2025 – wieder ein Kinojahr das vieles zu bieten hatte: Von gigantischen finanziellen Flops wie Schneewittchen zu finanziellen Hits wie Ne Zha 2, der fast 2,2 Milliarden eingespielt hat. Von unendlichen Sequels wie Final Destination 6: Bloodlines oder Avatar 3: Fire and Ash, zu viralen Megahits wie KPOP Demon Hunters. Von eigenständigen Kreationen wie Weapons, über Adaptionen wie Wicked oder The Long Walk, bis hin zu Reboots und Remakes altbekannter Stoffe wie Drachenzähmen leicht gemacht oder The Running Man. 2025 war facettenreich und dürfte für jeden Geschmack was dabei gehabt haben.
Ich habe dieses Jahr viele neue Veröffentlichungen gesehen im Kino oder auf Streamingservices wie Netflix, Amazon Prime oder Apple+ und habe für euch meine 15 liebsten Filme (Oscarbeiträge ausgeschlossen) zusammengetragen.
Knapp nicht in die Top15 haben es folgende honorable Mentions geschafft: Swiped, Wake up Dead Man: A Knives Out Mystery, Together, Heads of State, Drachenzähmen leicht gemacht, Superman, Karate Kid Legends, Mission Impossible: Final Reckoning, Warfare, Die Rosenschlacht, Hamnet, Frankenstein, Jay Kelly und A House of Dynamite.
#15 Thunderbolts*
Nach mehreren finanziellen und kreativen Rückschlägen litt das MCU unter deutlichen Ermüdungserscheinungen. Nachdem frühere Erfolgsrezepte aus Action, Humor und Vernetzung nicht mehr zuverlässig funktionierten, versucht Marvel hier bewusst, die Formel zu variieren.
Inhaltlich konzentriert sich Thunderbolts* stärker auf ernste Themen wie Depression, Schuld und Trauma, ohne den typischen Marvel-Humor vollständig aufzugeben. Der Film nimmt sich Zeit für die Hintergründe und Gefühlswelten seiner Figuren, was ihn emotional greifbarer macht als viele Vorgänger. Besonders Florence Pugh und Lewis Pullman überzeugen mit nuancierten und intensiven Darstellungen.
Die Action wirkt häufig handgemacht und weniger CGI überladen. Die Geschichte bleibt übersichtlich, verzichtet auf Weltuntergangsszenarien und fokussiert sich stattdessen auf einen kleineren, persönlicheren Konflikt. So fällt auch das Finale vergleichsweise ruhig aus, passt jedoch thematisch und emotional zur Erzählung.
Insgesamt ist für mich Thunderbolts* einer der stärksten MCU-Filme der letzten Jahre und der beste Superheldenfilm des Jahres.
#14 F1 – Der Film
Mit Top Gun: Maverick hat Regisseur Joseph Kosinski 2022 den #2 Platz auf meiner Topliste des Jahres ergattern können. Ganz so weit oben schafft er es mit F1 – Der Film zwar nicht, ein visuell beeindruckenden Blockbuster mit tollen Bildern, sympathischen Hauptdarstellern und pathetischer Story ist ihm jedoch allemal gelungen.
Zusammen mit Jerry Bruckheimer als Produzenten, der Formel 1 als Partner und Lewis Hamilton als technischen Berater ist es Kosinski gelungen einen rasanten Sommerblockbuster zu liefern, der sich natürlich Freiheiten rausnimmt und nicht immer auf Ultrarealismus setzt, aber dennoch einen hohen Wert auf Authentizität und Detailtreue legt. So hat man beispielsweise über Monate hinweg sehen können, wie Brad Pitt und sein Team an echten Grand-Prix-Strecken, mit echten Autos und echtem Publikum gedreht haben und das wirkt sich positiv auf den Film aus.
Ja er ist wie für ein Sportdrama üblich sehr pathetisch, hier und da zurechtgebogen wie es das Drehbuch gerade braucht, aber Spaß gemacht hat er mir trotzdem. Wie schon bei Top Gun: Maverick steht auch hier weniger die Handlung als der unmittelbare Adrenalinkick im Mittelpunkt. Die Geschichte um den alternden Rennfahrer Sonny Hayes, der für ein erfolgloses Formel-1-Team ein Comeback wagt, dient vor allem als Rahmen für spektakuläre Rennszenen. Brad Pitt spielt den risikofreudigen Veteranen mit viel Charisma, sodass man selbst fragwürdige Rennmanöver bereitwillig akzeptiert.
