Meine Top 15 aus dem Jahr 2025

2025 – wieder ein Kinojahr das vieles zu bieten hatte: Von gigantischen finanziellen Flops wie Schneewittchen zu finanziellen Hits wie Ne Zha 2, der fast 2,2 Milliarden eingespielt hat. Von unendlichen Sequels wie Final Destination 6: Bloodlines oder Avatar 3: Fire and Ash, zu viralen Megahits wie KPOP Demon Hunters. Von eigenständigen Kreationen wie Weapons, über Adaptionen wie Wicked oder The Long Walk, bis hin zu Reboots und Remakes altbekannter Stoffe wie Drachenzähmen leicht gemacht oder The Running Man. 2025 war facettenreich und dürfte für jeden Geschmack was dabei gehabt haben.

Ich habe dieses Jahr viele neue Veröffentlichungen gesehen im Kino oder auf Streamingservices wie Netflix, Amazon Prime oder Apple+ und habe für euch meine 15 liebsten Filme (Oscarbeiträge ausgeschlossen) zusammengetragen.

Knapp nicht in die Top15 haben es folgende honorable Mentions geschafft: Swiped, Wake up Dead Man: A Knives Out Mystery, Together, Heads of State, Drachenzähmen leicht gemacht, Superman, Karate Kid Legends, Mission Impossible: Final Reckoning, Warfare, Die Rosenschlacht, Hamnet, Frankenstein, Jay Kelly und A House of Dynamite.

#15 Thunderbolts*

Nach mehreren finanziellen und kreativen Rückschlägen litt das MCU unter deutlichen Ermüdungserscheinungen. Nachdem frühere Erfolgsrezepte aus Action, Humor und Vernetzung nicht mehr zuverlässig funktionierten, versucht Marvel hier bewusst, die Formel zu variieren.

Inhaltlich konzentriert sich Thunderbolts* stärker auf ernste Themen wie Depression, Schuld und Trauma, ohne den typischen Marvel-Humor vollständig aufzugeben. Der Film nimmt sich Zeit für die Hintergründe und Gefühlswelten seiner Figuren, was ihn emotional greifbarer macht als viele Vorgänger. Besonders Florence Pugh und Lewis Pullman überzeugen mit nuancierten und intensiven Darstellungen.

Die Action wirkt häufig handgemacht und weniger CGI überladen. Die Geschichte bleibt übersichtlich, verzichtet auf Weltuntergangsszenarien und fokussiert sich stattdessen auf einen kleineren, persönlicheren Konflikt. So fällt auch das Finale vergleichsweise ruhig aus, passt jedoch thematisch und emotional zur Erzählung.

Insgesamt ist für mich Thunderbolts* einer der stärksten MCU-Filme der letzten Jahre und der beste Superheldenfilm des Jahres.

#14 F1 – Der Film

Mit Top Gun: Maverick hat Regisseur Joseph Kosinski 2022 den #2 Platz auf meiner Topliste des Jahres ergattern können. Ganz so weit oben schafft er es mit F1 – Der Film zwar nicht, ein visuell beeindruckenden Blockbuster mit tollen Bildern, sympathischen Hauptdarstellern und pathetischer Story ist ihm jedoch allemal gelungen.

Zusammen mit Jerry Bruckheimer als Produzenten, der Formel 1 als Partner und Lewis Hamilton als technischen Berater ist es Kosinski gelungen einen rasanten Sommerblockbuster zu liefern, der sich natürlich Freiheiten rausnimmt und nicht immer auf Ultrarealismus setzt, aber dennoch einen hohen Wert auf Authentizität und Detailtreue legt. So hat man beispielsweise über Monate hinweg sehen können, wie Brad Pitt und sein Team an echten Grand-Prix-Strecken, mit echten Autos und echtem Publikum gedreht haben und das wirkt sich positiv auf den Film aus.

Ja er ist wie für ein Sportdrama üblich sehr pathetisch, hier und da zurechtgebogen wie es das Drehbuch gerade braucht, aber Spaß gemacht hat er mir trotzdem. Wie schon bei Top Gun: Maverick steht auch hier weniger die Handlung als der unmittelbare Adrenalinkick im Mittelpunkt. Die Geschichte um den alternden Rennfahrer Sonny Hayes, der für ein erfolgloses Formel-1-Team ein Comeback wagt, dient vor allem als Rahmen für spektakuläre Rennszenen. Brad Pitt spielt den risikofreudigen Veteranen mit viel Charisma, sodass man selbst fragwürdige Rennmanöver bereitwillig akzeptiert.

Die Rennsequenzen sind ein visuelles Highlight und funktionieren vor allem auf der großen Leinwand hervorragend. Trotz des Hochglanzlooks bleibt der Film durch die unkonventionelle Hauptfigur angenehm kantig.

#13 28 Years Later

Die Ankündigung von 28 Years Later sorgte bereits für große Begeisterung, doch der veröffentlichte Trailer löste einen regelrechten Hype aus, vor allem wegen seiner verstörenden Ton- und Bildmontage. Danny Boyle und Alex Garland kehren damit erstmals seit dem Original gemeinsam zur Reihe zurück und setzen erneut auf eine ungewöhnlich experimentelle Inszenierung.

Der Film spielt in einem nach Jahrzehnten der Quarantäne isolierten Großbritannien, in dem sich auf einer kleinen Insel eine abgeschottete Gemeinschaft gebildet hat. Dort wächst der junge Spike auf, dessen Vater ihn früh an das Töten von Infizierten heranführt, während seine Mutter schwer krank ist. Die Geschichte verbindet familiäres Drama mit klassischem Endzeit-Horror und überraschenden Genrebrüchen. Das Setup hat mir gut gefallen auch wenn ich es ein wenig schade fand, dass Boyle und Garland die in 28 Weeks Later angefangenen Ideen ignoriert und gar verworfen haben.

Inhaltlich greift der Film politische und gesellschaftliche Motive wie Isolation, Brexit-Anspielungen und kollektive Angst auf, ohne sie platt auszuerzählen. Visuell bleibt Boyle experimentierfreudig und drehte große Teile des Films mit iPhones, um eine rohe, unmittelbare Ästhetik zu erzeugen. Die Zombie-Varianten sind kreativ und grotesk gestaltet, von trägen, tierähnlichen Kreaturen bis zu extrem aggressiven „Alphas“. Zwar folgt die Handlung bekannten Mustern des Genres, doch zahlreiche originelle Details und Bilder sorgen für Frische.

Der Film kombiniert Zombiehorror mit Folkhorror, Sozialkritik und Splatterelementen. Insgesamt bietet 28 Years Later inhaltlich nichts Revolutionäres, überzeugt aber durch Stilwillen, Härte und Ideenreichtum. Das offene Ende macht zudem deutlich, dass die geplante Fortsetzung The Bone Temple noch deutlichere Tonverschiebungen verspricht, denn das was da in den letzten 5 Minuten angerissen wurde, erinnerte nicht nur an The Clockwork Orange und New Kids, sondern brach auch sehr mit der sonst so düsteren Tonalität. Erste Pressestimmen loben bereits den vierten Teil der Reihe. Vielleicht wurde auch deshalb bereits der 5. und letzte Teil bereits freigegeben, den wohl wieder Boyle drehen wird.

#12 KPOP Demon Hunters

KPop Demon Hunters hat sich überraschend zum größten Filmphänomen des Kinosommers 2025 entwickelt und ist damit erstmals ein reiner Streamingfilm, der nachhaltig die Popkultur geprägt hat. Der animierte Musical-Actionfilm wurde zum meistgesehenen Netflix-Titel und blieb durch seine Songs, Figuren und Bilder monatelang im Gespräch.

Im Gegensatz zu anderen Netflix-Hits, gelang es KPOP Demon Hunters nicht nur 1-2 Wochen hohe Zuschauerzahlen zu erreichen, sondern konstant hohe Zahlen über Wochen und Monate zu behalten, da sich der Film nicht nur nach und nach in sämtlichen Teilen der Gesellschaft wiederfand, sondern auch auf Heavyrotation in einigen Haushalten lief. Der Erfolg war so groß, dass Netflix den Film sogar noch mit Sing-along-Versionen in die Kinos brachte und dort auch das Eventkino 2025 prägte.

Regisseurin Maggie Kang verbindet eine klassische Botschaft über Selbstakzeptanz mit energiegeladener Action, Humor und eingängigen K-Pop-Nummern. Erzählt wird von einem Girlgroup-Trio, das nicht nur als Popstars, sondern auch als Dämonenjägerinnen die Menschheit beschützt. Musik ist dabei buchstäblich eine Waffe, denn ihr Gesang hält eine magische Barriere aufrecht, die das Böse fernhält.

Als Gegenspieler tritt eine dämonische Boyband auf, die mit bewusst oberflächlichen Ohrwürmern die Popularität der Heldinnen untergraben soll. Die Songs treiben nicht nur die Handlung voran, sondern transportieren Themen wie Identität, mentale Gesundheit und Selbstannahme. Visuell setzt der Film auf einen mutigen Mix aus 3D-Animation, Anime-Einflüssen und cartoonhaften Überzeichnungen. Action und Tanz verschmelzen dabei nahtlos, etwa wenn Kämpfe wie choreografierte Bühnenauftritte wirken.

Trotz Humor und Überzeichnung bleibt der Film emotional zugänglich, richtet sich aber klar an ein junges Publikum, ohne Erwachsene auszuschließen. Inhaltlich erfindet KPop Demon Hunters das Genre nicht neu und bleibt stellenweise klischeehaft oder melodramatisch. Dennoch überzeugt er durch musikalische Qualität, visuelle Kreativität und eine klare, positive Botschaft. Insgesamt ist der Film weniger tiefgründiges Meisterwerk als popkultureller Volltreffer, der Netflix einen seltenen, langlebigen Filmerfolg beschert hat.

Besonders bitter für Sony. Ich will nicht wissen wie viele Köpfe dort rollten, denn eigentlich lagen die Rechte bei Sony, wo man jedoch nicht an den Erfolg glaubte und die Marke an Netflix verschleuderte. Netflix übernahm die 100 Mio Produktionskosten und zahlte weitere 20-40 Millionen für die Rechte. Am Ende ging Sony also mit knapp 20-40 Mio Gewinn raus, während Netflix hunderte Millionen Abrufe, gigantische Quartalssprünge und den Popkulturhit des Jahres hatte.

#11 Final Destination 6: Bloodlines

Final Destination 6: Bloodlines ist der sechste Teil der Horror-Reihe und stellt nach vielen Jahren Pause ein überraschend starkes Comeback dar, bei dem der Tod erneut mit ausgeklügelten Kettenreaktionen zuschlägt. Keinen neuen Release habe ich dieses Jahr häufiger gesehen.

Der Film erweitert die bekannte Grundidee um eine generationenübergreifende Perspektive, die der Reihe neue Impulse verleiht. Die Regisseure bringen frischen Wind ins Franchise, indem sie stärker auf Figuren und familiäre Beziehungen eingehen, ohne den typischen Serienkern zu verlieren. Einige der Todesszenen empfand ich als äußerst kreativ, makaber und vor allem unterhaltsam. Sicherlich gehören einige zu den stärksten des gesamten Franchises – so sollte es sein, wenn man eine Filmreihe wiederbelebt.

Die Charaktere wirken sympathischer als in früheren Teilen, was das Mitfiebern intensiviert. Trotz bekannter Motive gelingt es dem Film, immer wieder zu überraschen. Der schwarze Humor bleibt ein zentrales Element und sorgt für eine gelungene Balance zwischen Horror und Unterhaltung. Zwar ist der Grundplot stellenweise vorhersehbar, doch die Inszenierung gleicht dies durch starke Set-Pieces aus.

Emotionalen Nachhall hinterlässt zudem der letzte Auftritt von Tony Todd. Rest in peace. Bloodlines ist ein gelungenes Comeback der Kultreihe und eine der besten Fortsetzungen des Franchises. Bei starken 315 Millionen weltweiten Einnahmen dürfte es nicht lang dauern bis Final Destination 7.

#10 The Life of Chuck

Mike Flanagan, bisher vor allem für Horror-Produktionen wie Spuk in Hill House oder Doctor Sleep bekannt, wagt sich mit The Life of Chuck an sein erstes Nicht-Horror-Projekt und adaptiert erneut eine Vorlage von Stephen King. Anders als bei Kings klassischen Horrorstories erzählt der Film ein tief menschliches, berührendes Drama über das Leben von Charles „Chuck“ Krantz. Die Handlung ist in drei nicht-chronologischen Akten erzählt: Beginnend mit einem Apokalypse-Szenario, über einen besonderen Lebensabschnitt Chucks bis hin zu seiner Kindheit, wobei sich nach und nach ein vollständiges Bild seines Lebens ergibt.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Tanzsequenzen mit Tom Hiddleston, die als musikalischer Höhepunkt das Lebensgefühl von Chuck auf eindrucksvolle Weise verkörpern. Hiddleston hat zwar weniger Screentime als seine Co-Stars, hinterlässt aber durch Charisma und Performance starken Eindruck. Die non-lineare Erzählstruktur funktioniert wie ein Puzzle, das erst nach und nach alle Facetten von Chucks Leben und seinen Beziehungen offenbart.

Flanagan zeigt, wie Menschen in einer endenden Welt Verbundenheit und Hoffnung finden, selbst in kleinsten Gesten. Die Inszenierung balanciert dabei gekonnt Melancholie, Lebensfreude und Nachdenklichkeit. Der Film hinterlässt ein langanhaltendes Gefühl von Tragik und Schönheit des Lebens und verdeutlicht, dass jeder Mensch sein eigenes Universum in sich trägt. Ich finde nicht, dass der Film sonderlich schwer zugänglich ist, jedoch ist es so ein Werk, wo der Funke eben überspringt oder auch nicht. Bei mir hat er das.

#9 Predator: Badlands

Seit 1987 war der Predator mehrfach im Kino zu sehen, doch erst Dan Trachtenberg erhielt die Gelegenheit, die Figur mehrfach in Szene zu setzen und das Franchise weiterzuentwickeln. Mit Prey begann er 2022 eine neue Ära, den ich damals so gut fand, dass er es auf #1 meiner Jahrestopliste schaffte.

Dieses Jahr folgten nun gleich zwei weitere Filme, zum einen der animierte Episodenfilm Predator: Killer of Killers den ich auch sehr gelungen fand und zum anderen sein neuester Beitrag, Predator: Badlands. Hier zeigt Trachtenberg, dass er das Universum der Yautja nachhaltig prägen kann.

Die Geschichte folgt dem jungen Predator Dek, der als schwächstes Mitglied seines Clans gilt und sich auf dem tödlichen Planeten Genna beweisen muss, um seine Ehre wiederherzustellen. Dek begegnet der synthetischen Einheit Thia und gemeinsam begeben sie sich auf eine gefährliche Reise gegen die mythische Bestie Kalisk.

Trachtenberg inszeniert die außerirdische Welt mit beeindruckender Fantasie: exotische Kreaturen, gefährliche Pflanzen und gigantische Monster bevölkern den Planeten und verleihen dem Film ein klassisches Abenteuergefühl. Besonders die Chemie zwischen Dek und Thia sorgt für Humor, Wärme und emotionale Tiefe, wodurch der Predator als Protagonist greifbarer wird.

Die ersten Teile des Films bestechen durch kreative Ideen, Survival-Spannung und visuelle Vielfalt. Diese hohe Qualität kann der Film im letzten Drittel nicht mehr ganz halten. Trotzdem bleibt die Dynamik zwischen Dek und Thia der emotionale Kern der Geschichte, und die Survival-Abenteuer auf Genna vermitteln weiterhin Spaß und Spannung. Predator: Badlands erweitert das Predator-Universum, zeigt die Kultur der Yautja und bietet als Science-Fiction-Abenteuer viel Tempo, Action und Kreativität. Der Film punktet vor allem durch die Erkundung einer fremdartigen Welt und die Darstellung eines Predators als Hauptfigur.

Insgesamt ist Trachtenbergs Werk kurzweilige, unterhaltsame Sci-Fi-Kost. An Prey kommt der Film für meine Geschmack nicht ran und ich denke, dass der Film von der klassischen Predator-Formel weit entfernt ist – aber vielleicht muss das ja auch nichts Schlechtes sein?!

#8 Blood & Sinners

Ryan Coogler wagt mit Blood & Sinners erstmals einen vollkommen eigenständigen Stoff und erhält dafür ein ungewöhnlich hohes Budget, das er sichtbar in aufwendige Sets und historische Ausstattung investiert. Der Film setzt auf große, analoge Bilder, die mit 65mm- und IMAX-Kameras gedreht wurden. Visuell sehr beeindruckend, doch noch wichtiger als die Bilder ist die Musik, die als emotionales und thematisches Zentrum fungiert. Cooglers Faszination für Blues und dessen ambivalente Rolle zwischen Spiritualität und „Teufelsmusik“ prägt den gesamten Film.

Besonders eindrucksvoll wird dies in einer langen Plansequenz deutlich, in der Raum und Zeit verschwimmen und die Geschichte Schwarzer Musik komprimiert erzählt wird. Eine der besten Szenen des gesamten Filmjahres. Michael B. Jordan überzeugt in einer technisch makellosen Doppelrolle als Zwillingsbrüder, deren Schauspieltrick schnell in den Hintergrund tritt. Die Handlung ist tief in der afroamerikanischen Geschichte der 1930er-Jahre verwurzelt und gewinnt durch viele Details große Authentizität.

Zunächst wirkt der Film wie ein atmosphärisches Südstaaten-Drama über Heimkehrer und Gemeinschaft, bevor er überraschend das Genre wechselt. From Dusk Till Dawn lässt grüßen. In der zweiten Hälfte entfesselt Coogler einen kompromisslosen Vampirhorror mit drastischer Gewalt und makabrem Humor. Blood & Sinners verbindet Historienfilm, Musikdrama und Horror zu einem riskanten, nicht immer perfekten, aber außergewöhnlich kraftvollen Genre-Mix.

Insgesamt bestätigt Coogler damit seinen Ruf als einer der spannendsten Regisseure seiner Generation. Mit 367 Millionen an den Kinokassen gelingt Sinners der Sprung in die BoxOffice Top20 des Jahres und darf sich darüber hinaus auch über sehr wohlwollende Kritiken von Fans und Branche erfreuen.

#7 Bring Her Back

Bring Her Back markiert den zweiten Langfilm der australischen Regiebrüder Danny und Michael Philippou, die nach ihrem erfolgreichen Debüt Talk To Me nun konsequent auf kompromisslosen, körperlich spürbaren Horror setzen. Der Film erzählt von den Stiefgeschwistern Andy und der blinden Piper, die nach dem Tod ihres Vaters bei der Pflegemutter Laura unterkommen. Schnell wird klar, dass hinter Lauras übertriebener Fürsorge etwas Unheimliches steckt.

Der Horror entfaltet sich nicht nur durch explizite Gewaltszenen, sondern auch durch die emotionale Bindung der Geschwister, die glaubwürdig und berührend gezeichnet ist. Sally Hawkins liefert als Pflegemutter eine extrem intensive, verstörende Darstellung, die Mitleid und Abscheu zugleich erzeugt. Die Philippou-Brüder knüpfen dabei an eine Tradition an, in der Horror durch Trauer, Verlust und familiäre Abhängigkeiten verstärkt wird. Visuell und atmosphärisch setzt der Film auf Dauerregen, körnige Bilder und eine bedrückende Grundstimmung ohne jede Entlastung. Trotz einzelner sehr wirkungsvoller Schocks bleibt die inhaltliche Tiefe jedoch begrenzt. Zwar streift der Film Themen wie Schuld und Trauer, führt sie aber nicht konsequent weiter.

Insgesamt ist Bring Her Back ein äußerst verstörender, handwerklich starker Horrorschocker, der emotional trifft, aber seine größeren Ambitionen nicht vollständig einlöst. Dennoch gehört er für mich zu den besten Horrorfilmen des Jahres, weil er teils so bitterböse Szenen hat, die dir gleichermaßen einen Schock als auch ein Lachen herauslocken und mir so das ganze Jahr im Gedächtnis blieben.

#6 The Threesome

In dieser Romcom führt ein betrunkener Dreier unerwartet zu einer oder mehreren Schwangerschaften, deren emotionale und praktische Folgen die drei Hauptfiguren Connor, Olivia und Jenny bewältigen müssen. Obwohl die Handlung auf den ersten Blick wie eine typische derbe Komödie der frühen 2000er wirkt, ist der Film deutlich ausgefeilter, mit gut entwickelten Figuren und einer sorgfältig aufgebauten Handlung voller Wendungen, die sowohl wild als auch realistisch wirken. Die Figuren reagieren auf ihre Situation auf authentische Weise, was die Geschichte emotional fesselnd macht.

Die Dialoge sind schnell und stilisiert wie sie mich manchmal an die eines Aaron Sorkin erinnerten. Auch wenn er nicht ganz realistisch ist, machte mir der Film großen Spaß, vor allem dank des charismatischen Ensembles, das egal in welcher Konstellation eine großartige Chemie aufweist.

Der Film sticht für mich auch heraus, weil er nicht nur Humor, Romantik und echte Gefühle miteinander verbindet, sondern auch das Kunststück schafft, dass man als Zuschauer eigentlich allen Hauptfiguren ein Happy End wünscht. The Threesome ist das was Materialists dieses Jahr gerne gewesen wäre.

#5 One Battle After Another

Paul Thomas Anderson gehört zu den besten Regisseuren unserer Generation. Für One Battle After Another hat er ein gigantisches Budget von 130 bis 175 Millionen Dollar erhalten, obwohl seine bisherigen Filme, selbst der gefeierte There Will Be Blood, deutlich weniger einspielten. Herausgekommen ist ein wildes, unvorhersehbares Abenteuer voller Action, Humor und skurriler Einfälle, das gleichzeitig aktuelle gesellschaftliche Bezüge aufweist.

Im Mittelpunkt steht Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio), früher „Ghetto Pat“, ein Ex-Revolutionär, der einst Banken attackierte, Immigranten befreite und gegen ein repressives System kämpfte. 16 Jahre später lebt Bob als Kiffer mit seiner Tochter Willa in einer Kleinstadt, als ihn die Vergangenheit einholt.

Anderson kombiniert durch das selten benutze VistaVision-Format detailreiche, plastische Bilder mit coolen Actionsequenzen. Trotz absurdem Humor und der Überdrehtheit wirken die Figuren emotional greifbar, was insbesondere auf die starke Besetzung zurückzuführen ist. DiCaprio brilliert als tragikomischer Revolutionär, Penn liefert die vielleicht bislang beste Performance seiner Karriere als exzentrischer und furchterregender Antagonist.

One Battle After Another ist sowohl politisch provokant als auch visuell und narrativ ein opulentes Erlebnis, das Andersons Vision und zeitgenössische Relevanz eindrucksvoll vereint. Für viele Leute war es der beste Film des Jahres, für einige sogar einer der besten Filme der letzten Dekade. Dieser Funke ist niemals so auf mich übergesprungen, aber dennoch hat sich der 161 Minuten lange Film seinen Platz auf der Topliste ohne Wenn und Aber verdient.

#4 The Ugly Stepsister

Emilie Blichfeldt präsentiert mit ihrem Langfilmdebüt The Ugly Stepsister eine kompromisslose und düstere Neuinterpretation des Aschenputtel-Märchens, die sich deutlich von den meist harmlosen Kinoversionen abhebt. Statt die Geschichte aus der Perspektive des gedemütigten Aschenputtels zu erzählen, rückt hier die als „hässlich“ stigmatisierte Stiefschwester Elvira in den Mittelpunkt. Elvira muss sich dabei einem gnadenlosen Schönheitswettbewerb stellen und geht dabei bis an die Grenzen des körperlich Erträglichen.

Blichfeldt nutzt die Grausamkeiten, um den Preis zu beleuchten, den Frauen zahlen müssen, um gesellschaftlich als attraktiv und begehrenswert zu gelten. Der Film kombiniert geschickt Horror, schwarzen Humor und gesellschaftskritische Elemente um toxische Schönheitsideale aufzuzeigen.

