Parasite | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

Die vierköpfige Familie Kim ist schon sehr lange arbeitslos, weshalb der Vater Ki-taek (Kang-ho Song) zusammen mit seiner Frau Chung-sook (Hyae Jin Chang) und seinen Kindern Ki-woo (Woo-sik Choi) und Ki-jung (So-dam Park) in einem runtergekommenen Keller unter ärmlichen Bedingungen haust. Wenn sie sich nicht gerade mit Aushilfsjobs, wie dem Zusammenfalten von Pizzakartons über Wasser halten, versuchen sie in die hintersten Winkel ihrer Behausung zu kommen, um etwas vom WLAN der anderen Mitbewohner abzugreifen. Als der jüngste Sprössling es schafft, bei der gut situierten Familie Park einen Job als Nachhilfelehrer an Land zu ziehen, bietet das der Familie einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit.

Fazit

Virtuos inszeniertes Meisterwerk von Bong Joon Ho, der zuletzt mit Filmen wie Snowpiercer & Okja zwar immer coole Ideen hatte, doch in letzter Konsequenz immer Etwas fehlte, um das Ganze richtig rund zu machen. Diese Meisterleistung und Rückkehr zu alter Stärke gelingt ihm dieses Mal mit Parasite meines Erachtens nach zu hundert Prozent.

Weg vom hochkarätigem Hollywoodcast seiner letzten Projekte, erzählt Bong Joon Ho hier eine kleine, aberwitzige und gleichzeitig bedrückende koreanische Geschichte über die größer werdende Schere zwischen arm und reich. Das alles bis auf seinen Stammschauspieler Kang-ho Song mit einem für westliche Verhältnisse eher unbekanntem Cast.

Parasite ist einer dieser perfekt in Szene gesetzten Filme, die durch die Fähigkeiten an der Kamera, Ausstattung und das Set-Design aus jeder Einstellung ein Bildschirmschoner-Motiv entstehen lässt. Zum Beispiel die Wohnung der Protagonisten oder Stichwort „Regenfall“ stellten für mich immer wieder optische Highlights dar. Das Schauspielensemble spielte sehr stark auf und gerade die Schauspielerinnen stachen durch ihr Spiel heraus und brachten diese einzigartige Geschichte überragend auf die Leinwand.

Mir gefiel eben genanntes Drehbuch besonders gut, weil es neben der kreativen Geschichte mit seinem straffen, nahezu perfektem Pacing dafür sorgte, dass sich dieser 2h-Film für mich zu keinem Zeitpunkt bei meinen beiden Kinobesuchen so anfühlte. Oft neigt das asiatische Kino eher zu einem gemächlichen Tempo – bei Parasite sucht man das vergebens.

Wenn möglich würde ich die original koreanische Version mit Untertiteln vor der deutsch synchronisierten Variante bevorzugen, aber dennoch kann ich Parasite nur jedem Filmfan, der offen für koreanisches Kino ist, wärmstens empfehlen. Bestenfalls keine Trailer sehen und einfach überraschen lassen. Das Filmfestival in Cannes hat er bereits gewonnen, den Favoritenstatus bei den Auslands-Oscars hat er für mich nun auch Inne.

Parasite war die #1 auf meiner Top-Liste 2020 und bleibt auch unter den Oscar-Nominierten mein Favorit. Ich freue mich riesig, dass Parasite neben der Auslands-Oscar-Kategorie auch bei den Großen um den Besten Film mitspielen darf. Dort könnte er am Ende noch am ehesten in den Zweikampf von Once Upon a Time in Hollywood und 1917 eingreifen und der strahlende Dritte werden. Auch in der Regiekategorie stehen die Chancen Bong Joon Hos am Ende zu triumphieren gar nicht mal so schlecht.

Parasite bestätigt wieder einmal, wie gut koreanisches Kino sein kann und ist ein klares Film-Highlight des letzten Jahres.

1917 Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

Der Erste Weltkrieg befindet sich im April 1917 auf seinem grausamen Höhepunkt. In Nordfrankreich belagern sich deutsche und britische Einheiten in ihren Schützengräben, ohne auch nur einen Zentimeter vorzurücken. Die Moral der Truppen wird zunehmend schlechter. In dieser Situation werden die in Nordfrankreich stationierten, britischen Soldaten Schofield (George MacKay) und Blake (Dean-Charles Chapman) von ihrem Vorgesetzten General Erinmore (Colin Firth) mit einem ebenso dringlichen wie gefährlichen Auftrag bedacht: Sie sollen das zerbombte Niemandsland zwischen den deutschen und britischen Schützengräben durchqueren und eine Nachricht an ein anderes britisches Bataillon überbringen. Dieses ist nämlich kurz davor, in einen deutschen Hinterhalt und damit in den Tod zu stürmen. Wenn die beiden jungen Rekruten es nicht rechtzeitig schaffen, werden mehr als 1.500 britische Soldaten sinnlos ihr Leben verlieren – darunter auch Blakes älterer Bruder.

Fazit:

1917 ist der Überflieger der Stunde. Der Kriegsfilm von Sam Mendes kam erst relativ spät ins Oscar-Rennen und surfte seitdem auf einer Erfolgswelle von Award zu Award.

Ich muss zugeben, dass dieser Erfolg völlig überraschend für mich kam. Als es vor Monaten die ersten Trailer gab zum Film, war ich alles andere als angetan. Absolut belanglos wirkte der 1917 für mich. „Ein weiterer Kriegsfilm“ dachte ich, doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was der Kniff des Filmes sein würde. Denn was den Film auszeichnet ist seine Machart. Sam Mendes und Kameralegende Roger Deakins inszenieren hier einen Film im One-Shot. Zumindest in der Illusion eines One-Shots.

Ähnlich wie bei Birdman, gibt es zwar Schnitte, aber durch Editing und handwerklichen Tricks, gelingt es hier diesen Film wie aus einem Guss wirken zu lassen. Ich liebte bereits Birdman und finde diese Idee sehr spannend. Vor allem ein Kriegsfilm, mit Actionszenen, Explosionen, hunderten Statisten, riesigen Kulissen/Sets wirft unfassbar viele Hürden auf. Das Filmexperiment ist sehr anspruchsvoll und wurde meisterhaft umgesetzt.

Das Drehbuch per se gibt jetzt nicht so viel her im Vergleich zu Konkurrenz und die Nominierung kann ich nicht so ganz nachvollziehen, aber in allen anderen Aspekten trumpft 1917 groß auf. Wenn Deakins nicht nach Blade Runner 2049 erneut einen Oscar für die Kameraarbeit bekommt, dann wäre ich sehr überrascht. Soundtrack, Make-Up, Production Design, Visuelle Effekte, Kamera und Regie tragen so sehr zu dieser Atmosphäre bei und lässt uns für zwei Stunden auch die Grausamkeiten dieses Krieges glaubhaft spüren.