Die Rennsequenzen sind ein visuelles Highlight und funktionieren vor allem auf der großen Leinwand hervorragend. Trotz des Hochglanzlooks bleibt der Film durch die unkonventionelle Hauptfigur angenehm kantig.
#13 28 Years Later
Die Ankündigung von 28 Years Later sorgte bereits für große Begeisterung, doch der veröffentlichte Trailer löste einen regelrechten Hype aus, vor allem wegen seiner verstörenden Ton- und Bildmontage. Danny Boyle und Alex Garland kehren damit erstmals seit dem Original gemeinsam zur Reihe zurück und setzen erneut auf eine ungewöhnlich experimentelle Inszenierung.
Der Film spielt in einem nach Jahrzehnten der Quarantäne isolierten Großbritannien, in dem sich auf einer kleinen Insel eine abgeschottete Gemeinschaft gebildet hat. Dort wächst der junge Spike auf, dessen Vater ihn früh an das Töten von Infizierten heranführt, während seine Mutter schwer krank ist. Die Geschichte verbindet familiäres Drama mit klassischem Endzeit-Horror und überraschenden Genrebrüchen. Das Setup hat mir gut gefallen auch wenn ich es ein wenig schade fand, dass Boyle und Garland die in 28 Weeks Later angefangenen Ideen ignoriert und gar verworfen haben.
Inhaltlich greift der Film politische und gesellschaftliche Motive wie Isolation, Brexit-Anspielungen und kollektive Angst auf, ohne sie platt auszuerzählen. Visuell bleibt Boyle experimentierfreudig und drehte große Teile des Films mit iPhones, um eine rohe, unmittelbare Ästhetik zu erzeugen. Die Zombie-Varianten sind kreativ und grotesk gestaltet, von trägen, tierähnlichen Kreaturen bis zu extrem aggressiven „Alphas“. Zwar folgt die Handlung bekannten Mustern des Genres, doch zahlreiche originelle Details und Bilder sorgen für Frische.
Der Film kombiniert Zombiehorror mit Folkhorror, Sozialkritik und Splatterelementen. Insgesamt bietet 28 Years Later inhaltlich nichts Revolutionäres, überzeugt aber durch Stilwillen, Härte und Ideenreichtum. Das offene Ende macht zudem deutlich, dass die geplante Fortsetzung The Bone Temple noch deutlichere Tonverschiebungen verspricht, denn das was da in den letzten 5 Minuten angerissen wurde, erinnerte nicht nur an The Clockwork Orange und New Kids, sondern brach auch sehr mit der sonst so düsteren Tonalität. Erste Pressestimmen loben bereits den vierten Teil der Reihe. Vielleicht wurde auch deshalb bereits der 5. und letzte Teil bereits freigegeben, den wohl wieder Boyle drehen wird.
#12 KPOP Demon Hunters
KPop Demon Hunters hat sich überraschend zum größten Filmphänomen des Kinosommers 2025 entwickelt und ist damit erstmals ein reiner Streamingfilm, der nachhaltig die Popkultur geprägt hat. Der animierte Musical-Actionfilm wurde zum meistgesehenen Netflix-Titel und blieb durch seine Songs, Figuren und Bilder monatelang im Gespräch.
Im Gegensatz zu anderen Netflix-Hits, gelang es KPOP Demon Hunters nicht nur 1-2 Wochen hohe Zuschauerzahlen zu erreichen, sondern konstant hohe Zahlen über Wochen und Monate zu behalten, da sich der Film nicht nur nach und nach in sämtlichen Teilen der Gesellschaft wiederfand, sondern auch auf Heavyrotation in einigen Haushalten lief. Der Erfolg war so groß, dass Netflix den Film sogar noch mit Sing-along-Versionen in die Kinos brachte und dort auch das Eventkino 2025 prägte.
Regisseurin Maggie Kang verbindet eine klassische Botschaft über Selbstakzeptanz mit energiegeladener Action, Humor und eingängigen K-Pop-Nummern. Erzählt wird von einem Girlgroup-Trio, das nicht nur als Popstars, sondern auch als Dämonenjägerinnen die Menschheit beschützt. Musik ist dabei buchstäblich eine Waffe, denn ihr Gesang hält eine magische Barriere aufrecht, die das Böse fernhält.
