Dune: Part Two | Kritik / Review

Storyanriss:

Am Ende des ersten Teils ist der Planet Arrakis Schauplatz eines brutalen Anschlags – die Folge einer Intrige zwischen dem Imperator des Universums Shaddam IV (Christopher Walken) und dem Volk der Harkonnen. Der Angriff richtete sich spezifisch gegen das Haus Atreides, das nach Arrakis gekommen war, um das dort in der Luft liegende Spice zu ernten und darüber hinaus friedlich zu herrschen. Bei der gewalttätigen Auseinandersetzung starb das Familienoberhaupt (Oscar Isaac), sein Sohn Paul Atreides (Timothée Chalamet) und seine Mutter Jessica (Rebecca Ferguson) konnten fliehen und fanden Unterschlupf bei den Fremen, den Einheimischen von Arrakis. Während sich Paul in ihre Kultur eingliedern und das Überleben in der Wüste lernen will, halten die Fremen ihn für den prophezeiten Lisan al Gaib, einen Messias, der die Fremen ins Paradies führen soll. Nur die junge Kriegerin Chani (Zendaya) zweifelt an dem antiken Glauben und sieht in Paul einen aufrichtigen Verbündeten, in den sie sich schon bald verliebt. Das Spice verstärkt Pauls seherische Fähigkeiten jedoch immer mehr und in seinen Visionen zeichnet sich ein bevorstehender Krieg mit den Harkonnen und dem Imperator ab. An Paul und den Fremen hängt das Schicksal des Universums.

Fazit:

Denis Villeneuve hatte mit „Dune“ bereits bewiesen, dass der als „unverfilmbare Stoff“ als den man Frank Herberts Sci-Fi-Roman „Der Wüstenplanet“ jahrzehntelang betitelte, mit dem nötigen Kleingeld und einer klaren Vision umsetzbar ist. Seine Entscheidung den Roman in zwei Teilen zu adaptieren, um die umfangreiche Geschichte angemessen zu erzählen, ist insgesamt gesehen die richtige Entscheidung gewesen – auch wenn das natürlich bedeutete, dass der erste Film sich manchmal wie ein sehr hochwertiger Teaser anfühlte und den Zuschauer am Ende mit einem Cliffhanger und dem Wunsch nach der Fortsetzung dürstend zurückließ. Der zweite Teil endet zwar ebenfalls auf einem Cliffhanger, der Wunsch von Villeneuve einen dritten Film zu drehen ist allseits bekannt, jedoch ist die Geschichte nach diesen zwei Teilen soweit abgeschlossen, dass man deutlich zufriedener den Kinosaal verlässt und zur Not – falls niemals der dritte Film Dune: Messiah produziert werden sollte – eine weitestgehend runde, fertige Geschichte und zwei Filme hat.

Dune: Part Two taucht nun deutlich tiefer in die komplexe Handlung ein und übertrifft den Auftaktfilm in jeder Hinsicht. Storytechnisch geht es nahtlos weiter, wo der erste Teil aufhörte und wir begleiten Paul und seine Mutter Jessica, wie sie sich, jeder auf seine Art, den Gepflogenheiten der Fremen annehmen und in ihren Rängen aufsteigen. Diesem Teil der Geschichte wird die meiste Zeit eingeräumt und dabei auf so eine interessante Weise erzählt. Zugegeben: einen Messias- und Auserwählter-rettet-alle-Trope ist bei weitem nichts neues, aber so facettenreich und interessant habe ich ihn selten erlebt. Die Entwicklung die Timothee Chalamets, Rebecca Fergusons und Zendayas Charaktere durchmachen war fantastisch.

Dabei gelingt es Regisseur Villeneuve, Kameramann Greig Fraser und Komponist Hans Zimmer ein audiovisuelles Erlebnis zu schaffen, das mit beeindruckenden Bildern und eindringlichen Klängen immersiv ist und überwältigt. Die Szene als es darum geht einen Sandwurm zu bändigen ist aufregend und imposant inszeniert, hier merkt man, dass es alleine drei Monate Arbeit für diesen Moment benötigte. Für mich ist es aber vor allem das letzte Drittel des Films, das so viele epische Momente und Bilder erzeugte, so dass ich kaum noch aus dem Staunen kam. Hier entschied sich Villeneuve klar dafür auch mal Fünf gerade sein zu lassen und die Kraft der Bilder über eine 100%ige kohärente Logik zu stellen, aber im Gegensatz zu vielen mittelmäßigen Actionfilmen, kann man es hier akzeptieren, weil der Pay-Off, das was man dafür im Gegenzug bekommt, zum Besten gehört, was man bislang gesehen hat.