1917 gilt aktuell in vielen Kategorien, unter anderem für Bester Film und Beste Regie, als großer Favorit. Für mich ist 1917 ein herausragendes Achievement in Film und sehr gut, aber dennoch nicht mein persönlicher Favorit dieses Jahr.

Once Upon a Time in Hollywood | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

1969: Die große Zeit der Western ist in Hollywood vorbei. Das bringt die Karriere von Western-Serienheld Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) ins Straucheln. Der Ruhm seiner Hit-Serie „Bounty Law“ verblasst mehr und mehr. Gemeinsam mit seinem Stuntdouble, persönlichen Fahrer und besten Freund Cliff Booth (Brad Pitt) versucht Dalton, in der Traumfabrik zu überleben und als Filmstar zu neuem Ruhm zu gelangen. Als ihm Filmproduzent Marvin Schwarz (Al Pacino) Hauptrollen in mehreren Spaghetti-Western anbietet, lehnt Rick ab – er will partout nicht in Italien drehen und von dem Sub-Genre hält er auch nichts. Stattdessen lässt er sich als Bösewicht-Darsteller in Hollywood verheizen und wird regelmäßig am Ende des Films von jüngeren, aufstrebenden Stars vermöbelt. Während die eigene Karriere stockt, zieht nebenan auch noch der durch „Tanz der Vampire“ und „Rosemaries Baby“ berühmt gewordene neue Regiestar Roman Polanski (Rafal Zawierucha) mit seiner Frau, der Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie), ein. Derweil will Cliff seinem alten Bekannten George Spahn (Bruce Dern) einen Besuch in seiner Westernkulissenstadt abstatten. Dort hat sich inzwischen die Gemeinde der Manson-Familie eingenistet. Mit Pussycat (Margaret Qualley) hat der Stuntman schon Bekanntschaft gemacht

Fazit:

Tarantino hat wieder abgeliefert. Man weiß relativ genau was man von einem typischen Tarantinofilm zu erwarten hat und trotzdem gelingt es ihm das Publikum gerade dieses Mal ein wenig an der Nase herumzuführen. Als bekannt wurde, dass Once Upon a Time in Hollywood zur Zeit der Manson Morde spielen würde, hat man sich die abstrusesten Varianten vorstellen können, doch am Ende kam alles ganz anders.

Hauptsächlich geht es einfach um Rick Dalton, einem Filmstar, dessen Karriere auf dem absteigenden Ast ist und seinen treuen Freund und Stuntdouble Cliff Booth. Die Wege der beiden kreuzen dabei ab und zu die der Manson-Killer.

Wie gewohnt holt Quentin Tarantino mit seinem Drehbuch samt toller, bissiger Dialoge alles aus seinen Allstars raus. Allen voran natürlich die beiden Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio und Brad Pitt. Während Brad Pitt mit seiner knallharten und kompromisslosen Art die meisten Lacher des Publikums auf seiner Seite hat, kann DiCaprio vor allem mit sehr nuancierten Momenten glänzen und gleichzeitig eine gewisse Hollywood-Filmbranche-Metaebene bedienen wie kein Zweiter. Inszenatorisch ist der Film auch eine Wucht, die eigens angefertigten Straßenzüge des 60er Jahre Hollywoods bzw. Los Angeles sowie die dazugehörigen Autos sind wunderschön.

Zusätzlich gefielen mir dann auch besonders die Szenen, wenn DiCaprio am Set ist und wir quasi einen Film im Film im Film bekommen und so mit den Ebenen bricht. Die Szene auf der Ranch der Masonjünger war auch einfach super spannend inszeniert und dann wäre da noch das Finale.

Die letzten 15 Minuten, die noch mal alle Erwartungen über den Haufen werfen und meiner Meinung nach einem perfekten Ende zu diesem Film nah kommt.

Hollywood und die Academy insbesondere liebt Filme über Hollywood und die Filmbranche. Once Upon a Time in Hollywood könnte zu den größten Gewinnern des Abends werden.

Jojo Rabbit | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

Deutschland während des Zweiten Weltkrieges: Der kleine Jojo Betzler (Roman Griffin) ist ein überzeugter Nazi, der nicht nur in der liebevollen Obhut seiner alleinerziehenden Mutter Rosie (Scarlett Johansson), sondern natürlich in der des ganzen Reichs aufwächst. Gerade erst hat er im Nazi-Ferienlager gelernt, wie man Granaten richtig wirft und wie wichtig es ist, dass viele blonde Nachkommen gezeugt werden. Jojo kann es schon gar nicht erwarten, selbst Mitglied der Partei zu werden, und hat sogar einen besonderen besten Freund: Adolf Hitler (Taika Waititi) persönlich – na ja zumindest fast, denn Jojo bildet sich Hitler nur ein. Aber das ist noch besser, schließlich ist der Führer immer sofort zur Stelle, wenn Jojo dringend Rat braucht. Und den benötigt er bald sehr dringend. Denn er findet heraus, dass seine Mutter ein jüdisches Mädchen versteckt: Elsa (Thomasin McKenzie). Und die verwirrt Jojo mächtig. Warum ist sie kein Monster, wie es doch alle Juden angeblich sind? Um die Wahrheit herauszufinden und ein Buch über sie zu schreiben, fängt Jojo nach anfänglicher Angst an, sich mit Elsa zu unterhalten

Fazit:

Taika Waititi, der Regisseur mit dem ungewöhnlichen Namen, war Cineasten bereits spätestens mit der fantastischen Vampir-Komödie 5 Zimmer, Küche, Sarg auf dem Radar erschienen. Doch seit dieser Filmperle aus dem Jahr 2014 sind viele Jahre ins Land gezogen und Waititi hat sich in etlichen Projekten als Regisseur und Drehbuchautor den Respekt der Filmbranche erarbeitet und auch den Mainstream mit Filmen wie Thor3 für sich gewonnen.

Erstmals ist der neuseeländische Regisseur nun auch mit einem Spielfilm im Rennen um die begehrten Goldjungen. Für gleich 6 Oscars ist Jojo Rabbit nominiert. Die bittersüße Satire spielt zur Zeit des 2.WK und hat Adolf Hitler, gespielt von Waititi persönlich, als imaginären Freund des Hauptdarstellers – sicherlich ein interessanter Kniff und vor allem ein riskanter. Schnell kann man hier eine Grenze überschreiten und es sich mit allen Parteien versauen.