Mir hat vor allem auch die ästhetische Umsetzung mit aufwändigen Kostümen, Ausstattung und praktischen Effekten gefallen, die die immersive Wirkung verstärkt haben. Insgesamt ist The Ugly Stepsister ein intensives, schwarzhumoriges und grausames Märchen, das die Abgründe menschlicher Eitelkeit und Selbstzerstörung deutlich macht und für mich gefühlt einen guten Nerv trifft in der aktuellen Zeit.

#3 Der Hochstapler – Roofman

Der Film basiert auf der wahren Geschichte von Jeffrey einem ehemaligen Soldaten, der aus finanzieller Not McDonald’s-Filialen ausraubt, dabei aber stets die Mitarbeiter respektvoll behandelt. Nach seiner ausgeklügelten Gefängnisflucht findet er Zuflucht in einem Toys-“R”-Us-Geschäft.

Der Hochstapler war für mich die Feel-Good-Überraschung des Jahres. Der Film macht viel Spaß und ist charmant, bleibt im Kern der Geschichte aber dennoch ernsthaft und berührend.

Channing Tatum überzeugt als sympathischer Antiheld, dessen Intelligenz und Mitmenschlichkeit ihn zu einem untypischen Kriminellen machen und die Graustufen menschlicher Entscheidungen hervorgehoben werden. Die Beziehungen der Figuren wirken organisch und steigern die emotionale Wirkung. Am Ende des Films kommen dann auch noch die wahren Personen zu Wort und teilweise haben diese auch im Film kleinere Rollen übernommen. Da merkt man schnell, dass sich der Film relativ nah an den wahren Ereignissen bewegt und nie zu künstlich ist. Klare Empfehlung meinerseits.

#2 Weapons – Die Stunde des Verschwindens

Nach dem riesigen Erfolg von Barbarian löste Zach Creggers neues Projekt Weapons – Die Stunde des Verschwindens einen intensiven Bieterstreit aus, den schließlich New Line für eine hohe Summe gewann. Schon vor Kinostart sorgte das Drehbuch für Aufsehen, da selbst Jordan Peele großes Interesse an dem Stoff gehabt haben soll. Der Film erzählt von einem rätselhaften Ereignis in einer Kleinstadt, bei dem 17 Grundschulkinder in derselben Nacht um exakt 2:17 Uhr spurlos verschwinden. Für mich die spannendste Prämisse des Jahres. Im Zentrum steht weniger das Mysterium selbst als vielmehr dessen Folgen für Eltern, Lehrer und andere Bewohner der Stadt. Besonders die Lehrerin Justine wird zur Zielscheibe von Misstrauen, Wut und Verschwörungsglauben.

Cregger strukturiert den Film in mehrere Kapitel, die jeweils unterschiedliche Figuren und Perspektiven beleuchten. Dadurch entsteht nach und nach ein vielschichtiges Bild einer Gemeinschaft, die an Trauer, Schuldzuweisungen und Angst zerbricht. Visuell präsentiert sich der Film in großen, epischen Bildern mit langen Kamerafahrten, was für das Horrorgenre ungewöhnlich wirkt. Zahlreiche rätselhafte Details und Symbole laden das Publikum permanent zum Miträtseln ein. Inhaltlich verbindet Weapons Mystery-Horror mit Gesellschaftsstudie und subtiler Satire auf moderne Verschwörungserzählungen.

Im Gegensatz zu Barbarian setzt der Film weniger auf einen radikalen Bruch, sondern auf eine langsame Zuspitzung. Das Finale entfaltet schließlich eine düstere, kathartische Wucht, die viele Fragen beantwortet, ohne alles zu glätten. Nach Barbarian schafft es Zach Creggers auch mit seinem ambitionierten, emotional tiefen, mutigen und spannenden Film Weapons erneut auf meine Topliste des Jahres.

#1 Heldin

Heldin greift die spätestens seit der Corona-Pandemie offen zutage liegenden Missstände im Gesundheitswesen auf und macht sie anhand eines einzigen Arbeitstags erfahrbar. Im Zentrum steht die Pflegefachkraft Floria Lind, die in der Chirurgie eines Zürcher Krankenhauses arbeitet und eine unterbesetzte Schicht bewältigen muss. Die Kamera begleitet sie nahezu pausenlos durch einen Arbeitsalltag voller Zeitdruck, emotionaler Belastung und permanenter Unterbrechungen. Regisseurin Petra Volpe inszeniert diesen Ablauf mit einer Intensität, die eher an einen Thriller als an ein klassisches Drama erinnert. Dabei geht es weniger um spektakuläre Einzelereignisse als um das ständige Funktionieren im Ausnahmezustand.

Floria kümmert sich um schwerkranke, verängstigte und ungeduldige Patientinnen und Patienten, tröstet Angehörige und muss zugleich mit Respektlosigkeit und Überforderung umgehen. Trotz der enormen Belastung verliert sie ihre Menschlichkeit nicht, was den Film besonders berührend macht. Kleine Gesten, wie ein gesungenes Kinderlied oder ein dankbarer Satz, erhalten in diesem Umfeld große Bedeutung.

Leonie Benesch trägt den Film nahezu allein und verkörpert die Figur mit großer Authentizität und Präsenz. Parallelen zum oscarnominierten Film Das Lehrerzimmer, wo Benesch ebenfalls die Hauptrolle verkörperte, sind unverkennbar. Auch Das Lehrerzimmer schaffte es seinerzeit auf meine Topliste des Jahres. Heldin verzichtet bewusst auf plakative Anklagen und lässt stattdessen die Arbeitsbedingungen für sich sprechen. Gerade dadurch wird spürbar, wie systematisch Pflegekräfte an ihre Grenzen gebracht werden. Der Film ist kein Werbefilm für den Beruf, sondern ein eindringliches Porträt von Aufopferung und Erschöpfung.

Am Ende bleibt ein zutiefst spannendes, bewegendes Kinoerlebnis, das lange nachwirkt und den Titel „Heldin“ vollkommen rechtfertigt.

Meine Flop 15 aus dem Jahr 2025

#15 A Working Man

Nach Beekeeper aus dem letzten Jahr erneut eine Zusammenarbeit von Regisseur und Drehbuchautor David Ayer und seinem Hauptdarsteller Jason Statham. Dieses Mal wirkte an diesem ultrakomplexen Drehbuch sogar noch Silvester Stallone mit. Beekeeper war schon nicht sonderlich gut, aber A Working Man ist leider noch schlechter.

Ich kann die „einfach mal Kopf aus und genießen“-Fraktion schon heulen hören, doch versteht mich nicht falsch: mir ist bewusst was das für ein Film sein soll und ich freue mich auf jeden dummen Actionfilm mit Statham. Mir ist sowas von egal ob er als Imker, Vorarbeiter, Geldtransportfahrer, Dönerverkäufer oder Balletttänzerin Gangstern auf 96 verschiedenen Arten die Knochen bricht. Doch bitte liefert dann halt auch in den wichtigen Aspekten.

Der Film fängt ja sogar genauso an wie man es sich erhofft: Statham gibt als Vorarbeiter bösen Buben auf einer Baustelle aufs Maul. Mehr bräuchte der Film gar nicht um zu funktionieren, doch dann verliert sich der Film immer mehr in seinem unnötigen konfusen und aufgeblasenen Drehbuch, immer mehr komische Fraktionen kommen dazu, Niemand sieht mehr durch und als Kirsche auf der Sahne sind die Actionszenen enttäuschend, verschnitten und Stathams Möglichkeiten werden nicht ordentlich genutzt.

#14 Havoc

Havoc war leider eine riesige Enttäuschung. Jahrelang hat man sich gefreut und den Release dieses gemeinsamen Projektes von „The Raid“-Mastermind Gareth Evans und Schauspieler Tom Hardy herbeigesehnt. Doch eine jahrelange Produktionshölle, Streiks, Corona und Nachdrehs hinterließen ihre Spuren.

Der düstere Actionthriller kann leider zu keinem Moment an die „The Raid“-Reihe herankommen. Die Charaktere blieben blass und schablonenhaft, die Geschichte ebenfalls hundertmal schon gesehen. Da mussten es die Action-Sequenzen rausreißen, doch leider kann bis auf einer halbwegs coolen Clubszene nichts auch nur ansatzweise mit Evans früheren Werken mithalten. Kompromisslose Gewaltinszenierungen findet man zwar auch in Havoc, doch besonders die Nahkampfchoreografien wirken stellenweise monoton und nur wenig kreativ. Alles in allem bleibt Havoc deutlich hinter seinen Erwartungen zurück.

#13 Red Sonja

Red Sonja aus den 1980ern mit Brigitte Nielsen und Arnold Schwarzenegger war selbst mit Nostalgiebrille furchtbar. Die Neuauflage hätte es also recht einfach gehabt im Jahr 2025 vieles besser zu machen. Statt einen gelungenen Neustart zu liefern, unterbietet Regisseurin MJ Bassett sogar das niedrige Ausgangsniveau stellenweise.

Erzählt wird eine Originstory der Kriegerin, die jedoch weder Spannung noch epische Wucht entfaltet. Hauptdarstellerin Mathilda Lutz, die mich in Revenge zu überzeugen wusste, bleibt blass und kann der Titelheldin weder Stärke noch Ausstrahlung verleihen. Auch die Nebenfiguren wirken austauschbar und tragen nichts zur Dynamik bei. Die Action ist lieblos choreografiert, die CGI höchstens mittelmäßig und die Arenakämpfe uninspiriert. Die Handlung erscheint altbacken und schwächer als vergleichbare Fantasy-Serienepisoden vergangener Jahrzehnte.

Trotz viel Laufzeit bleibt der Film überraschend zahm, leer und arm an echten Schauwerten. Für unterhaltsamen Trash ist das Ergebnis zu langweilig, für ernsthafte Fantasy aber ebenfalls ungeeignet. Red Sonja ist eine misslungene und ideenarme Neuinterpretation.

#12 Bride Hard

Bride Hard ist ein misslungener Genremix, der versucht klassische Hochzeitskomödie und Actionfilm miteinander zu verbinden. Dieser Spagat gelingt jedoch nur teilweise, da sich die harte Actioninszenierung und das leichte Comedy-Drehbuch oft gegenseitig widersprechen. Schon der Einstieg zeigt diese Probleme: Die Handlung springt zwischen Junggesellinnenabschied und Geheimagentinnen-Action hin und her, ohne einen klaren Fokus zu finden. Dadurch wirken sowohl Humor als auch Action unausgegoren und ohne echten Höhepunkt.

Die Figurenzeichnung bleibt insgesamt nur oberflächlich und die Chemie zwischen den Figuren fehlt spürbar. Rebel Wilson hat nach Pitch Perfect noch keinen guten Film gedreht.

#11 Der Heimweg

Der Film zu Sebastian Fitzeks Bestseller ist ein düsterer Psycho-Thriller, der weniger auf exzessive Gewalt setzt als auf eine beklemmende Atmosphäre. Jedoch kämpft der Film mit schematisch gezeichneten Figuren und einer oft zu konstruiert wirkenden Handlung. Im Mittelpunkt steht Klara, einer von ihrem Mann misshandelten Anwältin, die glaubt, vom sogenannten Kalenderkiller bedroht zu werden.

Die Handlung entfaltet sich zunächst langsam, da lange Rückblenden die Spannung ausbremsen und mit oberflächliche Küchenpsychologie auch unfreiwillig komisch wirken. In der zweiten Hälfte gewinnt der Film deutlich an Tempo, lebt aber vor allem von Wendungen, die bei genauerem Hinsehen wenig logisch und super vorhersehbar sind. Viele Details wirken unglaubwürdig oder willkürlich. Trotz eines ernsthaften Themas wie häuslicher Gewalt bleibt die Auseinandersetzung damit nur oberflächlich.

Insgesamt ist Der Heimweg inhaltlich flach und wenig stringent. Von Deutschlands mainstreamigsten Autoren habe ich mir eine deutlich bessere Geschichte erwartet.

#10 The Electric State

The Electric State ist ein extrem teuer produzierter Sci-Fi-Blockbuster der Russo-Brüder, der trotz seines Rekordbudgets von rund 320 Millionen Dollar inhaltlich enttäuscht. Nach ihren riesigen Erfolgen mit den „Avengers“-Filmen setzen Joe und Anthony Russo erneut auf visuelle Größe, können diese aber nicht mit einer überzeugenden Geschichte füllen.

Der Film spielt in einer alternativen Zeitlinie, in der Roboter nach einem Aufstand in den 1990er Jahren besiegt und in eine abgesperrte Zone verbannt wurden. Thematisch will der Film eine Botschaft über den Umgang mit Technologie vermitteln, bleibt dabei aber oberflächlich und wenig originell. Die Handlung folgt bekannten Roadmovie- und Dystopie-Mustern und bietet kaum überraschende oder erinnerungswürdige Wendungen. Besonders positiv fallen die fantasievoll gestalteten und hervorragend animierten Roboter auf, die den menschlichen Figuren klar die Show stehlen. Die Welt wirkt lebendig und detailreich, leidet jedoch unter einem mittelmäßigen Drehbuch.

Schauspielerisch bleibt Chris Pratt in seiner gewohnten Rolle stecken, während Millie Bobby Brown zumindest zeitweise emotionale Tiefe verleiht. Eine echte Chemie zwischen den Hauptfiguren stellt sich jedoch nicht ein. Der Showdown ist laut und groß, aber letztlich wirkungslos, da es an emotionaler Bindung und inszenatorischer Originalität fehlt.

Insgesamt beeindruckt The Electric State visuell, erweist sich aber trotz seines gigantischen Budgets als unausgereifter, künstlich wirkender Film und harmloses Familienabenteuer ohne nachhaltige Wirkung.

#9 The Old Guard 2

The Old Guard 2 ist eine lange verzögerte Fortsetzung, deren schwierige Produktionsgeschichte dem Film deutlich anzumerken ist. Nach dem überraschend erfolgreichen und qualitativ soliden ersten Teil von 2020, der Action mit tragischer Tiefe verband, waren die Erwartungen hoch.

Zahlreiche Probleme wie ein Regiewechsel, ein Netflix-Führungswechsel, ein Brand am Set und die Hollywood-Streiks sorgten jedoch für jahrelange Verzögerungen. Inhaltlich setzt der Film die Geschichte um Andy fort, die ihre Unsterblichkeit verloren hat, aber weiterhin ein Team Unsterblicher anführt. Neuzugänge wie Uma Thurman bleiben blass und können emotional kaum überzeugen. Dadurch leidet die Dynamik, und zentrale Konflikte wirken überraschend spannungsarm. Der Plot ist überladen. Die Action ist maximales Mittelmaß und erreicht zu keinem Zeitpunkt die Qualität des Vorgängers.

Trotz weniger guter Einzelmomente fehlt dem Film insgesamt Fokus und erzählerische Kraft. The Old Guard 2 ist deutlich schwächer und uninspirierter als der Vorgänger. Eine komplette Enttäuschung, die natürlich trotzdem zeitweise die Streaming-Charts anführte, aber hoffentlich nicht die angeteaste Fortsetzung erhält.

#8 Afterburn

Spoiler: das wird nicht der einzige Auftritt von Dave Bautista in der diesjährigen Flopliste bleiben. Dave Bautista spielt einen knallharten Söldner, der in einer zusammengebrochenen Welt wertvolle Kulturgüter beschafft, darunter ausgerechnet die Mona Lisa. Die Handlung wirkt absurd, wird aber mit viel handgemachter und blutiger, aber nicht wirklich guter Action umgesetzt. Dazu gibt es natürlich noch schlechte One-Liner.

Regisseur J. J. Perry setzt dabei auf praktische Effekte und verzichtet weitgehend auf CGI, was dem Film einen rustikalen Charme verleiht. Die Mission führt Bautistas Figur ins ehemalige Frankreich, das von einem brutalen Warlord kontrolliert wird. Dort trifft er auf die Widerstandskämpferin Drea, gespielt von Olga Kurylenko, die ihn zunehmend zu moralischem Handeln bewegt.

Inszenatorisch bleibt Afterburn jedoch schlicht und visuell recht eintönig, da viele Szenen auf begrenzten Schauplätzen spielen. Die Action ist solide, aber wenig einfallsreich, und manche Ideen werden nur angerissen. Zumal kann sich der Film nicht so recht auf einen Ton einigen. Während Samuel L. Jackson mit einer überzeichneten Performance für einen gewissen Humor sorgt, spielt Bautista seine Rolle sehr ernst. Insgesamt wirkt Afterburn wie so ein unnötiges Projekt, wo die Schauspieler schnell mal den Paycheck mitgenommen haben.

#7 Schneewittchen

Schneewittchen ist ein weiterer Versuch die alten Disneyklassiker als Live-Action-Version herauszubringen und bereits vor Release mit zahlreichen kulturellen und politischen Kontroversen zu kämpfen, deren Aufregung im Verhältnis zum Ergebnis jedoch übertrieben wirkt. Kritik an der Besetzung von Rachel Zegler, Debatten um die Darstellung der Zwerge sowie öffentliche Konflikte rund um die Hauptdarstellerinnen sorgten im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit. Nach der Sichtung bleibt jedoch festzuhalten, dass es sich um ein okayes, aber keineswegs herausragendes Märchen-Musical handelt.

Inhaltlich orientiert sich der Film zunächst stark am Disney-Klassiker von 1937. Rachel Zegler überzeugt dabei vor allem stimmlich und trägt den Film mit ihren Musicalnummern. Auch Ausstattung, Kostüme und Farbgestaltung waren in Ordnung. Die Zwerge wirkten zunächst befremdlich, fügten sich aber nach kurzer Eingewöhnung akzeptabel ins Gesamtbild ein. Weniger gelungen ist das neu eingeführte Love Interest, der blass bleibt und kaum dramatisches Gewicht entwickelt.

Der finale Konflikt mit der bösen Königin wirkt zudem hastig und etwas zu lehrhaft inszeniert. Die Neuauflage ist sehr belanglos und hat kein Mensch gebraucht, aber immerhin hat er uns zahlreiche Memes über Gal Gadots Schauspielfähigkeiten geliefert.

#6 Until Dawn

Die Verfilmung von Until Dawn steht vor dem grundsätzlichen Problem, dass sich das interaktive Spielerlebnis der Vorlage nicht sinnvoll auf die Kinoleinwand übertragen lässt. Während das Videospiel vor allem von Entscheidungen und ihren teils drastischen Konsequenzen lebt, ersetzt der Film dieses Konzept durch eine Zeitschleifen-Erzählung.

In der Handlung kehrt eine Gruppe junger Erwachsener in ein abgelegenes Tal zurück, wo sie von einem maskierten Killer und wechselnden übernatürlichen Bedrohungen heimgesucht werden. Nach jedem Tod beginnt die Nacht von Neuem. Dieses Timeloop-Prinzip hätte viel kreatives Potenzial, wird aber nur oberflächlich genutzt. Durch das ständige Zurücksetzen verliert der Tod an Bedeutung, wodurch Spannung und existenzieller Horror stark abgeschwächt werden. Die Figuren bleiben austauschbar und entwickeln kaum emotionale Tiefe, was das Mitfiebern zusätzlich erschwert.

Einige kreative Einfälle und splattrige Effekte stechen positiv hervor, werden jedoch zu kurz ausgespielt. Regisseur David F. Sandberg setzt stark auf Tempo, vernachlässigt dabei aber Atmosphäre und nachhaltigen Grusel. Ich fand den Film so enttäuschend und war eher verärgert. Meiner Meinung nach hat man die interessanten Aspekte der Vorlage völlig ignoriert und sich genau auf die Teile fokussiert, die keiner wirklich cool fand. Und das muss man bei einem Spiel, was dafür bekannt war, das es quasi wie ein Film ist, erstmal schaffen. So bleibt die Adaption weder für Fans des Spiels noch für Horrorliebhaber wirklich überzeugend.

#5 Death of a Unicorn

Death of a Unicorn könnte auf dem Papier als provokante Horror-Komödie mit viel Splatter und Selbstironie funktionieren. In der Praxis ist dieser Film aber eine einzige Enttäuschung in allen Belangen. Die Geschichte folgt einem alleinerziehenden Anwalt und seiner Tochter, die nach dem Unfalltod eines Einhorns auf dem Anwesen einer reichen Pharmafamilie in moralische und blutige Konflikte geraten.

Inhaltlich verbindet der Film Kapitalismuskritik, Satire auf Superreiche und Big Pharma. Diese Themen bleiben jedoch oberflächlich und entfalten kaum satirische Schärfe. Viele Figuren sind bewusst unsympathisch angelegt, selbst Paul Rudds sonst positives Image wird hier gebrochen. Einzig Will Poulter sticht als exzentrischer, hemmungslos überzeichneter Pharma-Erbe positiv hervor und sorgt für die wenigen wirklich dynamischen Momente.

Die Einhörner dienen zwar als brutale Rachewesen und liefern vereinzelte splattrige Highlights, kommen aber insgesamt zu selten und zu spät zum Einsatz. Zudem leidet der Film sichtbar unter schwacher CGI, dunkler Ausleuchtung und einer matschigen Optik. Die Inszenierung wirkt eher wie ein Direct-to-DVD-Horror als eine A24-Kinoproduktion. Trotz einer vielversprechenden, absurden Grundidee fehlt es dem Film an Tempo, Konsequenz und Mut zur Eskalation. Weder als Horror noch als Komödie geht Death of a Unicorn richtig in die Vollen. Am Ende bleibt ein unausgewogener Film, dessen Prämisse deutlich mehr versprach, als sie letztlich einlöst.

#4 5 Nights at Freddys 2

Alle Jahre wieder sitze ich hier und tue mich ein wenig schwer mit der Bewertung dieser Filme. Das „Five Nights at Freddys“-Franchise basiert auf einer sehr erfolgreichen Horrorspielreihe, die über Jahre hinweg vor allem eine etwas jüngere Zielgruppe in Ihren Bann gezogen hat und sehr erfolgreich war. Und auch die Filme sind bislang finanzielle Hits gewesen. Sowohl der erste als auch der zweite Teil spielten um die 200-300 Millionen $ ein. Die Qualität der Filme als solche ist für mich jedoch eher mittelmäßig.

Zu Gute halten muss ich das Design der Animatronics und das vieles davon halt auch wirklich für die Dreharbeiten haptisch vorhanden war. Ich mag auch die über die Jahre entstandene Lore, die der Serienschöpfer entwickelt hat und Millionen Fans begeistert. Das Probleme daran ist jedoch, dass ich nach jedem Film dasitze und mir erstmal Artikel über Artikel reinziehen muss, um überhaupt diese interessanten Hintergrundinfos zu erhalten und mir die komplexe Geschichte zusammenzusetzen. Im Film selbst kommen die Zusammenhänge viel weniger gut zur Geltung.

Die Erzählung wirkt sprunghaft, überladen und für Neueinsteiger kaum nachvollziehbar. Spannung oder echter Horror kommen kaum auf, da der Film extrem zahm inszeniert ist und Jump Scares weitgehend wirkungslos bleiben. Auch die Dialoge der menschlichen Figuren sind hölzern und peinlich. Zusätzlich wirkt es so als ob die „geltenden Regeln“ gebogen werden wie es dem Drehbuch gerade passt. Auf der einen Seite reden wir von gigantischen Animatronics, in denen Menschen einsteigen können und dann 2 Minuten später merkt keiner der Protagonisten, wenn sich so ein halber Transformer von hinten für den Jumpscare an sie „heranschleicht“.

Zwar sorgen die handgemachten Animatronic-Puppen stellenweise für Schauwert, aber der Rest des Films ist eher ein wirres, langweiliges und unfreiwillig komisches Sequel.

#3 In The Lost Lands

In The Lost Lands ist ein Film, der Paul W. S. Andersons Stil konsequent weiter zuspitzt und damit sowohl seine Fans bedient als auch seine Kritiker bestätigt. Die Handlung basiert lose auf einer Kurzgeschichte von George R. R. Martin (Game of Thrones).

