Alien: Covenant | Kritik / Review

(Trailer)

Alien: Covenant ist mittlerweile der 6.Teil der Hauptreihe und mit den Crossovers/Spin-offs Aliens vs Predator sogar schon der achte Ableger. Nach den beiden unterschiedlichen aber genialen Meisterwerken Alien von Ridley Scott und Aliens von James Cameron, die Anfang der 80er auf perfekte Art und Weise das Franchise auf den Weg brachten, stürzte die Reihe qualitativ schnell ins Bodenlose ab. Im Jahr 2012 nahm Regisseur Ridley Scott dann das Zepter selbst wieder in die Hand um mit Prometheus die Vorgeschichte zu Alien zu erzählen.

Das Projekt war sehr ambitioniert und mit einem phänomenalen Cast besetzt, doch letztlich blieb er für die meisten Fans hinter den Erwartungen zurück und warf mehr Fragen auf als es klärte.

Storyanriss:

Der fremde Planet, den die Crew des Kolonisationsraumschiffs Covenant erforscht, wirkt paradiesisch: Doch als die Terraforming-Spezialistin Daniels (Katherine Waterston) und ihre Kollegen, darunter der neue Captain Christopher (Billy Crudup), der Android Walter (Michael Fassbender) und der Pilot Tennessee (Danny McBride) durch die bergige, bewaldete Landschaft laufen, fällt ihnen vor allem die merkwürdige, beunruhigende Stille auf: Kein Vogel ist zu hören – und auch kein anderes Tier. Bald schon merken die Entdecker, dass sie auf einem Planeten gelandet sind, der lebensfeindlicher kaum sein könnte. Blitzschnelle, hochintelligente und Säure-spritzende Aliens überfallen die Covenant-Crew, töten ein Mitglied nach dem anderen. Und dem Rest der Gruppe wird klar: So weit weg von der Heimat sind sie komplett auf sich allein gestellt

One wrong note eventually ruins the entire symphony.

Fazit:

Entgegen gefühlt 80% aller Reviews im Internet fand ich Alien: Covenant eigentlich ganz gut. Ableger dieses Franchises sind sehr schwierig zu bewerten: zum einen hat man mit den ersten beiden Filmen zwei Giganten, die man gerne wieder hätte aber nicht erreichen wird und zum anderen kann man die einzelnen Teile aufgrund ihrer sich stetig wiederholenden Struktur komplett auseinander nehmen. Eine Crew empfängt ein Signal, fliegt auf einen Planeten, handelt dumm und wird nach und nach gekillt bis am Ende ein Bruchteil übrig bleibt und mit Plot-Armor in den Cryoschlaf geht. In nahezu jedem Film. Alien: Covenant ist da keine Ausnahme und bietet somit auch eine große Angriffsfläche.

Man merkt wie Ridley Scott wegen der harschen Kritik an Prometheus von seiner ursprünglichen Idee abwich und Zugeständnisse machte um allen zu gefallen bis hin zur Anpassung und Änderung des Titels von Prometheus 2: Paradise Lost zu Alien: Covenant. Dies führte im Endeffekt auch dazu, dass der Film nicht Fisch nicht Fleisch ist und die Prometheus-Geschichte teils unsauber weitererzählt, um dann doch noch mehr in Richtung eines klassischen Aliens abzudriften und mit Action zu überzeugen. Mich persönlich hat der Mix als solches nicht gestört aber ein paar Storyelemente, die eher merkwürdig an Prometheus anschlossen oder Ungereimtheiten und zusätzliche Fragen aufwarfen. Trotzdessen gefiel mir die Geschichte overall ganz gut.