Doch Waititi gelingt dieser waghalsige Spagat. Wenn er in der einen Szenen den Zuschauer noch zum Lachen bringt, kann dir genauso gut im nächsten Augenblick das Essen im Halse stecken bleiben. JoJo Rabbit kann in einigen Passagen trotz der sehr angespannten und schwierigen zeitlichen Einordnung Elemente von Leichtigkeit und Euphorie versprühen, wenn beispielsweise Scarlett Johansson ihrem Sohn spielerisch die Welt erklärt und auf der anderen Seite wird einem die verzwickte, verzweifelte Situation einiger Figuren nur zu deutlich bewusst gemacht.

Scarlett Johansson ist es auch, die für mich den wichtigsten Charakter des Films verkörperte und einfach nur toll besagten Balanceakt meistert. Aber auch alle anderen Darsteller, egal ob namenhafte Nebendarsteller wie Oscargewinner Sam Rockwell, Rebel Wilson oder Stephen Merchant oder die Newcomer Roman Griffin Davis und Thomasin McKenzie brillieren.

JoJo Rabbit ist ein außergewöhnlicher Film mit starken Talenten vor und hinter der Kamera.

The Irishman | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

Frank Sheeran (Robert DeNiro) arbeitet viele Jahre als Geldeintreiber und Problemlöser für den Mafiaboss Russell Bufalino (Joe Pesci). Vor seiner Zeit als Gangster fuhr Frank den Wagen einer Fleischerei und kämpfte davor im Zweiten Weltkrieg unter anderem in Sizilien gegen die Achsenmächte, wo er auch die italienische Sprache erlernte, nicht wissend, dass diese seine Eintrittskarte in die Welt des organisierten Verbrechens sein sollte. Auf Empfehlung Russels stellt ihn der mit der Cosa Nostra verbandelte Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa (Al Pacino) als seinen Bodyguard ein. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich erst Respekt, dann eine enge Freundschaft. Je mehr Jahre ins Land ziehen, desto höher steigt Frank auch in den Rängen der Mafia auf und desto grausamer werden die Verbrechen, die er verübt.

Fazit:

Nach Marriage Story ist The Irishman die zweite Netflixproduktion dieses Jahr, die auf große Awardjagd geht. Martin Scorsese, ein Altmeister des Regiefachs, eine Legende in Hollywood brachte uns viele tolle Filme – darunter große Gangsterepen wie GoodFellas und Casino.

Und dennoch wollte kein Studio sein neuestes Projekt The Irishman finanzieren, zu groß war das Risiko nach dem Kassengift Silence die benötigten 160+ Millionen letztlich wieder einzuspielen, doch welch glückliche Zeit für Filmschaffende rund um den Globus, dass Streaminggigant Netflix so zemlich egal ist, ob sie Geld einnehmen oder nicht. Mit vollen Händen wirft der Marktführer seit Jahren das Geld raus, um etliche Projekte zu finanzieren.

Die 200 Millionen Budget, investierte Scorsese vor allem in die Tricktechnik, seine Altstars digital zu verjüngen, damit sie ihre Rollen im Alter von 30, 50 und 70 spielen können. Abseits davon fragte ich mich aber schon, wo genau das ganze Geld hinfloss, denn auch wenn man sich das Who-is-Who der Gangsterfilme einkaufte, bezweifel ich gigantische Gagen für die drei Legenden. De Niro und Pacino haben in den letzten Jahren auch viele Quatschfilme mit deutlich weniger finanzieller Power gedreht und Joe Pesci war bereits im Schauspielruhestand und kam nur für seine Freunde wieder.

Und diese drei sind es auch, die für mich den größten Reiz an diesem Film ausgemacht haben. Man saugt einfach jede Minute mit ihnen auf und ich für meinen Teil war froh, im Jahr 2019 noch einmal einen solchen Film mit diesen Helden zu sehen unter der Leitung Scorseses. Vor allem Pacinos Rolle bringt so einige Highlights mit sich.

Dennoch muss ich auch ganz klar sagen, dass The Irishman meine gigantischen Hoffnungen, die sich über 1,5 Jahre zuvor aufbauten, nicht erfüllen konnte. Am Ende fehlte mir dann doch etwas an der Geschichte und wenn ich keinerlei Probleme damit hatte den 209 Minuten langen Film in mehreren Etappen mit Unterbrechungen zu schauen, dann sagt das entweder etwas über meine Aufmerksamkeitsspanne oder über Länge, Pacing und Spannung des Films aus.

The Irishman hat es trotz seiner guten Qualität nicht in meiner Top15 des letzten Jahres geschafft und ist auch nicht mein Favorit auf den Oscar als Bester Film.

Little Women | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

Die vier March-Schwestern Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) wachsen Mitte des 19. Jahrhunderts in der von starren Geschlechterrollen dominierten Gesellschaft der Vereinigten Staaten auf. Ihr Vater dient im Bürgerkrieg, ihre Mutter (Laura Dern) kümmert sich um die Familie, arbeitet und hilft im Dorf wo sie kann. Je älter die vier Schwestern werden, desto deutlicher erkennen sie, welche Hindernisse ihnen bei ihrer Selbstbehauptung als Frauen in den Weg gelegt werden. Gleichzeitig wird ihnen dadurch aber auch klar, wie sehr sie sich letzten Endes doch unterscheiden. Während die stolze Jo etwa Schriftstellerin werden will und das gesellschaftliche Rollendiktat als Gemahlin und Mutter ablehnt, folgt Meg ihrem Herzen in die Ehe. Amy hingegen will ihre Einzigartigkeit durch die Malerei ausdrücken und studiert in Frankreich. Männer interessieren die vier Frauen weniger. Lediglich der Nachbarsjunge Laurie (Timothée Chalamet), der sich in Jo und die Familie March verliebt, findet schnell einen Platz bei den Marchs.

Fazit:

Gestern habe ich euch „Marriage Story“ von Noah Baumbach vorgestellt und heute folgt seine Frau Greta Gerwig mit ihrer neuen Regiearbeit Little Women, einer weiteren Adaption eines Louisa May Alcott Stoffes.

Little Women ist der letzte Film unter den Nominierten den ich gesehen habe und zeitgleich für mich der schwächste Teilnehmer im Feld. Am stärksten positiv in Erinnerung geblieben ist für mich der Cast. Saoirse Ronan an der Spitze kann eh nichts falsch machen und liefert wie gewohnt sehr stark ab. Auch wenn es nicht meine liebste Performance unter allen ihren oscarnominierten Rollen der letzten Jahre war, räume ich ihr Chancen ein, da sie trotz ihres noch jungen Alters bereits so häufig nominiert wurde und immer leer ausging. Irgendwann muss die Academy wie bei Leonardo DiCaprio einknicken und diese vielen herausragenden Leistungen auszeichnen.