Erzählt wird von einer postapokalyptischen Zukunft, in der die Menschheit in einer einzigen Stadt lebt und die umliegenden „Lost Lands“ von Monstern und Untoten bevölkert sind. Milla Jovovich spielt eine magisch begabte Frau, die im Auftrag einer machthungrigen Königin einen Werwolf jagt, begleitet von einem mysteriösen Jäger, verkörpert von Dave Bautista. Der Film mixt dabei hemmungslos Elemente aus Fantasy, Western, Cyberpunk und Endzeitkino.

Anderson verzichtet weitgehend auf Erklärungen und treibt die Geschichte von einem lieblosen CGI Setpiece zum nächsten. Die Bilder sind oft überladen und bewusst künstlich. Inhaltlich bleibt die Geschichte schlicht und folgt bekannten Abenteuer- und MacGuffin-Strukturen. Die Action ist eher schwach inszeniert, die Dialoge hölzern und die Figuren entwickeln kaum Tiefe. Auch die Chemie zwischen den Hauptdarstellern bleibt gering. Insgesamt ist In The Lost Lands ein visuelles Spektakel mit minimalem narrativem Anspruch, das vor allem Anderson-Fans oder Trashfilm-Liebhaber ansprechen dürfte, während Zuschauer mit hohen Erwartungen an Handlung und Dramaturgie enttäuscht werden.

#2 Straw

Tyler Perry neuster Film Straw widmet sich diesmal dem Leben einer Frau, die am unteren Rand der US-Gesellschaft ums Überleben kämpft. Im Mittelpunkt steht eine schwarze alleinerziehende Mutter, die von Gehalt zu Gehalt lebt und an einem einzigen Tag mit einer Kette existenzieller Katastrophen konfrontiert wird.

Der Film möchte auf soziale Missstände aufmerksam machen, insbesondere auf die prekäre Situation schwarzer alleinerziehender Frauen in den USA jedoch meist so ungeschickt und plump, dass man mit jeder weiteren Szene weiter vom Glaub abfällt, ob man das gerade ernst meint. Statt differenzierter Analyse reiht Perry lediglich Schlagworte und abstruse Szenen aneinander.

Gleichzeitig verliert sich die Geschichte in immer drastischeren und zunehmend unglaubwürdigen Wendungen. Die Häufung von Schicksalsschlägen wirkt konstruiert und untergräbt jede Glaubwürdigkeit. Aus einem zunächst realistischen Sozialdrama entwickelt sich ein überzeichneter Thriller mit Geiselnahme, Polizeieinsatz und medialer Eskalation. Dem schwachen Drehbuch hätte es gutgetan, sich auf 1-2 Schicksalsschläge zu konzentrieren statt immer noch eine Schippe draufsetzen zu wollen – und dann noch dieser vorhersehbare Twist.

Die Inszenierung ist stark manipulativ und setzt zu häufig auf emotionale Überwältigung statt auf Subtilität. Insgesamt verschenkt Straw sein wichtiges Thema durch Übertreibung und erzählerische Unglaubwürdigkeit.

#1 Krieg der Welten

Ich glaube es gab dieses Jahr nur 2 Filme, die es in den kulturellen Zeitgeist schaffen werden. Keine Filme wurden mehr besprochen als KPOP Demon Hunters und die 2025er-Version von Krieg der Welten. Während der eine Film unfassbar erfolgreich war und die Jugend begeisterte, weil er vieles richtig macht, begeisterte Krieg der Welten das Internet, weil er so unterirdisch ist, Meme nach Meme liefert und sich perfekt für Trinkspiele eignet.

Die Neuauflage des H.G. Wells Klassikers verlegt die Geschichte in die moderne Medienwelt und konzentriert sich dabei aber weniger auf intergalaktischen Schrecken als auf Überwachung, Datenschutz und familiäre Konflikte. Regiedebütant Rich Lee, zuvor vor allem für Musikvideos bekannt, zeigt eine Welt, in der soziale Medien, Satellitenfeeds und sogar Kühlschrankkameras die Bedrohung durch die Aliens spiegeln sollen. Ice Cube spielt den Homeland-Security-Analysten Will Radford, der mehr Zeit damit verbringt, seine Kinder auszuspionieren, als die außerirdische Invasion ernsthaft zu bekämpfen.

Zwar ist die Idee, die Attacke als Desktopthriller zu erzählen, interessant, doch die Umsetzung wirkt chaotisch und fahrig. Die Kameraarbeit ist unruhig, Spezialeffekte billig und vieles geht im hektischen Schnitt unter. Ice Cube bleibt emotional unterkühlt, was seinen Charakter wie eine Karikatur wirken lässt. Die familiären Probleme, die eigentlich im Zentrum stehen, werden platt und oberflächlich behandelt. Die Handlung verliert sich in wirren Dialogen, überfrachteter Bildsprache und unpassendem Humor, wodurch Spannung und Ernsthaftigkeit völlig fehlen.

Grandios und besonders absurd wirkt die Einbindung eines Amazon-Services am Ende um die Aliens zu besiegen. Das war die gottloseste Produktplatzierung des Jahres, wenn man bedenkt, dass der Film ein „Amazon-Primevideo“-Produkt ist. Das war echt die Krönung. Trotz einer ambitionierten Prämisse bleibt die Inszenierung schwach, die dramatischen Momente verpuffen, und die Aliens bleiben abstrakt und bedrohungslos. Insgesamt scheitert Krieg der Welten (2025) auf ganzer Linie.

Das Ergebnis ist ein überladenes, hektisches Werk, das weder visuell noch dramaturgisch überzeugt aber immerhin das Internet vereint hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen auf meiner Flopliste 2025, sticht Krieg der Welten immerhin unter dem Gesichtspunkt „so scheiße, dass es wieder witzig ist“ raus.

And the Oscar 2025 goes to..

Es ist endlich wieder soweit: in wenigen Stunden werden die Oscars in Los Angeles verliehen. Es ist mittlerweile die 97. Verleihung des prestigeträchtigsten Filmpreises der Welt, den Academy Awards. Mein Event-Highlight des Jahres.

Oscars 2024 – was ist passiert

Im Vergleich zum Oscar-Slap 2022, war die Verleihung im letzten Jahr weniger skandalös aber dennoch sehr geil. Oppenheimer gelang es letztlich von 13 Nominierungen 7 Preise mitzunehmen und seinen Favoritenstatus gerecht zu werden. Besonders gefreut hat mich der Sieg von Christopher Nolan, Robert Downey Jr. und Cillian Murphy.

Darüberhinaus präsentierte Billie Eilish ihren Hit „What was i made for?„, der ihr an diesem Abend erneut den Oscar für den Besten Song brachte. Ihr zweiter Oscar – mit 22 Jahren!

Herausragend waren auch die Japaner, die sich überraschend mit Godzilla Minus One in der Beste Effekte-Kategorie gegen die großen amerikanischen Blockbuster durchsetzen konnten. Auch Legende Hayao Miyazaki konnte mit Der Junge und der Reiher nach 21 Jahren seinen zweiten Oscar nach Japan holen.

Was darf man von den 97. Academy Awards erwarten?

Nach Late-Night-Host Jimmy Kimmel, der zum zweiten Mal in Folge und zum vierten Mal die Veranstaltung moderierte, folgt eine weitere Late-Night-Legende. Mit Conan O’Brien führt definitiv Jemand durch den Abend, der von seiner Art und seinem Humor ein Stückweit extremer ist und man sich vielleicht auf die ein oder andere überraschende Aktion freuen darf.

Oscar-Geschichte schreiben The Substance und Karla Sofía Gascon schon jetzt: Der Bodyhorrorfilm The Substance macht die Tür einen Spalt auf für Horrorfilme, die üblicherweise gerne von der Academy ignoriert werden und Karla Sofía Gascón ist die erste offen transsexuelle Schauspielerin, die als „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert wurde.

Ich denke man wird an diesem Abend den Feuerwehrleuten und First Responders viel Tribut zollen für Ihre aufopfernde Arbeit während der verheerenden Feuer in Los Angeles. Dieses Jahr weicht man auch ein wenig vom üblichen Programm ab und wird nicht allen Nominierten der Kategorie „Bester Song“ ihren Song präsentieren lassen (in Anbetracht von Emilia Perez – god bless), stattdessen werden eine Hand voll Künstler für Highlights sorgen. So werden Doja Cat, Raye und K-Pop-Star Lisa auftreten und vermutlich ihren gemeinsamen Song Born Again performen. Ein noch größeres Highlight wird wohl der Auftritt der beiden Wicked-Stars Ariana Grande und Cynthia Erivo werden.

Auch US-Rapperin Queen Latifah und der berühmte Chor der Stadt Los Angeles Master Chorale werden auftreten – würde jetzt mal vermuten, dass dies während des „In Memoriam„-Segments der Fall sein wird.

Snubs & Surprises

Biggest Snubs:

  • Bester Hauptdarsteller: Daniel Craig für Queer & Hugh Grant für Heretic
  • Beste Hauptdarstellerin: Pamela Anderson für The Last Showgirl & Angelina Jolie für Maria
  • Bester Nebendarsteller: Denzel Washington für Gladiator 2
  • Beste Nebendarstellerin: Margaret Qualley für The Substance
  • Beste Regie: Denis Villeneuve für Dune: Part Two, Luca Guadagnino für Challengers & Queer
  • Filme: Challengers für seinen Score und Regisseur Luca Guadagnino sowie The Wild Robot, der es in nahezu jede Movie-Topliste 2024 auf das Podest schaffte, aber nicht für Bester Film nominiert wurde, sondern „nur“ für Bester animierter Film.

Biggest Surprises:
Animationsfilm Flow bekommt zweite Nominierung als Bester Ausländischer Film: Eine Nominierung für den besten Animationsfilm galt als sicher, gleichzeitig aber auch Beachtung für den Auslands-Oscar zu erhalten, ist eine Seltenheit. Gratulation Lettland

The Substance durchbricht alte Academy-Muster: Spätestens nachdem Hereditary, der beste Horrorfilm der letzten 20 Jahre, von der Academy völlig ignoriert und gesnubbed wurde, wurde auch dem Letzten bewusst: Mit Horrorfilmen gewinnt man keine Awards. Dass es dieser Geheimtipp des Jahres 2024, The Substance, tatsächlich schafft das Stigma zu durchbrechen und auch noch in den wichtigsten Kategorien des Abends wie Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Hauptdarstellerin nominiert zu sein, ist wahnsinnig schön. Jeder einzelne Sieg wäre historisch.

Beste Nebendarstellerin / Actress in a Supporting Role

Monica Barbaro (Like A Complete Unknown) | Ariana Grande (Wicked) | Felicity Jones (Der Brutalist) | Isabella Rossellini (Konklave) | Zoe Saldana (Emilia Pérez)

Wahrscheinlich: Zoe Saldana Wunsch: Zoe Saldana
Hier müsste schon einiges zusammenkommen, um in letzter Sekunde Zoe Saldana noch diesen Preis streitig zu machen. Zoe Saldana war nicht nur die einzig gerechtfertigte Nominierung für Emilia Perez, sie hat zudem auch jeden anderen Preis bislang abgeräumt. Last-Minute-Siege von Rossellini oder Grande wären der erste Schocker des Abends.

Bester Nebendarsteller / Actor in a Supporting Role

Juro Borissow (Anora) | Kieran Culkin (A Real Pain) | Edward Norton (Like A Complete Unknown) | Guy Pearce (Der Brutalist) | Jeremy Strong (The Apprentice)

Wahrscheinlich: Kieran Culkin Wunsch: Kieran Culkin
Auch das männliche Pendant „Bester Nebendarsteller“ scheint dieses Jahr eindeutig zu sein. Obwohl mit Guy Pearce und Edward Norton zwei tolle Schauspieler mit ihren eindrucksvollen Performances lauern, hat Kieran Culkin eigentlich jeden wichtigen Preis zuvor gewonnen und sollte auch bei den Oscars den Goldjungen mitnehmen.

Beste Hauptdarstellerin / Actress in a Leading Role

Cynthia Erivo (Wicked) | Karla Sofia Gascon (Emilia Pérez) | Mikey Madison (Anora) | Demi Moore (The Substance) | Fernanda Torres (Für immer hier)

Wahrscheinlich: Demi Moore / Mikey Madison Wunsch: Demi Moore / Mikey Madison
Vor ein paar Monaten noch war Karla Sofia Gascon klar der am häufigsten genannte Name für eine mögliche Oscar-Nominierung und Gewinn. Als erste Transfrau hätte sie zusätzlich Filmgeschichte schreiben können. Gegenwärtig hat es zwar für die Nominierung gereicht, aber die Skandale der letzten Wochen und Monate, beispielsweise die rassistischen Tweets von Gascon, ließen die Gewinnchancen schwinden. Gleichzeitig hat es The Substance genreuntypisch überraschend zu den Oscars geschafft und die Comeback-Story von Demi Moore bestimmt seitdem die Geschichte und die Award-Season. Sie ist zurecht die Favoritin und wird sehr wahrscheinlich auch gewinnen. Spannend kann es nochmal für Mikey Madison und Fernanda Torres werden, die im Endspurt nochmal ordentlich Stimmen sammeln konnten. Ob es am Ende für einen Sieg im Fotofinish reicht?

Bester Hauptdarsteller / Actor in a Leading Role

Adrien Brody (Der Brutalist) | Colman Domingo (Sing Sing) | Timothée Chalamet (Like a Complete Unknown) | Ralph Fiennes (Konklave) | Sebastian Stan (The Apprentice)

Wahrscheinlich: Adrien Brody / Timothée Chalamet Wunsch: Colman Domingo / Adrien Brody
Die Award-Saison in dieser Kategorie wurde vom Duell Adrien Brody vs Timothée Chalamet bestimmt. Bei Chalamet hatte man zu Letzt das Gefühl er will diesen Preis unbedingt dieses Jahr gewinnen und allen Zeigen, dass sich nicht nur seine jahrelange Vorbereitung auf die Rolle des Bob Dylan gelohnt hat, sondern auch zu den besten Schauspielern aller Zeiten gehört. Und auch wenn ich denke, dass er durchaus verdient gewinnen könnte und ihn sehr schätze, kam es auch ein wenig zu sehr gewollt rüber. Sollte er gewinnen, wäre er der jüngste Gewinner dieser Kategorie jemals. Lustigerweise ist der eigentliche Favorit, Adrien Brody, ausgerechnet derjenige, der diesen Rekord aktuell innehat und ihn verrückterweise ausgerechnet dieses Jahr selbst verteidigen kann. Ich denke Brody wird verdient seinen zweiten Oscar gewinnen, wünschen würde ich mir aber Colman Domingo, der bereits letztes Jahr nominiert war, in den vergangenen Jahren viele sehr gute Projekte hatte und in Sing Sing einfach nur klasse ist. Domingo hat jedoch die geringsten Chancen aller Nominierten. Träumen darf man ja noch.

Bester Film / Best Picture

Anora | Der Brutalist | Dune: Part Two | Emilia Pérez | Für immer hier | Konklave | Like a Complete Unknown | Nickel Boys | Wicked: Part One | The Substance

Wahrscheinlich: Der Brutalist / Anora

Wunsch: Dune 2 / Konklave
Auch hier war Emilia Perez einst als Favorit gesetzt, doch etliche Skandale und ein maximal mittelmäßiger Film haben den Weg frei gemacht für Der Brutalist und Anora. Für mich bleibt Dune 2 der beste Film aller Nominierten in der Kategorie und war auch Platz 1 meiner Top15-Liste für 2024. Jedoch hat Dune 2 maximal Chancen, wenn alle anderen Teilnehmer 10 Minuten vor der Ausstrahlung disqualifiziert werden.

Eine höhere Wahrscheinlichkeit am Ende die beiden Favoriten doch noch zu schlagen, hätte mein drittliebster Film des letzten Jahres, Konklave. Das unterhaltsame Vatikandrama könnte vom besonderen Voting-System der Academy in dieser Kategorie profitieren, da alle Mitglieder sämtliche Nominierte in einem Ranking verschiedene Punkte geben. Deswegen haben Nominierte, die weniger anecken und weniger extrem polarisieren einen Vorteil.

Ich kann mir vorstellen, dass ein Konklave im Durchschnitt höher platziert wird als vielleicht bspw. die Favoriten. Auch The Substance und Wicked könnten nochmal für Überraschungen sorgen auch wenn Der Brutalist und Anora es am ehesten unter sich ausmachen und ich kein Problem mit ihrem Sieg hätte. Letztes Jahr war Oppenheimer der absolute Frontrunner und ist entspannt durchmarschiert. Dieses Jahr ist dieser Wettbewerb deutlich spannender.

Bonus-Kategorien

Beste Regie / Directing

Wahrscheinlich: Sean Baker (Anora) / Brady Corbet (Der Brutalist) Wunsch: Sean Baker (Anora) / Coralie Fargeat (The Substance)
Wie in der Biggest Snubs Rubrik bereits erwähnt, ist es einfach lächerlich, dass man Denis Villeneuve nicht für Dune 2 nominiert hat, vor allem in Anbetracht dessen, dass hier Jacques Audiard für Emilia Pérez aufgenommen wurde und Villeneuve einfach ein absolutes Mammutprojekt gestemmt hat. Doch ich kann es nicht ändern und daher fällt meine Wahl auf Sean Baker, der in den letzten Jahren sich mit seinen Filmen zu einem Geheimtipp unter Cineasten entwickelte und mit seinen außergewöhnlichen Filmen aus der breiten Masse herausstach. Am ehesten wird ihm der Sieg von Brady Corbet mit seiner Arbeit an Der Brutalist geklaut werden können.

Bestes Originaldrehbuch / Original Screenplay

Wahrscheinlich: A Real Pain / Wunsch: The Substance
Großer Favorit ist A Real Pain, das bis hierhin auch schon einige Drehbuchauszeichnungen gewonnen hat. Jesse Eisenbergs Drehbuch könnte dafür sorgen, dass A Real Pain somit für beide Nominierungen die der Film erhalten hat tatsächlich auch den Preis abräumt. Persönlich fänd ich The Substance ein wenig spannender als Sieger.

Bestes adaptiertes Drehbuch / Adapted Screenplay

Wahrscheinlich: Konklave Wunsch: Konklave
Konklave sollte seiner Frontrunnter-Rolle gerecht werden und am Ende verdienter Weise gewinnen. Nickel Boys fand ich eher enttäuschend, A Complete Unknown zu safe, Emilia Perez zu hanebüchen und Sing Sing ist ein zu großer Außenseiter.

Zusammenfassung aller Kategorien

Wunsch:

Zoe Zaldana (Nebendarstellerin)

Kieran Culkin (Nebendarsteller)

Demi Moore / Mikey Madison (Hauptdarstellerin)

Colman Domingo / Adrien Brody (Hauptdarsteller)

Dune: Part 2 / Konklave (Bester Film)

Sean Baker (Beste Regie)

Konklave (adapt. Drehbuch)

The Substance (Orig.drehbuch)

Wahrscheinlich:

Zoe Zaldana (Nebendarstellerin)

Kieran Culkin (Nebendarsteller)

Demi Moore / Mikey Madison (Hauptdarstellerin)

Adrien Brody / Timothee Chalamet (Hauptdarsteller)

Der Brutalist / Anora (Bester Film)

Sean Baker (Beste Regie)

Konklave (adapt. Drehbuch)

A Real Pain (Orig.Drehbuch)

Meine Top 15 aus dem Jahr 2024

2024 – wieder ein Kinojahr das vieles zu bieten hatte: Von gigantischen finanziellen Flops wie Megalopolis zu finanziellen Hits wie Alles steht Kopf 2, der 1,7 Milliarden eingespielt hat. Von unendlichen Sequels wie Kung Fu Panda 4 oder Ich einfach unverbesserlich 4, zu Prequels wie Mufasa: The Lion King oder A Quiet Place: Day One. Von eigenständigen Kreationen wie Late Night with the Devil, über Adaptionen wie Wicked oder Zone of Interest, bis hin zu Reboots und Remakes altbekannter Stoffe wie The Crow. 2024 war facettenreich und dürfte für jeden Geschmack was dabei gehabt haben.

Ich habe dieses Jahr viele neue Veröffentlichungen gesehen im Kino oder auf Streamingservices wie Netflix, Amazon Prime oder Apple+ und habe für euch meine 15 liebsten Filme (Oscarbeiträge ausgeschlossen) zusammengetragen.

Knapp nicht in die Top15 haben es folgende honorable Mentions geschafft: Abigail, Anyone but you, A Quiet Place: Day One, Deadpool & Wolverine, Late Night with the Devil, Love lies Bleeding, Mean Girls, Smile 2, Spiders – Ihr Biss ist der Tod, The Heretic, Trap, Wicked Part 1, Woman of the Hour

#15 Alien: Romulus

Alien: Romulus spielt chronologisch zwischen Alien (1979) und Aliens – Die Rückkehr (1986) und kombiniert den Horror des Originals mit der Action des Sequels. Regisseur Fede Alvarez setzt auf atmosphärischen Science-Fiction-Horror, bei dem Set-Designs und Kreaturen beeindrucken. Die Crew bleibt weitgehend blass, doch Android Andy, gespielt von David Jonsson, sticht hervor. Seine moralische Ambivalenz ist zentral für den Film und sorgt mitunter für die stärksten Momente und spannendsten Konflikte.

Hauptdarstellerin Cailee Spaeny überzeugt als Actionheldin, erreicht jedoch nicht die Strahlkraft von Sigourney Weavers Ripley. Alien: Romulus verzichtet meistens auf plumpen Fanservice, obwohl er mit vertrauten visuellen Elementen und Settings an die Reihe anknüpft, bietet dafür aber düstere, ästhetisch hochwertige Bilder, die die Atmosphäre noch verdichten. Besonders ein spektakulärer Shootout in Schwerelosigkeit bleibt in Erinnerung.

Insgesamt setzt Alien: Romulus weniger auf tiefen Horror, sondern überzeugt vor allem durch Action. Der Film bietet eine respektvolle Erweiterung der Reihe, auch wenn er nicht deren Höhen erreicht.

#14 Arthur der Große

Nach dem furchtbaren The Family Plan aus dem letzten Jahr, arbeiten hier Mark Wahlberg und Regisseur Simon Cellan Jones erneut zusammen. Wer hätte gedacht, dass das sogar gut werden könnte, wenn das Drehbuch nicht völliger Müll ist? Bei Arthur der Große handelt es sich um eine Romanadaption, die wiederum auf wahre Begebenheiten im Leben des Extremsportlers Mikael Lindnord beruht.

Die Geschichte um dieses Sportlerteam, das nicht nur selbst auf dem 700km umfassenden Wettkampf zu einer Einheit heranwächst, sondern auch währenddessen einen Streuner namens Arthur aufnimmt, war für mich einfach so eine feelgood Story. Sie ist gut inszeniert, die Darsteller liefern ab, die Geschichte rührt einen und mehr braucht es manchmal nicht. Sicherlich wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber manchmal benötigt man auch einfach Filme wie diese, die einen noch an das Gute im Menschen glauben lassen.

#13 Beetlejuice Beetlejuice

Tim Burtons Beetlejuice Beetlejuice liefert 105 Minuten vollgepackten Gruselspaß und bietet Fans des Kultklassikers von 1988 endlich mehr von allem: mehr Beetlejuice, mehr Jenseits und mehr handgemachte Effekte. Michael Keaton kehrt in seiner ikonischen Rolle als chaotischer Poltergeist zurück und begeistert mit schwarzem Humor und absurden Schabernack. Highlights für mich sind die Kostüme, die praktischen Effekte und Sets.

Das Aufeinandertreffen von Winona Ryder als Lydia und Jenna Ortega als Astrid, ihrer Tochter, verbindet Goth-Ikonen zweier Generationen. Dazu gesellt sich Catherine O’Hara, die als selbstverliebte Performance-Künstlerin eine urkomische Figur liefert und Beetlejuice fast die Show stiehlt.

