ihn wegen „subversiver Aktivitäten“ verfolgen, erkennt er, dass auch Recife kein sicherer Ort für ihn ist. Die Gewalt des Militärregimes reicht weiter, als er je gedacht hätte.

Fazit:

The Secret Agent von Kleber Mendonça Filho entstand aus seinen Recherchen zur Geschichte von Recife, die er bereits im Dokumentarfilm Pictures Of Ghosts begonnen hatte. Die Handlung spielt während der brasilianischen Militärdiktatur der 1970er-Jahre und folgt dem Ingenieurprofessor Marcelo, der unter falschem Namen in seine Heimatstadt zurückkehrt, wo Korruption, Gewalt und staatliche Willkür den Alltag bestimmen.

Der Film entfaltet sich als vielschichtiges Gesellschaftsporträt mit zahlreichen Figuren. Mendonça Filho verbindet politische Aufarbeitung mit absurden, teils grotesken Elementen wie surrealen Gewaltszenen. Dabei mischt der Film Thriller, Drama, schwarze Komödie und surreale Episoden.

Die Charakterzeichnung tritt zugunsten einer verschachtelten, romanhaften Struktur mit vielen Perspektiven teilweise in den Hintergrund. Im Epilog versucht der Film, Vergangenheit und Gegenwart zusammenzuführen, hält sich dabei jedoch bewusst rätselhaft. Mir hat vor allem das brasilianische Setting, die Inszenierung und der Vibe gefallen. Insgesamt ist The Secret Agent ein atmosphärisch dichter, stilistisch vielschichtiger Film, der mit seinen mehr als 2,5h Laufzeit für das was er letztlich erzählt aber schon zu lang ist und mir persönlich zu viele Fragen offen lässt.

Im Oscar-Rennen kämpft The Secret Agent um eine Auszeichnung in gleich 4 Kategorien. Bestes Casting, Bester Hauptdarsteller, Bester internationaler Film und Bester Film. Ich glaube nicht, dass der Film einen Oscar mitnimmt am Ende, aber am ehesten noch im Kampf um den Auslandsoscar, da diese Kategorie dieses Jahr noch schwierig vorherzusagen ist.

Marty Supreme | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Marty (Timothée Chalamet) ist zwar nur ein einfacher Schuhverkäufer, aber das hält ihn trotzdem nicht davon ab, im Traum die ganz großen Brötchen zu backen. Er fantasiert den lieben langen Tag davon, Weltmeister im Tischtennis zu werden. Oder viel mehr: Er ist bereits davon überzeugt, zu den weltweit besten Tischtennisspielern zu gehören. Deshalb ist es für ihn nur noch eine Frage der Zeit, bis die Realität nachzieht. Seine große Chance sieht er in einem Turnier, für das Marty von New York City nach London fliegt. Doch dort wird er mit der knallharten Realität des Sports, zu dem es dann eben doch ein bisschen mehr als Selbstbewusstsein braucht, konfrontiert. Im Finale unterliegt er dem Japaner Koto Endo (Koto Kawaguchi). Doch Marty will sich noch nicht geschlagen geben und beginnt damit, das Geld für das nächste Turnier zusammen zu kratzen. Dieses Mal muss es mit dem Sieg klappen, sonst muss Marty womöglich wirklich bis in alle Ewigkeit im Schuladen seines Onkels versauern

Fazit:

Die Safdie-Brüder Benny und Josh Safdie haben jahrelang gemeinsam Filme gedreht, die vor allem bei Kritikern großen Anklang fanden. Nach Differenzen gehen die beiden momentan getrennte Wege in ihrer künstlerische Entwicklung. Während Benny Safdie mit dem Biopic The Smashing Maschine mit Dwayne „The Rock“ Johnson in der Hauptrolle nur knapp aus dem Oscar-Rennen flog, gelang es Josh mit Marty Supreme gleich für 9 Oscars nominiert zu werden.

Frühere Filme wie Good Time und Der schwarze Diamant blieben vor allem durch ihre intensive, nervenaufreibende Erzählweise im Gedächtnis der Filmwelt. Während Benny Safdie nun einen eher ruhigeren, konventionelleren Erzählweg wählte, bleibt Josh diesem Stil treu und schuf mit Marty Supreme einen weiteren fiebrigen, energiegeladenen Film.

Im Mittelpunkt steht Marty Mauser, gespielt von Timothée Chalamet, ein ehrgeiziger Tischtennisspieler im New York der 1950er Jahre, der verzweifelt nach Ruhm und Erfolg strebt. Nach einer Niederlage in London setzt er alles daran, genug Geld für eine Reise zur Weltmeisterschaft in Japan aufzutreiben, und gerät dabei in eine chaotische Odyssee.