Auch ihre Schauspielkollegen mit Laura Dern, Timothee Chalamet, Emma Watson und mein Breakout Star 2019, Florence Pugh, sind ebenfalls sehr gut. Doch abseits vom Schauspiel ließ mich der Film kalt. Die für mich interessanten Aspekte der Geschichte, wie zum Beispiel die Rahmenhandlung um die Schwierigkeiten als Frau ein Buch zu veröffentlichen, blieben sehr oberflächlich und nur wenige Male in die Handlung integriert. Stattdessen dreht sich 80% der Spielzeit um so jeder-mit-jedem Liebesgedusel, der nichts Frisches zu erzählen hatte.

Negativ überrascht war ich auch von der teils verwirrenden Erzählstruktur Gerwigs, wodurch ich mehr als einmal für einen Augenblick den Faden verlor. Deswegen muss ich der negativen Resonanz bezüglich der nicht Nominierung Gerwigs in der Regiekategorie widersprechen, obwohl ich vorher sicher war, dass man damit recht hat, denn Gerwig ist super talentiert und Regisseurinnen sträflich unterrepräsentiert in Awardshows. Doch stattdessen wäre meine Wahl wenn dann eher auf Alma Ha’rel (Honey Boy) oder Lulu Wang (The Farewell) gefallen statt auf Gerwig.

Insgesamt gefiel mir ihre letzte Regiearbeit Lady Bird deutlich besser in allen Belangen und Little Women hätte ich von allen Kandidaten am ehesten austauschen können.

Marriage Story | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

Regisseur Charlie (Adam Driver) und Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson) waren zehn Jahre lang das Traumpaar der New Yorker Theaterszene, haben sich mittlerweile aber kaum mehr etwas zu sagen – es ist Zeit für die Trennung. Nicole möchte zurück zu ihrer Familie nach Los Angeles ziehen und hat dort bereits eine Rolle in einer TV-Pilotfolge angenommen. Insbesondere ihrem kleinen Sohn Henry (Azhy Robertson) zuliebe wollen die beiden die Trennung friedlich über die Bühne bringen. Aber dann kommen doch Anwälte ins Spiel – und aus dem nett zurechtgelegten Konsens wird ein erbitterter Streit über die Frage, wo Henry in Zukunft leben soll.

Fazit:

In Marriage Story erzählt Noah Baumbach in einem Drama wie ein Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat, scheiden lässt. Die beiden Eheleute spielen Adam Driver und Scarlett Johansson. Beide spielen dieses starke Script so gut, dass Netflix einen weiteren Award-Contender sein Eigen nennen kann.

Das Drehbuch ist faszinierend: denn eigentlich trennen sich hier zwei Menschen, die ja in erster Linie Liebe füreinander gespürt haben und trotz einer eigentlichen Einigung über eine schlammschlachtfreie Scheidung, womit jeder glücklich ist, wird beiden Protagonisten durch das Rechtssystem in Amerika und ihren beratenden Anwälten Stück für Stück die Kontrolle darüber unter den Fingern weggerissen.

Kleinigkeiten, die nichts über die Eignung als Elter aussagen, werden plötzlich aus dem Kontext gerissen und aufgebauscht um vor Gericht zu punkten und dabei immer mehr Grenzen überschritten. Unsere beiden Hauptfiguren lassen selbst in den ärgsten Streitgesprächen immer durchscheinen, dass sie doch eigentlich beide nur das Beste für Alle wollen und immer noch Liebe füreinander empfinden.

Manche Szenen sind als Zuschauer so schmerzhaft anzusehen, beispielsweise wenn eine Expertin bei Drivers Figur zu Hause ist, um zu überprüfen, ob er denn ein guter Vater sei. Auch die Nebendarsteller sind interessante Charaktere und gut in die Geschichte verwoben. Ob es Scarlett Johanssons Mutter ist, die eigentlich großer Fan ihres Schwiegersohns ist, oder ob es die drei Anwälte sind, die zwar alle das gleiche Ziel verfolgen, aber jeweils so unterschiedliche Ansätze verfolgen, so dass man keine Zuordnung in „Böse“ oder „Gut“ machen kann, sondern einfach auch dieses System hinterfragen muss, das im Prinzip nicht zulässt sich in „Würde“ scheiden zu lassen.

Marriage Story ist eine Überraschung dieses Jahr und Drehbuch sowie Hauptdarsteller gute Anwärter auf den Oscar.

Joker | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

1981 in Gotham City: Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) fristet ein trostloses Leben. Wenn er nicht gerade auf den Straßen von Gotham City als Clown verkleidet Werbeschilder für Schlussverkäufe herumwirbelt oder von jugendlichen Schlägern verprügelt wird, kümmert er sich zuhause um seine kranke Mutter Penny (Frances Conroy). Flecks Geisteskrankheit wird durch die ständigen Demütigungen immer schlimmer. Mittlerweile schluckt er sogar sieben Psychopharmaka gleichzeitig. Sein Leben nimmt eine dramatische Wendung, als er von seinem Kollegen Randall (Glenn Flesher) einen Revolver geschenkt bekommt. Trotz seiner instabilen psychischen Verfassung verfolgt Arthur seine Karriere als Stand-up-Comedian dennoch weiter und landet schließlich bei seinem großen Idol, dem Late-Night-Talker Murray Franklin (Robert DeNiro).

Fazit:

Der Joker gilt als einer der beliebtesten und besten Gegenspieler in der Popkultur. Stars wie Jack Nicholson, Heath Ledger und Mark Hamill haben ihn bereits porträtiert. Dieses Jahr bekam Joaquin Phoenix die Chance in die Oscar-prämierten Fußstapfen Heath Ledgers zu treten und unter der Regie von Hangover-Regisseur Todd Phillips den Clown Prince of Crime zu verkörpern. Unabhängig von der eigentlichen Qualität des Films, mussten sich die Beteiligten permanent erklären und sich den Vorwürfen stellen, dass ihr Film psychisch labilen Menschen als Auslöser dienen könnte für beispielsweise Amokläufe. Viele Kritiker haben den Film auch dafür abgestraft.

Ich finde diesen Versuch Kunstschaffenden vorzuschreiben was sie machen dürfen und was nicht immer schwierig. Labilen Menschen mit psychischen Problemen, könnten sich von alles und jedem getriggert fühlen. Sie könnten in eine Textzeile eines Katy Perry Songs mehr reininterpretieren oder ihre Probleme auf Allesmögliche projizieren. Deswegen nun alle Medien zu zensieren, weil sich irgendjemand angegriffen fühlen könnte, ist doch Quatsch. Vor allem wenn man ein gewaltiges Problem mit Waffengesetzen hat, das es vielleicht eher zu lösen gilt, doch das ist eine Diskussion für einen anderen Tag.