Als Gegenspieler tritt eine dämonische Boyband auf, die mit bewusst oberflächlichen Ohrwürmern die Popularität der Heldinnen untergraben soll. Die Songs treiben nicht nur die Handlung voran, sondern transportieren Themen wie Identität, mentale Gesundheit und Selbstannahme. Visuell setzt der Film auf einen mutigen Mix aus 3D-Animation, Anime-Einflüssen und cartoonhaften Überzeichnungen. Action und Tanz verschmelzen dabei nahtlos, etwa wenn Kämpfe wie choreografierte Bühnenauftritte wirken.
Trotz Humor und Überzeichnung bleibt der Film emotional zugänglich, richtet sich aber klar an ein junges Publikum, ohne Erwachsene auszuschließen. Inhaltlich erfindet KPop Demon Hunters das Genre nicht neu und bleibt stellenweise klischeehaft oder melodramatisch. Dennoch überzeugt er durch musikalische Qualität, visuelle Kreativität und eine klare, positive Botschaft. Insgesamt ist der Film weniger tiefgründiges Meisterwerk als popkultureller Volltreffer, der Netflix einen seltenen, langlebigen Filmerfolg beschert hat.
Besonders bitter für Sony. Ich will nicht wissen wie viele Köpfe dort rollten, denn eigentlich lagen die Rechte bei Sony, wo man jedoch nicht an den Erfolg glaubte und die Marke an Netflix verschleuderte. Netflix übernahm die 100 Mio Produktionskosten und zahlte weitere 20-40 Millionen für die Rechte. Am Ende ging Sony also mit knapp 20-40 Mio Gewinn raus, während Netflix hunderte Millionen Abrufe, gigantische Quartalssprünge und den Popkulturhit des Jahres hatte.
#11 Final Destination 6: Bloodlines
Final Destination 6: Bloodlines ist der sechste Teil der Horror-Reihe und stellt nach vielen Jahren Pause ein überraschend starkes Comeback dar, bei dem der Tod erneut mit ausgeklügelten Kettenreaktionen zuschlägt. Keinen neuen Release habe ich dieses Jahr häufiger gesehen.
Der Film erweitert die bekannte Grundidee um eine generationenübergreifende Perspektive, die der Reihe neue Impulse verleiht. Die Regisseure bringen frischen Wind ins Franchise, indem sie stärker auf Figuren und familiäre Beziehungen eingehen, ohne den typischen Serienkern zu verlieren. Einige der Todesszenen empfand ich als äußerst kreativ, makaber und vor allem unterhaltsam. Sicherlich gehören einige zu den stärksten des gesamten Franchises – so sollte es sein, wenn man eine Filmreihe wiederbelebt.
Die Charaktere wirken sympathischer als in früheren Teilen, was das Mitfiebern intensiviert. Trotz bekannter Motive gelingt es dem Film, immer wieder zu überraschen. Der schwarze Humor bleibt ein zentrales Element und sorgt für eine gelungene Balance zwischen Horror und Unterhaltung. Zwar ist der Grundplot stellenweise vorhersehbar, doch die Inszenierung gleicht dies durch starke Set-Pieces aus.
Emotionalen Nachhall hinterlässt zudem der letzte Auftritt von Tony Todd. Rest in peace. Bloodlines ist ein gelungenes Comeback der Kultreihe und eine der besten Fortsetzungen des Franchises. Bei starken 315 Millionen weltweiten Einnahmen dürfte es nicht lang dauern bis Final Destination 7.
#10 The Life of Chuck
Mike Flanagan, bisher vor allem für Horror-Produktionen wie Spuk in Hill House oder Doctor Sleep bekannt, wagt sich mit The Life of Chuck an sein erstes Nicht-Horror-Projekt und adaptiert erneut eine Vorlage von Stephen King. Anders als bei Kings klassischen Horrorstories erzählt der Film ein tief menschliches, berührendes Drama über das Leben von Charles „Chuck“ Krantz. Die Handlung ist in drei nicht-chronologischen Akten erzählt: Beginnend mit einem Apokalypse-Szenario, über einen besonderen Lebensabschnitt Chucks bis hin zu seiner Kindheit, wobei sich nach und nach ein vollständiges Bild seines Lebens ergibt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Tanzsequenzen mit Tom Hiddleston, die als musikalischer Höhepunkt das Lebensgefühl von Chuck auf eindrucksvolle Weise verkörpern. Hiddleston hat zwar weniger Screentime als seine Co-Stars, hinterlässt aber durch Charisma und Performance starken Eindruck. Die non-lineare Erzählstruktur funktioniert wie ein Puzzle, das erst nach und nach alle Facetten von Chucks Leben und seinen Beziehungen offenbart.