Der Film zeichnet sich durch sein rastloses Tempo, der intensiven Kameraführung, die treibende Musik und eine Atmosphäre permanenter Anspannung aus. Gleichzeitig ist der Film eine Charakterstudie über Ehrgeiz, Selbstüberschätzung und den beinahe manischen Willen zum Erfolg. Marty erscheint als widersprüchliche Figur – arrogant, manipulativ und moralisch fragwürdig, aber zugleich charismatisch und faszinierend.

Chalamets Darstellung ist außergewöhnlich intensiv, da er sowohl Martys sportliche Besessenheit als auch seine emotionalen Abstürze glaubwürdig verkörpert. Auch das Ensemble mit Profischauspielern und Laiendarstellern sorgt für Authentizität und ein vielschichtiges Figurenbild. Visuell und inszenatorisch verbindet der Film sportliche Spannung mit psychologischem Drama und schwarzem Humor. Trotz seiner langen Laufzeit bleibt die Handlung dynamisch und unvorhersehbar.

Insgesamt präsentiert sich Marty Supreme als energiegeladenes, nervenaufreibendes Kinoerlebnis und zugleich als Porträt eines getriebenen Außenseiters, dessen Aufstieg und möglicher Fall das Publikum in Atem hält. Dennoch denke ich, dass Josh Safdie nun nicht nochmal einen vierten Film nacheinander in diesem Stil inszenieren sollte, wenn er nicht als One-trick-pony verweilen will.

Marty Supreme ist für 9 Oscars nominiert und einer der Frontrunner dieses Jahr. Bestes Casting, Beste Kamera, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Bester Schnitt und Bester Film. Ich denke im 3. Anlauf wird Timothée Chalamet seinen Oscar gewinnen und danach hoffentlich ein wenig entspannter an sein Handwerk rangehen. Er ist ein sehr guter Schauspieler, den ich gerne sehe, aber sein Ehrgeiz diesen Oscar zu gewinnen ist fast schon wieder unsympathisch.

Am Ende kommt ihm glücklicherweise noch zu Gute, dass sein aktueller Shitstorm, den er durch respektlose Kommentare gegenüber der Opern und Ballett Szene heraufbeschworen hat, wohl ein paar Tage zu spät richtig an Fahrt gewann und da die Oscar-Votes bereits zu waren. Eine Woche früher und er hätte sich selbst zerstört.

Darüber hinaus hat der Film denke ich vor allem Chancen für das beste Casting, den besten Schnitt und das beste Originaldrehbuch.

Hamnet | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Wir schreiben das Jahr 1580 und der im kleinen englischen Dorf Stratford-upon-Avon als Lateinlehrer arbeitende William (Paul Mescal) verliebt sich in Agnes (Jessie Buckley). Im Dorf wird hinter immer weniger vorgehaltener Hand vermutet, sie sei eigentlich gar keine Heilerin, sondern eine richtige Hexe. Aber das ist William egal. Die beiden stürzen sich Hals über Kopf in das gemeinsame Leben und bekommen auch schnell drei Kinder. Erst wird Susanna (Bodhi Rae Breathnach) geboren, kurz darauf die Zwillinge Judith (Olivia Lynes) und Hamnet (Jacobi Jupe). Doch mit der Familie endet das Träumen zumindest für William noch nicht. Er will das Lehren endlich hinter sich lassen können und als Dramatiker arbeiten. Auf dem Land geht das jedoch eher schlecht als recht. Also geht er, ermutigt von Agnes, nach London. Erst ist die Familie als nur räumlich voneinander getrennt, dann pflügt die Pest durch das Land und tötet auch Hamnet mit gerade einmal elf Jahren. Das treibt William an, seinem Sohn zu Ehren ein Stück zu schreiben

Fazit:

Hamnet hat schon vor seinem Kinostart große Erwartungen geweckt, vor allem wegen seines angeblich sehr bewegenden Finales. Tatsächlich erfüllt der Film von der oscarprämierten Regisseurin Chloé Zhao (Nomadland) diese Erwartungen in zumindest emotionaler Hinsicht, indem er die Geschichte vom Tod von William Shakespeares Sohn in eine eindringliche, emotional starke Erzählung verwandelt. Der emotionale Kern des Films ist das durch die Pest zerstörte Familienglück, das mit einem für mich sehr eindrucksvollem Schlussakt grandios erzählt wird.

Die Geschichte verbindet historische Fakten mit fiktionalen Elementen und deutet an, dass Shakespeares Trauer in sein berühmtes Stück Hamlet eingeflossen sein könnte. Der Film erzählt weitgehend ruhig und linear vom Leben der Familie, um schließlich in ein intensives, kathartisches Finale zu münden. Besonders die Darstellung von Agnes zeigt eine Frau, die tief mit Natur und Gefühlen verbunden ist und den Verlust ihres Kindes kaum verkraftet. Gleichzeitig wird Will als zerrissene Figur gezeigt, die zwischen Familie und künstlerischer Besessenheit steht.