Ridley Scott beweist auch einmal mehr sein Gespür für tolle Bilder und Set-Designs. Der Film sieht einfach klasse aus, egal ob es das Raumschiff Covenant und die Weltraumoptik waren, die Landesequenz auf dem Planeten oder auch alles rund um den Tempel. Auch atmosphärisch gab es Szenen die mich überzeugen konnte, beispielsweise in der „Quarantäne-Szene“, gleichzeitig wurde ich in dieser Szene in 3 Minuten gefühlt 5x aus dem Film gerissen, weil die beteiligten Charaktere in bester Slapstickmanier agierten wie die größten Trottel unter der Sonne, obwohl sie eigentlich Experten sein sollen. Von diesen Momenten, die – selbst mit der von mir bereits aufgebrachten Toleranz für diese Art Film – zu dumm waren, gibt es dann noch 1-2 weitere. Stichwort: Facehugger. Nicht sonderlich hilfreich fand ich dann auch den Fakt, dass Ridley Scott in der Promophase zu Covenant den ein oder anderen tollen Videoclip mit Storyhintergründen und character building veröffentlichte, die es dann letztlich aber nicht im Film selbst zu sehen gibt. Was kümmert mich der emotionale Verlust einer Figur, wenn ich gar nicht weiß warum dieser Verlust so emotional für sie ist?

Schauspielerisch konnte mich dann Danny McBride als mutige Castingentscheidung und angenehme Figur überraschen und ganz klar Michael Fassbender, der nicht nur der beste Darsteller im Cast ist, sondern auch die interessanteste Figur verkörperte. Katharine Waterston als neue Fake-Ripley hat mich jetzt nicht geflashed aber war okay. Das Finale des Films wird dann nochmals in bester Aliensart zu einem Actionfest mit einem interessanten aber bereits mindestens 30 Minuten angekündigten und mit voller Geschwindigkeit genommenen Twist zu Ende gebracht.

Auch dieses Mal hat Ridley Scott die ein oder andere Frage aufgeworfen für deren Beantwortung wir wohl für die Fortsetzung ins Kino müssen. Ich wünschte mir Scott würde seinen Egotrip ein wenig zurückfahren und anderen talentierten Regisseuren das Franchise überlassen, die vielleicht mal mit einem unverbrauchten Blick drauf schauen, dennoch fand ich Alien: Covenant insgesamt unterhaltsam und besser als Prometheus.

And the Oscar 2016 goes to..

Heute ist es endlich soweit – die Nacht für Filmbegeisterte. In Los Angeles werden heute Nacht die 88. Academy Awards verliehen. Die Übertragung fürs deutschen Fernsehen übernimmt wieder Pro7 auch wenn es dieses Jahr zum ersten Mal ohne Steven Gätjen stattfindet, der seit Anfang des Jahres fürs ZDF arbeitet. Durch den Abend im Dolby Theatre führt zum zweiten Mal der Comedian und Schauspieler Chris Rock. Wer Chris Rock kennt, weiß, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt und ordentlich austeilen kann. Hierbei besonders brisant ist der Fakt, dass er in diesem Jahr wohl einer der wenigen Afro-Amerikaner des Abends sein wird auf Grund der gesamten #OscarsSoWhite-Debatte. Die Welt ist gespannt auf seine Sprüche und Abrechnung mit Hollywood.

Chris-Rock

Für die musikalischen Highlights am heutigen Oscar-Abend sorgen wie immer die Nominierten für den „Besten Song„, also Lady Gaga mit „Til It Happens to You“ aus The Hunting Ground, The Weeknd mit „Earned It“ aus der Verfilmung zu Fifty Shades of Grey und Sam Smith mit „Writing’s on the Wall“ aus Spectre. Darüber hinaus wird auch der ehemalige Drummer von Nirvana und Frontmann der Foo Fighters, Dave Grohl, mit einer Special Performance auftreten.