Dune: Part Two taucht auch tiefer in Themen wie Umwelt, Kolonialismus und Religion ein und führt auch eine Handvoll neuer Figuren ein, wie Christopher Walkens Imperator , Florence Pughs Prinzessin Irulan, Lea Seydoux‘ Lady Margot Fenring, Anya Taylor-Joys Alia oder Austin Butlers soziopathischen Mörder Feyd-Rautha, der zwar ein faszinierendes Charisma besitzt, aber wie alle neuen Figuren unterentwickelt bleibt und nur wenig Screentime bekommt. Viele Hintergrundinformationen zur Motivation der Charaktere gibt es also nicht – was ich mir zwar anders wünschen würde, aber noch so akzeptieren kann. Zumal das soweit ich gehört habe in den Büchern auch nicht immer besser gelöst sein soll.

Dafür bekommen wir ein genaues Bild der Fremen gezeichnet, die unabhängigen Krieger sind aufgeteilt in einen weitestgehend pragmatischen Stamm im Norden und einen eher fundamentalistischen Stamm im Süden, der nur zu gerne an die prophetische Geschichte eines rettenden Messias glauben möchte, der sie ins Paradies führt. Den ganzen Zwiespalt über Glaube und Pragmatismus sowie der Hoffnung aber auch Angst vor einem Messias lernt der Zuschauer vor allem durch Zendayas Chani kennen, die für mich das eindrücklichste Zitat des Films liefert.

Want to control people? Tell them a Messiah will come and they’ll wait.

– Chani (Zendaya) in Dune: Part Two

Während sie im ersten Film noch völlig nebensächlich war, wird sie im Verlauf des zweiten Films mit zunehmender Spielzeit immer mehr die Linse durch die wir Zuschauer das Geschehen wahrnehmen. Ihre zarte Liebesgeschichte mit Paul wird zurückhaltend, aber gefühlvoll erzählt, während beide mit Zweifeln, Ängsten und der Last auf ihren Schultern kämpfen. Herausragend verkörpert von Chalamet und Zendaya, die mit dieser Geschichte der zentrale Ankerpunkt des Films sind und ihn mühelos tragen.

Da ich euch nur Appetit auf den Film und ihn euch nicht in Gänze vorkauen möchte, belasse ich es hierbei und werde nicht weiter in Spoiler abdriften.

Dune: Part Two endet zwar mit einem Cliffhanger, der die Erwartungen an einen dritten Teil, „Dune Messiah“, steigert, doch rundet die Geschichte nach zwei Filmen weitestgehend ab. Villeneuve gelingt eine herausragende Fortführung des ersten Teils, die Science-Fiction-Kino auf höchstem Niveau bietet und mit phänomenalen Bildern, Soundtrack und Cast alles bietet, was das Filmherz begehrt.

And the Oscar 2024 goes to..

Es ist endlich wieder soweit: in wenigen Stunden werden die Oscars in Los Angeles verliehen. Es ist mittlerweile die 96. Verleihung des prestigeträchtigsten Filmpreises der Welt, den Academy Awards. Mein Event-Highlight des Jahres.

Oscars 2023 – was ist passiert

Im Vergleich zum Oscar-Slap 2022, waren die Verleihung im letzten Jahr weniger skandalös aber dennoch sehr geil. Das lag vor allem daran, dass unfassbar viele tolle Geschichten erzählt wurden, so als ob es ein Drehbuch gab. Nicht nur räumte mit „Everything, Everywhere All At Once“ ein Film ab, der so fern von jeglichem, altbekannten Oscar-Regeln war, es gab auch zeitgleich viele Comebacks.

Ke Huy Quan, den wir als Kinderschauspieler in „Die Goonies“ oder Indiana Jones 2 kennenlernten und der wie viele Schauspieler aufgrund des Fehlens weiterer großer Rollen das Schauspiel schon aufgab, kam zurück nach Hollywood und gewann „Bester Nebendarsteller“. Noch berührender war Brendan Fraser, der für Jahre auf der vermeintlichen Black List Hollywoods landete, weil einflussreiche Produzenten, die er der sexuellen Belästigung beschuldigte, ihm seine Karriere zerstörten. Auch er kam zurück mit The Whale, wo man gefühlt in jeder Sekunde diesen Schmerz spüren konnte.

Und zu guter Letzt war da noch Michelle Yeoh, die als erste asiatische Schauspielerin den Preis als „Beste Hauptdarstellerin“ entgegennahm und Geschichte schrieb. Es waren einfach die most wholesome Oscars.

Was darf man von den 96. Academy Awards erwarten?