Der Film bleibt humorvoll, verzichtet jedoch auf die grenzüberschreitenden Gags des Originals, um sich dem modernen Zeitgeist anzupassen. Während einige Figuren Tiefe vermissen lassen, ist Beetlejuice Beetlejuice ein typischer Burton-Film, der mit visueller Kreativität, nostalgischen Referenzen und unterhaltsamen Charakteren punktet. Fans der Reihe werden mit dieser temporeichen, effektvollen Fortsetzung bestens unterhalten. Ich bin zwar kein hardcore Beetlejuicefan aber dafür von Tim Burton und meiner Meinung nach findet er hier zu alter Stärke zurück und zeigt, dass er es noch immer drauf hat.

#12 Challengers

Luca Guadagninos Film Challengers – Rivalen ist ein intensives und stilistisch herausragendes Drama, das ein explosives Liebesdreieck zwischen Tennisprofis inszeniert. Durch die grandiose Kameraarbeit verschmelzen die sexuellen Spannungen und emotionalen Konflikte der Story zu einer elektrisierenden Dynamik. Guadagnino verleiht den Matches eine sinnliche Dimension, bei der jeder Ballwechsel metaphorisch als Ausdruck von Leidenschaft und Beziehungen verstanden werden kann.

Die drei Hauptdarsteller, allen voran Zendaya, tragen den Stoff mühelos und vereinen meiner Meinung nach gelungen Sinnlichkeit, Humor und Drama. Guadagnino beweist erneut wie gut er intime Beziehungen mit beeindruckenden Bildern verschmelzen kann.

#11 Planet der Affen: New Kingdom

Wie mittlerweile jedem Leser hier klar sein sollte, bin ich großer Fan der letzten „Planet der Affen“-Trilogie um den von Andy Serkis verkörperten Caesar. Technisch, optisch, schauspielerisch und emotional waren die Filme eine Wucht. Und auch wenn New Kingdom in allen Bereichen nicht ganz an das hohe Niveau der Vorgänger heranreicht, ist auch das neue Kapitel um den jungen Affen Noa beeindruckend.

Ein Aspekt, der mir in der nun hunderte Jahre später spielenden Geschichte besonders gefiel, war der Konflikt um „Caesars Erbe“. Wie viel ist in den Generationen nach ihm noch übrig von seinen Lehren? Haben die Affen die Lehren verzerrt, gar vergessen oder nutzen sie zu Radikalisierung? New Kingdom macht ein neues Kapitel in dem Franchise auf und macht trotz nicht ganz erreichter Höhen der Reihe, Lust auf mehr.

#10 Alles steht Kopf 2

Pixar hat mit Alles steht Kopf 2015 einen der besten Animationsfilme aller Zeiten geschaffen. Die Idee die Gefühlswelt des jungen Mädchens Riley als interaktive Kommandozentrale, in der die fünf Emotionen Freude, Traurigkeit, Wut, Ekel und Angst agieren, darzustellen, war und ist einfach bahnbrechend gut. Damals hob Pixar mit dieser innovativen Idee, dem tiefgründigen Humor und der emotionalen Tiefe die Messlatte wieder sehr hoch im Animationsgenre. Schon damals war allen klar – eine mögliche Fortsetzung muss einfach während der Pubertät der Hauptfigur Riley spielen und ich bin froh, dass man Pixar ebenso dachte.

Nun knapp 10 Jahre später bekommen wir die langersehnte Fortsetzung und auch wenn natürlich die Idee nicht mehr neu ist, gelingt es dem Studio wieder abzuliefern. Dadurch, dass die Funktionalität der Kommandozentrale bereits etabliert ist, hält sich der Film weniger mit Erklärungen auf und kann sich mehr auf die ereignisreichen Emotionsschwankungen der Pubertät konzentrieren. Pixar ergänzt hierbei die Hauptemotionen durch die Neulinge Zweifel, Neid, Peinlich und Ennui, die fortan Chaos stiften und die Kontrolle in Rileys Kopf übernehmen.

Alles steht Kopf 2 hangelt sich dabei an bekannten Strukturen des Originals entlang, trifft aber dennoch die emotionalen Momente zu jeder Zeit. Generell wird auch jeder Zuschauer sich wiederfinden können in den zahlreichen Gedankengängen und dargestellten Situationen die Riley durchlebt. Gerade auch die Inszenierung einer Panikattacke erhält viel Lob. Für mich ist Alles steht Kopf 2 ein gelungenes Sequel zu einem der besten Animationsfilme der Geschichte – auch wenn es dieses Jahr noch einen Animationsfilm gab, den ich ein stückweit besser fand. Finanziell hat der Film sich bereits die #1 des Jahres mit 1,7 Milliarden an den Kinokassen gesichert.

#9 Civil War

Alex Garlands Civil War ist ein düsteres, intensives Werk, das die Abgründe eines zukünftigen Bürgerkriegs in den USA auslotet. Inspiriert unter anderem von realen Ereignissen wie der Kapitol-Erstürmung 2021, kombiniert der Film hyperrealistische Darstellungen von Gewalt mit satirischen und genretypischen Elementen. Ich fand es gelungen, dass die Handlung einer Gruppe Journalisten folgt, die zwar als Chronisten des Konflikts agieren, aber sowohl mal als Verteidiger der Demokratie und mal als sensationshungrige Adrenalinjunkies dabei auftreten.

Gerade die Verbindung von Kirsten Dunst und Cailee Spaenys (gleich mit 2 Filmen in meiner Top15) Figuren, bilden hier das Rückgrat der Geschichte. Als Glücksgriff sollte sich auch die Verpflichtung von Kirsten Dunsts Ehemann Jesse Plemons herausstellen, der kurzfristig für einen anderen Schauspieler einsprang, der kurz vor den Dreharbeiten absagte und hier direkt mal für die intensivste Szene des Films sorgte.

Garland verzichtet über weite Strecken auf filmische Distanz und zeigt drastische Bilder wie Massenmorde, Folter und Selbstmordanschläge. Er zeigt wie Bilder Emotionen und Machtverhältnisse beeinflussen können.

Die dystopische Welt von Civil War wirkt beklemmend authentisch, was durch reale Dokumentaraufnahmen und glaubwürdige Inszenierungen verstärkt wird.

Civil War ist ein verstörender Film, der zugleich als politische Warnung über die Rolle von Medien und Gewalt dient. Für mich hätte er zwar noch ein wenig mehr wehtun können und gerne hätte ich noch mehr über die Fraktionen und neuen Machtverhältnisse erfahren, aber das wäre wohl schlicht nicht in der Kürze der Zeit möglich gewesen.

#8 Furiosa: A Mad Max Saga

Furiosa: A Mad Max Sagas größtes Problem ist, dass man ihn automatisch mit dem genialen, genrerevolutionierenden Mad Max: Fury Road vergleicht auch wenn das nicht immer ganz fair scheint. Im direkten Vergleich kann das Prequel zum 2015er Welthit nur verlieren, denn irgendwie kennt man natürlich den Bombast und hat sich auch an die Qualität gewöhnt so fies es auch klingen mag. Doch wenn man sich davon mal kurz löst, merkt man schnell, dass Furiosa: A Mad Max Saga immer noch mit 90% der anderen Action-Blockbuster den Boden aufwischt.

Die größte Kritik vieler an Fury Road war noch, dass der Film vergleichsweise wenig Geschichte hatte und als „größter U-Turn der Filmgeschichte“ beschrieben wurde. In Furiosa hat man jetzt genau das bekommen. Mehr Fleisch aufs Gerippe und weniger Action, was ab und zu bei der Lauflänge von 2,5h ein bisschen zäh wirken kann. Ich für meinen Teil war zwar insgesamt auch weniger geflasht als von einem Fury Road, aber nichtsdestotrotz hat Furiosa sehr viel Qualität zu bieten, egal ob im Worldbuilding, der Story, dem tollen Cast um Anya Taylor-Joy, Tom Burke und Chris Hemsworth oder auch den Action-Szenen. Ich habe den Film seit Veröffentlichung nun bereits mehrfach gesehen und für mich wurde er von Mal zu Mal besser. Er schafft es zwar nicht auf meine #1 des Jahres wie es Mad Max: Fury Road noch gelang im Jahr 2015, aber aus meiner Top15 lassen kann ich ihn auch nicht.

#7 Longlegs

Longlegs hatte vermutlich die beste Marketingkampagne des Jahres. Bewusst haben die Beteiligten die Spannung geschürt indem Sie den größten Namen des Films, Nicolas Cage, während der Werbekampagne nie gezeigt haben. Berichte wurden laut, wie gruselig und furchtbar Cages Transformation zum namensgebenden Longlegs wohl sei, aber es waren lange keine Bilder zu finden.

Auch Hauptdarstellerin Maika Monroe, berichtete, dass man Sie beim Filmdreh am Set bewusst von Cage fernhielt und Sie erst in der Szene zusammentreffen ließ, wie es auch im Film der Fall ist. Dabei hätte Monroes Herz wohl so laut gepocht, dass der Tonmann es hören konnte und man die Aufnahmen für das Marketing nutzte. Auch ihre erste Reaktion auf Cages Figur sei so wohl im fertigen Film gelandet. All das hat bei mir schon einen Hype ausgelöst, dass ich es kaum erwarten konnte Longlegs zu sehen. Regisseur Osgood Perkins erzeugt mit gezielter Bildsprache und minimalistischem Sounddesign ständige Bedrohlichkeit, selbst in scheinbar harmlosen Szenen. Maika Monroe brilliert als Agentin Lee Harker. Nicolas Cage liefert als Serienkiller eine unvergessliche Performance.

Longlegs überzeugt weniger durch klassische Horror-Elemente als durch die Symbiose aus Bild, Ton und Schauspiel. Die beklemmende Atmosphäre und die emotionale Intensität machen den Film so sehenswert. Im Endeffekt kam Longlegs für mich jetzt nicht an Klassiker wie Sieben oder Das Schweigen der Lämmer ran, aber spannend und weird war er dennoch zu hohem Maße.

#6 Die Unschuld

Als sich Saoris zehnjähriger Sohn Minato aus einem fahrenden Auto stürzt, wirft sein Verhalten eine Menge Fragen auf. Regisseur Hirokazu Koreeda beleuchtet im Film die Folgen und Gründe aus drei Blickwinkeln – der Mutter, des Lehrers und des Sohnes. Diese episodenhafte Erzählweise zeigt eindrücklich, wie voreilige Urteile unter Druck fatale Konsequenzen haben können.

Im letzten Drittel wechselt die Perspektive zu den Kindern, wodurch viele der vorherigen Ereignisse in neuem Licht erscheinen. Koreeda gelingt es hier die Geschichten auf Augenhöhe der Kinder zu erzählen. Die Darstellung der zarten Freundschaft zwischen zwei Kindern im Finale ist berührend, was vor allem auf das Schauspiel der herausragenden Kinderdarsteller Soya Kurokawa und Hinata Hiiragi zurückzuführen ist.

Themen wie gesellschaftliche Zwänge und die Vernachlässigung der Kinderperspektive werden intensiv beleuchtet. Der Film entfaltet eine Mischung aus emotionalem Drama und gesellschaftlichem Kommentar.

Erzählerisch fand ich diesen kleinen Film beeindruckend und durch die verschiedenen Sichtweisen spannend auch wenn man jetzt keinen Jahrhundertthriller oder ähnliches mit unfassbarem Twist erwarten sollte.

#5 Anora

Sean Baker, der sich in den letzten Jahren unter Cineasten mit seinen Filmen The Florida Project, Tangerine L.A. oder Red Rocket einen guten Ruf als Geheimtipp erarbeitet hat und bekannt dafür ist möglichst nah an seinen Milieustudien und Figuren dran zu sein und mitunter auf professionelle Schauspieler zu verzichten, ist auch dieses Jahr mit Anora wieder eine Mischung aus Drama, Satire und Sozialstudie gelungen, die mit Energie, Humor und einem Hauch Melancholie begeistert.

Auch in Anora geht es unter anderem wieder um das Leben eines Sexworkers mitsamt der positiven aber auch negativen Seiten. Während wir in der ersten Hälfte noch eine Art Cinderella-Story begleiten, können wir in der zweiten Hälfte mit ansehen, was passiert, wenn man bei Pretty Woman den Hollywood-Kitsch rausgelassen hätte. Trotz der überspitzten Dramaturgie der Handlung, gefiel mir vor allem der dreckige Realismus des Films und natürlich die mitreißende Performance von Hauptdarstellerin Mikey Madison (Scream V), die sich mit ihrer facettenreichen Darstellung der titelgebenden Anora nicht nur Chancen in der Award-Saison machen darf, sondern sich sicherlich auch für die nächsten Jahre die Projekte aussuchen kann.

#4 The Substance

Body-Horror, Drama, Satire, Gesellschaftskritik – das alles ist The Substance, einer der Geheimtipps dieses Jahr. Auch wenn der Schönheitswahn Hollywoods keine neue Erkenntnis ist, hat mir die Kritik daran – so wie man sie hier inszeniert hat – sehr gefallen.

Demi Moore zeigt hier nochmal, dass sie es doch noch draufhat und Margaret Qualley zementiert den Eindruck, dass man sie auch in den folgenden Jahren auf dem Schirm haben muss. Sehr gut haben mir auch die praktischen Effekte gefallen, die alles nahbarer und weniger künstlich gemacht haben.

Mehr will ich zum Film eigentlich nicht sagen, um nicht zu viel vorwegzunehmen. Einfach anschauen und Spaß haben.

#3 Konklave

Nach Edward Bergers oscarprämierten Oscarerfolg Im Westen nichts Neues, nimmt sich der deutsche Regisseur erneut einen Roman als Vorlage. Auch wenn Berger dieses Mal dem Ersten Weltkrieg den Rücken kehrt, ist sein Film nicht weniger spannend inszeniert.

Den Prozess einer Papstwahl im Vatikan hinter verschlossenen Türen hat viel vom Ränkespielchen eines Game of Thrones oder Die zwölf Geschworenen und gleichzeitig der Melodramatik einer Soap. Konklave spielt geschickt mit den Grenzen von Thriller, Politdrama und Satire. Es feiert das Überhöhte und das Pathos. Die Inszenierung betont den Konflikt zwischen Tradition und Moderne und überrascht immer wieder durch humorvolle und unkonventionelle Momente.

Immer wieder bricht Berger die vermutlich eingestaubten Vorstellungen einer solchen Konklave auf, wenn er zeigt, dass auch die konservativen Kardinäle beispielsweise Smartphones nutzen und Vapen. Die moderne Außenwelt hat auch in den abgeschotteten Vatikan Einzug gehalten. Zusammengehalten wird das spannende Drama von tollen darstellerischen Leistungen von unter anderem Ralph Fiennes oder Stanley Tucci.

Auch das durchaus kontroverse Ende hat mir gefallen und zum Nachdenken angeregt. Berger hat es wieder geschafft und wird vermutlich auch dieses Mal ein Wörtchen bei den Oscars mitsprechen.

#2 Der wilde Roboter

Chris Sanders’ Animationsfilm Der wilde Roboter, basierend auf Peter Browns Roman, kombiniert Ökologie, Humor und emotionale Tiefe zu einem charmanten Familienabenteuer. Vor allem die erste halbe Stunde des Films begeistert mit seinen rasanten Szenen und vor allem visuellem Humor.

Auch wenn der restliche Film nicht immer an die brillante Eröffnung herankommt, beleuchtet Der wilde Roboter auf emotionale, warmherzige und witzige Art und Weise unter anderem den Kreislauf der Natur. Für mich ist Der Wilde Roboter der beste Animationsfilm des Jahres auch wenn er natürlich nicht mit den Einspielergebnissen der großen Konkurrenz mithalten kann.

#1 Dune: Part Two

Denis Villeneuve hatte mit „Dune“ bereits bewiesen, dass der als „unverfilmbare Stoff“ als den man Frank Herberts Sci-Fi-Roman „Der Wüstenplanet“ jahrzehntelang betitelte, mit dem nötigen Kleingeld und einer klaren Vision umsetzbar ist. Seine Entscheidung den Roman in zwei Teilen zu adaptieren, um die umfangreiche Geschichte angemessen zu erzählen, ist insgesamt gesehen die richtige Entscheidung gewesen – auch wenn das natürlich bedeutete, dass der erste Film sich manchmal wie ein sehr hochwertiger Teaser anfühlte und den Zuschauer am Ende mit einem Cliffhanger und dem Wunsch nach der Fortsetzung dürstend zurückließ. Der zweite Teil endet zwar ebenfalls auf einem Cliffhanger, der Wunsch von Villeneuve einen dritten Film zu drehen ist allseits bekannt, jedoch ist die Geschichte nach diesen zwei Teilen soweit abgeschlossen, dass man deutlich zufriedener den Kinosaal verlässt und zur Not – falls niemals der dritte Film Dune: Messiah produziert werden sollte – eine weitestgehend runde, fertige Geschichte und zwei Filme hat.

Dune: Part Two taucht nun deutlich tiefer in die komplexe Handlung ein und übertrifft den Auftaktfilm in jeder Hinsicht. Storytechnisch geht es nahtlos weiter, wo der erste Teil aufhörte und wir begleiten Paul und seine Mutter Jessica, wie sie sich, jeder auf seine Art, den Gepflogenheiten der Fremen annehmen und in ihren Rängen aufsteigen. Diesem Teil der Geschichte wird die meiste Zeit eingeräumt und dabei auf so eine interessante Weise erzählt. Zugegeben: einen Messias- und Auserwählter-rettet-alle-Trope ist bei weitem nichts neues, aber so facettenreich und interessant habe ich ihn selten erlebt. Die Entwicklung die Timothee Chalamets, Rebecca Fergusons und Zendayas Charaktere durchmachen war fantastisch.

Dabei gelingt es Regisseur Villeneuve, Kameramann Greig Fraser und Komponist Hans Zimmer ein audiovisuelles Erlebnis zu schaffen, das mit beeindruckenden Bildern und eindringlichen Klängen immersiv ist und überwältigt. Die Szene als es darum geht einen Sandwurm zu bändigen ist aufregend und imposant inszeniert, hier merkt man, dass es alleine drei Monate Arbeit für diesen Moment benötigte. Für mich ist es aber vor allem das letzte Drittel des Films, das so viele epische Momente und Bilder erzeugte, so dass ich kaum noch aus dem Staunen kam. Hier entschied sich Villeneuve klar dafür auch mal Fünf gerade sein zu lassen und die Kraft der Bilder über eine 100%ige kohärente Logik zu stellen, aber im Gegensatz zu vielen mittelmäßigen Actionfilmen, kann man es hier akzeptieren, weil der Pay-Off, das was man dafür im Gegenzug bekommt, zum Besten gehört, was man bislang gesehen hat.

Dune: Part Two taucht auch tiefer in Themen wie Umwelt, Kolonialismus und Religion ein und führt auch eine Handvoll neuer Figuren ein, wie Christopher Walkens Imperator , Florence Pughs Prinzessin Irulan, Lea Seydoux‘ Lady Margot Fenring, Anya Taylor-Joys Alia oder Austin Butlers soziopathischen Mörder Feyd-Rautha, der zwar ein faszinierendes Charisma besitzt, aber wie alle neuen Figuren unterentwickelt bleibt und nur wenig Screentime bekommt. Viele Hintergrundinformationen zur Motivation der Charaktere gibt es also nicht – was ich mir zwar anders wünschen würde, aber noch so akzeptieren kann. Zumal das soweit ich gehört habe in den Büchern auch nicht immer besser gelöst sein soll.

Dafür bekommen wir ein genaues Bild der Fremen gezeichnet, die unabhängigen Krieger sind aufgeteilt in einen weitestgehend pragmatischen Stamm im Norden und einen eher fundamentalistischen Stamm im Süden, der nur zu gerne an die prophetische Geschichte eines rettenden Messias glauben möchte, der sie ins Paradies führt. Den ganzen Zwiespalt über Glaube und Pragmatismus sowie der Hoffnung aber auch Angst vor einem Messias lernt der Zuschauer vor allem durch Zendayas Chani kennen, die für mich das eindrücklichste Zitat des Films liefert.

Want to control people? Tell them a Messiah will come and they’ll wait.

– Chani (Zendaya) in Dune: Part Two

Während sie im ersten Film noch völlig nebensächlich war, wird sie im Verlauf des zweiten Films mit zunehmender Spielzeit immer mehr die Linse durch die wir Zuschauer das Geschehen wahrnehmen. Ihre zarte Liebesgeschichte mit Paul wird zurückhaltend, aber gefühlvoll erzählt, während beide mit Zweifeln, Ängsten und der Last auf ihren Schultern kämpfen. Herausragend verkörpert von Chalamet und Zendaya, die mit dieser Geschichte der zentrale Ankerpunkt des Films sind und ihn mühelos tragen.

Da ich euch nur Appetit auf den Film und ihn euch nicht in Gänze vorkauen möchte, belasse ich es hierbei und werde nicht weiter in Spoiler abdriften.

Dune: Part Two endet zwar mit einem Cliffhanger, der die Erwartungen an einen dritten Teil, „Dune Messiah“, steigert, doch rundet die Geschichte nach zwei Filmen weitestgehend ab. Villeneuve gelingt eine herausragende Fortführung des ersten Teils, die Science-Fiction-Kino auf höchstem Niveau bietet und mit phänomenalen Bildern, Soundtrack und Cast alles bietet, was das Filmherz begehrt.

Meine Flop 15 aus dem Jahr 2024

#15 Vaiana 2

Ursprünglich war mal angedacht, dass eine Fortsetzung zu Moana als Serie für Disney+ erscheint, doch – das muss man bei 833 Millionen $ weltweiten Einnahmen neidlos anerkennen – entschied man sich dann doch nochmal um zu einem weiteren Kinofilm. Moana 2 / Vaiana 2 ist also der vierterfolgreichste Film des Jahres an den Kinokassen, doch inhaltlich hat mich die Fortsetzung völlig kalt gelassen.

Erstens fühlt es sich wie ein Aufguss des ersten Teils an, zweitens sind die Songs schlechter und drittens kocht der Film auf emotionaler Sparflamme. Technisch kann man denke ich nichts bemängeln und Vaiana 2 sieht optisch wieder hervorragend aus und man bekommt die gewohnte Qualität vorgesetzt. Die Musik jedoch bleibt wenig im Gedächtnis wie auch die neuen Team-Ergänzungen, die zwar allesamt durchaus Potential haben, aber in diesem Film noch völlig unterentwickelt bleiben und maximal als Slapstickeinlage taugten.

Auch Vaiana 2 deutet wieder auf einen größeren Antagonisten hin, den wir hier aber noch kaum zu sehen bekommen und in dem wohl unausweichlichen dritten Teil genauer beleuchten werden. Moana 2 mag einer der finanziell erfolgreichsten Animationsfilme des Jahres sein, aber definitiv nicht mein liebster. Ich bin gespannt was die Liveaction-Adaption taugen wird.

#14 Gladiator 2

Gladiator 2 ist jetzt kein furchtbarer Film, aber irgendwie einfach sehr enttäuschend. Man hat eigentlich die gesamte Laufzeit das Gefühl, man würde ein Remake des Originals sehen, nur dass einem die blassen Charaktere egal bleiben, da sie nie wirklich eine Entwicklung erfahren. Der Cast ist krass, aber irgendwie verschenkt. Die Effekte, vor allem was die CGI-Tiere im Kolosseum angeht, sind so mies für dieses Budget und bei Denzel Washington hat man irgendwie auch das Gefühl er würde eigentlich in einem anderen Film spielen als alle anderen Darsteller – was ihm sogar merkwürdiger weise im Award-Rennen hilft.