Denn Joker ist ein handwerklich ganz hervorragender Film geworden, der sich ganz offen bei den beiden Scorsese Filmen Taxi Driver und The King of Comedy bedient und nicht nur dem Hauptdarsteller beider Filme, Robert DeNiro, eine Schlüsselrolle in Joker gibt, sondern auch zunächst mit Martin Scorsese als Produzent plante. Und auch wenn das letztlich nicht zustande kam, merkt man seine Einflüsse an jeder Ecke. Gotham sieht noch mehr als je zuvor wie ein New York der 70er/80er aus, das Drehbuch bietet viele Parallelen zu seinen Werken und die Figur des Jokers wird nur durch seinen Namen zum Comicuniversum gezählt, weil sie auch genauso gut eine Scorsese Figur sein könnte.

Joaquin Phoenix dominiert diesen Film. Seine Performance macht den Film. Er geht wieder einmal vollends in seiner Rolle auf und hat sich ähnlich wie Christian Bale kurzerhand 23 Kilo für diese Rolle abgehungert. Dass dieses extreme Gewicht-Yo-Yo natürlich nicht gesund für den Körper ist, ist klar, aber ehrlich gesagt hat es seiner Rolle Arthur Fleck wirklich geholfen.

Dieser abgemagerte, krankanmutende Körper und die schlechte Körperhaltung tragen dazu bei, dass wir als Zuschauer gleichermaßen verängstigt sind als auch gewisse Sympathien für ihn empfinden, vor allem wenn er als Punchingball einer ganzen Gesellschaft und eines korrupten Systems herhalten muss, das die Schere zwischen arm und reich nur größer werden lässt. Figuren wie Arthur Fleck fressen in einer solchen Gesellschaft nur noch Scheiße und da sich jeder mal im Leben unfair behandelt oder zurückgelassen fühlt, erreicht das automatisch viele Zuschauer.

Für diese Rolle wie sie hier angelegt ist, braucht man einen starken Schauspieler und Joaquin Phoenix‘ Schauspiel ist ein weiteres Mal absolut brillant und die seit Release von Millionen Fans geforderte Oscarnominierung scheint mir mehr als verdient. Er ist der große Favorit auf die Auszeichnung in diesem Jahr.

Die Kombination aus grandiosen, wunderschönen Bildern einer dreckigen Stadt und Gesellschaft, sowie einem zur Bestform aufgelegten Joaquin Phoenix entwickeln mit jeder Minute eine stärkere, hypnotisierende Sogwirkung, die mit akzentuierten Gewaltspitzen zu einem Finale führt, das einen ganz speziellen Vibe hat und man auf einer Welle dieser Stimmung mitschwimmt. Mir hat Joker sehr gut gefallen und ich hoffe es gibt trotz der unfassbaren mehr als 1 Milliarde Dollar keine Fortsetzung.

Le Mans 66 | Kritik / Review (Oscars 2020)

Storyanriss:

Henry Ford II (Tracy Letts) hat das Familiengeschäft seines Großvaters Anfang der 1960er Jahre übernommen. Um amerikanische Autos am von europäischen Herstellern dominierenden Markt zu etablieren, überarbeitete er das Firmenkonzept mit Hilfe des jungen Visionärs Lee Iacocca (Jon Bernthal) und dem ehemaligen Rennchampion und Ingenieur Carroll Shelby (Matt Damon). Zusammen kreierten sie den Ford GT40, der Ferrari in ihrem eigenen Rennen in Le Mans 1966 schlagen sollte – was bis dahin keinem amerikanischen Model zuvor gelingen wollte. Mit dem britischen Rennfahrer Ken Miles (Christian Bale) arbeiten sie an dem revolutionären Rennwagen, doch die Zusammenarbeit der Dickköpfe stellt sich als komplizierter dar, als anfangs gedacht. Doch alle verfolgen das gleiche Ziel: Ken Miles soll mit dem Ford GT40 als erster über die Ziellinie von Le Mans 1966 fahren.

Fazit:

Nach dem herausragenden Logan, der es vor 2 Jahren auf meine #1 der Top-Liste schaffte, hatte Regisseur James Mangold bei mir erstmal einen Stein im Brett. Für sein Folgeprojekt Le Mans 66 bzw. Ford v Ferrari im Original, verlässt James Mangold die bekannten Gewässer der Comicverfilmungen und wagt sich erstmals an einen biographischen Stoff.

Mit dabei ist zwar nicht sein Stammschauspieler der letzten Jahre, Hugh Jackman, aber dafür die noch größeren Matt Damon und Christian Bale, die wieder einmal zeigen was sie draufhaben. Vor allem Chamäleon Bale geht wie gewohnt völlig in seiner Rolle des genialen aber schwierigen Ken Miles auf, der zusammen mit Matt Damons Carroll Shelby als Underdog den Kampf gegen Ferrari annimmt.

Dass das Wettrüsten nicht nur zwischen Russland und den USA stattfand und zwangsläufig nur um Waffen oder den Weltraum ging, bescheinigt Le Mans 66 auf seiner langen Spielzeit von 160 Minuten eindrucksvoll. Getrieben von angeknacksten Egos weißer, alter Männer entspann sich in den 1960er ein Kampf um den Titel des besten Autoherstellers der Welt. Kann es den Amerikanern von Ford gelingen die Übermacht im Renngeschäft durch die italienischen Ferrari aufzubrechen, oder muss man sich geschlagen geben und die Niederlage eingestehen?

Mangold gelingt es dieser Frage sehr eindrucksvoll, wenn auch lang, auf den Grund zu gehen und inszeniert einen spannenden Film über den Rennsport. Wie auch schon bei Rush von Ron Howard, den ich als Geheimtipp an dieser Stelle nur empfehlen kann, gelingt es Le Mans 66 eine Balance aus packenden Rennszenen und Charakterdrama drumherum zu etablieren.

Es geht nicht nur um Autos. Es geht vor allem auch um Charaktere, die Philosophie des Rennsports und das Machtgeplänkel großer Egomanen, die sich selbst die größten Steine in den Weg legen. Le Mans 66 nimmt bei den Oscars eher eine Underdog-Rolle ein, aber ist definitiv verdient dabei.

And the Oscar 2019 goes to..

And the Oscar 2019 goes to..

Es ist endlich wieder soweit: in wenigen Stunden werden die Oscars in Los Angeles verliehen. Es ist mittlerweile die 91. Verleihung des prestigeträchtigsten Filmpreises der Welt, den Academy Awards. Mein Event-Highlight des Jahres.