Flanagan zeigt, wie Menschen in einer endenden Welt Verbundenheit und Hoffnung finden, selbst in kleinsten Gesten. Die Inszenierung balanciert dabei gekonnt Melancholie, Lebensfreude und Nachdenklichkeit. Der Film hinterlässt ein langanhaltendes Gefühl von Tragik und Schönheit des Lebens und verdeutlicht, dass jeder Mensch sein eigenes Universum in sich trägt. Ich finde nicht, dass der Film sonderlich schwer zugänglich ist, jedoch ist es so ein Werk, wo der Funke eben überspringt oder auch nicht. Bei mir hat er das.
#9 Predator: Badlands
Seit 1987 war der Predator mehrfach im Kino zu sehen, doch erst Dan Trachtenberg erhielt die Gelegenheit, die Figur mehrfach in Szene zu setzen und das Franchise weiterzuentwickeln. Mit Prey begann er 2022 eine neue Ära, den ich damals so gut fand, dass er es auf #1 meiner Jahrestopliste schaffte.
Dieses Jahr folgten nun gleich zwei weitere Filme, zum einen der animierte Episodenfilm Predator: Killer of Killers den ich auch sehr gelungen fand und zum anderen sein neuester Beitrag, Predator: Badlands. Hier zeigt Trachtenberg, dass er das Universum der Yautja nachhaltig prägen kann.
Die Geschichte folgt dem jungen Predator Dek, der als schwächstes Mitglied seines Clans gilt und sich auf dem tödlichen Planeten Genna beweisen muss, um seine Ehre wiederherzustellen. Dek begegnet der synthetischen Einheit Thia und gemeinsam begeben sie sich auf eine gefährliche Reise gegen die mythische Bestie Kalisk.
Trachtenberg inszeniert die außerirdische Welt mit beeindruckender Fantasie: exotische Kreaturen, gefährliche Pflanzen und gigantische Monster bevölkern den Planeten und verleihen dem Film ein klassisches Abenteuergefühl. Besonders die Chemie zwischen Dek und Thia sorgt für Humor, Wärme und emotionale Tiefe, wodurch der Predator als Protagonist greifbarer wird.
Die ersten Teile des Films bestechen durch kreative Ideen, Survival-Spannung und visuelle Vielfalt. Diese hohe Qualität kann der Film im letzten Drittel nicht mehr ganz halten. Trotzdem bleibt die Dynamik zwischen Dek und Thia der emotionale Kern der Geschichte, und die Survival-Abenteuer auf Genna vermitteln weiterhin Spaß und Spannung. Predator: Badlands erweitert das Predator-Universum, zeigt die Kultur der Yautja und bietet als Science-Fiction-Abenteuer viel Tempo, Action und Kreativität. Der Film punktet vor allem durch die Erkundung einer fremdartigen Welt und die Darstellung eines Predators als Hauptfigur.
Insgesamt ist Trachtenbergs Werk kurzweilige, unterhaltsame Sci-Fi-Kost. An Prey kommt der Film für meine Geschmack nicht ran und ich denke, dass der Film von der klassischen Predator-Formel weit entfernt ist – aber vielleicht muss das ja auch nichts Schlechtes sein?!
#8 Blood & Sinners
Ryan Coogler wagt mit Blood & Sinners erstmals einen vollkommen eigenständigen Stoff und erhält dafür ein ungewöhnlich hohes Budget, das er sichtbar in aufwendige Sets und historische Ausstattung investiert. Der Film setzt auf große, analoge Bilder, die mit 65mm- und IMAX-Kameras gedreht wurden. Visuell sehr beeindruckend, doch noch wichtiger als die Bilder ist die Musik, die als emotionales und thematisches Zentrum fungiert. Cooglers Faszination für Blues und dessen ambivalente Rolle zwischen Spiritualität und „Teufelsmusik“ prägt den gesamten Film.
Besonders eindrucksvoll wird dies in einer langen Plansequenz deutlich, in der Raum und Zeit verschwimmen und die Geschichte Schwarzer Musik komprimiert erzählt wird. Eine der besten Szenen des gesamten Filmjahres. Michael B. Jordan überzeugt in einer technisch makellosen Doppelrolle als Zwillingsbrüder, deren Schauspieltrick schnell in den Hintergrund tritt. Die Handlung ist tief in der afroamerikanischen Geschichte der 1930er-Jahre verwurzelt und gewinnt durch viele Details große Authentizität.