#13 Mufasa: The Lion King

Wie sollte es auch anders sein, aber die Weihnachtsfeiertage werden von Disneyfilmen dominiert. Neben Moana bekam auch das Der König der Löwen Live-Action Remake eine Fortsetzung spendiert. Beziehungsweise handelt es sich eher um ein Prequel. Wir bekommen nun also erklärt wie Mufasa einst den Thron bestieg. Regie führte diesmal Barry Jenkins (Moonlight). Mufasa: The Lion King kann wie erwartet nicht mit der Originalvorlage mithalten, obwohl permanent das Gefühl aufkommt, bereits Vertrautes zu sehen. Die einzelnen Stationen unseres jungen Mufasas wirken schon sehr ähnlich zu denen seines Sohnes in Der König der Löwen. Die neuen Songs, dieses Mal geschrieben von Lin-Manuel Miranda (Vaiana, Hamilton) kommen nicht annähernd an die Klasse der altbekannten Songs heran.

Mufasa tappt leider auch in die typische Prequel-Falle uns Antworten zu geben auf Fragen, die niemand stellte. Wie kommt Rafiki an seinen Stab? Wie kommt Scar zu seinem Namen? Warum ist Scar eigentlich so ein Miesepeter im Klassiker von 1994? Letzteres kommt dann auch so sprunghaft und unglaubwürdig, so dass man es auch gleich hätte sein lassen können. Auf Krampf werden dann auch noch Timon und Pumba in die Story gequetscht, um es irgendwie zu rechtfertigen sie als Merchandiseartikel auch dieses Jahr wieder anzubieten. Alles in allem ist Mufasa ein okayes Prequel, das niemand gebraucht hat und ich frage mich, was wir stattdessen von Barry Jenkins hätten kriegen können

#12 Argylle

Matthew Vaughns neuster Film Argylle kommt für mich längst nicht an seine früheren Werke wie Kingsman 1 & 2, Kick-Ass oder First Class ran. Man merkt zwar, dass hier alles wieder darauf ausgelegt wird, eventuell ein Franchise zu gründen, aber hoffen wir es mal nicht. Man hat hier wieder so viel Geld für diesen Spionagefilm verbrannt, der weitestgehend seinen namenhaften Cast verschwendet und den Zuschauer mit Comedy-Einlagen drangsaliert, die selten ins Schwarze treffen. Ein, zwei kreative Actionszenen wie wir es von Vaughn gewohnt sind, findet man auch hier, aber das reicht meiner Meinung nach nicht aus um sich die restlichen 130 Minuten auch noch zu geben.

#11 Kraven: The Hunter

Was passiert, wenn nur Corporate Guys in Anzügen über die Ausrichtung eines Filmstudios entscheiden, sieht man dieses Jahr besonders schön an Sony. Denn bei Sony dachte man sich, wenn wir schon die Rechte an unserer wertvollsten Marke Spider-Man dauerhaft an Disney ausleihen und ihn quasi in unseren Filmen nicht verwenden dürfen, dann versuchen wir dennoch in dessen Fahrwasser ein ganzes Cinematic-Universe aufzuziehen, das sich um Gegenspieler aus den Spider-Man Comics handelt – ohne dass sie jemals auf diesen treffen werden. Und damit könnte man im Zweifel ja noch leben, wenn die Filme für sich was draufhätten.

Von den drei diesjährigen Beiträgen war Kraven: The Hunter noch der erträglichste. Durch das R-Rating bekommt man 1-2 gute Actionmomente und an Hauptdarsteller Aaron Taylor-Johnson liegt der Flop auch nicht unbedingt. Viel mehr sind es die teils billigen Effekte (Rhino – really?), die offensichtlich nachsynchronisierten Dialoge, was glaube so ein Fetisch bei Sony ist, ein wirres Drehbuch und die Feigheit Kraven nicht zu einem Bösewicht zu machen. Stattdessen ist man die gesamte Laufzeit auf seiner Seite, er tötet nur Gangster, er rettet sogar Tiere und Umwelt und man kann gar nicht auf den Gedanken kommen, dass er einem Spider-Man das Leben zur Hölle machen soll. Welche Zielgruppe will man damit abholen?

#10 Venom 3: The Last Dance

Es ist mir bis heute ein Rätsel wieso die Venom Filme alle so finanziell erfolgreich waren. Abgesehen von Tom Hardys inneren Kampf mit Venom, gab es für mich nicht viel was sich lohnt. Die eigentlich nötige r-rated Action und Härte hat man weichgespült, die Story war eher generisch und die Antagonisten langweilig.

Die typische Sony Planlosigkeit wird bereits direkt zu Beginn von The Last Dance deutlich, wenn der Film, die am Ende des zweiten Teils aufgemachte Multiverse-Thematik, einfach direkt wieder rückgängig macht. Ups, just kidding. Genauso furchtbar finde ich es, wenn immer ein großer Bösewicht angeteast wird, der dann im gesamten Film aber nur 30 Sekunden Screentime bekommt. Hier und da bekommt der Film am Ende seinen emotionalen Abschluss, aber alles in allem ist Venom 3: The Last Dance ziemlich belanglos und forgettable. Man wird nur schwer das Gefühl los, dass hier mehr drin gewesen wäre.

#9 All my friends are dead

Eine Gruppe von Freunden macht sich auf zu einem Music-Festival als sie notgedrungen in einem Airbnb notstranden müssen und sie dort nach und nach dem Todsünden-Killer in die Fänge geraten. Da der Film von Regisseur Marcus Dunstan ist, der auch die ersten beiden Collector-Filme gedreht hat, die ich recht spaßig und unterhaltsam fand, sowie uns hier ein klassischer Teenie-Slasher erwartet, war ich zumindest leicht interessiert – auch wenn es sich hier um eine B-Movie-Produktion handelt. Was ich letztlich bekam war jedoch ein sehr uninspirierter Film, der es ernsthaft schafft nicht eine sympathische Figur zu haben. Jeder Charakter ist einfach zu jedem Zeitpunkt nur maximal dumm und nervig. Und klar: sicherlich braucht es bei einem Teenie-Slasher auch solche Figuren, um gegebenenfalls mal ein „Fuck yeah!“ rauszulassen, wenn der Mörder ein weiteres Opfer abmurkst, aber genauso braucht ein guter Slasher auch Figuren mit denen man irgendwo mit fiebert, sich mit ihnen identifiziert und hofft, dass sie in typischer Scream-Queen-Manier am Ende dem tödlichen Schicksal entrinnen. Doch absolute Fehlanzeige.

Enttäuschender Weise kommen hier nun auch noch lieblose und unkreative Kills dazu, die dem Film auch hier keinen Mehrwert bringen. Wenn ich an Collector 2 denke, wo eine riesige Stachelwalze von der Decke eines Clubs hängend hunderte Clubgänger platt gemacht hat, ist man hier weit entfernt von denkwürdig. Natürlich gibt es zum Ende hin noch die typischen 0815-Twists, die man bereits meilenweit gegen den Wind gerochen hat und einen möglichen Teaser für einen Nachfolger – dessen Prämisse jedoch wieder ganz witzig sein könnte.

#8 Megalopolis

Francis Ford Coppola, der uns unter anderem mit Pate 1 + 2 sowie Apocalypse Now absolute Klassiker geschenkt hat, die für ewig in den Bestenlisten sämtlicher Cineasten auftauchen werden, kann nun nach 40 Jahren sein absolutes Herzensprojekt umsetzen. Für sein ambitioniertes Science-Fiction-Epos Megalopolis hat er sein eigenes Geld vorstrecken müssen, gar vom anteilhaften Verkauf seines Weingutes ist die Rede, um überhaupt den Film drehen zu können, der am Ende über 120 Millionen verschlungen hat.

Raus kam ein Film wie ein Unfall. Ist es ein weiteres Meisterwerk, das man vielleicht erst in 10 Jahren zu schätzen weiß? Ist es zu ambitioniert? Ist es nur das schwachsinnige Hirngespinst einer einstigen Regielegende, die sich nicht von seiner eigenen Idee trennen konnte? Ist es einfach nur prätentiöser Mist? Klar sagen kann man es nicht und vermutlich ist es ein Mix aus allem. Die Besetzung ist klasse und gerade eine Aubrey Plaza wusste herauszustechen, aber ob die Darsteller zu irgendeiner Zeit während des Drehs wussten, was genau sie da eigentlich gerade machen und drehen, halte ich fast für eine Gerücht.

Dieser CGI-Brei, diese Dialoge…die gesamte Geschichte lassen nur eine Frage zu: waruuuuum? Da sind teilweise so absurde Szenen dabei wie das Ableben einer bestimmten Figur, die so out of place wirkte, dass man davon ausgehen muss, dass niemand Coppola mal ein echtes Feedback zum Drehbuch gegeben hat. Alles in Allem ist Megalopolis peinlich und eine absolute Schmach für jemanden wie Coppola. Dass der Film natürlich ein gigantischer Millionenflop ist, der weit über 100 Millionen verbrannt hat, kommt nicht überraschend. Übrigens erinnert der Fall auch an Kevin Costners 3 teiliges Western-Epos Horizon, dass er als jahrzehntelang gehegtes Wunschprojekt dieses Jahr mit seinem eigenen Geld produziert hat und gnadenlos unterging an den Kinokassen mit Teil 1. Horizon war definitiv besser als Megalopolis, aber Flops sind sie gleichermaßen.

#7 The Crow

Das The Crow Original mit Brandon Lee, der damals tragischerweise am Set verstarb, ist für viele ein Kultklassiker. Ich persönlich habe keine so enge persönliche Verbindung zu diesem Film wie andere. Nichtsdestotrotz bin auch ich von diesem Remake, das so lange in der Entwicklungshölle schmorrte und durch etliche Versionen von Drehbüchern und Besetzungen ging, enttäuscht.

Für mich hatte The Crow einige Probleme im Pacing und verbringt viel Zeit damit uns eine völlig unglaubwürdige Beziehung zu zeigen von zwei Personen, denen wir ohne Grund abnehmen sollen, dass sie nach 5 Minuten und einem halben Dutzend kitschigen Kalendersprüchen unendlich verliebt in einander sind. Wenn man dann diesen Teil der Geschichte durchgestanden hat und sich auf die R-rated Action freut, dann wird man leider auch hier eher enttäuscht. Hier war mehr drin.

#6 Red One

Leider regt es mich nur noch auf was The Rock in den letzten Jahren abliefert in Hollywood. Es wird von Film zu Film schlechter, aber gleichzeitig macht er mit einer Arroganz und Selbstgefälligkeit weiter und sieht die Probleme nie bei sich oder seinen Filmen. Red One ist angelegt als gigantisches Weihnachtsfranchise, doch schon der erste Teil ist geplagt von Problemen.

Bei einem Budget von mehr als 250 Millionen $, sollen wohl allein ein Fünftel davon an The Rock gegangen sein. 50 Millionen Gehalt für einen 0815 Film? Ist das nötig? Und auch das restliche Geld sieht man Red One zu keiner Sekunde an. Die Qualität des CGI ist mitunter so kacke, dass man die Vermutung anstellen muss, ob die ganze Produktion kein Scam zur Geldwäsche war. Das ist natürlich wenig vorteilhaft, wenn 99% des Films aus dem PC kommen.

Die Geschichte ist auch minderwertig, was zunächst für einen Weihnachts-Family-Film nicht gleich das Todesurteil sein muss, jedoch gelingt es dem Drehbuch zu keiner Zeit auch nur ein Hauch von Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Da versprüht selbst der barfüßige John McClane im Nakatomi Plaza bei Stirb Langsam mehr Christmasspirit. Konflikte wie die zwischen Chris Evans Figur und seinem Sohn werden so faul eingeführt und aufgelöst, dass es mir als Zuschauer nicht egaler sein konnte. Insgesamt einfach ein sehr schwacher Film, der hoffentlich keine weitere Fortsetzung erhält.

#5 & #4 Netflix-Trash à la Atlas / The Union / Lift / Rebel Moon Part 2 / Damsel / Der Schacht 2

Da ich mich nicht entscheiden konnte welche Netflix-Gurke ich hier stellvertretend für all die miesen Netflix-Produktionen dieses Jahr in die Liste packen soll, nutze ich diesen Platzhalter einfach gleich für alle. Natürlich gibt es jedes Jahr auch ein paar gelungene Eigenproduktionen, so kann ich euch Rebel Ridge oder auch Carry-On aus 2024 empfehlen, die ohne aufgeblasenes Budget aber dafür mit solidem Script überzeugen konnten.

Doch primär soll es hier um die Flops des Jahres gehen und Netflix hat mit Jennifer Lopez Atlas, Kevin Harts Lift, Mark Wahlbergs The Union, Millie Bobby Browns Damsel und natürlich Zack Snyders Rebel Moon Part 2 gleich fünf so miese Streifen produziert, die alle gewisse Ähnlichkeiten aufweisen: Große Namen, furchtbare Drehbücher und 0815 Schauspiel. Einer liebloser als der andere. Der Schacht 2 fällt aus dieser Liste raus, weil er nicht aus denselben Gründen kacke ist wie die anderen Filme, aber zumindest war nach dem guten ersten Teil ein mieser Nachfolger.

Da Netflix die Filme eh in euren Algorithmus boosted und ihr sie vielleicht schon gesehen habt, kommt der Appell vermutlich zu spät. Falls nicht: Don’t Watch!

#3 Borderlands

Nachdem wir in den letzten Jahren mit bspw. dem Super Mario Film, der es 2023 noch in meine Top-Liste schaffte, den Serien zu Fallout, The Last of Us, Castlevania oder Arcane/League of Legends, echt verwöhnt wurden mit guten Adaptionen von Games, dachte man in der Gaming-Community, dass die Studios es endlich raushätten wie man Spiele für die große Leinwand umsetzt. Doch dann kam Borderlands.

Der Film ist in allen Belangen ein Mysterium für mich. Ein Budget von mehr als 120 Millionen $, die Entscheidung Eli Roth als Regisseur zu nehmen und wie zum Teufel man diesen Cast, vor allem Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett, verpflichten konnte, bleibt absolut crazy. Das kann nur mit Erpressung funktioniert haben. Diese Aspekte gepaart mit etlichen Verzögerungen (2 Jahre!), miesem Drehbuch, Nachdrehs und billigen Effekten ergeben insgesamt einen furchtbaren Actionfilm, den in diese Qualität wirklich niemand mehr braucht in 2024

#2 Madame Web

Tja, das macht dann 3 von 3. Der Sony CEO äußerte sich vor wenigen Tagen sehr überrascht über die vernichtenden Kritiken und Einspielergebnisse von Kraven und Madame Web, schließlich handelt es sich doch um gute Filme, die auch auf Netflix erfolgreich waren. Meine Stirn tut vor lauter Facepalm immer noch weh. Dieses völlig planlose Cinematic Universe zu verteidigen, ist schon hart, aber nicht zu verstehen, dass a.) Netflix neue Releases pusht und viele Leute einfach alles schauen, was neu erscheint, b.) viele Leute nach einem solchen Flop und Verriss einen Film wie Madame Web hatewatchen, um zu checken, ob es sich wirklich um so einen Unfall handelt.

Madame Web ist auf so vielen Ebenen schlecht. Erstmal ist das Ding eine Mogelpackung par excellence. Wir bekommen im Trailer Teaser gezeigt, wie die Darsteller in ihren Superheldenanzügen aussehen und man geht davon aus, dass man das im Film bekommt und dann handelt es sich um einen Traumsequenz Cop-Out, quasi einen Teaser was irgendwann mal sein könnte und das find ich schon frech. Genauso frech wie das penetranteste Productplacement des Jahres von Pepsi. Nicht nur wird permanent Pepsi getrunken und in die Kamera gehalten, es findet der Antagonist auch sein jähes Ende durch ein gigantisches Pepsi Werbeschild. Yikes.

Hinzu kommt noch ein absolut hanebüchenes Drehbuch und eine gelangweilte Dakota Johnson, die sich selbst spielt und bereits vor Veröffentlichung über den Film herzog. Auch der krampfhafte Versuch Spider-Man Lore einzubauen, aber ohne dabei Peter Parker oder Spider-Man zu erwähnen, ist wohlwollend ausgedrückt witzig. Wenn man nun noch dazu erwähnt, dass der Bösewicht des Films, Tahar Rahim, anscheinend einen so starken Akzent und undeutliche Art und Weise des Schauspiels hatte, das man nahezu alle Szenen von ihm neu synchronisieren musste im Original und Texte aus dem Off einsprechen musste. Madame Web ist eine shitshow sondergleichen und definitiv einer der schlechtesten Filme des Jahres 2024.

#1 Joker 2: Folie à Deux

Den Fall „Joker 2: Folie à Deux“ wird man noch auf Jahre an Filmschulen studieren habe ich das Gefühl. Während der erste Teil über eine Milliarde an den Kinokassen einspielte bei einem Budget von nur 55 Millionen, von Kritikern und Zuschauern weitestgehend geliebt wurde und Joaquin Phoenix einen Oscar einbrachte, ist der zweite Teil ein absolutes Desaster. Das Budget ist aus mir unerklärlichen Gründen plötzlich bei 200-300 Millionen Dollar – Geld was der Film nicht mal eingespielt hat.

Zudem ist der Film von allen Seiten völlig verrissen worden. Bei Rotten Tomatoes beispielsweise steht der Score bei Kritiker bei knapp 31% und bei den Zuschauern bei 32%, was ein absoluter Reinfall ist. Doch woran liegt das genau? Die Produktionsgeschichte ist schon ein wenig verrückt, weil eigentlich sowohl Regisseur Todd Phillips sowie auch Hauptdarsteller Phoenix keine Fortsetzung drehen wollten. Doch nach dem unfassbaren Erfolg, muss das Studio alles in die Waagschale geworfen haben, um doch noch einen zweiten Teil zu bekommen.

Ich nehme an es war eine absolute Carte Blanche für Phillips. Budget egal, Story egal – Hauptsache er und Phoenix sind wieder dabei. Und so stimmten alle Beteiligten doch zu, aber Infos zum Film wurden immer verrückter. Gerüchte darüber, dass es sich um ein Musical handeln würde, wurden später bestätigt usw. Und ja, es handelt sich hierbei auch um eine Art Musical. Das find ich persönlich noch nicht so furchtbar, weil man es storytechnisch für den Charakter erklären könnte. Doch leider gab es trotz der talentierten Lady Gaga keine originären Songs, sondern es handelte sich um ein Jukebox-Musicals, also wurden einfach bekannte Songs irgendwie in die Geschichte eingeflochten.

Doch nicht einmal hatte ich das Gefühl es würde dem Film etwas bringen, sie waren eigentlich nur störend und wirkten repetitiv. Wo bei gefühlten 3 Sets 200 Millionen Dollar hingeflossen sein sollen ist mir auch ein Rätsel. Trotz einer Laufzeit von mehr als 2h, hat die Geschichte so wenig zu bieten und irgendwie fragte ich mich einfach nur, wozu wir diesen Film nun brauchten.

Gerade wenn man das Ende betrachtet, kommt es einem einfach so vor als ob Todd Phillips hier auf einer perfiden Metaebene hin, bewusst alle Hoffnungen und Vorstellungen der größten Fans des ersten Teils an eine Fortsetzung mit Füßen treten und Ihnen, sowie dem Filmstudio den Mittelfinger zeigen wollte. Natürlich wäre ein solcher Prank viel zu aufwendig – aber so ganz kann man sich diesen Film sonst nicht erklären. Man hat es auch einfach geschafft dem ersten Teil nachträglich zu schaden. Den Darstellern sowie der Inszenierung würde ich die geringsten Vorwürfe machen, am Ende war es einfach eine kreative (Fehl)entscheidung und somit ein schwaches Drehbuch. Ich bin gespannt was man über den Film und die Behind-the-Scenes in 5 Jahren sagen wird.

And the Oscar 2024 goes to..

Es ist endlich wieder soweit: in wenigen Stunden werden die Oscars in Los Angeles verliehen. Es ist mittlerweile die 96. Verleihung des prestigeträchtigsten Filmpreises der Welt, den Academy Awards. Mein Event-Highlight des Jahres.

Oscars 2023 – was ist passiert

Im Vergleich zum Oscar-Slap 2022, waren die Verleihung im letzten Jahr weniger skandalös aber dennoch sehr geil. Das lag vor allem daran, dass unfassbar viele tolle Geschichten erzählt wurden, so als ob es ein Drehbuch gab. Nicht nur räumte mit „Everything, Everywhere All At Once“ ein Film ab, der so fern von jeglichem, altbekannten Oscar-Regeln war, es gab auch zeitgleich viele Comebacks.

Ke Huy Quan, den wir als Kinderschauspieler in „Die Goonies“ oder Indiana Jones 2 kennenlernten und der wie viele Schauspieler aufgrund des Fehlens weiterer großer Rollen das Schauspiel schon aufgab, kam zurück nach Hollywood und gewann „Bester Nebendarsteller“. Noch berührender war Brendan Fraser, der für Jahre auf der vermeintlichen Black List Hollywoods landete, weil einflussreiche Produzenten, die er der sexuellen Belästigung beschuldigte, ihm seine Karriere zerstörten. Auch er kam zurück mit The Whale, wo man gefühlt in jeder Sekunde diesen Schmerz spüren konnte.

Und zu guter Letzt war da noch Michelle Yeoh, die als erste asiatische Schauspielerin den Preis als „Beste Hauptdarstellerin“ entgegennahm und Geschichte schrieb. Es waren einfach die most wholesome Oscars.

Was darf man von den 96. Academy Awards erwarten?

Zurückkommen wird Late-Night-Host Jimmy Kimmel, der nun zum zweiten Mal in Folge und zum vierten Mal insgesamt durch den Abend führen wird. Es wird daher vermutlich weniger politisch werden und mehr Fokus auf der Filmbranche liegen.

Die Frauen schreiben weiterhin Geschichte. Greta Gerwig schafft es als erste Regisseurin mit ihren ersten drei Solofilmen jeweils für „Bester Film“ nominiert zu sein. Lily Gladstone ist die erste native american Schauspielerin, die als „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert wurde und mit Greta Gerwig, Celine Song und Justine Triet schaffen es erstmals drei Frauen gleichzeitig einen Film in der Kategorie „Bester Film“ zu haben.

Fans dürfen sich außerdem auf den Auftritt von Billie Eilish freuen, die ihren nominierten Song „What was i made for?“ von Barbie performen wird. Auch Ryan Gosling wird mit „I’m just Ken“ aus Barbie für reichlich Spektakel sorgen.

Snubs & Surprises

Biggest Snubs:
Bester Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio für Killers of the Flower Moon & Dominic Sessa für The Holdovers
Beste Hauptdarstellerin: Margot Robbie für Barbie & Greta Lee für Past Lives
Bester Nebendarsteller: Charles Melton für May December
Beste Regie: Greta Gerwig für Barbie, Celine Song für Past Lives
Bester Song: Dua Lipa mit „Dance the Night“ für Barbie, Jack Black mit „Peaches“ für Super Mario Bros Movie
Filme: Spider-Man: Across the Spider-Verse und Der Super Mario Bros. Film wurden teils nahezu komplett ignoriert. Während Spider-Man durchaus hätte bei Bester Film landen können, wäre für Mario immerhin eine Bester Song Nominierung oder Bester animierter Film drin gewesen

Biggest Surprises:
Godzilla stampft ins Oscar-Rennen: Toho, die Urväter der Riesenechse schaffen es überraschend mit ihrem lowbudget „Godzilla Minus One“ nicht nur Kritiker und Fans glücklich zu machen, sondern auch die Academy, die sie mit einer Nominierung für die „Besten visuellen Effekte“ belohnt.
Eine deutsche Schauspielerin als Beste Schauspielerin nominiert: Sandra Hüller hatte ein phänomenales Jahr und belohnt ihre tolle Arbeit mit einer Oscar-Nominierung. Das gelang einer Deutschen das letzte Mal 1938.
Das Lehrerzimmer für „Besten internationalen Film“ nominiert: Den Sieg wie letztes Jahr „Im Westen nichts Neues“ wird „Das Lehrerzimmer“ nicht holen, aber am Ende mit diesem Geheimtipp (siehe meine Top15 2023) nominiert zu sein, hätte kaum einer gerechnet und das ist doch trotzdem ein Gewinn.