Die Oscars – ein Chaosjahr zum Vergessen

Wie üblich spreche ich an dieser Stelle über die Sachen auf die man sich bei dieser Verleihung freuen kann, über die Skandale und Themen, die das letzte Jahr bestimmt oder die diesjährige Veranstaltung beeinflussen werden. Nach „Oscars so white“, „#metoo“ und dem Umschlagfail der letzten Jahre, hat die Academy in den vergangenen 12 Monaten eine Odyssee von Fehlentscheidungen hinter sich auf dem verzweifelten Kampf um Einschaltquoten und junge Zielgruppen.

Die Oscars haben 2018 ein Einschaltquoten-Rekordtief eingefahren und sich dann mit dem Rücken zur Wand gesehen. Was folgten waren viele Ideen, um sowohl die Länge der Show von knapp 4h deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Show attraktiver zu machen und neue Zuschauer zu gewinnen.

Akt 1: Zunächst gab es den Vorschlag eine „Populärster Film“-Kategorie einzuführen, damit sich auch der Casual-Zuschauer, der – wie in Deutschland – vielleicht noch 1-2x pro Jahr ins Kino geht, nicht so ausgegrenzt fühlt und nicht mehr behaupten kann „Die Oscars nominieren nur Filme, die Niemand kennt“. Glücklicherweise hat man diese Idee erstmal wieder verworfen bzw. auf unbestimmte Zeit verschoben, denn das wäre echt die Krönung. Für mich sind die Oscars eine Veranstaltung für Filmfans, Nerds und alle Filmschaffenden rund um den Globus.

Ein Fest für diejenigen, die bereit sind über den Tellerrand hinaus Filme zu schauen, sich auch mal zu Indifilmen ins Programmkino zu setzen, Filmfestivals zu besuchen oder auch mal Perlen aus dem Ausland zu entdecken. Sich denjenigen anzubiedern, die das alles nicht machen und ihnen letztlich ein Mitspracherecht einzuräumen, find ich Quatsch. Am Ende gewinnt dann jedes Jahr ein Transformers, Fast & Furious oder The Rock 0815 Actionfilm und verwässert den Wert dieser wichtigsten Auszeichnung. Spaßkategorien gibt es bei den Kids Choice Awards oder MTV Awards oder sowas, die machen sicherlich mehr Spaß, sind aber auch von absolut null Belang und unwichtig.

Akt 2: Nun waren die wenigen Momente dran, die die manchmal zähen Phasen und Längen der Veranstaltung auflockern: die Musikacts. Jedes Jahr präsentieren die Nominierten der Kategorie „Bester Song“ ihr Lied im Verlauf des Abends. Zugegeben, in den letzten Jahren waren viele dieser Performances nicht sonderlich gut und ein zweischneidiges Schwert. So wie man sich noch positiv an den lockeren, unterhaltsamen Auftritt von Justin Timberlake mit „Can’t Stop that Feeling“ erinnert, gibt es leider auch oft das krasse Gegenteil.

Traurige Downersongs von introvertierten Singer/Songwritern, für die man mitleidet. Die Academy entschied also zunächst nur noch zwei von fünf Künstlern auftreten zu lassen – wenig überraschend die populärsten, also Lady Gaga und die Künstler für Black Panther – beide gelten auch als die großen Favoriten. Auch ließ der Shitstorm nicht lang auf sich warten und vor allem Lady Gaga, sagte, dass sie nur auftritt, wenn auch die anderen Künstler das dürften und die Academy ruderte abermals zurück.

Akt 3: Die Host-Suche wurde zum Debakel. Am Host des Abends scheiden sich jedes Jahr die Geister. Es gibt Moderatoren, die mit vielen Showeinlagen und beispielsweise Musicalnummern selbst viel beitragen – was mal gut und mal schlecht ausgeht. Es gibt handzahme Hosts, die souverän durch die Sendung führen, aber Niemandem was Böses wollen und es gibt den ein oder anderen Fall, wo ein Host kaum ein Blatt vor den Mund nimmt und fröhlich Gäste und Hollywood durch den Kakao zieht. So wie ein Ricky Gervais das jahrelang für die Golden Globes machte. Dieses Jahr viel die Wahl auf Kevin Hart, der afroamerikanische Comedian und Schauspieler ist super beliebt bei den jungen Amerikanern und Schwarzen, bricht regelmäßig Rekorde beim Ticketverkauf für seine Shows. Ich persönlich hielt ihn für eine gute Wahl, mag seine Shows, mag ihn.

Die Freude hielt jedoch keine 24h, weil 10 Jahre alte Tweets mit homophoben Inhalt ausgegraben wurden, für die er sich bereits mehrfach entschuldigt hatte. Die Entschuldigungen waren auch der Grund, warum Kevin Hart dann letztlich „freiwillig“ zurücktrat, weil er es nicht einsah, sich sein ganzes Leben für einen Fehler zu rechtfertigen, der vor einem Jahrzehnt begangen und eingeräumt wurde. Man kann von seinen Aussagen oder diesen gezielt herbeigeführten Shitstorm halten was man will, den Oscars hat es qualitativ geschadet. Denn nach Kevin Harts Ausstieg, wollte keiner einspringen und so gibt es eine Oscarveranstaltung ohne Host. Wie genau der Abend ablaufen wird, ist bislang eher ein Geheimnis, aber vermutlich wird ein bunter Mix aus Weltstars stellenweise moderieren und kleine Bits aufführen.

Akt 4: Streichen wir ein paar Kategorien! Zu guter Letzt entschied sich die Academy dazu alle ihre Werte zu verraten und der Filmbranche vor den Kopf zu stoßen, die sie doch eigentlich auszeichnen will. Die Idee vier der 24 Kategorien während Werbebreaks abzufertigen und hinterher beiläufig ins Programm zu schneiden, kam wenig überraschend nicht gut bei den Fans und allen Filmschaffenden an. Neben einem mit Anlauf genommenen Shitstorm, folgte eine Welle der Solidarität mit allen Menschen aus der Branche. Namhafte Regisseure, Schauspieler u.v.m. nutzten ihre Reichweite und Macht, um die Academy zum Umdenken zu bewegen – erfolgreich.

Sicherlich sind nicht alle 24 Kategorien wirklich spannend oder gleich wichtig für den Zuschauer wie „Bester Film“ oder die Darstellerpreise, nichtsdestotrotz geht es an diesem Abend darum alle Bereiche einer Filmproduktion zu würdigen, den hartarbeitenden Menschen, ohne die wir diese Filme nicht hätten, zu feiern. Ein Film ist mehr als ein namhafter Schauspieler vor und ein Regisseur hinter der Kamera, weshalb auch die anderen Nominierten ihre 5 Minuten Ruhm und Applaus verdient haben. Zumal die Oscars hier auch eine Ausnahme zu den anderen Filmpreisen darstellen, weil sie auch Kategorien wie Cinematography, Film Editing, Makeup/Hairstyling und Live-Action Short auszeichnen. Zum Glück haben sie ihren Plan wieder verworfen – wie so oft im letzten Jahr.