 

Beste Nebendarstellerin / Actress in A Supporting Role:

Rooney Mara (Carol) | Rachel McAdams (Spotlight) | Jennifer Jason Leigh (The Hateful 8) | Alicia Vikander (The Danish Girl) | Kate Winslet (Steve Jobs)

 

Wunsch: #1 Alicia Vikander #2 Kate Winslet

aliciavikanderIn diesem Jahr ist diese Kategorie für mich deutlich besser besetzt als 2015, nicht weil die Schauspielerinnen im letzten Jahr nicht gut waren, sondern weil ich damals keine der Rollen für sonderlich herausragend hielt. Dieses Mal gab es davon einige. Sowohl Jennifer Jason Leigh aus The Hateful 8 fand ich super, genauso wie Alicia Vikander in The Danish Girl und Kate Winslet als Fels in der Brandung in Steve Jobs. Für mich machen es hier Winslet und Vikander unter sich aus, Überraschungen sollte es nicht wirklich geben. Ich gönne es beiden eigentlich gleichermaßen.

 

Wahrscheinlich: #1 Alicia Vikander #2 Kate Winslet

kate-winslet

 

Die größten Chancen auf den Oscar in dieser Kategorie darf sich wohl Alicia Vikander machen, die als verständnisvolle Ehefrau und beste Freundin im Transgender-Drama The Danish Girl zu überzeugen wusste. Die junge Darstellerin, die uns schon in Ex-Machina beeindruckt hat, ist nun endgültig ganz Oben angekommen. Die ärgste Konkurrentin heute Abend ist Kate Winslet – das sehen die Buchmacher also so wie ich.

 

 Bester Nebendarsteller / Actor in A Supporting Role:

Mark Rylance (Bridge of Spies) | Mark Ruffalo (Spotlight) | Christian Bale (The Big Short) | Sylvester Stallone (Creed) | Tom Hardy (The Revenant)

 

Wunsch: #1 Sylvester Stallone

sylvester stallone

 

Diese Kategorie ist für mich dieses Jahr ziemlich eindeutig. Ich hätte zwar vor einem Jahr nicht damit gerechnet, dass ich das mal sagen werde, aber: Fucking Sylvester Stallone wird wohl mit einem Oscar nach Hause gehen – und das völlig zu recht. Seine Performance in Creed war einfach toll und gefühlvoll. Er sticht einfach ziemlich heraus aus den anderen Darstellungen. Klarer Favorit für mich.

 

 

Wahrscheinlich: #1 Sylvester Stallone #2 Mark Rylance

Mark_RylanceIm Prinzip steht der Sieg von Sylvester Stallone fest könnte man meinen. Doch glücklicherweise hat man hier nicht das Gefühl, dass es wohlmöglich unverdient wäre und man diese Wahl nur getroffen hätte um irgendeiner Lobby einen Gefallen zu tun. Stallone ist der große Favorit und wird vermutlich heute Abend nach dem Golden Globe auch den Oscar gewinnen. Außenseiter Chancen gesteht man noch Mark Rylance für Bridge of Spies zu, die ich aber  als ziemlich gering empfinde. Auch Mark Ruffalo wird heute wohl eher leer ausgehen.

 

Beste Hauptdarstellerin / Actress in A Leading Role

Jennifer Lawrence (Joy) | Brie Larson (Room) | Cate Blanchett (Carol) | Saoirse Ronan (Brooklyn) | Charlotte Rampling (45 Years)

 

Wunsch: #1 Brie Larson #2 Saoirse Ronan

Brie-Larson

 

Charlotte Rampling ist die einzige der fünf Damen, die ich noch nicht in ihrem neuen Film 45 Years sehen konnte, sodass sie also hier für mich aus der Einschätzung rausfällt. Die anderen vier Schauspielerinnen fand ich aber alle sehr überzeugend auch wenn für mich ganz klar Brie Larson die Favoritenrolle einnimmt. Saoirse Ronan ist für ihre Rolle der Eilis in Brooklyn zum zweiten Mal für einen Oscar nominiert und. Mit 13 Jahren war sie für Abbitte zum ersten Mal bedacht worden

 

 

Wahrscheinlich: #1 Brie Larson #2 Cate Blanchett

4th AACTA Awards Ceremony

 

Brie Larson ist auch bei den Experten durch ihre grandiose Darbietung in Room die größte Favoritin am heutigen Abend. Die wohl wahrscheinlichsten Chancen auf einen Überraschungssieg hätten wohl Saoirse Ronan und Cate Blanchett. Gerade Cate Blanchett sollte man man einfach nie unterschätzen, wenn sie nominiert ist. Sie ist wie ihr Co-Star Rooney Mara für ihre Performance im Lesben-Drama Carol nominiert.