Im Zentrum steht die Idee, dass Kunst helfen kann, Schmerz zu verarbeiten und Trauer in etwas Sinnstiftendes zu verwandeln. Das Finale, in dem Agnes eine Aufführung von Hamlet erlebt, zeigt, wie sich Leid in Erkenntnis und emotionale Befreiung verwandeln kann. Diese letzten 15 Minuten waren für mich aber auch das absolute Highlight des Films, das Problem für viele werden glaube eher alles davor sein, das auch mir nicht sonderlich viel gegeben hat.

Das altertümliche Setting, die Thematik, das Pacing und der eher geringe Entertainmentfaktor sorgen dafür, dass das jetzt kein Film ist, den ich bedenkenlos der breiten Masse empfehlen würde. Cineasten ziehen ihren Mehrwert mit Sicherheit aus den starken schauspielerische Leistungen und den eindrucksvollen Bildern.

Hamnet hat in folgenden 8 Kategorien eine Oscar-Nominierung erhalten: Best Casting, Beste Filmmusik, Bester Regisseur, Beste Hauptdarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign und Bester Film. Jessie Buckley wird vermutlich als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet werden, darüber hinaus darf sich Hamnet u.a. beim adaptierten Drehbuch noch Außenseiterchancen einräumen dieses Jahr.

Frankenstein | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Die Arktisexpedition rund um Captain Anderson (Lars Mikkelsen) kommt in der lebensfeindlichen Natur des Nordpols einfach nicht weiter – und dann läuft ihnen auch noch ein schwerverletzter Mann in die Arme. Dieser Mann ist Dr. Victor Frankenstein (Oscar Isaac), dem ein ein regelrechtes Monster dicht auf den Fersen ist. Dieses Monster, diese menschenähnliche Kreatur (Jacob Elordi) muss jedoch nach gemeinsamer Gegenwehr von Frankenstein und Andersons Truppe erst mal den Rückzug antreten. Diese unverhoffte Atempause nutzt der Doktor dafür, dem Captain die ganze Misere zu erklären: Der Tod seiner Mutter (Mia Goth) bei der Geburt seines Bruders William (Felix Kammerer) hat ihn gehörig aus der Bahn geworfen und dazu geführt, dass er gewissermaßen dem Tod den Kampf angesagt hat. Fortan setzte er nämlich alles daran, künstliches Leben zu schaffen. Möglich machte das sein wohlhabender Gönner Harlander (Christoph Waltz). Doch das Ergebnis lief aus dem Ruder und trachtet Frankenstein nun nach dem Leben.

Fazit:

Auch wenn man im ersten Moment denkt „Oh man, noch eine weitere Frankenstein/Mary Shelley-Adaption“ beruhigt es einen auf den zweiten Blick, da mit einem meiner liebsten Regisseure, Guillermo del Toro, der wohl perfekte Regisseur sich dieser Aufgabe und seinem Wunschprojekt gewidmet hat. Del Toro orientiert die bekannte Geschichte stark an der Vorlage und betont, dass nicht die Kreatur, sondern ihr Schöpfer und die Gesellschaft das eigentliche Monster sind.

Del Toro, der seit seiner Kindheit von Monstern fasziniert ist, inszeniert den Stoff als persönliches Herzensprojekt und verbindet epische Bilder mit melodramatischen Elementen. Die Handlung folgt Victor Frankenstein, der nach dem Tod seiner Mutter besessen versucht, künstliches Leben zu erschaffen, was schließlich tragische Folgen hat. Der Film nutzt eine doppelte Perspektive, indem sowohl Victor als auch die Kreatur ihre Geschichte erzählen.

Visuell setzt die Inszenierung auf opulente Ausstattung, eindrucksvolle Kulissen und eine Mischung aus Schönheit und Grauen. Besonders das Morbide und Makabre, etwa eingefrorene Schlachtfelder oder anatomisch detailreiche Experimente, werden ästhetisch in Szene gesetzt. Trotz blutiger und brutaler Momente bleibt der Film emotional, da die Kreatur als sensibel und verletzlich dargestellt wird. Del Toro betont dabei Mitgefühl und Empathie, vor allem durch die Figur Elizabeth, die das „Monster“ versteht.