Surprises & Snubs

Surprises:
#1 First Man wird bei den großen Kategorien ignoriert.

Mich hat Damien Chazelles First Man emotional kalt gelassen, aber letztlich ist es doch sehr überraschend, dass es der Film nur zu einigen Techniknominierungen schaffte.

#2 Willem Dafoe Nominierung als Bester Hauptdarsteller.

Im letzten Jahr reichte es knapp nicht für seine Performance in The Florida Project, dieses Jahr schlich er sich still und heimlich an John David Washington (Blackkklansman) und Ethan Hawke (The First Reformed) vorbei, die über Monate als aussichtsreichste Kandidaten galten.

#3 Roma bekommt gleich 2 Schauspiel-Nominierung.

Ich bin der nicht der größte Fan dieser Nominierungen, aber dennoch galt vor allem Yalitza Aparicio als wahrscheinliche Kandidatin, Marina de Tavira hingegen kam völlig aus dem Nichts.

#4 Pawel Pawlikowski sticht Bradley Cooper und Peter Farrelly als Bester Regisseur aus.

Völlig unerwartet konnte der polnische Regisseur mit seinem romantischen Schwarz-Weiß-Drama Cold War die Favoriten übertrumpfen. Vor allem für Cooper tut es mir leid, aber schön war diese Überraschung dennoch.

#5 Deutscher Film „Werk ohne Autor“ im Rennen um die Beste Kamera.

Never look away, wie er für den internationalen Markt heißt, schaffte es nicht nur eine Nominierung als Bester ausländischer Film einzusacken, sondern auch grandioser Weise für die Beste Kamera.

Snubs:
#1 Toni Collette nicht für ihre Performance in Hereditary nominiert.

Es war zu erwarten nachdem man sie bereits auf anderen Awardshows ignoriert hatte, aber Hereditary war nicht nur mein liebster Film des Jahres, sondern hatte mit Toni Collette auch die beste Performance 2018, die sogar Glenn Close schlagen konnte bei den Gotham Independent Film Awards. Doch der Weg zu einer Oscarnominierung ist lang, steinig und kostspielig – speziell für Horrorfilme aus der ersten Jahreshälfte.

#2 Bradley Cooper nicht für Beste Regie bedacht.

Mit A Star is Born hat Cooper nicht nur einen der besten Filme 2018 abgeliefert, der mit 8 Noms bereits einer der Gewinner ist, sondern auch ein bockstarkes, stilsicheres Regiedebüt gegeben, das Lust auf mehr macht.

#3 Emily Blunt gleich doppelt ignoriert.

Neben Toni Collette fehlt mir vor allem noch Emily Blunt unter den Schauspielerinnen. Sie zeigt nicht nur regelmäßig, dass sie zu den aktuell besten ihres Fachs gehört, sie hat mit Mary Poppins das schwere Erbe von Julie Andrews angetreten und mit Bravour gemeistert; zusätzlich hat sie im Horrorhit A Quiet Place ihres Mannes John Krasinski richtig abgeliefert. Die SAG-Awards haben sie noch doppelt nominiert, doch die Academy ließ Emily Blunt außen vor. Vermutlich haben sich beide Rollen bei den Votes kannibalisiert.

#4 Eighth Grade geht leer aus.

Eighth Grade ist einer DER Geheimtipps des letzten Filmjahres und ein fantastischer Film, der emotional berührt, toll geschrieben, brillant von Elsie Fisher gespielt ist und einfach mit Jedem connected. Autor/Regisseur Bo Burnham hätte für sein Debüt eine Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch verdient gehabt.

#5 Won’t you be my neighbor? Anscheinend nicht.

Morgan Nevilles rührende Dokumentation über den beliebten Moderator und ikonische Vaterfigur für amerikanische Kinder Mister Rogers galt eigentlich als der große Favorit für die beste Dokumentation des Jahres. Nicht nur war sie mit $22.8 Millionen erfolgreich, sie hat vor allem emotional bei den Amerikanern punkten können. Dass sie jetzt nicht mal in den Top5 ist, ist daher sehr außergewöhnlich.

Weitere Snubs: Paddington 2, Crazy Rich Asians, Ethan Hawke für First Reformed und Timothy Chalament für Beautiful Boy.

Beste Nebendarstellerin / Actress in A Supporting Role:

Amy Adams (Vice) | Marina De Tavira (Roma) | Regina King (If Beale Street could talk) | Emma Stone (The Favourite) | Rachel Weisz (The Favourite)

Wunsch: #1 Regina King #2 Rachel Weisz

Regina King hatte 3 unfassbar erfolgreiche Jahre, die sie mit guten Rollen und starken Performances in Awards aufwiegen konnte. Vor allem im TV führte kein Weg an ihr vorbei.

Durch If Beale Street could talk schaffte sie es mit ihrer phänomenalen Leistung endgültig in die A-Riege der Schauspielerinnen.

Wahrscheinlich: #1 Regina King #2 Amy Adams

Amy Adams oder wie ich sie nenne: die weibliche Leonardo DiCaprio. Mittlerweile hat Amy Adams schon 6 Oscar-Nominierungen bekommen ohne jemals zu gewinnen.

Auch wenn das zeigt wie talentiert die Darstellerin ist, wäre ein Sieg doch endlich mal angemessen. Sie gehört definitiv zum engeren Favoritenkreis.

Bester Nebendarsteller / Actor in A Supporting Role:

Mahershala Ali (Green Book) | Adam Driver (Blackkklansman) | Sam Elliott (A Star is Born) | Richard E. Grant (Can you ever forgive me?) | Sam Rockwell (Vice)

Wunsch: #1 Sam Elliott #2 Mahershala Ali

Meine Nummer 1 ist Sam Elliott, der schönste Schnurri Hollywoods. Eigentlich unglaublich, dass ein Schauspieler seines Kalibers in mehr als 50 Jahren Karriere jetzt erst seine erste Oscar-Nominierung erhält.

Es gibt diese eine Szene in A Star is Born, die sich so krass einbrannte und ihm diesen Oscar gewinnen sollte.

Wahrscheinlich: #1 Mahershala Ali #2 Richard E.Grant

Der große Favorit ist aber Mahershala Ali, der bereits vor 2 Jahren für seine Rolle in Moonlight den Oscar einsackte. Seine Performance als Dr. Don Shirley in Green Book ist definitiv oscarwürdig und die Award-Season hat diese Leistung bereits häufig belohnt.