 

 

 Bester Hauptdarsteller / Actor in a Leading Role

Bryan Cranston (Trumbo) | Michael Fassbender (Steve Jobs) | Leonardo DiCaprio (The Revenant) | Matt Damon (Der Marsianer) | Eddie Redmayne (The Danish Girl)

 

Wunsch: #1 Michael Fassbender #2 Eddie Redmayne

Michael-Fassbender

Im Moment gibt es eigentlich nur einen Namen für die breite Masse und das ist Leonardo DiCaprio. Er räumte bislang nahezu jeden Preis in dieser Award-Saison ab und wird wohl auch endlich heute Nacht seinen verdienten Oscar bekommen. Nichtsdestotrotz hätte ich ihn eher für seine Rolle in The Wolf of Wallstreet verliehen als für The Revenant. Meine persönlichen Highlights waren zwei andere Kandidaten. Michael Fassbender hat mir irgendwie besser gefallen in Steve Jobs und auch Eddie Redmayne, der im letzten Jahr den Oscar gewann, konnte in The Danish Girl mit einer quasi Doppelrolle einen Leonardo DiCaprio für mich ausstechen.

Wahrscheinlich: #1 Leonardo DiCaprio

leo

Oft hat man es ihm gegönnt und am Ende ging er doch leer aus. Nach Gilbert Grape (1994), The Aviator (2005), Blood Diamond (2007) und The Wolf of Wallstreet (2014) folgt nun mit The Revenant Leonardo DiCaprios 5.Nominierung. Mittlerweile scheint der Druck und Hype von Außen so groß zu sein, dass er im Prinzip schon seit Wochen als Gewinner festzustehen scheint. Was soll ich sagen? Er ist einer der besten Schauspieler unserer Zeit und er hat ihn sich verdient auch wenn ich persönlich dieses Jahr andere Favoriten habe.

 

 Bester Film / Best Picture

The Revenant | Bridge of Spies | Der Marsianer | The Big Short | Mad Max: Fury Road | SpotlightBrooklyn | Room

 

Wunsch: #1 Room #2 Mad Max: Fury Road #3 Spotlight

room_blog2Kommen wir zur Königsdisziplin des Abends: Bester Film. Im letzten Jahr konnte Alejandro Gonzalez Inarritus Birdman gewinnen und in diesem Jahr könnte er mit The Revenant sehr wahrscheinlich erneut siegen. Mir haben Room, Spotlight und Mad Max: Fury Road aber besser gefallen. Room war irgendwie einfach speziell und anders, Spotlight hatte eine sehr gute Geschichte mit tollem Ensemble-Cast und Mad Max war einfach ein reiner Nerdgasm für Fans mit wahnsinnigen Bildern und grandioser Action. Ich hoffe, dass es vielleicht eine Überraschung heute Nacht geben wird – Wunschdenken.

Wahrscheinlich: #1 The Revenant #2 Spotlight #3 The Big Short

the-revenantIn den letzten 3 Monaten gab es eigentlich nur drei große Namen für den Sieg in dieser Kategorie. Bis Dezember galt das Journalisten-Drama Spotlight lange als großer Favorit. Abgelöst wurde es dann von dem Rache-Thriller The Revenant, der seit Anfang des Jahres mit einem unglaublichen Hype etliche Awards abgeräumt hat. Im Endspurt vor den Oscars konnte überraschender Weise die Wirtschafts-Satire The Big Short bei den PGA-Awards gewinnen, jedoch wäre ein Nichtsieg von The Revenant sehr überraschend.