Beste Nebendarstellerin / Actress in a Supporting Role

Emily Blunt (Oppenheimer) | Danielle Brooks (The Color Purple) | America Ferrera (Barbie) | Jodie Foster (Nyad) | Da’Vine Joy Randolph (The Holdovers)

Wahrscheinlich: Da’Vine Joy Randolph / America Ferrera Wunsch: Da’Vine Joy Randolph / Emily Blunt
Da’Vine Joy Randolph ist hier seit längerem die Favoritin in dieser Kategorie und das auch völlig zu recht. Wenn hier jemand die Überraschung schafft, dann doch bitte eher Emily Blunt für Oppenheimer und nicht America Ferrera für Barbie.

Bester Nebendarsteller / Actor in a Supporting Role

Sterling K. Brown (American Fiction) | Robert De Niro (Killers of the Flower Moon) | Ryan Gosling (Barbie) | Robert Downey Jr. (Oppenheimer) | Mark Ruffalo (Poor Things)

Wahrscheinlich: Robert Downey Jr. / Wunsch: Mark Ruffalo
Robert Downey Jr. gilt als sicherer Wahl auf diesen Oscar. Völlig in Ordnung wenn er die Auszeichnung am Ende wie erwartet mitnimmt und dann auch seinen Kritikern mal wieder beweist, dass er nicht nur den lustigen Playboy spielen kann, sondern auch ernsthaftere Rollen. Lustiger Weise würde ich es auch einem Mark Ruffalo gönnen, dem genau das umgekehrte Kunststück gelingt, eine so super witzige und armselige Figur zu verkörpern, die weit von seinen sonst eher dramatischen Rollen abweicht und eine weitere Facette seines Schauspielkönnens zeigt.

Beste Hauptdarstellerin / Actress in a Leading Role

Annette Bening (Nyad) | Lily Gladstone (Killers of the Flower Moon) | Sandra Hüller (Anatomie eines Falls) | Carey Mulligan (Maestro) | Emma Stone (Poor Things)

Wahrscheinlich: Lily Gladstone / Emma Stone Wunsch: Emma Stone / Sandra Hüller
Lily Gladstone war hier seit Wochen und Monaten die Frontrunnerin und hat gute Chancen als erste indigene Schauspielerin diese Kategorie zu gewinnen. Wenn ihr einer den Preis streitig machen kann, dann wird es wohl Emma Stone sein, die nach La La Land ihren zweiten Oscar abräumen könnte. Als weltgrößter „Emma Stone“-Fan, kann ich nicht ganz aus meiner Haut und wünsche ihr den Goldjungen. Auch eine Sandra Hüller muss sich nicht verstecken und ist glaube ich nicht so chancenlos auf die Überraschung des Jahres, wie man vielleicht denkt.

Bester Hauptdarsteller / Actor in a Leading Role

Bradley Cooper (Maestro) | Colman Domingo (Rustin) | Jeffrey Wright (American Fiction) | Paul Giamatti (The Holdovers) | Cillian Murphy (Oppenheimer)

Wahrscheinlich: Cillian Murphy / Paul Giamatti / Wunsch: Cillian Murphy / Paul Giamatti
Seine erste Hauptrolle in einem Christopher Nolan Film, wird Cillian Murphy vermutlich mit dem Oscar versüßen. Er ist seit Monaten der Frontrunner für den Besten Hauptdarsteller. Einzig Paul Giamatti kann ernsthaft noch das Duell mit Murphy eingehen und ein wenig auf den Upset schielen. Als langjähriger Fan beider Darsteller gönne ich es ihnen beiden.

Bester Film / Best Picture

American Fiction | Anatomie eines Falls | Barbie | The Holdovers | Killers of the Flower Moon | Maestro | Oppenheimer | Past Lives | Poor Things | The Zone of Interest

Wahrscheinlich: Oppenheimer / Poor Things

Wunsch: Poor Things / Anatomie eines Falls
Oppenheimer. Es sollte Oppenheimer werden. Christopher Nolans Film über den Vater der Atombombe dominierte die Award-Saison mit mehr als 300 Siegen und ist bei 13 Nominierungen der haushohe Favorit. Der Film schaffte es in meiner Top 15 des Jahres 2023 auf Platz 4 und auch hier ist es nicht mein liebster Kandidat. Poor Things, Anatomie eines Falls sowie The Zone of Interest haben mich ebenso begeistert, sogar ein bisschen mehr.

Bonus-Kategorien

Beste Regie / Directing

Wahrscheinlich: Christopher Nolan (Oppenheimer) Wunsch: Yorgos Lanthimos (Poor Things)
Christopher Nolans Filmographie würde ich als anspruchsvolles Mainstreamkino beschreiben, das sowohl Kritiker als auch Millionen Fans begeistert. Ein Oscar ist überfällig und verdient. Am Sonntag wird es vermutlich soweit sein. Neben ihm würde ich es auch Yorgos Lanthimos für Poor Things wünschen.

Bestes Originaldrehbuch / Original Screenplay

Wahrscheinlich: The Holdovers / Wunsch: Anatomie eines Falls
Viele Preise wird dieses tolle Drama leider nicht erhalten, aber mit einem Sieg für das „Beste adaptierte Drehbuch“ könnte Anatomie eines Falls sich zumindest in einer Kategorie belohnen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Bestes adaptiertes Drehbuch / Adapted Screenplay

Wahrscheinlich: American Fiction

Wunsch: The Zone of Interest
American Fiction gilt als deutlicher Frontrunnter für diese Auszeichnung, ich würde mich jedoch für The Zone of Interest freuen, da das Drehbuch mit vielen Einfällen diese Geschichte auf außergewöhnliche Art und Weise erzählt.

Zusammenfassung aller Kategorien

Wunsch:

Da’Vine Joy Randolph (Nebendarstellerin)

Mark Ruffalo (Nebendarsteller)

Emma Stone (Hauptdarstellerin)

Cillian Murphy (Hauptdarsteller)

Poor Things (Bester Film)

Yorgos Lanthimos (Beste Regie)

The Zone of Interest (adapt. Drehbuch)

Anatomie eines Falls (Orig.drehbuch)

Wahrscheinlich:

Da’Vine Joy Randolph (Nebendarstellerin)

Robert Downey Jr. (Nebendarsteller)

Lily Gladstone (Hauptdarstellerin)

Cillian Murphy (Hauptdarsteller)

Oppenheimer (Bester Film)

Christopher Nolan (Beste Regie)

American Fiction (adapt. Drehbuch)

The Holdovers (Orig.Drehbuch)

Meine Top 15 aus dem Jahr 2023

#15 Wonka

Nach Gene Wilder und Johnny Depp verkörpert Timothée Chalamet in Wonka eine jugendliche Version des Schokoladenfabrikanten Willy Wonka, bevor er seine berühmte Fabrik besitzt. Im Gegensatz zu früheren Interpretationen ist diese Version Wonkas sanftmütiger und unschuldiger. Regisseur Paul King, bekannt für die grandiosen Paddington-Filme, inszenierte den Film und das merkt man an jeder Ecke.

Der Film, der auf der Zusammenarbeit mit Kings Paddington 2 -Schreibpartner Simon Farnaby basiert, folgt einer bekannten Rezeptur: eine naive Hauptfigur in einem hinterlistigen System, ähnlich wie bei Paddington. Chalamets Darstellung in dieser Geschichte ist definitiv auf der eher freundlichen Art, aber hier und da lässt er in kleinen Gesten und seiner Mimik durchblitzen, dass der Charakter irgendwann eventuell mal ein wenig düsterer werden könnte.

Hugh Grant als Oompa Loompa stiehlt die Show mit seiner grummelig-ironischen Performance. Insgesamt bietet Wonka ein für Paul King üblich magisches, familienfreundliches Erlebnis mit einem Mal weniger ernsten Chalamet in der Hauptrolle. Und auch wenn Wonka nicht an die Paddington-Filme rankommt und unter der Oberfläche vielleicht nicht die größte Substanz steckt, kann man ab und zu einen solchen feelgood Film für die geschundene Seele vertragen.

#14 Talk to Me

Talk To Me ist das Spielfilmdebüt der australischen Zwillingsbrüder Danny und Michael Philippou, bekannt für ihren erfolgreichen YouTube-Kanal „RackaRacka“. Der Horrorfilm, der sich geschickt in die Tradition des Geister- und Dämonenfilms einreiht, erzählt von einem gefährlichen Spiel, bei dem man mit einer vermeintlichen Leichenhand kommuniziert.

Die Philippou-Brüder kombinieren geschickt eine mitreißende Atmosphäre und bekannte Genre-Elemente mit einer selbstironischen Note. Neben dem effektiven Horroraspekt behandelt der Film auch Themen wie Trauma, Trauer, Freundschaft und Familie. Auch wenn der Film das Genre nicht neu erfindet und die Geschichte nicht mega innovativ ist, gefiel mir die minimalistische Inszenierung und das Regiedebüt der Youtube-Stars überraschend gut. Für viele ist Talk to Me der beste Horrorfilm des Jahres und hat daher auch einen Platz in dieser Top 15 verdient.

#13 Speak no Evil

In Speak No Evil wird ein satirisch geprägter Horror-Thriller präsentiert, der sich langsam, aber konsequent aus den sozialen Normen von Höflichkeit und Alltags-Etikette entwickelt. Der Film beginnt mit peinlichen Fremdschäm-Situationen in einem vermeintlich harmlosen Familienurlaub, der jedoch schnell in einen blanken Albtraum umschlägt.

Der Film, der an Michael HanekesFunny Games“ erinnert, zeichnet sich durch eine unheilvolle Grundstimmung und psychologisch komplexe Charaktere aus. Immer wieder werden uns Szenen und Situationen vorgesetzt bei denen man sich als Zuschauer selbst die Frage stellt, wie man selbst reagieren würde und wie weit das Gefühl gehen sollte, anderen aus Gründen der Höflichkeit und Nettikette gefallen zu müssen.

Wer hier einen klassischen Horrorfilm mit Slasher-Elementen erwartet, kann getrost Speak no Evil ignorieren. Wer Bock auf einen Film hat, der die Spannung langsam aufgebaut und ein wenig zum Denken anregt, sollte hier mal reinschauen. Das Ende wird sicherlich spalten und war für mich auch der größte Kritikpunkt ohne dabei die Qualität dieses Films zu schmälern.

#12 SAW X

In SAW X kehrt die Saw-Reihe zu ihren Wurzeln zurück. Das Prequel, das zwischen den Ereignissen von Saw und Saw II angesiedelt ist, konzentriert sich auf den psychopathischen Serienkiller Jigsaw selbst. Die Rückkehr von Tobin Bell in der Rolle des Jigsaw verleiht dem Franchise eine unerwartete emotionale Tiefe.

Der Film beginnt mit einem Krebsdrama, das Johns falsche Hoffnungen beleuchtet. Die sadistischen und perversen Ideen der Jigsaw-Fallen sind weiterhin kreativ und verstörend auch wenn es über das gesamte Franchise klar bessere Fallen gab. Während die Wendungen in der Handlung in der zweiten Hälfte vorhersehbar sind, bietet Saw X eine gelungene Mischung aus altbekanntem Horror und frischen Elementen, insbesondere durch die vertiefte Charakterisierung von Jigsaw. Saw X führt nach dem furchtbaren Saw Spiral das Franchise zurück auf den richtigen Pfad.

#11 Nyad

Nyad ist ein Netflix-Biopic über die Schwimmlegende Diana Nyad, die mit über 60 Jahren die gefährliche Strecke von Havanna nach Key West in knapp 53 Stunden durchschwamm. Das Filmdebüt des Regieduos Jimmy Chin und Elizabeth Chai Vasarhelyi würdigt nicht nur Nyads sportliche Leistung, sondern zeigt auch die Schattenseiten ihres unerschütterlichen Ehrgeizes.

Annette Bening brilliert in der Hauptrolle und verleiht der Figur vielschichtige Facetten, aber auch Nebendarstellerin Jodie Foster liefert eine gewohnt gute Leistung ab. Das Biopic kombiniert einfühlsame Charakterzeichnung mit packenden Schwimmszenen und es ist einfach Wahnsinn, was manche Menschen für ihre Ziele und Träume auf sich nehmen.

#10 Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben

Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben ist für mich eine der positiven Überraschungen des Jahres. Es ist bei weitem kein 5/5 Meisterwerk oder Must-See und bietet auch genug Angriffsfläche für Kritik. Dennoch ist es für mich eine gelungene Adaption der sehr komplexen „D&D“-Welt. Das Pen-&-Paper-Rollenspielregelwerk hat sicherlich in den letzten Jahren auch durch die Netflix Serie Stranger Things einen zusätzlichen Boost erhalten und den Weg in den Mainstream gefunden.

Daraus ein Film zu entwickeln ist jedoch sehr schwierig, doch für mich ist der Film ein unterhaltsames und actiongeladenes Abenteuer geworden, das auch für Zuschauer ohne Vorkenntnisse des Spiels oder der Serie zugänglich ist – auch wenn man natürlich vor allem Freude daran hat, Anspielungen und Details wieder zu entdecken. Dennoch funktioniert es auch für Neulinge, da meiner Meinung nach die Chemie zwischen den Charakteren gelungen ist und mit Chris Pine als charmanten, liebenswerten Leading Man oder auch Hugh Grant als kautzigen Bösewicht so manches Highlight bereithält.

Die Computereffekte mögen nicht immer dem höchsten Standard entsprechen, aber den Actionsequenzen hat das für mich nur wenig geschadet. Dungeons & Dragons ist ein spaßiger Film mit witzigen Dialogen und Herz, der aufgrund seines gelungenen Tons eine gute Basis für weitere Abenteuer bietet, die aktuell besprochen und hoffentlich folgen werden.

#9 Der Super Mario Bros. Film

Der Super Mario Bros. Film von Illumination Entertainment und Nintendo bedient mit maximalem Wiedererkennungswert und Nostalgie die langjährigen Fans der Videospielreihe. Der Film ist eine Hommage an über 40 Jahre Mario-Geschichte, gefüllt mit zitatreichen Momenten, Easter Eggs und perfekt platzierten Soundeffekten.

Die rasante Erzählweise des Films, um die umfangreiche Videospielgeschichte in 92 Minuten zu komprimieren, lässt jedoch wenig Raum für eine tiefgreifende Handlung oder Charakterentwicklung. Die Aktionsszenen, die sich stark an den Spielen orientieren, überzeugen. Der Humor, hauptsächlich auf Slapstick ausgerichtet, schwächt sich im Verlauf ein wenig ab.

Ich bin kein Die-Hard-Nintendo-Fan aber genau das habe ich mir von einem Mario-Film erhofft. Aufgrund der guten Kritiken und des finanziellen Erfolgs darf man von weiteren Verfilmungen ausgehen, egal ob es wieder Mario wird oder eine der zahlreichen anderen Figuren – ich hab Bock!

#8 Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins

Vor Jahresbeginn war Dead Reckoning Teil Eins mein meisterwarteter Film des Jahres und ich war mir sicher, dass dieser ziemlich sicher den Weg auf die forderen Plätze meiner Top15 des Jahres schaffen würde. Doch irgendwie wollte der Funke am Ende nicht ganz überspringen. Er schafft es trotzdem in diese Liste, weil er nach wie vor mit der Konkurrenz den Boden aufwischt und weit besser ist als viele andere Filme – auch wenn ich persönlich noch höhere Ansprüche hatte.

Der Plot um eine KI ist zwar in 2023 so aktuell wie nie, aber gleichzeitig auch Einladung für Plotholes und eine eher unbefriedigende Geschichte. Trotz hochkarätiger digitaler Effekte rückt der Film die physischen Stunts von Tom Cruise ins Rampenlicht, der mit einem Motorradsprung und weiteren atemberaubenden Aktionen wie üblich beeindruckte – auch wenn die Stunts aus den Vorgängern besser waren.

Die Inszenierung von Christopher McQuarrie sowie die eingespielte Chemie zwischen den Darstellern sorgen für einen durchgehend unterhaltsamen und spaßigen Action-Thriller. Gerade Neuzugang Hayley Atwell und ihr Zusammenspiel mit Cruise waren ein Highlight für mich. Der Film konnte an den Kinokassen überraschenderweise leider nicht überzeugen, so dass man wohl Teil 8 dann nicht mehr als Dead Reckoning Teil 2 bezeichnen wird.

Ich hoffe man schafft es im nächsten Teil wieder an die Qualität der Teile 4-6 anzuknüpfen.

#7 Spider-Man: Across the Spider-Verse

Spider-Man: Across The Spider-Verse, die Fortsetzung des Animationshits Spider-Man: A New Universe, liefert den erwarteten Multiversums-Wahnsinn und übertrifft die visuelle Faszination des ersten Teils. Das neue Regie-Trio nutzt die Vielfalt der Paralleluniversen für ein beeindruckendes Easter-Egg-Feuerwerk. Trotz einer riesigen Anzahl von Figuren, darunter verschiedene Spider-Man-Variationen, bleibt der Film fesselnd und mitreißend.

Die Animationstechniken werden geschickt genutzt, um jedes Paralleluniversum mit einem einzigartigen visuellen Stil zu versehen. Die Geschichte konzentriert sich nicht nur auf Miles Morales, sondern rückt auch Gwen Stacy in den Mittelpunkt, was zu einer abwechslungsreichen und emotional bewegenden Handlung führt. Spider-Man: Across The Spider-Verse überzeugt durch seine bombastische Bildpracht, Herzlichkeit und ein überbordendes visuelles Spektakel.

Größtes Manko ist, dass der Film quasi mittendrin aufhört und wir als Fans auf den dritten Teil warten müssen.

#6 Das Lehrerzimmer

Das Lehrerzimmer von Ilker Çatak ist ein intensives Drama, das die Geschichte einer jungen Lehrerin erzählt, die frisch aus dem Studium an eine Schule kommt und mit den moralischen Herausforderungen des Lehrerberufs konfrontiert wird. Carla gerät in eine komplexe Situation, als sie einen Diebstahl an der Schule aufdeckt und sich die Situation immer weiter zuspitzt.

Unser deutscher Oscar-Beitrag für 2024 fängt die Enge und das gesellschaftliche Korsett ein, in dem Carla gefangen ist und wie sie sich unter dem Druck ihrer Kollegen, Helikoptereltern und der modernen Gesellschaft verfängt. Der Film spielt geschickt mit Vorurteilen und moralischen Dilemmas, während Carla versucht, das Richtige zu tun, aber dabei zunehmend ihre eigenen Prinzipien aufgeben muss.

Ich liebe es, wenn so ein Film immer unangenehmer wird und man auch immer für sich entscheiden kann wie man gewisse Konflikte angegangen wäre. Kompetent inszeniert, gut geschauspielert und eine interessante Prämisse – was will man mehr. Ein weiteres deutsches Highlight dieses Jahr.

#5 Past Lives

Past Lives von Celine Song ist ein tolles Regiedebüt, das vor allem dadurch begeistert, dass es so sympathisch authentisch und unaufgeregt ist. Es erinnert mitunter an Richard Linklaters Before-Trilogie, die wohl die beste Darstellung einer Beziehung für die Leinwand ist.

Der Film konzentriert sich auf drei Zeitpunkte, die jeweils zwölf Jahre auseinanderliegen und umfasst eine komplexe Dreiecksbeziehung. Past Lives behandelt die Authentizität von Gefühlen und funktioniert dabei so gar nicht wie ein typisches Hollywooddrehbuch. Trotz des Verzichts auf übergroße Gesten werden berührende Momente geschaffen, darunter subtile Beobachtungen und Dialogszenen.

Past Lives ist ein erwachsenes und berührendes Romantikdrama ohne viel Aufregung.

#4 Oppenheimer

Nach dem furchtbaren Tenet, meldet sich Nolan wieder zurück zu alter Stärke. Wie auch schon zu Dunkirk kann ich zu Christopher Nolans Oppenheimer sagen, dass ich prinzipiell eher an Nolan Stoffen interessiert bin, die nicht unbedingt eine Nacherzählung historischer Ereignisse und Figuren sind.

Nichtsdestotrotz habe ich mich auch auf Oppenheimer gefreut und muss sagen, dass auch wenn Barbie aus dem Barbenheimer-Phänomen als finanzieller Sieger hervorgegangen ist, Oppenheimer inhaltlich für mich die Nase vorne hat. Das verschachtelte Historiendrama über den Vater der Atombombe setzt auf eine altmodische Herangehensweise an visuelle Effekte. Die komplexe Erzählstruktur mit Rückblenden und Zeitsprüngen hat mir gut gefallen.

Trotz anfänglicher Ähnlichkeiten mit klassischen Biografien entwickelt sich der Film zu einem intensiven Erlebnis, das durch Nolans audiovisuelle Überwältigung und die eindringliche Hauptfigur, gespielt von Cillian Murphy, geprägt ist. Oppenheimer ist ein visuell beeindruckender Film, der sich im finalen Drittel zu einem monumentalen Kinorausch steigert und für mich stets gut die innere Zerrissenheit Oppenheimers gut rüberbringt. Neben Cillian Murphy, der erstmals die Hauptrolle in einem Nolan-Film verkörpert und sich in der startenden Award-Season Hoffnungen machen darf, ist der Cast bis in die kleinste Rolle mit tollen Schauspielern besetzt, wo niemand abstinkt. Gerade Emily Blunt, Matt Damon und Robert Downey Junior setzen immer wieder Highlights im Film.

#3 John Wick: Kapitel 4

Wie auch sein Vorgänger schafft es John Wick: Kapitel 4 ebenfalls in meine jährliche Top15. Das Franchise ist einfach zu kompetent inszeniert und genau in den Bereichen herausragend, wo es die Reihe sein muss. Ich persönlich habe auch viel Spaß an der Lore und der Welt, die das Franchise erzählen möchte, aber natürlich muss vor allem eines stimmen: die Action.

Regisseur Chad Stahelski gelingt es auch dieses Mal in einer visuellen Brillanz die tollen Action-Setpieces einzufangen. Bei einer Laufzeit von fast 3 Stunden ist das jedoch auch irgendwann ein wenig ermüdend. Gefallen haben mir auch die Castergänzungen rund um Donnie Yen, Hiroyuki Sanada, Rina Sawayama, Shamier Anderson und Scott Adkins. Herausragend fand ich auch die Szene mit der Dragon-Breath-Shotgun, die sich durch Ihre Inszenierung aus der Top-down-Perspektive klar an einem Hotline Miami orientierte und das Videospiel ehrt.

John Wick 4 ist ein weiteres Highlight des modernen Actionkinos, das vor allem mit starken Choreografien und ihrer visuellen Gestaltung beeindruckt. Ob es der letzte Film bleibt, lassen sich die Beteiligten noch offen. Spin-Offs sind geplant, eine Weiterführung der Core-Serie ebenso, aber gönnen wir Keanu Reeves vorläufig seinen Ruhestand.

#2 Guardians of the Galaxy Vol. 3

Während aktuell das MCU erstmals seit Jahren finanzielle Rückschläge hinnehmen muss und auch das Feedback zur Qualität der Filme sehr kritisch ist, stellt James Gunns Guardians of the Galaxy-Trilogie den hochwertigen Fels in der Brandung dar. Nachdem er wegen kontroverser Tweets von Disney entlassen wurde, ist Gunn wieder da und wie.

Der Vorgänger endete schon auf einer sehr emotionalen Note, doch der Abschluss dieser Reihe setzt nochmal eine Schippe drauf. Besondere Aufmerksamkeit wird Rockets Leidensgeschichte gewidmet, was dem Film eine tiefgreifende Dimension verleiht und für die berührendsten Momente sorgt. Guardians 3 ist der emotionale und befriedigende Abschluss der Trilogie, der sowohl humorvolle Elemente als auch herzzerreißende Szenen beinhaltet.