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Beste Hauptdarstellerin / Actress in A Leading Role:

Yalitza Aparicio (Roma) | Glenn Close (The Wife) | Olivia Colman (The Favourite) | Melissa McCarthy (Can you ever forgive me?) | Lady Gaga (A Star is Born)

Wunsch: #1 Olivia Colman #2 Lady Gaga

Olivia Colman und Lady Gaga waren für mich die schauspielerisch größten Überraschungen mit den mitunter besten Figuren. Beide Rollen haben mir emotional am meisten gegeben. Colmans Rolle war tragisch, gefühlvoll, witzig, skurril und ihre Leistung super.

Lady Gaga war einfach perfekt gecasted und die Rolle und ihre Performance unfassbar authentisch.

Wahrscheinlich: #1 Glenn Close #2 Olivia Colman

Die Siegerin in dieser Kategorie scheint schon fast festzustehen Glenn Close hat mit ihrer Leistung in Die Frau des Nobelspreisträgers nahezu alle Awards abgeräumt für die sie nominiert war.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Glenn Close für ihre Performance und herausragende Karriere auch mit dem Oscar belohnt wird am Sonntag.

Bester Hauptdarsteller / Actor in A Leading Role:

Christian Bale (Vice) | Bradley Cooper (A Star is Born) | Willem Dafoe (At Eternity’s Gate) | Rami Malek (Bohemian Rhapsody) | Viggo Mortensen (Green Book)

Wunsch: #1 Rami Malek #2 Bradley Cooper

Den Spirit und die Persona Freddie Mercurys einzufangen ist mit Sicherheit keine leichte Aufgabe, aber Rami Malek hat es gemeistert und ist zurecht der größte Favorit und meine erste Wahl für diese Kategorie.

Der Film Bohemian Rhapsody ist nicht frei von Fehlern und Skandalen drumherum, aber Maleks Performance ist es.

Wahrscheinlich: #1 Rami Malek #2 Christian Bale

Hollywoods Chamäleon Christian Bale hat wieder zugeschlagen und seinen Körper transformiert für seine Rolle als Dick Chaney.

Doch auch wenn mir Vice als Film nicht so richtig gefallen hat, war sein Schauspiel wie gewohnt sehr stark und mehr als nur „Teeth & Wig“, wie man manchmal abschätzig behauptet bei solchen Rollen. Bale hat sicherlich die größten Chancen Malek auszustechen.

Bester Film / Best Picture:

Bohemian Rhapsody | A Star is Born | Black Panther | Green Book | Blackkklansman | Roma | The Favourite | Vice

Wunsch: #1 The Favourite #2 A Star is Born

Meine Wahl für den besten Film dieser Oscars ist Lanthimos‘ The Favourite. A Star is Born muss sich wie bei meiner Top15-Liste 2018 mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

Ich liebe diese ungewöhnlichen Stoffe, die mir das Gefühl geben etwas gesehen zu haben, was ich noch nie zuvor sah. Wenn es dann noch so brillant umgesetzt wird und einfach alles stimmt, ist das für mich das Zünglein an der Waage.

Wahrscheinlich: #1 Roma #2 Green Book

Lange Zeit galt Green Book als aussichtsreichster Kandidat auf den Preis als „Bester Film“ des Jahres. Doch eine Award-Season kann lang sein und im Fall von Green Book vielleicht ein wenig zu lang.

In den letzten Wochen hat sich Alfonso Cuarons Netflix-Film Roma mit autobiographischen Elementen die Favoritenrolle gesichert und gilt mit 10 Nominierungen als Frontrunnter für diese Kategorie. Emotional hat mich Roma zwar kalt gelassen, aber handwerklich war der Film ein Meilenstein.

Zusätzlich schau ich vor allem auf folgende Kategorien:

Bester Regisseur:
Wunsch: #1 Spike Lee / Wahrscheinlich: #1 Alfonso Cuaron
In den letzten 5 Jahren stand am Ende 4x ein mexikanischer Regisseur auf dem Siegerpodest und konnte den Oscar mit nach Hause nehmen. Auch dieses Jahr ist mit Alfonso Cuaron einer aus dem goldenen Trio der große Favorit. Vermutlich nimmt er zurecht den Preis am Ende mit, aber Spike Lee ist lang genug im Geschäft, hat ein gutes Standing in Hollywood und viele Filme mit Message. Vielleicht sorgt er für eine Überraschung.

Bestes original/adaptierte Drehbuch:
Wunsch: #1 A Star is Born (adapt) / #1 The Favourite (orig.) / Wahrscheinlich: #1 Blackkklansman (adapt) / #1 The Favourite (orig)
The Favourite und A Star is Born sind für mich die rundesten Drehbücher und haben mich dieses Jahr am besten unterhalten und mich gleichzeitig am wenigsten verärgert.

Bester Animationsfilm:
Wunsch: #1 Spider-Man: A new Universe / Wahrscheinlich: #1 Spider-Man: A new Universe #2 Incredibles 2
Die Animationskategorie ist diesese Jahr sehr interessant besetzt und bietet ein qualitativ hochwertigen Mix aus den verschiedensten Animationsstilen. In einem normalen Jahr wären Pixars Die Unglaublichen 2 wohl der Frontrunner, wäre da nicht die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft. Im Dezember wurde Spider-Man: A New Universe veröffentlicht und hat alle weggeblasen. Der optische Stil war genial und Geschichte, Charaktere und Dialoge bockstark. Ich habe im letzten Jahr glaube ich zu keinem Film mehr positive Meinungen in den sozialen Netzwerken gelesen wie zu A New Universe – für viele war er sogar der beste Superheldenfilm des Jahres.

Zusammenfassung:

Wunsch – BigFive + Bonus:

  • #1 Regina King #2 Rachel Weisz (Nebendarstellerin)
  • #1 Sam Elliott #2 Mahershala Ali (Nebendarsteller)
  • #1 Olivia Colman #2 Lady Gaga (Hauptdarstellerin)
  • #1 Rami Malek #2 Bradley Cooper (Hauptdarsteller)
  • #1 The Favourite #2 A Star is Born (Film)
  • #1 Spike Lee (Regisseur)
  • #1 A Star is Born & The Favourite (Drehbücher)
  • #1 Spider-Man: A New Universe (Bester Animationsfilm)

Wahrscheinlich – Big Five + Bonus:

  • #1 Regina King #2 Amy Adams (Nebendarstellerin)
  • #1 Mahershala Ali #2 Richard E. Grant (Nebendarsteller)
  • #1 Glenn Close #2 Olivia Colman (Hauptdarstellerin)
  • #1 Rami Malek #2 Christian Bale (Hauptdarsteller)
  • #1 Roma #2 Green Book (Film)
  • #1 Alfonso Cuaron (Regisseur)
  • #1 Blackkklansman & The Favourite (Drehbücher)
  • #1 Spider-Man: A new Universe #2 Die Unglaublichen 2 (Bester Animationsfilm)