Zusammenfassung:

BigFive – Wunsch:

  • #1 Alicia Vikander, The Danish Girl | #2 Kate Winslet, Steve Jobs (Beste Nebendarstellerin)
  • #1 Sylvester Stallone, Creed (Bester Nebendarsteller)
  • #1 Brie Larson, Room | #2 Saoirse Ronan, Brooklyn (Beste Hauptdarstellerin)
  • Michael Fassbender, Steve Jobs | #2 Eddie Redmayne, The Danish Girl (Bester Hauptdarsteller)
  • #1 Room | #2 Mad Max: Fury Road | #3 Spotlight (Bester Film)

 

BigFive – Wahrscheinlichkeit:

  • #1 Alicia Vikander, The Danish Girl | #2 Kate Winslet, Steve Jobs (Beste Nebendarstellerin)
  • #1 Sylvester Stallone, Creed | #2 Mark Rylance, Bridge of Spies (Bester Nebendarsteller)
  • #1 Brie Larson, Room | #2 Cate Blanchett, Carol (Beste Hauptdarstellerin)
  • #1 Leonardo DiCaprio, The Revenant | #2 Eddie Redmayne (Bester Hauptdarsteller)
  • #1 The Revenant | #2 Spotlight | #3 The Big Short (Bester Film)

The Revenant | Kritik / Review (Oscars 2016)

the_revenant_blog2(Trailer)

Das Jahr ist gerade mal gut eine Woche alt und wir widmen uns mit The Revenant wohl schon einem sicheren Kandidaten für den ersten Platz in der Kategorie „Strapaziösester Filmdreh des Jahres“. Mit vielen Schlagzeilen wurde schon unabhängig von jeglicher Werbekampagne für genug Gesprächsstoff in der Filmwelt gesorgt. Alejandro G. Iñárritu, der im letzten Jahr 3 Oscars für sein Meisterwerk Birdman gewann, dem einzigen Film, dem ich bislang die Maximalwertung von 5/5 auf dieser Seite gegeben habe, hatte wie auch schon bei seiner letzten Produktion eine ganz besondere Vision für seinen neusten Film.

Iñárritu drehte entgegen der üblichen Praxis alle Szenen in chronologischer Reihenfolge und bestand auf Dreharbeiten ausschließlich an Originalschauplätzen und ohne künstliche Lichtquellen. Die Produktion wurde so zum extremen Kraftakt für alle Beteiligten und führte zu vielen Problemen, internen Auseinandersetzungen bishin zu Mitgliedern der Crew, die unter Protest die Arbeit verließen.

Nachdem der benötigte Schnee in Kanada früher als erwartet abgeschmolzen war und die neunmonatigen Dreharbeiten letztlich in Argentinien beendet werden mussten, verbannte Iñárritu zudem den Produzenten Jim Skotchdopole („Django Unchained“) vom Set – die beiden waren sich immer wieder in die Haare geraten. Ob sich all die Strapazen und der Stress am Ende auszahlen, könnt ihr in meinem Fazit erfahren.

Storyanriss:

In den 1820ern zieht der legendäre Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) durch die Weiten der USA, wo er mit einer von Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) angeführten Expedition dabei ist, den Missouri River zu erforschen. Am Fluss hat er einen unachtsamen Moment – den ein Grizzly ausnutzt, ihn übel zuzurichten. Glass schwebt in Lebensgefahr. Seine Begleiter, unter ihnen der raubeinige John Fitzgerald (Tom Hardy) und der junge Jim Bridger (Will Poulter), glauben nicht, dass er den Vorfall überleben wird und als sie dann Ureinwohner in der Nähe ihres Lagers erspähen, fackeln sie nicht lange. Sie nehmen dem Schwerverwundeten Gewehr, Messer und seine weitere Ausrüstung ab und überlassen ihn sich selbst. Aber überraschend überlebt Glass doch – und schwört allen Begleitern Rache, die ihn zurückgelassen haben. Auf der Suche nach ihnen schleppt sich der verletzte Abenteurer durch die eisige Bergwelt

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Ich habe keine Angst mehr zu sterben, ich bin schon tot.