Zurückkommen wird Late-Night-Host Jimmy Kimmel, der nun zum zweiten Mal in Folge und zum vierten Mal insgesamt durch den Abend führen wird. Es wird daher vermutlich weniger politisch werden und mehr Fokus auf der Filmbranche liegen.

Die Frauen schreiben weiterhin Geschichte. Greta Gerwig schafft es als erste Regisseurin mit ihren ersten drei Solofilmen jeweils für „Bester Film“ nominiert zu sein. Lily Gladstone ist die erste native american Schauspielerin, die als „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert wurde und mit Greta Gerwig, Celine Song und Justine Triet schaffen es erstmals drei Frauen gleichzeitig einen Film in der Kategorie „Bester Film“ zu haben.

Fans dürfen sich außerdem auf den Auftritt von Billie Eilish freuen, die ihren nominierten Song „What was i made for?“ von Barbie performen wird. Auch Ryan Gosling wird mit „I’m just Ken“ aus Barbie für reichlich Spektakel sorgen.

Snubs & Surprises

Biggest Snubs:
Bester Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio für Killers of the Flower Moon & Dominic Sessa für The Holdovers
Beste Hauptdarstellerin: Margot Robbie für Barbie & Greta Lee für Past Lives
Bester Nebendarsteller: Charles Melton für May December
Beste Regie: Greta Gerwig für Barbie, Celine Song für Past Lives
Bester Song: Dua Lipa mit „Dance the Night“ für Barbie, Jack Black mit „Peaches“ für Super Mario Bros Movie
Filme: Spider-Man: Across the Spider-Verse und Der Super Mario Bros. Film wurden teils nahezu komplett ignoriert. Während Spider-Man durchaus hätte bei Bester Film landen können, wäre für Mario immerhin eine Bester Song Nominierung oder Bester animierter Film drin gewesen

Biggest Surprises:
Godzilla stampft ins Oscar-Rennen: Toho, die Urväter der Riesenechse schaffen es überraschend mit ihrem lowbudget „Godzilla Minus One“ nicht nur Kritiker und Fans glücklich zu machen, sondern auch die Academy, die sie mit einer Nominierung für die „Besten visuellen Effekte“ belohnt.
Eine deutsche Schauspielerin als Beste Schauspielerin nominiert: Sandra Hüller hatte ein phänomenales Jahr und belohnt ihre tolle Arbeit mit einer Oscar-Nominierung. Das gelang einer Deutschen das letzte Mal 1938.
Das Lehrerzimmer für „Besten internationalen Film“ nominiert: Den Sieg wie letztes Jahr „Im Westen nichts Neues“ wird „Das Lehrerzimmer“ nicht holen, aber am Ende mit diesem Geheimtipp (siehe meine Top15 2023) nominiert zu sein, hätte kaum einer gerechnet und das ist doch trotzdem ein Gewinn.

Beste Nebendarstellerin / Actress in a Supporting Role

Emily Blunt (Oppenheimer) | Danielle Brooks (The Color Purple) | America Ferrera (Barbie) | Jodie Foster (Nyad) | Da’Vine Joy Randolph (The Holdovers)

Wahrscheinlich: Da’Vine Joy Randolph / America Ferrera Wunsch: Da’Vine Joy Randolph / Emily Blunt
Da’Vine Joy Randolph ist hier seit längerem die Favoritin in dieser Kategorie und das auch völlig zu recht. Wenn hier jemand die Überraschung schafft, dann doch bitte eher Emily Blunt für Oppenheimer und nicht America Ferrera für Barbie.

Bester Nebendarsteller / Actor in a Supporting Role

Sterling K. Brown (American Fiction) | Robert De Niro (Killers of the Flower Moon) | Ryan Gosling (Barbie) | Robert Downey Jr. (Oppenheimer) | Mark Ruffalo (Poor Things)

Wahrscheinlich: Robert Downey Jr. / Wunsch: Mark Ruffalo
Robert Downey Jr. gilt als sicherer Wahl auf diesen Oscar. Völlig in Ordnung wenn er die Auszeichnung am Ende wie erwartet mitnimmt und dann auch seinen Kritikern mal wieder beweist, dass er nicht nur den lustigen Playboy spielen kann, sondern auch ernsthaftere Rollen. Lustiger Weise würde ich es auch einem Mark Ruffalo gönnen, dem genau das umgekehrte Kunststück gelingt, eine so super witzige und armselige Figur zu verkörpern, die weit von seinen sonst eher dramatischen Rollen abweicht und eine weitere Facette seines Schauspielkönnens zeigt.