Im Zentrum steht die tragische Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf, wobei Victors größter Fehler weniger sein wissenschaftliche Größenwahn als seine fehlende Fürsorge ist. Die Kreatur scheitert letztlich nicht an sich selbst, sondern an gesellschaftlicher Ablehnung und Isolation. Insgesamt ist die Verfilmung trotz der Länge eine monumentale, visuell überwältigende, aber zugleich persönliche Interpretation des Klassikers, die die Figur des Monsters endgültig als Opfer begreift.

Frankenstein ist für 9 Oscars in den Kategorien Beste Kamera, Bestes Make-up und Beste Frisuren, Beste Filmmusik, Bester Ton, Bester Nebendarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign und Bester Film nominiert. Chancen würde ich hauptsächlich in den design- und gestalterischen Kategorien wie Bestes Kostümdesign oder Szenenbild sehen. Auch Jacob Elordi hat meiner Meinung nach noch minimale Möglichkeiten gegen Skarsgard oder Penn einen Überraschungssieg zu holen.

Bugonia | Kritik / Review (Oscars 2026)

Storyanriss:

Michelle Fuller (Emma Stone) steht an der Spitze eines riesigen Biomedizinkonzerns. Also Privatperson wie als Chefin führt sie ein strenges Regiment: Ihr Wecker klingelt um 4.30 Uhr, also fast noch mitten in der Nacht. Bevor es für sie ins Büro geht, wird für die körperliche Fitness gesorgt. Disziplin erwartet sie auch von ihren Mitarbeiter*innen. Vor 17.30 Uhr darf niemand an Feierabend denken. Ihre Firma hat sich der Herstellung von Medikamenten für den Opioidentzug gewidmet. Doch bei Erprobung und Einsatz genau dieser Medikamente kamen auch Menschen zu Schaden – so etwa Teddys (Jesse Plemons) Mutter Sandy (Alicia Silverstone). Teddy ist jedoch haufenweise Verschwörungserzählungen verfallen und glaubt deshalb, einem noch viel größeren Problem gegenüberzustehen: Aliens. Und Michelle soll insgeheim eines davon sein. Also beschließt Teddy zusammen mit seinem Cousin Don (Aidan Delbis), Michelle zu entführen, in seinem Keller einzuschließen und sie dann irgendwie dazu zu bringen, zusammen mit den anderen auf der Erde geglaubten Aliens zu verschwinden.

Fazit:

Bugonia ist die amerikanische Adaption des südkoreanischen Genrefilms Save The Green Planet!. Deren extreme Mischung aus schwarzem Humor, Wahnsinn und Gesellschaftskritik lange als kaum nachahmbar galt. Im Remake Bugonia übernimmt jedoch Yorgos Lanthimos die Regie und verlagert den Fokus stärker auf psychologische Spannung und gesellschaftliche Aussagen. Die Handlung dreht sich um zwei Verschwörungsgläubige, die eine Pharma-CEO entführen, weil sie sie für eine außerirdische Bedrohung halten. Das Remake konzentriert sich vor allem auf Wortgefechte und mentale Manipulation zwischen Entführern und Opfer.

Die Figur der CEO verkörpert moderne Konzernlogik, Selbstoptimierung und kontrollierte Kommunikation. Zugleich rückt der Film die Kritik an Wirtschaftssystem, Konzernmacht und sozialer Entfremdung stark in den Vordergrund. Der Verschwörungsgläubige Teddy wird nicht nur als skurriler Fanatiker gezeigt, sondern als tragische Figur, deren Wahn aus Frust, sozialem Scheitern und persönlichem Leid entsteht. Seine Lebensumstände, etwa monotone Arbeit und die Krankheit seiner Mutter, liefern einen emotionalen Hintergrund für seine Radikalisierung.

Der Film verbindet brutale Entführungsszenen mit satirischen Elementen. Es überzeugen vor allem die Darsteller, insbesondere Emma Stone und Jesse Plemons, durch intensive und vielschichtige Leistungen. Inhaltlich geht es weniger um absurden Humor als um Themen wie Klimakrise, Verschwörungsglauben, Verlust von Zugehörigkeit und gesellschaftliche Entfremdung. Typisch für Lanthimos nutzt auch Bugonia eine künstlich überhöhte Welt. Am Ende zeigt der Film überraschend Mitgefühl für seine Figuren und stellt die einfache, aber eindringliche Frage, warum Menschen einander das Leben so schwer machen.

Vorab hätte ich vor allem Jesse Plemons Chancen auf eine Nominierung zugesprochen, doch am Ende wurde er nicht bedacht. Ich freue mich wie immer über Emma Stone, denke aber nicht, dass Sie realistische Chancen hat dieses Jahr. Insgesamt scheint es sehr unwahrscheinlich, dass Bugonia eine der vier Nominierungen in den Kategorien Beste Hauptdarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Filmmusik und Bester Film in einen Sieg umwandeln kann.