Zunächst wirkt der Film wie ein atmosphärisches Südstaaten-Drama über Heimkehrer und Gemeinschaft, bevor er überraschend das Genre wechselt. From Dusk Till Dawn lässt grüßen. In der zweiten Hälfte entfesselt Coogler einen kompromisslosen Vampirhorror mit drastischer Gewalt und makabrem Humor. Blood & Sinners verbindet Historienfilm, Musikdrama und Horror zu einem riskanten, nicht immer perfekten, aber außergewöhnlich kraftvollen Genre-Mix.
Insgesamt bestätigt Coogler damit seinen Ruf als einer der spannendsten Regisseure seiner Generation. Mit 367 Millionen an den Kinokassen gelingt Sinners der Sprung in die BoxOffice Top20 des Jahres und darf sich darüber hinaus auch über sehr wohlwollende Kritiken von Fans und Branche erfreuen.
#7 Bring Her Back
Bring Her Back markiert den zweiten Langfilm der australischen Regiebrüder Danny und Michael Philippou, die nach ihrem erfolgreichen Debüt Talk To Me nun konsequent auf kompromisslosen, körperlich spürbaren Horror setzen. Der Film erzählt von den Stiefgeschwistern Andy und der blinden Piper, die nach dem Tod ihres Vaters bei der Pflegemutter Laura unterkommen. Schnell wird klar, dass hinter Lauras übertriebener Fürsorge etwas Unheimliches steckt.
Der Horror entfaltet sich nicht nur durch explizite Gewaltszenen, sondern auch durch die emotionale Bindung der Geschwister, die glaubwürdig und berührend gezeichnet ist. Sally Hawkins liefert als Pflegemutter eine extrem intensive, verstörende Darstellung, die Mitleid und Abscheu zugleich erzeugt. Die Philippou-Brüder knüpfen dabei an eine Tradition an, in der Horror durch Trauer, Verlust und familiäre Abhängigkeiten verstärkt wird. Visuell und atmosphärisch setzt der Film auf Dauerregen, körnige Bilder und eine bedrückende Grundstimmung ohne jede Entlastung. Trotz einzelner sehr wirkungsvoller Schocks bleibt die inhaltliche Tiefe jedoch begrenzt. Zwar streift der Film Themen wie Schuld und Trauer, führt sie aber nicht konsequent weiter.
Insgesamt ist Bring Her Back ein äußerst verstörender, handwerklich starker Horrorschocker, der emotional trifft, aber seine größeren Ambitionen nicht vollständig einlöst. Dennoch gehört er für mich zu den besten Horrorfilmen des Jahres, weil er teils so bitterböse Szenen hat, die dir gleichermaßen einen Schock als auch ein Lachen herauslocken und mir so das ganze Jahr im Gedächtnis blieben.
#6 The Threesome
In dieser Romcom führt ein betrunkener Dreier unerwartet zu einer oder mehreren Schwangerschaften, deren emotionale und praktische Folgen die drei Hauptfiguren Connor, Olivia und Jenny bewältigen müssen. Obwohl die Handlung auf den ersten Blick wie eine typische derbe Komödie der frühen 2000er wirkt, ist der Film deutlich ausgefeilter, mit gut entwickelten Figuren und einer sorgfältig aufgebauten Handlung voller Wendungen, die sowohl wild als auch realistisch wirken. Die Figuren reagieren auf ihre Situation auf authentische Weise, was die Geschichte emotional fesselnd macht.
Die Dialoge sind schnell und stilisiert wie sie mich manchmal an die eines Aaron Sorkin erinnerten. Auch wenn er nicht ganz realistisch ist, machte mir der Film großen Spaß, vor allem dank des charismatischen Ensembles, das egal in welcher Konstellation eine großartige Chemie aufweist.
Der Film sticht für mich auch heraus, weil er nicht nur Humor, Romantik und echte Gefühle miteinander verbindet, sondern auch das Kunststück schafft, dass man als Zuschauer eigentlich allen Hauptfiguren ein Happy End wünscht. The Threesome ist das was Materialists dieses Jahr gerne gewesen wäre.