Fazit:

Die exzellente Bebilderung durch den zweifachen Oscar-Gewinner und Kameramann Emmanuel Lubezki (Birdman und Gravity) schafft eine intensive Atmosphäre, die den Zuschauer für 2,5h vollkommen in Beschlag nimmt. Lubezki ist also auf einem guten Weg zum dritten Oscar in Folge. Ich bin mir nur nicht so sicher, ob sich der Aufwand und die Strapazen des Drehs so gelohnt haben und überhaupt vom Zuschauer wahrgenommen werden. Ohnehin werden vermutlich 80% der Kinobesucher nicht mal wissen, wie der Film gedreht wurde und ich für meinen Teil kann ohne Vergleichsszenen mit künstlicher Beleuchtung kaum einschätzen, ob das nette Gimmick wirklich einen so großen Mehrwert bringt – ich vermute eher nicht. Dennoch habe ich großen Respekt vor allen Beteiligten und finde es lobenswert, wenn Regisseure ihre eigene Vision haben und nicht nur Fließbandarbeit ableisten wollen.

Was mir auch positiv aufgefallen ist, sind die guten Effekte und das tolle Make-Up, das vor allem bei der expliziten Darstellung sämtlicher Wunden im Film zur Geltung kommt. Achja, ein Film für Vegetarier ist The Revenant übrigens auch nicht bei all dem rohen Fleisch und toten Tieren. Iñárritu schafft es wieder paar großartige Szenen wie beispielsweise das Aufeinandertreffen mit dem Bären oder die Plansequenzen am Anfang in das Gedächtnis der Zuschauer einzuprägen – der Rest war manchmal leider hin und wieder ein wenig langatmig oder dünn an Story.

Schauspielerisch kann man allen Darstellern keinen Vorwurf machen und wie schon in aller Munde schielt Herr DiCaprio bereits mit einem Auge auf den Oscar. Ich denke die Chancen stehen gut für eine Nominierung und eventuell auch den Sieg, nur muss ich ehrlich sagen, dass ich damit nicht ganz zufrieden wäre. Zum einen hätte er schon längst einen Oscar für seine deutlich ikonischeren Rollen bekommen sollen und zudem holt mich eine Performance wie bei The Revenant nicht vollends ab. Das war schon bei Reese Witherspoon und Wild im letzten Jahr so. Im Prinzip krabbelt er den halben Film nur und spricht kaum irgendwas. Da habe ich letztlich dann doch eher Auftritte wie ich sie in Birdman von jedem einzelnen Schauspieler dort bekommen habe – dialoggetrieben, facettenreich und emotional. Auch Mel Gibsons Apocalypto hat mich in diesem Punkt besser abgeholt. Es ist halt eine sehr körperliche Darstellung und Leo verdient definitiv Respekt, aber den Oscar in diesem Jahr eher nicht – zumindest wenn es so starke Konkurrenz wie Michael Fassbender auf den Oscars geben sollte.

Abschließendes Fazit: The Revenant ist ein gelungener Film mit fesselnder Atmosphäre, wuchtigen Bildern und tollen Darstellern – doch wenn es um den Wiederschauwert geht, würde ich lieber mir ein weiteres Mal Birdman anschauen, als ein zweites Mal The Revenant.

bewertungsskalafinal3,5

 

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit | Kritik / Review

x-men-days-of-future-past-set-pic1(Trailer)