Beste Hauptdarstellerin / Actress in a Leading Role

Annette Bening (Nyad) | Lily Gladstone (Killers of the Flower Moon) | Sandra Hüller (Anatomie eines Falls) | Carey Mulligan (Maestro) | Emma Stone (Poor Things)

Wahrscheinlich: Lily Gladstone / Emma Stone Wunsch: Emma Stone / Sandra Hüller
Lily Gladstone war hier seit Wochen und Monaten die Frontrunnerin und hat gute Chancen als erste indigene Schauspielerin diese Kategorie zu gewinnen. Wenn ihr einer den Preis streitig machen kann, dann wird es wohl Emma Stone sein, die nach La La Land ihren zweiten Oscar abräumen könnte. Als weltgrößter „Emma Stone“-Fan, kann ich nicht ganz aus meiner Haut und wünsche ihr den Goldjungen. Auch eine Sandra Hüller muss sich nicht verstecken und ist glaube ich nicht so chancenlos auf die Überraschung des Jahres, wie man vielleicht denkt.

Bester Hauptdarsteller / Actor in a Leading Role

Bradley Cooper (Maestro) | Colman Domingo (Rustin) | Jeffrey Wright (American Fiction) | Paul Giamatti (The Holdovers) | Cillian Murphy (Oppenheimer)

Wahrscheinlich: Cillian Murphy / Paul Giamatti / Wunsch: Cillian Murphy / Paul Giamatti
Seine erste Hauptrolle in einem Christopher Nolan Film, wird Cillian Murphy vermutlich mit dem Oscar versüßen. Er ist seit Monaten der Frontrunner für den Besten Hauptdarsteller. Einzig Paul Giamatti kann ernsthaft noch das Duell mit Murphy eingehen und ein wenig auf den Upset schielen. Als langjähriger Fan beider Darsteller gönne ich es ihnen beiden.

Bester Film / Best Picture

American Fiction | Anatomie eines Falls | Barbie | The Holdovers | Killers of the Flower Moon | Maestro | Oppenheimer | Past Lives | Poor Things | The Zone of Interest

Wahrscheinlich: Oppenheimer / Poor Things

Wunsch: Poor Things / Anatomie eines Falls
Oppenheimer. Es sollte Oppenheimer werden. Christopher Nolans Film über den Vater der Atombombe dominierte die Award-Saison mit mehr als 300 Siegen und ist bei 13 Nominierungen der haushohe Favorit. Der Film schaffte es in meiner Top 15 des Jahres 2023 auf Platz 4 und auch hier ist es nicht mein liebster Kandidat. Poor Things, Anatomie eines Falls sowie The Zone of Interest haben mich ebenso begeistert, sogar ein bisschen mehr.

Bonus-Kategorien

Beste Regie / Directing

Wahrscheinlich: Christopher Nolan (Oppenheimer) Wunsch: Yorgos Lanthimos (Poor Things)
Christopher Nolans Filmographie würde ich als anspruchsvolles Mainstreamkino beschreiben, das sowohl Kritiker als auch Millionen Fans begeistert. Ein Oscar ist überfällig und verdient. Am Sonntag wird es vermutlich soweit sein. Neben ihm würde ich es auch Yorgos Lanthimos für Poor Things wünschen.

Bestes Originaldrehbuch / Original Screenplay

Wahrscheinlich: The Holdovers / Wunsch: Anatomie eines Falls
Viele Preise wird dieses tolle Drama leider nicht erhalten, aber mit einem Sieg für das „Beste adaptierte Drehbuch“ könnte Anatomie eines Falls sich zumindest in einer Kategorie belohnen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Bestes adaptiertes Drehbuch / Adapted Screenplay

Wahrscheinlich: American Fiction

Wunsch: The Zone of Interest
American Fiction gilt als deutlicher Frontrunnter für diese Auszeichnung, ich würde mich jedoch für The Zone of Interest freuen, da das Drehbuch mit vielen Einfällen diese Geschichte auf außergewöhnliche Art und Weise erzählt.

Zusammenfassung aller Kategorien

Wunsch:

Da’Vine Joy Randolph (Nebendarstellerin)

Mark Ruffalo (Nebendarsteller)

Emma Stone (Hauptdarstellerin)

Cillian Murphy (Hauptdarsteller)

Poor Things (Bester Film)

Yorgos Lanthimos (Beste Regie)

The Zone of Interest (adapt. Drehbuch)

Anatomie eines Falls (Orig.drehbuch)

Wahrscheinlich:

Da’Vine Joy Randolph (Nebendarstellerin)

Robert Downey Jr. (Nebendarsteller)

Lily Gladstone (Hauptdarstellerin)

Cillian Murphy (Hauptdarsteller)

Oppenheimer (Bester Film)

Christopher Nolan (Beste Regie)

American Fiction (adapt. Drehbuch)

The Holdovers (Orig.Drehbuch)