Gunn beweist erneut seine Fähigkeit, Humor und Gefühle geschickt zu verbinden. Der Film weicht von der üblichen MCU-Formel ab und konzentriert sich auf die Guardians, ohne viele Verweise auf das größere Universum zu geben beziehungsweise geben zu müssen. Gunn ist das Meisterstück gelungen drei gute und erfolgreiche Filme über diese einst so unbekannte Truppe zu entwickeln, denen kaum einer zu Beginn eine Chance gegeben hat und die am Ende ein absolutes Highlight des MCU wurde.

Nun wo Marvel aber Probleme hat und auch das DCEU nach Aquaman 2 zu Ende ist, zieht es Gunn nach DC, wo er als Chef die gesamte Entwicklung der nächsten 10 Jahre plant und überwacht. Marvel wird seiner Vision hinterher trauern und DC evtl. erstmals seit Jahren die Oberhand gewinnen im Kampf der Comic-Giganten.

#1 Sonne und Beton

Im letzten Jahr habe ich an dieser Stelle Athena auf die Spitzenposition gesetzt. Ein intensives Drama über die französischen Banlieus und ihre Probleme. Dieses Jahr wird es zwar nicht ganz so hart, aber dass wir auch hier im eigenen Land, vor der Haustür unsere „Problembezirke“ haben, bzw. Parallelgesellschaften, die viele lieber weg ignorieren wollen, statt sie zu integrieren, ist kein Geheimnis. Auf die #1 im Jahr 2023 schafft es für mich Sonne und Beton.

Es handelt sich hierbei um die Verfilmung des Bestsellers Sonne und Beton des Comedians Felix Lobrecht, in dem der Comedian seine Erfahrungen als Jugendlicher in der Berliner Gropiusstadt thematisiert. Für mich steht hier vor allem die Authentizität der filmischen Umsetzung hervor, die den Jugendslang und das Milieu des Neuköllner Problemkiezes treffend einfängt.

Da Lobrecht von A-Z in die gesamte Entwicklung des Films involviert war, bleibt die Adaption eng an der literarischen Vorlage und die gelungene Balance zwischen Milieustudie, Heist-Movie und Brennpunkt-Thriller, birgt für mich das Potenzial zu einem deutschen Kultfilm. Auch wenn man nach wie vor nicht genau weiß welche Szenen wirklich autobiografisch und welche fiktiv sind, find ich das nicht so schlimm. Es lässt Raum für Interpretation und am Ende kann man sich bis zu einem gewissen Grad alle so oder so ähnlich in Wirklichkeit vorstellen – gerade wenn man selbst wie ich bspw. in einem Brennpunkt-Bezirk wie Hellersdorf/Marzahn oder ähnlichen aufgewachsen ist.

Der Film wirkt für mich trotzdem brutal realistisch und bietet einen Einblick in die Frustration und Perspektivlosigkeit der gesellschaftlich Abgehängten in der Gropiusstadt. Die Leistung der Hauptdarsteller, die Lobrechts Team allesamt auch mit Amateuren aus der Region besetzte und die gelungene Verbindung von Genrekino, einem ballernden Soundtrack und Authentizität machen den Film zu einem faszinierend echten und erfolgreichen Werk, das mir dieses Jahr sehr gut gefallen hat und die Fahne für den deutschen Film hochhält.

Meine Flop 15 aus dem Jahr 2023

#15 Beau is afraid

Es schmerzt ein wenig den Film hier in die Flop-Liste zu packen, da Ari Aster für mich ein krasses Talent ist und mit Hereditary meinen liebsten Horrorfilm der letzten Jahrzehnte ablieferte, aber Beau is afraid traf bei mir keinen Nerv. Knapp 180 Minuten geht dieser Film und gefühlt gibt es nur Leute, die den Film vergöttern oder hassen. Ganz so heftig ist es bei mir nicht, aber ich hätte mir gewünscht, dass Aster sein Talent für andere Stoffe nutzt. Beispielsweise hätte ich eine Langspielfassung von „The Strange Thing About the Johnsons“, einem Ari Aster Kurzfilm bevorzugt.

Ich bin kein großer Fan von diesen wirren Plots, wo jeder Szene einfach nur weird sein soll und man nie genau weiß woran man ist. Inszenatorisch und schauspielerisch kann man hier natürlich nichts vorwerfen. Joaquin Phoenix liefert hier wieder eine beeindruckende Performance ab. Doch selbst dieses Schauspiel, die hochwertigen Bilder und aufwendige Inszenierung haben mich letztlich kalt gelassen auch wenn ich mir sicher bin, dass Beau is afraid in den kommenden Jahren vermutlich den Status eines verkannten Geniestreichs erreichen wird.  

#14 Pearl

Ich war ein großer Fan von Regisseur Ti WestsX“ im letzten Jahr, einen teils lustigen, teils skurrilen Slasherfilm in den 70ern. Interessante Bilder, solide Kills, skurrile Momente und einen guten Cast, allen voran Entdeckung Mia Goth in einer Doppelrolle, haben den Film für mich rund gemacht. Gerade Mia Goth stach in X heraus und Ti West nutzte die Gunst der Stunde und entwickelte und drehte bereits kurz darauf „Pearl“, den zweiten Teil in einer geplanten Trilogie, der die Vorgeschichte zu Ihrer Figur Pearl erzählen sollte.

Wir befinden uns nun also in den 20ern und inszenatorisch bekommen wir immer wieder einen gelungenen Mix aus Horror und Wizard of Oz. Ich habe mich lange auf den Film gefreut und er ist weit weg von furchtbar, ich war nur ein wenig enttäuscht vom Slasherpart. Es entwickelt sich nie so ein organisches, richtiges Horror/Slasher-Gefühl. Inhaltlich bietet der Film mehr Geschichte und eine gute Sicht auf das Hollywood der 20er, aber als Slasher funktionierte er für mich weniger. Ich hoffe nun, dass Ti West mit „Maxxxine“ Ende Februar 2024 die Trilogie gut abschließen und zu alter Stärke zurückfinden wird.

#13 Fast & Furious 10

Die Fast & Furious-Reihe ist so ein Guilty-Pleasure Franchise für mich. Ja, es ist hochgradig dumm und es wird immer abgefahrener, aber ich freue mich auf jeden neuen Film und ziehe da für gewöhnlich meinen Spaß draus. Mit Teil 5-7 hatte die Reihe ihren Zenit erreicht und eine gelungene Trilogie innerhalb der gesamten Reihe geschaffen. Teil 8 war schon schlechter und 9 war furchtbar. Fast & Furious 10 oder Fast X wie er international heißt, ist zwar besser als sein direkter Vorgänger, aber insgesamt trotzdem ein weiteres Lowlight des Franchises.

Wenn ein Action-Franchise, dass sich übergreifend mit Autos beschäftigt, die schwächere Verfolgungsjagd in Rom hat als Mission Impossible im selben Jahr, dann ist das schon ein Armutszeugnis. Auch darüber hinaus griff für mich nur wenig ineinander und so richtig Bock auf einen Rewatch habe ich im Gegensatz zu vielen Vorgängern nicht. Einzig Aquaman-Darsteller Jason Momoa scheint in seiner Rolle völlig aufzugehen und ein wenig zu viel Spaß als verrückter Antagonist zu haben. Seine Figur passt null in das Franchise, aber immerhin bot er für mich irgendeine Art Mehrwert für diesen Film.

#12 Geistervilla

Bei Disney gibt es zwei Strategien in den letzten Jahren zu beobachten: zum einen werden reihenweise alte Animations/Zeichentrickklassiker als Live-Action-Version neu aufgelegt wie beispielsweise Die Schöne und das Biest, Der König der Löwen, Arielle oder auch in Zukunft Schneewitchen. Zum anderen versucht Disney immer wieder ihre Fahrgeschäfte und Attraktionen zum nächsten Milliarden-Franchise zu verfilmen wie bei Der Fluch der Karibik oder Jungle Cruise.

Bei der Geistervilla gab es diesen Versuch schon vor knapp 20 Jahren mit Eddy Murphy in der Hauptrolle. Die Qualität ließ damals schon zu wünschen übrig, doch anscheinend sieht der Konzern mit der Maus genug Potential um den seichten Horrorspaß für die ganze Familie neu aufzulegen. Für mich hat jedoch auch diese Neuauflage nicht funktioniert. Trotz solider Besetzung, konnte mich der Film zu keinem Zeitpunkt wirklich abholen. Witz und Charme kaum vorhanden und die Effekte teils unterirdisch. Insgesamt unnötige Neuauflage.

#11 The Flash

What a shitshow. Der komplette Entstehungsprozess und die Skandale drumherum sind deutlich spannender als der eigentliche Film und das würde ich viel lieber verfilmt sehen. Wechselnde Scripts, ausgetauschte Regisseure, der Untergang des DCEU und Hauptdarsteller Ezra Miller, die kaum noch tragbar sind und denen die ganze Welt beim Meltdown zuschauen durfte. All das führt zu einem wirren Zeitreise-Multiversen Film mit teils furchtbaren Effekten, der unfassbar viel Geld verbrannt hat. Schmeißt die Kopien irgendwo in einen Ozean und wir einigen uns alle auf Verschwiegenheit. The Flash hat es niemals gegeben.

#10 Der Exorzist: Bekenntnis

Der Exorzist ist gleichzeitig einer der erfolgreichsten und critically acclaimed Horrorfilme aller Zeiten. Das hat aber auch zur Folge, dass seit jeher versucht wird daran anzuknüpfen und so ist der ganze Besessensheitplot durch 2-3 Filme in diese Richtung pro Jahr unfassbar ausgelutscht. Blumhouse und Universal Pictures scheinen das aber nicht ganz so zu sehen und planen mit einem 400 Millionen Dollar Investment eine Exorzist-Trilogie.

Regie führt hierbei David Gordon Green, der bereits die aktuelle „Halloween„-Trilogie zu verantworten hat. Ob das gut oder schlecht ist, muss nun jeder für sich entscheiden – Halloween Ends hatte es letztes Jahr jedenfalls auch auf meine Flopliste geschafft. Der erste Film der neuen Der Exorzist-Trilogie, Der Exorzist: Bekenntnis, ist jedenfalls enttäuschend. Green setzt auf eine authentische Herangehensweise und mir hat auch die Vater-Tochter-Beziehung gefallen. Gerade die erste halbe Stunde fand ich durchaus gelungen und atmosphärisch. Doch im Verlauf des Films baut der Film kontinuierlich ab, bedient typische Klischees und ist durch einen Mangel an Schockmomenten wenig gruselig. Ich hatte dieses Jahr mit The Pope‘s Exorcist überraschenderweise deutlich mehr Spaß.

#9 The Nun 2

Der erste Teil des Conjuring-Spin-Offs war 2018 schon eine Frechheit und absolut unnötig. Der Film schafft es verdienterweise auch direkt auf meine Flop-Liste 2018. Doch wie so oft spielt genau so ein 0815 Horrorfilm zu viel Geld ein und es gab nun 366 Millionen Gründe eine Fortsetzung zu drehen. Somit war es nur eine Frage der Zeit bis es den Nachfolger geben würde – schließlich wurde das Ende per Cliffhanger eh offengelassen.

Dieses Jahr war es nun also soweit und immerhin wirkte der Film ein wenig kompetenter und kann mit solidem Schauspiel eines teils wiederkehrenden Casts und einigen echt schönen Bildern punkten. Die Handlung und die Gruselszenen bleiben jedoch weiterhin sehr schwach und lächerlich uninspiriert. Typischer Horrorfilm von der Stange.

#8 Insidious: The Red Door

Insidious: The Red Door markiert das vorläufige Ende der „Insidious„-Reihe und kehrt zu den Ursprüngen zurück. Patrick Wilson, der auch die Hauptrolle spielt, präsentiert in seinem Regiedebüt den Film als düsteres Familiendrama mit Rückblenden, die die Traumata der Protagonisten aufdecken. Trotz einer gewissen Routine im Horror-Aufbau erreicht der Film nicht die Intensität früherer Teile unter der Leitung James Wans. Stattdessen bekommen wir Horror auf Sparflamme.

Obwohl der Film versucht, sich auf den emotionalen Kern der Serie zu konzentrieren, wirkt er eher wie eine Wiederholung bekannter Elemente. Der Wechsel zu einem College-Horrorfilm-Setting und einige kluge Ideen können die typische, spannungsarme 0815-Handlung und Inszenierung nicht ausgleichen. Die Erschöpfung der „Insidious„-Reihe ist wieder mal deutlich zu spüren.

#7 65

Adam Driver bitte blinzel zweimal, wenn du als Geisel gehalten wirst! Anders kann ich mir nicht erklären, wie ein so guter Schauspieler wie Adam Driver im Film 65 gelandet ist. Zugegeben: auf dem Regiestuhl saßen die Drehbuchschreiber für A Quiet Place, den ich persönlich sehr mochte. Vielleicht war es auch das was Driver überzeugte oder es war einfach ein Haufen Geld.

Denn das Drehbuch von 65 kann es eigentlich nicht gewesen sein. Driver muss sich auf der Erde von Punkt A zu Punkt B durchschlagen und dabei gegen Dinos kämpfen. Die menschlichen Figuren bleiben blass und unterentwickelt, wodurch dramatische und emotionale Momente so gar nicht funktionieren. Die Action wirkt uninspiriert und die Effekte nicht selten eher schlecht. Größtes Plus des Films ist die geringe Laufzeit von knapp 93 Minuten.

#6 Arielle, die Meerjungfrau

Die Neuverfilmung von Arielle, die Meerjungfrau enttäuscht auf vielen Ebenen. Halle Bailey als Arielle, über die sich viele Idioten vor Release lautstark beschwerten, kann man noch als eines der wenigen Highlights des Films loben, obwohl ihre vergleichsweise geringe Schauspielerfahrung an einigen Stellen bemerkbar ist.

Die Geschichte bleibt größtenteils identisch mit dem Original, jedoch fehlt die magische und zauberhafte Atmosphäre, die den Zeichentrickfilm ausgezeichnet hat. Der Versuch, alles fotorealistisch darzustellen, führt zu reihenweisen befremdlichen Momenten und Elementen. Also Figuren wie Sebastian oder Fabius werden einfach in dieser Version des Films komplett gekillt für mich. Unfassbar hässlich und out of place.

Insgesamt empfand ich die Neuauflage eher als lieblos, die die Magie und den Zauber des Originals vermissen lässt.

#5 Ant-Man and the Wasp: Quantumania

Und ein weiterer Film in diesem Ranking, der visuell nur selten sein Budget widerspiegelt und teils furchtbar billig und künstlich aussieht. Alles vor Greenscreen bzw. „The Volume“ gedreht. Zusätzlich ist der dritte Solofilm von Ant-Man auch der schlechteste Ableger der Reihe.

Hin und wieder blitzt der typische Humor durch, den ich in der Reihe und vor allem durch Paul Rudd mag. Natürlich gibt es bei dieser Quantumrealm-Prämisse die ein oder andere witzig-skurrile Figur, die schnell mal die Show stehlen kann. Wie beispielsweise eine totgeglaubte Figur des ersten Teils.

Eines der wenigen Highlights war für mich Jonathan Majors, der hier neben der Loki-Serie das erste Mal als nächster Big Bad nach ThanosKang The Conqueror“ eingeführt wurde. Doch, wie Disney/Marvel gerade erst mitteilte wurde Majors aufgrund des privaten Skandals um häusliche Gewalt und die damit zusammenhängende Verurteilung gefeuert.

Bei den Ant-Man Filmen fand ich die Bodenständigkeit der Geschichten und seiner Figuren sympathisch. Ähnlich wie bei Spider-Man. Doch Quantumania macht wie viele andere den Fehler, die Geschichte nun viel zu groß werden zu lassen und dann auch noch richtige Sets für eine Greenscreen-Orgie zu tauschen. Insgesamt einer der hässlichsten und lieblosesten Filme des Jahres.

#4 Hypnotic

Robert Rodriguez hat schon viele solide bis sehr gute Filme gemacht, aber was er sich bei Hypnotic gedacht hat, wird mir noch länger ein Rätsel bleiben. Auch Hauptdarsteller Ben Affleck wirkt hier stellenweise so gelangweilt, dass man vermuten kann, er musste durch irgendeinen Deal diesen Film drehen.

Die Geschichte ist aufgeplustert, unsinnig und besteht spätestens zur zweiten Hälfte nur noch aus Erklärungen. Der Twist ist vorhersehbar und macht den Film am Ende auch nicht besser. Dass der Film bei einem Budget von knapp 70 Millionen weltweit gerade mal 16 Millionen eingespielt hat, wundert mich nicht und ich wette alle Beteiligten wünschten sich, dass man dieses Projekt als Steuerabschreibung schnell in den Giftschrank gestellt hätte.

#3 It’s a wonderful Knife

Oh je, also It’s a Wonderful Knife ist unfassbar schlecht. Acting ist terrible, das Drehbuch rund um eine Parallelwelt ist furchtbar und was zum Teufel hat man sich bei Justin Longs Figur gedacht? Unfassbar, dass man das alles durchgewunken hat.

Wenn man dann wenigstens noch als Ausgleich paar gute Slasher-Elemente bekommen hätte, hätte man den Film ja noch mit einem blauen Auge davon kommen lassen können, aber auch hier bietet It’s a Wonderful Knife absolut null Mehrwert. Wenn man einen Slasher mit Feiertagsbezug will, dann bitte bitte Thanksgiving anschauen, der dieses Jahr deutlich mehr Spaß gemacht hat und kompetenter in allen Belangen war.

#2 The Expendables 4

Junge, Junge, Junge… es ist immer wieder erstaunlich wie wenig aus diesem Franchise gemacht wird. Das Potential für ein trashiges Actionfest mit unseren Action-Ikonen der 80er und ein paar modernen Ergänzungen wie Jason Statham find ich durchaus gegeben. Logisch, riesigen Anspruch kann man hier nicht sonderlich erwarten, aber bitte: steckt doch mal ein wenig Liebe in diese Filme.

Amateurprojekte, die jahrelang um jeden Cent kämpfen für Ihre Filmprojekte wirken trotz eines Minimalbudgets deutlich hochwertiger als Expend4bles, der unfassbare 100 Mio Budget gehabt haben soll, die er nicht mal ansatzweise wieder eingespielt hat. Der Film hat ein 0815 Script, wo jeder Twist 60 Minuten vorher zu erkennen ist, sieht furchtbar billig aus und der neue Cast juckt einfach gar nicht.

Gefühlt alles sieht nach Greenscreen und CGI der early 2000er aus. Es ist der hässlichste Film des Jahres und geschichtlich fokussiert man sich hauptsächlich auf Statham und einem neuen Team rund um Megan Fox, was kaum bis gar nicht funktioniert. Und selbst die Actionszenen bleiben nicht hängen und reißen es kaum raus – dabei hat man Leute wie Tony Jaa (Ong-Bak) und Iko Uwais (The Raid) im Film, die aber so sträflich schlecht eingesetzt werden . Furchtbarer Film, der das Franchise vermutlich endgültig zu Grabe getragen hat.   

#1 Manta, Manta – Zwoter Teil

Manta, Manta – Zwoter Teil von Til Schweiger versucht an den Kultstatus des Originals anzuknüpfen, aber verfehlt weitgehend das Tempo, den Witz und den Charme des ersten Films. Im Gegensatz zu den kompakten 90 Minuten des Originals muss man hier über 2 Stunden das prollige Drehbuch ertragen.

Selten dieses Jahr hat es ein Film geschafft bereits nach 3 Minuten so nervig zu sein und mit seinen furchtbaren und unlustigen Dialogen nicht nur den Ton für den restlichen Film zu setzen, sondern mir auch so unfassbar auf den Sack zu gehen. Im weiteren Verlauf kommen dann nur quatschige Figuren, Cameos und Storystränge dazu, die zum Frustgefühl beitragen.

Wenn ich dann noch sehe, dass Schweiger wie immer seiner Tochter eine Hauptrolle schenkt, die sie wie immer dank fehlendem Talent nicht ausfüllt, dann bleibt wenig Positives über Manta Manta 2 zu sagen. Die Chemie zwischen Til Schweiger und Tina Ruland kann man vielleicht noch als einen Höhepunkt benennen. Wenn Schweiger diese Chemie mal nur am Set für alle Beteiligten gezeigt hätte.

Manta, Manta – Zwoter Teil ist der dritterfolgreichste deutsche Film an den deutschen Kinokassen 2023 und das sagt glaube ich schon alles über das Niveau von Film und Zuschauer.

And the Oscar 2023 goes to..

And the Oscar 2023 goes to..

Es ist endlich wieder soweit: in wenigen Stunden werden die Oscars in Los Angeles verliehen. Es ist mittlerweile die 95. Verleihung des prestigeträchtigsten Filmpreises der Welt, den Academy Awards. Mein Event-Highlight des Jahres.

Oscars 2022 – was ist passiert

Ist letztes Jahr IRGENDWAS passiert? Ach ja, Will Smith verwechselte das Jahr seiner Nominierung mit 2002 als er für seine Performance in Ali nominiert wurde und smackte den Shit aus Comedian Chris Rock, nachdem dieser einen Witz über die Kurzhaarfrisur von Jada Pinkett-Smith machte, die zu diesem Zeitpunkt an Haarausfall litt. Ich für meinen Teil fand den Spruch solide, aber sicherlich kann man sich darüber streiten, wie weit dieser nötig war.

Worüber man jedoch nicht streiten kann, ist der Fakt, dass Gewalt – vor allem vor einem Millionenpublikum – sicherlich keine Lösung ist. Ich weiß noch wie ich letztes Jahr live bei der Übertragung vor dem TV saß und diese Minuten mit Fragezeichen im Gesicht überstehen musste, bis es über Twitter und Leuten vor Ort erste Bestätigungen gab, dass es sich nicht um einen einstudierten Gag handelte. Als dann Will Smith auch noch nur wenige Minuten später ohne ernsthafte Reue den Award für den Besten Hauptdarsteller gewann, war die Story perfekt. Will Smith erlebt zeitgleich den wohl größten als auch beschissensten Tag seiner Karriere und die gesamte Welt schaute dabei zu.

Es folgten halbherzige Entschuldigungen, Rücktritte, der Rausschmiss aus der Academy für 10 Jahre und mindestens 1 beschissenes Karrierejahr indem Will Smith als Persona non grata in Hollywood galt. Er wird zurückkommen und die Leute ihn wieder lieben – doch dies benötigt noch Zeit.

Zurückkommen wird auch Late-Night-Host Jimmy Kimmel, der nach einem meiner Meinung nach gelungenen Versuch mit den Comedians und Schauspielerinnen Regina Hall, Wanda Sykes und Amy Schumer, erneut die Moderation übernimmt und Ruhe in die Sache bringen soll.

Was darf man von den 95. Academy Awards erwarten?

Zum Glück trennt man sich nach nur einem Jahr wieder von anbiedernden Kategorien wie „Cheer Moment„, die so offensichtlich von Bots und großen Fangruppen manipuliert wurden und dadurch trotz vielleicht solidem Hintergedanken einfach eine Farce waren.

Fans dürfen sich auf den Auftritt von Rihanna freuen, die ihren nominierten Song „Lift me Up“ von Black Panther: Wakanda Forever performen wird. Lady Gaga schafft es aufgrund ihrer Verpflichtungen für das Joker Sequel nicht zur Veranstaltung. „Naatu Naatu“ aus dem indischen Hit RRR wird performt werden und hoffentlich für reichlich Spektakel sorgen.

Die ruhigeren Töne im „In Memoriam“-Segment wird Lenny Kravitz dieses Jahr anstimmen.

Schreibt Michelle Yeoh Geschichte indem sie die erste asiatische Schauspielerin wird mit einem Oscar als Beste Hauptdarstellerin? Auch John Williams könnte mit 91 Jahren der älteste Oscar-Gewinner aller Zeiten werden.