#5 One Battle After Another
Paul Thomas Anderson gehört zu den besten Regisseuren unserer Generation. Für One Battle After Another hat er ein gigantisches Budget von 130 bis 175 Millionen Dollar erhalten, obwohl seine bisherigen Filme, selbst der gefeierte There Will Be Blood, deutlich weniger einspielten. Herausgekommen ist ein wildes, unvorhersehbares Abenteuer voller Action, Humor und skurriler Einfälle, das gleichzeitig aktuelle gesellschaftliche Bezüge aufweist.
Im Mittelpunkt steht Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio), früher „Ghetto Pat“, ein Ex-Revolutionär, der einst Banken attackierte, Immigranten befreite und gegen ein repressives System kämpfte. 16 Jahre später lebt Bob als Kiffer mit seiner Tochter Willa in einer Kleinstadt, als ihn die Vergangenheit einholt.
Anderson kombiniert durch das selten benutze VistaVision-Format detailreiche, plastische Bilder mit coolen Actionsequenzen. Trotz absurdem Humor und der Überdrehtheit wirken die Figuren emotional greifbar, was insbesondere auf die starke Besetzung zurückzuführen ist. DiCaprio brilliert als tragikomischer Revolutionär, Penn liefert die vielleicht bislang beste Performance seiner Karriere als exzentrischer und furchterregender Antagonist.
One Battle After Another ist sowohl politisch provokant als auch visuell und narrativ ein opulentes Erlebnis, das Andersons Vision und zeitgenössische Relevanz eindrucksvoll vereint. Für viele Leute war es der beste Film des Jahres, für einige sogar einer der besten Filme der letzten Dekade. Dieser Funke ist niemals so auf mich übergesprungen, aber dennoch hat sich der 161 Minuten lange Film seinen Platz auf der Topliste ohne Wenn und Aber verdient.
#4 The Ugly Stepsister
Emilie Blichfeldt präsentiert mit ihrem Langfilmdebüt The Ugly Stepsister eine kompromisslose und düstere Neuinterpretation des Aschenputtel-Märchens, die sich deutlich von den meist harmlosen Kinoversionen abhebt. Statt die Geschichte aus der Perspektive des gedemütigten Aschenputtels zu erzählen, rückt hier die als „hässlich“ stigmatisierte Stiefschwester Elvira in den Mittelpunkt. Elvira muss sich dabei einem gnadenlosen Schönheitswettbewerb stellen und geht dabei bis an die Grenzen des körperlich Erträglichen.
Blichfeldt nutzt die Grausamkeiten, um den Preis zu beleuchten, den Frauen zahlen müssen, um gesellschaftlich als attraktiv und begehrenswert zu gelten. Der Film kombiniert geschickt Horror, schwarzen Humor und gesellschaftskritische Elemente um toxische Schönheitsideale aufzuzeigen.
Mir hat vor allem auch die ästhetische Umsetzung mit aufwändigen Kostümen, Ausstattung und praktischen Effekten gefallen, die die immersive Wirkung verstärkt haben. Insgesamt ist The Ugly Stepsister ein intensives, schwarzhumoriges und grausames Märchen, das die Abgründe menschlicher Eitelkeit und Selbstzerstörung deutlich macht und für mich gefühlt einen guten Nerv trifft in der aktuellen Zeit.
#3 Der Hochstapler – Roofman
Der Film basiert auf der wahren Geschichte von Jeffrey einem ehemaligen Soldaten, der aus finanzieller Not McDonald’s-Filialen ausraubt, dabei aber stets die Mitarbeiter respektvoll behandelt. Nach seiner ausgeklügelten Gefängnisflucht findet er Zuflucht in einem Toys-“R”-Us-Geschäft.
Der Hochstapler war für mich die Feel-Good-Überraschung des Jahres. Der Film macht viel Spaß und ist charmant, bleibt im Kern der Geschichte aber dennoch ernsthaft und berührend.
Channing Tatum überzeugt als sympathischer Antiheld, dessen Intelligenz und Mitmenschlichkeit ihn zu einem untypischen Kriminellen machen und die Graustufen menschlicher Entscheidungen hervorgehoben werden. Die Beziehungen der Figuren wirken organisch und steigern die emotionale Wirkung. Am Ende des Films kommen dann auch noch die wahren Personen zu Wort und teilweise haben diese auch im Film kleinere Rollen übernommen. Da merkt man schnell, dass sich der Film relativ nah an den wahren Ereignissen bewegt und nie zu künstlich ist. Klare Empfehlung meinerseits.