Bryan Singer ist zurück! Der comicaffine Regisseur ist nicht nur für den genialen Die üblichen Verdächtigen bekannt, sondern zeigte sich auch verantwortlich für die ersten beiden Teile der Original-Trilogie rund um Wolverine und Professor Xavier. Nach nun 11 Jahren kehrt er zum zweiten Teil des Neustart der Reihe zurück in den Regiestuhl und übernimmt somit das Kommando am Set. Damals war der zweite Teil der wohl beste der Trilogie, ob das auch dieses Mal der Fall sein wird, kläre ich wie immer im Fazit. Bis dahin kann man sich aber auf einen Action-Blockbuster freuen, der mit Jennifer Lawrence (American Hustle – Kritik hier), Hugh Jackman (Prestige), Michael Fassbender (12 Years a Slave – Kritik hier), James McAvoy (Trance), Halle Berry (Monster’s Ball), Anna Paquin (True Blood), Ellen Page (Hard Candy), Shawn Ashmore (The Following), Omar Sy (Ziemlich beste Freunde), Ian McKellen (Der Hobbit – Smaugs Einöde), Patrick Stewart (Star Trek) und Peter Dinklage (Game of Thrones) nicht nur Oscarnominierte und Gewinner, sondern auch alte und neue Generationen der Schauspielkunst vereint und auf die Leinwand bringt.

 

Storyanriss:

In der Zukunft stehen die Mutanten kurz vor dem Aussterben, weil sie von Killer-Robotern gejagt und getötet werden: den Sentinels. Aufgrund der Bedrohung arbeiten die Gegner Magneto (Ian McKellen) und Charles Xavier (Patrick Stewart) zusammen – ihr Plan sieht vor, den Terror durch die Sentinels gar nicht erst zuzulassen. Dazu schicken sie Wolverines (Hugh Jackman) Bewusstsein mit Hilfe von Kitty Pryde (Ellen Page) in die Vergangenheit, da sich sein Geist von den Folgen einer solchen Zeitreise erholen kann. In der Vergangenheit soll Wolverine eine Tat Mystiques (Jennifer Lawrence) verhindern, die den Bau der Sentinels erst möglich machte; der Eingriff würde also die Zukunft im Sinne der Mutanten verändern. Doch dafür muss Wolverine erst ein Team aus Mutanten zusammenstellen – was sich als schwierig erweist. Der junge Charles Xavier (James McAvoy) etwa ist nicht nur in einem miserablen psychischen Zustand sondern zeigt zunächst auch kein großes Interesse an Wolverines Plänen.

 

Ich will dein Leid nicht. Ich will deine Zukunft nicht.

 

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Fazit:

X-Men: Days of Future Past wird derzeit weltweit von den Fans und Kritikern in den höchsten Tönen gelobt und auch ich fand ihn gut, jedoch bin ich nicht so sehr gehyped wie der Großteil. Der Film macht jetzt nicht sonderlich viel verkehrt und unterhält durchaus über die Spieldauer von mehr als zwei Stunden. Nichtsdestotrotz habe ich mir ein stückweit mehr erhofft. Es ist das große Aufeinandertreffen der X-Men sowie Schauspielgenerationen, doch leider kommen, wie es fast zu erwarten war, viele der Protagonisten zu kurz und bekommen keinen Raum um sich zu entfalten, obwohl es über weite Strecken des Films ums Storytelling geht. Das ist dann eigentlich auch schon mein wohl größter Kritikpunkt, denn auch wenn mich die Geschichte interessiert, da ich nicht die Comics gelesen aber jeden X-Men Film gesehen habe, freut man sich eigentlich auch immer darauf neue Mutanten mit neuen Fähigkeiten in tollen Kämpfen zu sehen.

Doch leider kommt das hier deutlich zu kurz. Klar gibt es in Days of Future Past Actionsequenzen aber meiner Meinung nach zu wenig Kämpfe und die sind dann auch noch ziemlich lahm. Gefühlt waren es nur 2 Szenen und das bei 20 Mutanten und 137 Minuten Film. Während mich dieses Zurückgenommene bei Godzilla (Kritik – hier) noch positiv beeinflusst hat und es dort meiner Meinung nach das richtige Stilmittel war, empfand ich es hier eher als störend und man hat deutlich Potential verschenkt. Alles in allem handelt es sich hier um einen guten Blockbuster und würdigen Nachfolger zum ersten Teil des Reboots X-Men: First Class, auch wenn er sich für mich dahinter einreiht. Und wie immer gilt: bleibt bei einem Marvelfilm sitzen um in den Aftercredits einen Vorgeschmack auf den folgenden X-Men: Apocalypse zu erhaschen.