Snubs & Surprises

Biggest Snubs:
Bester Hauptdarsteller: Tom Cruise für Top Gun 2: Maverick
Beste Hauptdarstellerin: Viola Davis für The Woman King
Beste Nebendarstellerin: Dolly de Leon für Triangle of Sadness
Bester Nebendarsteller: Paul Dano für Die Fabelmans
Beste Regie: James Cameron für Avatar: The Way of Water, Romain Gavras für Athena oder auch Gina Prince-Bythewood für The Woman King hätten definitiv genauso in dieser Kategorie auftauchen können
Bestes Originaldrehbuch: Seth Reiss und Will Tracy für The Menu
Filme: The Batman, The Whale, The Woman King, Athena, Nope, She said und RRR wurden teils nahezu komplett ignoriert und hätten andererseits durchaus bei Bester Film als auch in etlichen anderen Kategorien landen können

Biggest Surprises:
Asiatische Schauspieler:innen werden gesehen: Michelle Yeoh ist erst die zweite Schauspielerin mit asiatischen Wurzeln, die in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin nominiert wurde. Neben ihr wurden auch Stephanie Hsu, Hong Chau und Ke Huy Quan nominiert
Frische Gesichter: dieses Jahr sind trotz einigen Veteranen so viele erstmalig nominierte Schauspieler:innen dabei wie selten zuvor
Deutschlands „Im Westen nichts Neues“: Super überraschend konnte die Neuauflage von „Im Westen nichts Neues“ sagenhafte 9 Nominierungen abräumen und das Spotlight dieses Jahr nach langer Zeit mal wieder auf Deutschland richten.

Beste Nebendarstellerin / Actress in a Supporting Role

Angela Bassett (Black Panther: Wakanda Forever) | Hong Chau (The Whale) | Kerry Condon (The Banshees of Inisherin) | Jamie Lee Curtis (Everything Everywhere All at Once) | Stephanie Hsu (Everything Everywhere All at Once)

Wahrscheinlich: Angela Bassett / Jamie Lee Curtis Wunsch: Hong Chau / Stephanie Heu
Ich denke Angela Bassett ist hier die Favoritin. Ihr den Sieg und ersten Oscar für eine Performance in einem Marvelfilm könnte ihr am ehesten wohl Jamie Lee Curtis streitig machen, die gerade das Momentum zu haben scheint. Persönlich fänd ich einen Sieg für Hong Chau oder Stephanie Hsu angemessener.

Bester Nebendarsteller / Actor in a Supporting Role

Brendan Gleeson (The Banshees of Inisherin) | Brian Tyree Henry (Causeway) | Judd Hirsch (The Fabelmans) | Barry Keoghan (The Banshees of Inisherin) | Ke Huy Quan (Everything Everywhere All at Once)

Wahrscheinlich: Ke Huy Quan / Wunsch: Ke Huy Quan
Ke Huy Quan gibt hier praktisch nach 40 Jahren sein Comeback in Hollywood und was für eins. Jahrzehnte lang von der Industrie ignoriert worden und bereits den Traum von Hollywood aufgegeben, da klingeln die Daniels an der Tür und bieten Ke Huy Quan diese einmalige Chance. Und Quan füllt diese facettenreiche Rolle so gut aus, man spürt, dass er diesen vielleicht letzten Strohhalm mit aller Kraft greift und festhält. Diese Comebackstory verdient den Oscar.

Beste Hauptdarstellerin / Actress in a Leading Role

Ana de Armas (Blonde) | Cate Blanchett (Tár) | Andrea Riseborough (To Leslie) | Michelle Williams (The Fabelmans) | Michelle Yeoh (Everything Everywhere All at Once)

Wahrscheinlich: Cate Blanchett Wunsch: Michelle Yeoh
Cate Blanchett ist auf dem guten Weg ihren dritten Oscar zu gewinnen und damit in den erlesenen Kreis der Schauspieler:innen aufzusteigen, denen dieses Glanzstück bereits gelang. Verdient hätte sie es für ihre Darstellung der fiktiven Maestro Tár, doch vor allem eine Person hat da dieses Jahr ein Wörtchen mitzureden: Michelle Yeoh. Ihr wurde mit Everything Everywhere All at Once ein Denkmal gesetzt und dieses facettenreiche Schauspiel-Reel in Kombination mit ihrer langen, erfolgreichen Karriere, lassen mich am Ende für Michelle Yeoh hoffen.

Bester Hauptdarsteller / Actor in a Leading Role

Austin Butler (Elvis) | Colin Farrell (The Banshees of Inisherin) | Brendan Fraser (The Whale) | Paul Mescal (Aftersun) | Bill Nighy (Living)

Wahrscheinlich: Austin Butler / Brendan Fraser / Wunsch: Brendan Fraser / Colin Farrell
Mit großer Wahrscheinlichkeit wird entweder Austin Butler oder Brendan Fraser das Rennen am Ende machen. Butler war definitiv das Beste am Film Elvis und konnte in den letzten Wochen wichtige Indikatoren-Preise abräumen, doch mich hat Niemand so sehr berührt von den Nominierten wie Brendan Fraser.

Ähnlich wie auch Ke Huy Quan in der Nebendarsteller-Kategorie, gelingt auch Brendan Fraser unter der Regie von Darren Aronofsky nach Jahrzehnten das Comeback. Fraser wurde damals, nachdem er öffentlich machte von einem Produzenten sexuell belästigt worden zu sein, hinter den Kulissen geblacklisted und für Jahre seiner Karriere beraubt. Nun ist er zum Glück aber wieder da und das besser als jemals zuvor. Seine Leistung in The Whale hat mich echt berührt wie es keiner der anderen konnte und ich wünsche ihm diesen Erfolg.

Bester Film / Best Picture

Die Aussprache | Avatar 2: The Way of Water | The Banshees of Inisherin | Elvis | Die Fabelmans | Everything Everyhwere All at Once | Triangle of Sadness | Tár | Im Westen nichts Neues | Top Gun 2: Maverick

Wahrscheinlich: Everything Everywhere All at Once / The Banshees of Inisherin / Die Fabelmans

Wunsch: Top Gun: Maverick / Everything Everywhere All at Once / Im Westen nichts Neues
Everything Everywhere All at Once ist nach den letzten Wochen der klare Favorit auf die wichtigste Auszeichnung des Jahres und das auch völlig zurecht. Das Projekt war sehr riskant. Es freut mich einfach ungemein, dass so ein kreatives Projekt, das mit soviel Liebe gemacht wurde und bis zur letzten Position sympathisch ist, diese Anerkennung bekommt – egal ob im Feedback der Kritiker und des Publikums oder als auch in finanzieller Hinsicht. Dazu schreibt der Film die besten Geschichten und repräsentiert stark die asiatische Schauspielrige. Auch The Banshees of Inisherin und Die Fabelmans haben durchaus Chancen und wären solide Siegerfilme.

Ich für meinen Teil hatte letztes Jahr aber am meisten mit Top Gun 2: Maverick Spaß und denke man könnte einen Sieg vertreten auch wenn er sicherlich weniger in die Kategorie „pädagogisch wertvoll“ fällt und vom deutschen Überraschungssieg für Im Westen nichts Neues darf man ja wohl auch ein wenig träumen.

Bonus-Kategorien

Beste Regie / Directing

Wahrscheinlich: Daniel Kwan & Daniel Scheinert (EverythingEAAO) / Steven Spielberg (Die Fabelmans) Wunsch: Daniel Kwan & Daniel Scheinert (EverythingEAAO)
Eines steht jetzt schon fest: nach zwei Jahren in Folge, wird es bei den diesjährigen Oscars aufgrund mangelnder Nominierungen den „Beste Regie“-Oscar für einen Mann geben. Beziehungsweise vermutlich sogar 2 Männern. Die Daniels sind in dieser Kategorie verdienterweise die Frontrunner und auch meine Favoriten. Streitig machen könnte es am Ende vermutlich am ehesten noch Legende Steven Spielberg, den man vielleicht ausgerechnet für den Film über seine eigene Jugend und den Beginn seiner Karriere Respekt zollen möchte.

Bestes adaptiertes Drehbuch / Adapted Screenplay

Wahrscheinlich: Die Aussprache / Wunsch: Im Westen nichts Neues
Hätte hier prinzipiell zwar lieber Filme wie beispielsweise She said gesehen, aber so ist Die Aussprache der Favorit in dieser Kategorie. Für mich darf hier Im Westen nichts Neues ruhig den Drehbuch-Oscar mit nach Deutschland bringen.

Bestes Originaldrehbuch / Original Screenplay

Wahrscheinlich: Everything Everywhere All at Once / The Banshees of Inisherin

Wunsch: Everything Everywhere All at Once
Für mich persönlich führt kein Weg an Everything Everywhere All at Once vorbei. Die Geschichte ist gut geschrieben, viel seitig, vielschichtig, komplex – was soll da noch mehr gehen? Größte Konkurrenz ist The Banshees of Inisherin. Martin McDonaghs Drehbücher sind eigentlich immer ein Garant auf Erfolg und hätten am Ende auch den Oscar verdient – wenn die Daniels nicht wären.

Zusammenfassung aller Kategorien

Wunsch:

Hong Chau (Nebendarstellerin)

Ke Huy Quan (Nebendarsteller)

Michelle Yeoh (Hauptdarstellerin)

Brendan Fraser (Hauptdarsteller)

Top Gun 2: Maverick (Bester Film)

Daniel Kwan & Daniel Scheinert (Beste Regie)

Im Westen nichts Neues (adapt. Drehbuch)

Everything Everywhere All at Once (Orig.drehbuch)

Wahrscheinlich:

Angela Bassett (Nebendarstellerin)

Ke Huy Quan (Nebendarsteller)

Cate Blanchett (Hauptdarstellerin)

Austin Butler (Hauptdarsteller)

Everything Everywhere All at Once (Bester Film)

Daniel Kwan & Daniel Scheinert (Beste Regie)

Die Aussprache (adapt. Drehbuch)

Everything Everywhere All at Once (Orig.Drehbuch)

Meine Flop 15 aus dem Jahr 2022

#15 Elvis

Was für mich ausschlaggebend war, den Film hier auf meine Flop-Liste zu packen, ist einfach die todesnervige Inszenierung von Baz Luhrmann (Moulin Rouge, The Great Gatsby). Es gab für mich zwei Filme dieses Jahr, die besonders anstrengend zum Schauen waren und während es bei Everything, Everywhere all at Once um fucking Multiversen geht und es daher durchaus verständlich ist, wenn man manchmal nicht ganz mitkommt beim 1st Watch, geht es bei Elvis ja einfach nur um den Werdegang der titelgebenden Ikone.

Ich fand den Film so überinszeniert und einfach nur ermüdend. Allein diese Szene vom allerersten Auftritt, wo reihenweise die Frauen im Publikum – während sie neben ihren Ehemännern sitzen – in völliger Ekstase durch einen mit seinen Beine wackelnden Elvis quasi zum Höhepunkt gebracht werden, war halt völliger Quatsch. Und so geht das dann noch 2h weiter. Schade, denn Hauptdarsteller Austin Butler passte perfekt und hat echt eine super Leistung abgerufen. Für Tom Hanks hingegen war 2022 eine Scheißjahr, denn neben Pinoccio war er auch hier nicht gut.

#14 Uncharted

Uncharted – Der Film zu einem Spiel, das bekannt und beliebt ist, weil es so inszeniert wird wie ein Film. Klingt unnötig und war es auch. Klar hätte das ein spaßiger Abenteuerfilm werden können und auch mit den vorab kontrovers diskutierten Casting-Entscheidungen für Mark Wahlberg und Tom Holland konnte ich leben auch wenn ich sie nicht für ideal hielt. Doch am Ende spielten beide nur sich selbst und sonderlich viel Chemie war nicht zu spüren. Uncharted schaffte es weder mit seinen Rätseln, den Actionsequenzen oder dem Humor zu punkten so wie es den Spielen ohne große Mühen gelingt. Mittelgroße Enttäuschung.

#13 Morbius

It’s Morbin Time! Die Kritiken zum Film waren vernichtend und das Internet hat den Shit aus diesem Boxoffice-Flop gememet. Durch diese Memes der „Morbheads“ und den dadurch entfachten Buzz auf Social-Media hat das Filmstudio sogar den Glauben bekommen, die Leute würden den Film plötzlich sehen wollen und brachten ihn erneut ins Kino, wo er anschließend natürlich erneut floppte – herrlich.

Das Genre der Superheldenfilme hat dieses Jahr super enttäuscht und Morbius war da keine Ausnahme. Jedoch muss ich sagen, dass er für mich nicht der schlechteste Genrevertreter 2022 war und ich trotz seiner Mittelmäßigkeit in manchen Szenen positiv überrascht wurde. Abschließend bleibt zu sagen, dass Oscargewinner Jared Leto einfach kein Händchen für die richtigen Comicstoffe hat und nach The Suicide Squad nun ein weiteres Mal ins Klo gegriffen hat.

#12 Thor 4: Love & Thunder

Als großer Taika Waititi (Jojo Rabbit) Fan wunderten mich die vielen negativen Kritiken zum vierten Thor Solofilm sehr, vor allem weil der dritte auch schon vom neuseeländischen Regisseur stammte und bei den meisten, inklusive mir, sehr gut ankam. Doch als ich dann Thor: Love & Thunder endlich sah, viel es mir wie Schuppen von den Augen.

Der Film war wirklich ein komplettes Desaster. Der Humor ist zu viel und zündet gleichzeitig aber nur selten. Die dramatischen Momente verlieren auch permanent ihre Wirkung. Einzig Christian Bale als Godslayer Gorr war ein Highlight, obwohl man bei ihm das Gefühl hatte er spielt in einem anderen Film, hat seine Figur immerhin eine nachvollziehbare Motivation.

#11 Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse

Lasst dieses Franchise doch endlich sterben. J.K. Rowling quetscht sich nun schon den drittel Teil aus den Rippen, nichts davon hat mehr irgendwas mit den fantastischen Tierwesen zu tun. Mittlerweile sind wir bei Nazizauberern angekommen. Zusätzlich gibt es im dritten Film auch den dritten Grindewald Darsteller, nachdem man Johnny Depp aufgrund der Amber Heard Vorwürfe rausschmiss und durch Mads Mikkelsen ersetzte.

Dieser Macht seinen Job zugegebenermaßen wenig überraschend sehr gut, stellt aber auch eines der wenigen Highlights dar. Andere Charaktere, die in den letzten Filmen noch als wichtig eingeführt wurden, haben dann einfach gar nichts mehr zu melden in dieser Fortsetzung. Die Handlung des Films ist so unfassbar verwirrend erzählt. Naja, keine Ahnung ob dieser Film nötig war.

#10 Me Time

Drehbuchautor John Hamburg hat vor knapp 20 Jahren die Drehbücher zur „Meine Braut, ihr Vater und ich„-Reihe geschrieben und bereits bewiesen, dass er Komödien kann, doch mit dem Netflixfilm Me Time liefert er eine Gurke des Jahres ab, die sich qualitativ leider seinen letzten Filmen anpasst statt zur alter Stärke zurückzufinden.

Obwohl ich sowohl Mark Wahlberg als auch Kevin Hart mag, vermisste ich hier die Chemie zwischen den beiden Protagonisten. Was bleibt dann noch, wenn zusätzlich auch kaum ein Witz zündet? Richtig: nicht viel. Manchmal versucht der Film dann genreüblich auch ein paar ernsthaftere, emotionale Noten reinzuquetschen ohne sichtlichen Erfolg. Am Ende wird sich Me Time nur für Wahlberg und Hart gelohnt haben – für den Paycheck.

#9 Halloween Ends

Entgegen der meisten Kritiker hat mir der zweite Teil der neue Halloween-Trilogie, Halloween Kills, noch weitestgehend gut gefallen, beim schaurigen Abschluss Halloween Ends stimme ich aber dem allgemeinen Konsens zu: Leider eine herbe Enttäuschung.

Handlungsstränge, die David Gordon Green noch im Vorgänger angefangen hat, werden jetzt komplett ignoriert, obwohl sie gigantischen Einfluss haben müssten. Unseren Michael Myers stellt man irgendwie auf das Abstellgleis für 90% des Films, um stattdessen plötzlich einen weiteren Gegenspieler einzuführen, der statt sich einfach gegen so paar Dullibullies, die er körperlich übertrifft, zu wehren, lieber zum Serienmörder wird.

Immerhin gibt es ein paar nette Kills – auch wenn der neue Killer fast alle davon bekommt und somit Screentime für ihn gebündelt wird. Zusätzlich gibt es dann noch eine merkwürdige erzwungene Liebesgeschichte, die nur weitere Fragen aufwirft und arg komisch wirkt. Die Geschichte um Laurie (Jamie Lee Curtis) findet zwar ihr Ende, der Weg dorthin ist nur leider recht steinig.

Damit ist die Trilogie wenig zufriedenstellend abgeschlossen und wurde von Teil zu Teil schlechter. Doch machen wir uns nichts vor: Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Michael Myers über die Leinwand slashert.

#7 The 355

Jessica Chastain, die ich für eine der besten und sympathischsten Schauspielerinnen halte und die in diesem Jahr auch verdient den Oscar gewonnen hat, brachte diesen Film auf den Weg. Als Produzentin und Hauptdarstellerin bewarb sie ihn als endlich mal einen tollen Actionfilm, der durch seinen weiblichen Fokus ja soviel anders wäre und vieles besser machen sollte als es der typische testosterongeladene Agentenfilm üblicherweise macht.

Herausgekommen ist aber genau das Gegenteil. Es handelt sich um ein generisches Abziehbild eines 0815 Agentenfilms, der so schon tausende Male existiert. Vorhersehbare Geschichte und Twists kombiniert mit shaky-cam-Actionszenen können selbst vom namenhaften, oscarprämierten Cast nicht gerettet werden.

#6 Jurassic World: Dominion

Dieses Franchise findet sein unrühmliches Ende. Den ersten Teil fand ich noch ganz unterhaltsam trotz mittelmäßiger Qualität, den zweiten Teil fand ich immerhin teils sehr atmosphärisch inszeniert auch wenn er noch dümmer war, doch der dritte Film macht einfach nur alles falsch.

Die Charaktere sind nach 3 Teilen einfach noch genauso langweilig, dumm und belanglos, so dass man sich extra den Originalcast aus den 90s ins Boot holen musste, um überhaupt Figuren zu haben, die einen interessieren. Aus dem Ende des zweiten Teils, macht man fast nichts. Die Idee, dass die Dinos nun mit uns leben, wurde so wenig ausgebaut und hauptsächlich in einer 60 Sekündigen Montage abgehandelt, stattdessen war man der Meinung, dass man nun Killerheuschrecken statt Dinos in den Mittelpunkt stellen müsste?!

Die Effekte, der Plot & Chris Patts millionenfach gememte Handgestik, die auch in diesem Film das Allheilmittel für alle Probleme ist, machen diesen Film zu einem furchtbaren Abschluss der Trilogie.

#5 Black Adam

„The Hierarchy of Power in the DC Universe is about to change“. Mit dieser Ankündigung hat Dwayne “The Rock” Johnson monatelang sein Passion-Project beworben. Seit 10-15 Jahren würde The Rock wohl schon am Stoff und der Umsetzung für den DC Antihelden “Black Adam” arbeiten. Alles würde mit ihm und diesem Film anders werden. Well, that one backfired.

Der Film ist leider absolute 0815 Superheldenkost, mit weitestgehend langweiligen Actionsequenzen, weil Black Adam wie Superman einfach ein langweiliger, gottgleicher Charakter ist. Die Erzählweise und Geschichte an sich ist auch nicht mehr als Standard. Zudem ist der schwächste Charakter ausgerechnet Black Adam selbst.

Eines der wenigen Highlights war für mich der Kampf, wo die Charaktere der Justice League einen kleinen Cameo haben. Auch von Pierce Brosnans Figur hätte ich gerne mehr gesehen. Ein weiterer Lichtblick war die Post-Credits-Szene. Wie man mittlerweile weiß, ist aber genau diese Post-Credits-Szene irrelevant geworden.

Denn am Ende war das Einspielergebnis enttäuschend und DC hat seine Chefetage ausgetauscht und erhofft sich durch James Gunn eine positive Neustrukturierung. Erste Amtshandlung: Henry Cavill als Superman und The Rock als Black Adam kommen vorerst nicht zurück auf die Leinwand.

#4 Tod auf dem Nil

Regisseur und Schauspieler Kenneth Branagh hält den Rekord als einzige Person in 7 verschiedenen Kategorien für den Oscar nominiert worden zu sein. Er gewann erst dieses Jahr für das beste Original-Drehbuch für seinen autobiographischen Film Belfast den Goldjungen. Und dennoch schafft auch dieser Überflieger hin und wieder absolute Grütze abzuliefern.

Tod auf dem Nil ist nach Mord im Orientexpress bereits der zweite Agatha Christie Stoff, den Branagh als Regisseur und Hauptfigur Hercule Poirot inszenierte. Beide Filme kommen nicht an die Originalverfilmungen ran, aber Tod auf dem Nil ist meiner Meinung nach deutlich schlechter als Mord im Orientexpress. Der Cast ist zwar hochwertig, kommt aber kaum zur Geltung. Statt an einem richtigen Set zu drehen, ist der Film ein reines Greenscreen-Massaker der schlechteren Sorte. Insgesamt ein hässlicher, belangloser Film.

#3 Moonfall

Roland Emmerich Filme sind entweder großer Müll oder immerhin unterhaltsames Katastrophenkino. Leider reiht sich Moonfall nicht zu Filmen wie Independence Day oder 2012 ein, sondern eher zur schlechteren Müllkategorie. Wie immer rudert der gute Cast rum, um die Quatschstory irgendwie zu tragen, die Effekte sind maximal mittelmäßig und zum Ende hin versucht uns der Film noch eine weitere Ebene in der Geschichte aufzudrücken, die einfach gar nicht funktioniert. Langweilig

#2 Choose or Die

Bekloppter Netflix-Horrorfilm von der Stange. Netflix hat dieses Jahr ein paar sehr gute Produktionen veröffentlicht, aber Choose or Die ist vermutlich eine der miesesten des Jahres. Die Idee von einem uralten Spiel, das den Spieler dazu zwingt eine Wahl zu treffen oder andernfalls zu sterben, ist schon doof, aber wenn dann auch noch alles übernatürlich ist, kann ich damit gar nichts anfangen.

Ich finde, wenn man die Geschichte eher als ein Psychothriller aufgezogen hätte und ein Psychopath seine Spieler erpresst und zu einer Wahl zwingt, hätte ich damit mehr anfangen können. Stattdessen gibt es eine überirdische Komponente, die sich an nichts halten muss, alles weiß und mit den Protagonisten macht was sie will. Dazu noch paar billige Effekte und fertig ist ein langweiliger Horrorfilm.

Mittlerweile hat man so viele coole Ideen für das Horrorgenre – alleine in diesem Jahr mit beispielsweise Malignent, X, The Barbarian oder Smile, da stinkt ein Choose or Die gnadenlos ab.

#1 Pinocchio (Zemeckis, Disney)

Zemeckis hat mit Filmen wie der „Zurück in die Zukunft„-Trilogie, Forrest Gump oder Cast Away bereits viele Klassiker zur Filmhistorie beigetragen. Wenn er das gerade nicht tut, dann kommen so Filme wie Pinocchio raus, die optisch so unterirdisch und uncanny aussehen, dass man sich ernsthaft fragen muss, wer das durchgewunken hat.

Inszenatorisch kann Disneys Neuauflage leider nicht viel und Amerikas beliebtester Schauspieler, Tom Hanks, kommt hier mit einem furchtbaren Akzent und einer seiner schlechtesten Performances seiner Karriere daher. Alles in Allem wischt die Pinocchio Version von Guillermo Del Toro dieses Jahr und für alle Zeit den Boden mit Zemeckis Variante auf – in allen Belangen. Höchststrafe, wenn ein Kollege im selben Jahr den gleichen Stoff verfilmt und um 10 Stufen besser ist.