#2 Weapons – Die Stunde des Verschwindens
Nach dem riesigen Erfolg von Barbarian löste Zach Creggers neues Projekt Weapons – Die Stunde des Verschwindens einen intensiven Bieterstreit aus, den schließlich New Line für eine hohe Summe gewann. Schon vor Kinostart sorgte das Drehbuch für Aufsehen, da selbst Jordan Peele großes Interesse an dem Stoff gehabt haben soll. Der Film erzählt von einem rätselhaften Ereignis in einer Kleinstadt, bei dem 17 Grundschulkinder in derselben Nacht um exakt 2:17 Uhr spurlos verschwinden. Für mich die spannendste Prämisse des Jahres. Im Zentrum steht weniger das Mysterium selbst als vielmehr dessen Folgen für Eltern, Lehrer und andere Bewohner der Stadt. Besonders die Lehrerin Justine wird zur Zielscheibe von Misstrauen, Wut und Verschwörungsglauben.
Cregger strukturiert den Film in mehrere Kapitel, die jeweils unterschiedliche Figuren und Perspektiven beleuchten. Dadurch entsteht nach und nach ein vielschichtiges Bild einer Gemeinschaft, die an Trauer, Schuldzuweisungen und Angst zerbricht. Visuell präsentiert sich der Film in großen, epischen Bildern mit langen Kamerafahrten, was für das Horrorgenre ungewöhnlich wirkt. Zahlreiche rätselhafte Details und Symbole laden das Publikum permanent zum Miträtseln ein. Inhaltlich verbindet Weapons Mystery-Horror mit Gesellschaftsstudie und subtiler Satire auf moderne Verschwörungserzählungen.
Im Gegensatz zu Barbarian setzt der Film weniger auf einen radikalen Bruch, sondern auf eine langsame Zuspitzung. Das Finale entfaltet schließlich eine düstere, kathartische Wucht, die viele Fragen beantwortet, ohne alles zu glätten. Nach Barbarian schafft es Zach Creggers auch mit seinem ambitionierten, emotional tiefen, mutigen und spannenden Film Weapons erneut auf meine Topliste des Jahres.
#1 Heldin
Heldin greift die spätestens seit der Corona-Pandemie offen zutage liegenden Missstände im Gesundheitswesen auf und macht sie anhand eines einzigen Arbeitstags erfahrbar. Im Zentrum steht die Pflegefachkraft Floria Lind, die in der Chirurgie eines Zürcher Krankenhauses arbeitet und eine unterbesetzte Schicht bewältigen muss. Die Kamera begleitet sie nahezu pausenlos durch einen Arbeitsalltag voller Zeitdruck, emotionaler Belastung und permanenter Unterbrechungen. Regisseurin Petra Volpe inszeniert diesen Ablauf mit einer Intensität, die eher an einen Thriller als an ein klassisches Drama erinnert. Dabei geht es weniger um spektakuläre Einzelereignisse als um das ständige Funktionieren im Ausnahmezustand.
Floria kümmert sich um schwerkranke, verängstigte und ungeduldige Patientinnen und Patienten, tröstet Angehörige und muss zugleich mit Respektlosigkeit und Überforderung umgehen. Trotz der enormen Belastung verliert sie ihre Menschlichkeit nicht, was den Film besonders berührend macht. Kleine Gesten, wie ein gesungenes Kinderlied oder ein dankbarer Satz, erhalten in diesem Umfeld große Bedeutung.
Leonie Benesch trägt den Film nahezu allein und verkörpert die Figur mit großer Authentizität und Präsenz. Parallelen zum oscarnominierten Film Das Lehrerzimmer, wo Benesch ebenfalls die Hauptrolle verkörperte, sind unverkennbar. Auch Das Lehrerzimmer schaffte es seinerzeit auf meine Topliste des Jahres. Heldin verzichtet bewusst auf plakative Anklagen und lässt stattdessen die Arbeitsbedingungen für sich sprechen. Gerade dadurch wird spürbar, wie systematisch Pflegekräfte an ihre Grenzen gebracht werden. Der Film ist kein Werbefilm für den Beruf, sondern ein eindringliches Porträt von Aufopferung und Erschöpfung.
Am Ende bleibt ein zutiefst spannendes, bewegendes Kinoerlebnis, das lange nachwirkt und den Titel „Heldin“ vollkommen rechtfertigt.