  • Film: 3/5
  • Kinoerlebnis: kein Profit
  • Empfehlung: Kinobesuch vor allem aber für Fans der X-Men-Reihe

 

12 Years a Slave | Kritik / Review (Oscars 2014)

yearsaslaveblogTrailer

Heute ist es soweit und wir kommen zum großen Oscarfavoriten, zumindest wenn man von der Anzahl der Nominierungen ausgeht. Denn mit zehn möglichen Oscars, bildet das Sklavendrama von Steve McQueen zusammen mit American Hustle die Speerspitze der 86. Academy Awards in Los Angeles. Und wie wir alle wissen und auch in den letzten Jahren häufig sehen konnten, lieben die Amerikaner vor allem ihre eigene Geschichte, sodass früh anzunehmen war, dass 12 Years a Slave einer der heißesten Kandidaten für den begehrtesten Filmpreis der Welt sein wird. Für sein Schauspielensemble hat sich McQueen nach Hunger und Shame ein drittes Mal für Michael Fassbender entschieden, der zusammen mit Chiwetel Ejiofor (2012), Benedict Cumberbatch (Star Trek: Into Darkness), Lupita Nyong’o und Brad Pitt (Fight Club) für die bewegende Verfilmung zu Solomon Northups Autobiographie aus dem Jahr 1853 vor der Kamera stand.

 

Storyanriss:

Im Jahr 1841 lebt Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) ein erfülltes Leben mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in New York. Gutgläubig nimmt der Geigenspieler ein Arbeitsangebot zweier Künstler an, dass ihn nach Washington führt. Nach einer durchzechten Nacht mit den beiden Männern, findet sich Solomon am nächsten Morgen angekettet in einem Keller wieder und stellt fest, dass er von den beiden Männern in eine Falle gelockt und unter Drogeneinfluss in die Sklaverei verkauft wurde. Im Verlauf seiner Gefangenschaft macht Solomon, jetzt unter dem Namen Platt geführt, die Bekanntschaft mit verschiedenen Sklaventreibern wie William Ford (Benedict Cumberbatch) oder dem sadistische Edwin Epps (Michael Fassbender). Beistand in dieser schwierigen Zeit erfährt Solomon vor allem durch Patsey (Lupita Nyong’o).

What difference is there in the color of the soul? 

Fazit:

2013-Oscars-LogoBewegender Film, welcher der ein oder anderen Dame im Kinosaal dicke Kullertränen die Wange runter laufen ließ. Sehr intensive Folterszenen in Originallänge und gute schauspielerische Darbietungen sorgen dafür, dass der Kloß regelmäßig im Hals stecken bleibt. Sehr lobende Worte kann ich an dieser Stelle für Michael Fassbender aussprechen, der einfach über alle Maßen überzeugend seine Rolle verkörpert hat und für mich hier der herausragende Schauspieler war. Generell waren mir die Figuren aber oftmals zu stark in eine Richtung ausgeprägt, wie beispielsweise Brad Pitts Charakter Samuel Bass und somit auch ein wenig facettenlos. Nichtsdestotrotz war 12 Years a Slave ein starker Film, der sehr große Chancen haben wird den wichtigsten Oscar zu gewinnen, auch wenn er mich persönlich nicht an erster Stelle steht.

  • Film: 4/5
  • Kinoerlebnis: kein Profit
  • Empfehlung: In möglichst kleiner Gruppe ansehen und auf sich wirken lassen und nicht für einen lässigen DVD-Abend mit Freunden verschwenden.